mini|Erwin Liek

Erwin Liek (* 13. Mai 1878 in Löbau in Westpreußen; † 12. Februar 1935 in Berlin) war ein deutscher Arzt und Publizist.

Leben Liek studierte von 1896 bis 1902 Medizin an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Königsberg, wo er 1902 promoviert wurde. Nach einem Jahr als Schiffsarzt, das ihn nach Togo, Kamerun, Süd- und Nordamerika führte, war er Assistenzarzt in Wiesbaden, Greifswald und Danzig, wo er 1909 eine eigene chirurgische und gynäkologische Privatklinik eröffnete.

Während des Ersten Weltkrieges war er als Stabsarzt an der Ost- und Westfront chirurgisch tätig und nahm nach Kriegsende seine Danziger Praxis wieder auf.Erwin Liek: Am Kamin. Aus der Sandgrube und andere Erinnerungen-, Lehmann, München 1935. Im Jahr 1931 verkaufte er diese Klinik.Wolfgang U. Eckart: Erwin Link, in: Wolfgang U. Eckart und Christoph Gradmann (Hrsg.): Ärztelexikon. Von der Antike bis zur Gegenwart, 3. Auflage Springer Heidelberg, 2006, S. 210. Ärztelexikon 2006, doi:10.1007/978-3-540-29585-3.

Ab 1925 trat Liek auch als Publizist hervor, seine Themen waren vor allem die Beziehung zwischen Naturheilkunde und „Schulmedizin“ (Das Wunder in der Heilkunde, Lehmann, München) und die ärztliche Ethik (Der Arzt und seine Sendung, J. F. Lehmanns Verlag, München 1926; 9. Auflage ebenda 1933).

Hier schreibt er:

Stark ablehnend stand Liek der gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber:

Liek begrüßte schon im Jahr 1926 Eugenik und Euthanasie. Idioten und Epileptiker brauche man nicht in Musteranstalten zu pflegen, während gesunde Volksgenossen weder Obdach noch Arbeit fänden.

Im Jahr 1928 gründete Liek die allgemeinmedizinische, im Sinne damaliger Einheitsbestrebungen anfangs Mediziner, Medizinhistoriker, Homöopathen, Psychologen und Parapsychologen vereinende Zeitschrift Hippokrates, die Homöopathie und gesunder Ernährung aufgeschlossen gegenüberstand und an der Ärzte wie Bernhard Aschner, Eugen Bircher und der Medizinhistoriker Henry E. Sigerist mitarbeiteten. Ab 1932 lebte Liek als freier Schriftsteller in Berlin. Liek und seine Reformbestrebungen wurden von den Nationalsozialisten nach 1933 als grundlegend für eine Erneuerung des ärztlichen Standes angesehen, obwohl Liek nie Mitglied der NSDAP gewesen war. Ab 9. April 1936 wurde die Zeitschrift Hippokrates offizielles Organ der Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde.Alfred Haug: Die Reichsarbeitsgemeinschaft für eine Neue Deutsche Heilkunde (1935–1936). In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 2, 1984, S. 117–130; hier: S. 118 f. Die Leitung des Rudolf-Heß-Krankenhauses in Dresden lehnte Liek aus gesundheitlichen Gründen ab.

mini|Erwin Lieks Grabstein auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend Erwin Liek starb im Februar 1935 im Alter von 56 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend.

Nach seinem Tode wurde das Humboldt-Krankenhaus in Berlin-Reinickendorf nach ihm benannt, das nach 1945 wieder seinen alten Namen erhielt.

Werke

Literatur

Alfred Brauchle: Dr. med Erwin Liek. In: derselbe: Geschichte der Naturheilkunde in Lebensbildern. 2. erw. Aufl. von Große Naturärzte. Reclam-Verlag, Stuttgart 1951, S. 327–330 Michael Kater: Die Medizin im nationalsozialistischen Deutschland und Erwin Liek, in: Geschichte und Gesellschaft (GG) 16, 1990, S. 440 Michael Jehs: Erwin Liek. Weltanschauung und standespolitische Einstellung im Spiegel seiner Schriften. Mabuse, Frankfurt 1994, ISBN 978-3-925499-89-0 Herbert Broghammer: Der Danziger Arzt Erwin Liek (1878–1935). Chirurg und Medienpublizist in der Medizinkrise vor 1933. Centaurus-Verlag, Herbolzheim 2000, ISBN 3-8255-0276-7 Robert N. Proctor: Blitzkrieg gegen den Krebs. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3-608-91031-X – Vgl. Erwin Liek: Der Kampf gegen den Krebs. Lehmann, München 1934. Hans-Peter Kröner: Liek, Erwin. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 854 f.

Quellen

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