Adobe Illustrator (kurz Ai) ist ein vektorbasiertes Grafik- und Zeichenprogramm. Es dient also dem Herstellen von Computergrafiken, die man ohne Qualitätsverlust beliebig in ihrer Größe verändern kann – im Unterschied zu pixelbasierten Bildbearbeitungsprogrammen wie z. B. Photoshop.
Allgemeines Das Programm wurde 1987 von dem kalifornischen Softwareunternehmen Adobe Inc. für den Apple Macintosh entwickelt und wird bis heute von Adobe gepflegt und vermarktet. Es läuft auf den Computerbetriebssystemen Windows sowie Apple macOS und gilt mit Stand 2021 als Standardanwendung auf dem Gebiet der Vektorgrafik.
Von der Klassifizierung her liegt Illustrator zwischen technisch orientierten, ebenfalls vektorbasierten CAD-Programmen wie Autodesk AutoCAD und künstlerisch ausgerichteten, pixelbasierten Mal- und Bildbearbeitungsprogrammen wie Corel Painter und Adobe Photoshop. Alternativen zu Adobe Illustrator sind u. a. Canva Affinity, Corel Draw und Inkscape. Illustrator hebt sich von einigen seiner Wettbewerbern durch seine nichtdestruktive Arbeitsweise ab. Es ist also möglich, Grafik zu konstruieren, die bis zu einem späten Zeitpunkt im Workflow editierbar ist. Das ist ein Grundprinzip von objektorientierter Software; zusätzlich zu den üblichen Funktionen (Kontur- und Flächeneigenschaften, Muster, Verläufe, Pinsel) bietet Illustrator viele seiner Funktionen auch als vektorbasierte Live-Effekte, die sich Pfaden, Gruppen und Ebenen zuweisen lassen. Darüber hinaus gibt es besondere Live-Objekte, die editierbar bleiben wie Interaktives Malen (Floodfill), Aussparungsgruppen, Wiederholung, Verflechtung (zum „Durchbrechen“ der Stapelreihenfolge), Angleichung (Morphing), Verzerrungshüllen oder Perspektivenobjekte. Selbst vektorisierte Bilder erlauben eine Nachbearbeitung der Optionen.
Dateispeicherformat Illustrator speichert Dateien in ein eigenes Format (.ai), das auf der Mitte der 1980er Jahre etablierten Protokollsprache für Laserdrucker, PostScript, aufsetzte. Die Software war dennoch nie ein echter PostScript-Editor.
Illustrator kann auch im PDF- und SVG-Format speichern.
Name Der Name Illustrator wies von Anfang auf die Zielgruppe hin: Illustratoren, vor allem aus der Werbebranche. Wie andere Vektorgrafiksoftware wird Illustrator jedoch sehr viel breiter eingesetzt, z. B. für das Design von Logos, Signets, Icons, Infografik, kleinere Satz- und Layoutaufgaben, Modedesign, Muster, Kartografie oder Verpackungsdesign.
Entwicklungsgeschichte
Historisch war Illustrator die erste kommerzielle Grafikanwendersoftware, die Bézierkurven zur mathematisch exakten Beschreibung geometrischer Formen benutzte. Lediglich die Schriftentwurfsapplikation Fontographer nutzte Bézierkurven bereits ein Jahr zuvor. Ventura Publisher besaß ein Freihand-Linienzeichner-Werkzeug.
Im Oktober 2020 wurde eine Version für das iPad veröffentlicht, deren Dokumente mit der Desktopversion kompatibel sind, die jedoch über einen deutlich geringeren Bestand an Funktionen verfügt.
Adobe Illustrator 1.1 – 19. März 1987 (Macintosh) Die erste Illustratorversion verfügte nur über grundlegende Zeichenwerkzeuge. So gab es beispielsweise keine Möglichkeit, Objekte mit Löchern zu erstellen. Zudem gab es einen speziellen Vorschaumodus, in dem die Zeichnung nicht bearbeitet werden konnte.
Adobe Illustrator 88 – 1988 (Macintosh) Trotz einer vereinfachten Benutzerführung und einiger neuer Werkzeuge (Überblendung, Freihandwerkzeug, Maßband, Pausstift sowie Farben, Masken und Muster) war es immer noch nicht möglich, Zeichnungen im Vorschaumodus zu bearbeiten oder Objekte mit Löchern zu erstellen.
Adobe Illustrator 2.0 – 1989 (Windows) Der ersten Illustrator-Version für Windows war kein großer Erfolg beschieden. CorelDRAW war damals Illustrator von Funktionsumfang und Bedienerfreundlichkeit her weit überlegen.
