mini|hochkant=1.4|Kirche von Süden (2008) mini|Chor Das Kloster Sonnenkamp in Neukloster wurde 1219 von Heinrich Borwin I. und dem Schweriner Bischof Brunward in Parchow als Nonnenkloster gegründet, zog aber schon nach acht Jahren in den Ort Kuszin, das spätere Neukloster.

Geschichte Bereits 1171 hatte sich Bischof Berno von Schwerin verpflichten müssen, in seinem 1160 gegründeten Bistum Schwerin ein Nonnenkloster zu errichten. Infolge der um 1178 ausgebrochenen Unruhen misslang der Versuch einer Stiftung in Bützow. 1191 verstarb Bischof Berno.

Klostergründung in Parkow Als tüchtiger und tatenfroher Mann versuchte es um 1210 der neue Bischof Brunward gemeinsam mit dem Fürsten Borwin I. in Parkow, dem heutigen Parchow bei Westerbrügge, nicht sehr weit vom Kloster Doberan entfernt, das erste Nonnenkloster des Landes zu gründen. 1211 der Gottesmutter und dem Evangelisten Johannes geweiht, führte es den Namen Sonnenfeld oder Sonnenkamp. Die Gründung erwies sich jedoch nicht als fruchtbar und so wurde das Kloster in die schützende Nähe der slawischen Burg Kutschin (Kuczin, Cuszin) mit dem schon etwas mehr beruhigten Hinterland verlegt. Das wendische Dorf Cuszin übernahm fortan den Namen Campus Solis, Sonnenkamp, der jedoch bereits nach 1250 von der auf die Umsiedlung zurückzuführende Bezeichnung Neukloster verdrängt wurde.Friedrich Schlie: Die Amtsgerichtsbezirke Hagenow, Wittenburg, Boizenburg, Lübtheen, Dömitz, Grabow, Ludwigslust, Neustadt, Crivitz, Brüel, Warin, Neubukow, Kröpelin und Doberan (= Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 3). Schwerin 1899, S. 445–446.

Gründung des Klosters St. Maria im Sonnenkamp Nach der fürstlichen Gründungsurkunde mit Siegel(MUB) Nr. 254. hatten 1219 Fürst Borwin I. mit seiner zweiten Ehefrau Adelheid und mit Bischof Brunward und seinem Domkapitel den Gründungsakt des neuen Klosters St. Maria im Sonnenkamp vollzogen. Neben Abt Johannes von Lübeck wurde hier schon der neue Doberaner Abt Mattheus als Zeuge genannt. Nach einer zweiten bischöflichen Urkunde mit Siegel(MUB) Nr. 255. bestätigte Bischof Brunward 1219 die Klostergründung im Sonnenkamp nach den Regeln des heiligen Benedikt. Nachdem ab August 1219 der Fürst Borwin I. und Bischof Brunward wieder im Land waren, erfolgte am 1. Oktober 1219 in der Zisterzienserabtei Doberan die Beerdigung des ersten christlichen Fürsten Mecklenburgs, Pribislaw. Es ist anzunehmen, dass während dieser Versammlung vor hohen Gästen und vornehmen Zeugen dort auch das erste Frauenkloster als NEUES KLOSTER begründet wurde.Josef Traeger: Der Plan wird Wirklichkeit. In: St. Maria im Sonnenkamp. Leipzig 1979, S. 10–12. Historische Namensformen sind Sunnevelt (1219), nunc Campus soli Vocatur (1219),(MUB) Nr. 260. Novum Claustrum (1243), Nyghencloster (1291), Nyencloster (1398) und Nyenkloostere (1399).

Der im Sonnenkamp eingezogene Nonnenkonvent kam aus der Niederlassung zu Parkow. Auch das Marienkloster in Bergen auf Rügen war als Mutterkloster beabsichtigt gewesen, doch eher kam das Benediktinerinnenkloster in Arendsee in der Altmark in Frage, denn Adelheid, die zweite Gemahlin Fürst Borwins I., war eine märkische Prinzessin, die durch gute Beziehungen zum Kloster Arendsee die ersten Benediktinerinnen nach Mecklenburg brachte.

Nach 1245 nahm der Konvent die Regeln der Zisterzienser an, was vermutlich auf den Einfluss der mächtigen Zisterzienserabtei Doberan zurückzuführen ist. In einem Schutzbrief des Papstes Clemens IV. vom 26. Mai 1267(MUB) Nr. 1120. wurde erstmals über ein zisterziensisches Kloster als Cysterciensis ordinis berichtet und das Kloster werde durch eine Priorin regiert und befolge die Regeln des heiligen Benedikt nach den Gewohnheiten der Zisterzienserbrüder ….