Adobe Illustrator 3.0 – 1990 (Macintosh, NeXT, Unix) Auch in dieser Version war immer noch keine Bearbeitung im Vorschaumodus möglich, doch wurden verknüpfte/zusammengesetzte Pfade (compound paths) eingeführt und somit die Möglichkeit, auch Objekte mit Löchern zu erzeugen. Weitere neue Funktionen waren unter anderem Diagramme, Direktauswahlwerkzeug, Gruppenauswahlwerkzeug, Lupe, Zentrieren, abgerundetes Rechteck, Ellipse vom Mittelpunkt, Transformierwerkzeuge und verbesserte Pfadbearbeitung. Zudem konnte man in dieser Version auch auf nicht-postscriptfähigen Druckern ausdrucken. Die Versionen für NeXTStep und andere Unix-Plattform waren kein sonderlicher Erfolg, da sich beide Plattformen im Anwenderbereich nicht durchgesetzt haben.
Adobe Illustrator 4.0 – 1992 (Windows) Auch diese Version brachte für Adobe keinen großen Erfolg in der Windowswelt, da Corel Draw sich schon etabliert hatte und Illustrator 4.0 keine Weiterentwicklung von Version 3.0 für Macintosh war. Trotzdem gab es kleine Verbesserungen wie die Bearbeitung im Vorschaumodus.
Adobe Illustrator 5.0 – 1993 (Macintosh) Nun konnte man auch am Macintosh seine Zeichnungen direkt im Vorschaumodus bearbeiten. Die Benutzeroberfläche wurde verändert, und die schwebenden Paletten erhielten Einzug. Neben der vergrößerten Arbeitsfläche wurde die Undo-Funktion erweitert. Viele noch heute bekannte Werkzeuge (Messer, Seitenpositionierer, kalligraphischer Pinsel, Farbeimer, Farbverläufe, Ebenen) kamen hinzu.
Adobe Illustrator 5.5 – 1994 (Macintosh) Diese Version lief nativ auf einem Power Macintosh und brachte verbesserte Import-/Export-Filter mit. So konnte man nun PDF-Dateien öffnen und direkt exportieren. Die typographischen Fähigkeiten wurden ebenfalls stark verbessert. So gab es endlich Spalten und eine Tabulatorstopp-Palette.
Adobe Illustrator 4.1 – 1995 (Windows) Neben der besseren Unterstützung von Windows 95 gab es keine nennenswerten Verbesserungen. Alle Grafikprogramme für den PC (und auch Illustrator für den Mac) hatten zu jener Zeit Illustrator für Windows weit hinter sich gelassen.
Adobe Illustrator 6.0 – 1996 (Macintosh) Diese Version bot weiter verbesserte Importfilter, wodurch es möglich war, TIFF-, PDF-, EPS- und PSD-Dateien zu platzieren. Zudem wurden nun Photoshop-Filter direkt unterstützt und auch einige von ihnen mitgeliefert. Neue Funktionen waren unter anderem In Pixelbild umwandeln, Stern- und Polygonwerkzeuge, Spiralwerkzeug, Wirbel-Werkzeug, Ausrichten-Palette, Farbseparation, mathematische Operationen in den Paletten und Drag-and-Drop-Unterstützung. Die stark veränderte Benutzerführung bei der Pfadbearbeitung (an Photoshop angeglichen) hielt viele Käufer von einem Update ab.
Adobe Illustrator 7.0 – 1997 (Macintosh, Windows) Erstmals gab es eine Windows-Version, die den gleichen Funktionsumfang bot wie die Macintosh-Version. Die Benutzeroberfläche wurde noch weiter verbessert (verschachtelbare Paletten), und durch den Siegeszug des WWW kam auch erstmals die Fähigkeit in das Programm, mit RGB-Farben zu arbeiten. Das Textwerkzeug wurde um vertikale Ableger erweitert, und das Diagrammwerkzeug erhielt neue Diagrammarten. Auch das Farbmanagement wurde von Adobe nicht vernachlässigt, und Illustrator wurde mit der Multiple-Master-Palette das erste Programm, das solche Schriften direkt ohne den Adobe Type Manager verwenden und modifizieren konnte.
Adobe Illustrator 8.0 – 1998 (Macintosh, Windows) Mit jeder Version kamen Fähigkeiten von Photoshop auch zum Illustrator, und somit enthielt Illustrator nun eine Aktionspalette, Navigatorpalette und die Möglichkeit, Dateien mit Ebenen nach Photoshop zu exportieren. Eine große Neuerung war das Verlaufsgitter, das dank PostScript 3 und PDF auflösungsunabhängige flexible Verläufe ermöglichte. Die magnetischen Hilfslinien und Frei-Verzerren-Werkzeug erhöhten deutlich die Produktivität, und die Bild- und Spezialpinsel machten Zusatzprogramme wie Fractal Design Expression teilweise überflüssig. Zudem gab es endlich nachträglich anpassbare Überblendungen, wie es andere Programme schon länger boten.