Das eigentliche Kloster Schon bald nach der Neugründung wurde offenbar mit großer Tatkraft der Bau begonnen. In unverhältnismäßig kurzer Zeit war in drei Bauperioden (1219–1227–1240) das große Gotteshaus im Wesentlichen erbaut und konnte 1236 der heiligen Jungfrau Maria und dem heiligen Johannes Evangelista geweiht werden. Vermutlich waren Bauleute des 1220 fertiggestellten Ratzeburger Doms an der Erbauung beteiligt.

Im 13. und 14. Jahrhundert erwarb das Kloster durch Schenkungen, Kauf und Tausch umfangreiche Gebiete. Allein zwischen 1319 und 1320 fanden sieben Fürstenbesuche statt. 1362 befanden sich 37 Dörfer und Güter in seinem Besitz. Es verfügte bei diesen Kultivierungsaufgaben auch über die niedere, später sogar über die höhere Gerichtsbarkeit.

Das gesamte Klosterleben der Gemeinschaft folgte einer strengen Ordnung. An der Spitze des Konvents stand von Anfang an eine Priorin, keine Äbtissin. In Abhängigkeit vom zuständigen Diözesanbischof von Schwerin war sie nicht nur die gottgesetzte Obrigkeit für die Nonnen, sondern auch Rechtsvertreterin des Klosters zusammen mit dem Propst. Der Propst war auch Archidiakon für die sehr weit auseinanderliegenden Patronatskirchen in Brunshaupten, Kessin, Below, Techentin, Dabel, Nakensdorf, Bäbelin und Nakenstorf. Die Verwaltung der wirtschaftlichen Angelegenheiten und internen Bedürfnisse im Kloster oblagen der Celleraria, die äußeren Aufgaben wirtschaftlicher Art wurden durch den Propst wahrgenommen. Die Nonnen unterhielten eine Klosterschule, auch für Singeschüler der näheren Umgebung. Sie leisteten Krankenpflege(MUB) Nr. 879, 1231. und gewährten Durchreisenden Unterkunft.

Nach 1400 wurde das am weitesten von der Kirche entfernt stehende Haus wohl aus Spenden der Reliquienwallfahrer neu errichtet. Durch die Verehrung von Reliquien und die damit verbundene große Anzahl von Wallfahrern war der Vorgängerbau zu klein geworden. Bischof Detlev von Ratzeburg und Bischof Rudolph von Schwerin bewilligten am 8. August 1399 und am 30. Juli 1400 Ablass all denen, die in reumütiger Gesinnung auf dem Hohen Chore ausgestellten Reliquien besuchen und verehren würden. Dabei wurden Almosen für einen notwendigen Bau erbeten.Josef Traeger: St. Maria im Sonnenkamp. Leipzig 1979, S. 25, 31.

Das Kloster nach der Reformation In einer Urkunde vom 28. März 1460 erwähnt Herzog Heinrich eine innerkirchliche Reformation im Kloster Sonnenkamp und am 25. Dezember 1520 soll es erneut reformiert worden sein.

1552 schickte Herzog Ulrich I. von Mecklenburg-Schwerin als Administrator den ersten lutherischen Prediger Joachim Reimers aus Rostock nach Neukloster. Er durfte nicht in die Klosterkirche und wohnte mangels eines Pfarrhauses im Fischerhaus. Einige Jahre nach Einführung der Reformation in Mecklenburg 1549 auf dem Landtag an der Sagsdorfer Brücke nahe Sternberg wurde auch das Kloster Sonnenkamp 1555 säkularisiert. Ein Aufhebungsprotokoll ist nicht vorhanden. Noch 1581 lebten unter der „papistischen“ Anna von der Lühe Nonnen im Kloster, die sich 25 Jahre nach der verfügten Aufhebung entschieden der verlangten Herausgabe des Kirchenornates widersetzten. Zehn Jahre später wurde 1592 schon vom Abbruch einzelner Klostergebäude und dem einsetzenden Verfall der Klosteranlage berichtet.

Nach dem Fahrenholzer Teilungsvertrag 1621 wurde Herzog Johann Albrecht II. Eigentümer und Neukloster wurde fürstlicher Amtssitz. Nach dem Dreißigjährigen Krieg fiel 1648 der Klosterbesitz mit der Stadt Wismar und Teilen der Insel Poel an Schweden. Unter König Gustav IV. gelang es 1803 Herzog Friedrich Franz I. im Malmöer Pfandvertrag von 1803 diese Gebiete gegen eine Summe von 1,25 Millionen Taler auszulösen und für 100 Jahre an Mecklenburg zu binden. 1903 verzichtete Schweden auf die Einlösung.