Adobe Illustrator 9.0 – 2000 (Macintosh, Windows) Die längere Entwicklungszeit gegenüber vorherigen Versionen machte sich in einem enormen Technologiesprung bemerkbar. Illustrator 9 war das erste Vektorprogramm, das Transparenzen in guter Qualität (und teilweise weiter auflösungsunabhängig) ausgeben konnte. Zwar hatte Corel Draw schon seit geraumer Zeit Transparenzen verfügbar, doch wurden diese in jedem Fall in Pixelbilder umgerechnet, was oft zu Belichtungsproblemen führte. Auch Macromedia FreeHand bot vor Illustrator Transparenzen an und warb sogar damit, das erste Programm zu sein, das Transparenzen als Vektorobjekte ausgibt. Anders als Illustrator 9 war Freehand aber stark in den Kombinationsmöglichkeiten eingeschränkt. Schon acht überlagerte Transparenzen waren für ein sinnvolles Arbeiten am Dokument zu viele. Illustrator 9 hatte zwar noch etwas Probleme bei komplizierten Dokumenten, doch das wurde in der folgenden Version 10 zum größten Teil behoben. Es gab aber noch weitere Neuerungen wie verschachtelte Ebenen, Effekte (Live-Filter), Stile und Photoshop-kompatibles Farbmanagement. Durch die vielen komplexen Funktionen wurde Illustrator 9 aber deutlich langsamer als seine Vorgänger, und viele Anwender stiegen nach dem Update wieder auf Version 8.0 um.
Adobe Illustrator 10 – 2001 (Macintosh, Mac OS X, Windows) Adobe positionierte Illustrator immer mehr auch als Web-Grafikanwendung, und somit lag es nahe, dass in diesem Bereich sehr viel verbessert wurde. Die Symbolpalette half, Flash-Dateien klein zu halten, und das Slice-Werkzeug machte vielfach andere Anwendungen überflüssig. Der SVG-Export wurde auch stark verbessert, und die Variablenpalette machte Illustrator-Dokumente anhand von XML-Dateien dynamisch. Endlich hielten auch Verzerrungshüllen in Illustrator Einzug, womit Illustrator wohl eines der letzten Grafikprogramme war, welches diese Funktion erhielt. Selbst an lang vermisste Werkzeuge (einfache Linien, Bogen und Gitter) hatte Adobe gedacht. Die meisten Probleme der Version 9.0 mit den Transparenzen wurden behoben, und auch die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhte sich weiter.
Adobe Illustrator CS (Version 11) – 2003 (Mac OS X, Windows) Ende Dezember 2003 erschien die deutsche Version von Illustrator CS. Seit dieser Version ist Illustrator integrierter Bestandteil der Adobe Creative Suite, wird aber auch weiterhin einzeln angeboten. Unter anderem gibt es erstmals echte 3D-Funktionen, welche dem nicht mehr weiterentwickelten Adobe Dimensions recht ähnlich sind. Die häufig angefragte Extrusionsfunktion wurde damit endlich in Illustrator verwirklicht. Der Umgang mit Schriften und fremdsprachigen Texten wurde komplett überarbeitet, und Illustrator unterstützte nun erstmals OpenType und Unicode ähnlich der Funktionen von Adobe InDesign. Zudem gibt es nun auch Absatz- und Zeichenstile. Die PDF-Unterstützung wurde dem aktuellen Stand (PDF 1.5, Acrobat 6) angepasst und unterstützt PDF-Ebenen, Schnittmarken und Passwortschutz. An eine neue gestalterische Funktion hat Adobe ebenfalls gedacht: Der Scribble-Effekt ermöglicht es, mit wenigen Mausklicks eine Zeichnung wie handgemalt aussehen zu lassen. Einige Probleme der Vorversion wurden behoben; so müssen EPS- und PDF-Dateien nicht mehr eingebettet werden, wenn sie mit Transparenzen in Berührung kommen. Auch wurde die Druckfunktion erweitert, der Umfang der Druckeinstellungen entspricht nun etwa den Möglichkeiten, die Adobe InDesign bietet.
Adobe Illustrator CS2 (Version 12) – 2005 (Mac OS X, Windows) Der Funktionsumfang wurde um Möglichkeiten zum interaktiven Abpausen (Autotrace), interaktiven Malen (Füllen von Flächen, die durch mehrere Pfade eingeschlossen sind und Bearbeiten von Konturensegmenten), erweiterte Konturenoptionen und kolorierte Graustufen-Rasterbilder erweitert. Die Steuerungspalette stellt häufig gebrauchte Funktionen aus verschiedenen Paletten im aktuellen Bearbeitungskontext zur Verfügung.
Adobe Illustrator CS3 (Version 13) – 6. Juni 2007 (Mac OS X 10.4 und höher, Windows XP und Vista)