Zwischen 2006 und 2008 wurde der alte Klostergarten südlich der Propstei als Streuobstwiese wieder hergestellt. Im Zuge der Arbeiten kamen auch die Grundmauern eines spätmittelalterlichen Gebäudes zum Vorschein. Der Lage nach scheint es sich um die ehemalige Wasserkunst der Klosteranlage zu handeln, die das Wasser einer Quelle am Sonnenberg zu den Klostergebäuden, wie Brauhaus und Backhaus, verteilte.LAKD: Ortsakte Neukloster, Grabungsdokumentation und archäologische Baubegleitung 2006–2008. Der Umriss der Wasserkunst wurde mit Back- und Feldsteinen im Garten nachgezeichnet.

Die Klosteranlage mini|Vermauerte Arkade zum ab­ge­trennten Nordseitenschiff Nur ein kleiner Teil der Klostergebäude hat sich bis in die heutige Zeit erhalten. Dazu gehören neben der Kirche noch der Glockenturm und die Propstei mit dem Rest des Braunshaupt genannten Gebäudes. Die Klausur mit den Konventsgebäuden fehlen.

Klosterkirche Die Klosterkirche St. Maria gehört zu den ältesten erhaltenen steinernen Bauten Mecklenburgs. Während die untere Hälfte der Umfassungsmauern von Chor und Querhaus noch aus einer spätromanischen Bauphase Mitte der 1230er Jahre stammt, entstand der obere Mauerbereich um 1240 ab Sohlbankhöhe der Querhausfenster mit einem anderen Backsteinformat und in frühgotischen Formen. Die Lisenen des Chorgiebels sind oben etwas breiter, die des Südquerhauses oben etwas schmaler. An Chor und Querhaus wurden nur in den oberen Teilen dunkel glasierte Backsteine verwendet, an Fenstern, Friesen und Giebeldreiecke. Um Mitte 1244 wurde das dendrochronologisch datierte Dachwerk aufgerichtet und unmittelbar danach die Giebel aufgemauert. In der anschließenden dritten Bauphase wurde das Langhaus errichtet. Mit aufwändigem Backsteindekor ist sie an der oberen Zone der Ostteile orientiert, in der großen Form aber etwas schlichter. Die Ostteile sind eingewölbt, das Langhaus ist auf eine Holzdecke angelegt. Im Rohbau wurde es um 1250 fertiggestellt.Tilo Schöfbeck: Neukloster. 2016, S. 630.Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 363. Die Gewölbe der Ostteile schließen in ihrer Konstruktion an die vereinfachte rippenlose Form westfälischer Domikalgewölbe an.In der Großen Marienkirche zu Lippstadt, im Herforder Münster und im Paderborner Dom ist jeweils nur ein einziges Gewölbe mit Rippen ausgestattet.

Zunächst hatte die Kirche im Winkel zwischen Chor und Südquerhaus zwei niedrige Kapellen und an der Nordseite des Langhauses ein niedriges Seitenschiff. An die südliche Längswand des Mittelschiffs grenzte der Nordflügel des Kreuzgangs.

Heute ist die Kirche ein einschiffiger, kreuzförmiger Bau ohne Apsiden. Die Länge beträgt 51 m, die Breite des Kirchenschiffes 10,9 m. Von besonderer Bedeutung ist das weitgehend vollständig erhaltene Dachwerk aus den Jahren 1244 bzw. 1251,Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirche zwischen Trave und Peene. 2014, S. 363. eines der größten romanischen in Norddeutschland. Als eine frühe Form des sogenannten Kreuzstrebendachs, einer Konstruktionsform, die auf die neuen Anforderungen gewölbter Gebäude reagierte, haben sich eigenständige Dachgefüge über Chor und Querhaus sowie dem Langhaus erhalten.Tilo Schöfbeck: Neukloster. 2016, S. 629. Stilistisch weist das Bauwerk die Merkmale des Übergangsstils zur Frühgotik auf; es ist mit Lisenen gegliedert und zeigt Rundbogenfriese, Dreifenstergruppen und opus spicatum.

Der Westgiebel wurde im 19. Jahrhundert erneuert und entsprechend gestaltet. Das Langhaus war wohl gewölbt geplant, wurde aber mit Flachdecke ausgeführt. Südlich schloss ursprünglich die Klausur an, an der Außenwand sind die Ansatzspuren zu erkennen. Im Querschiff und im Chor finden sich Grabplatten mit Ritzzeichnungen.

Die Klosterkirche dient heute als Gottesdienststätte der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Neukloster in der Propstei Wismar im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.Zugehörigkeit der Gemeinde mini|Gotischer Schnitzaltar (2008) Schnitzaltar