mini|hochkant=1.3|Kloster Schäftlarn von Südwesten aus der Luft gesehen Kloster Schäftlarn ist eine Benediktinerabtei (Abtei zu den heiligen Dionysius und Juliana) im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Schäftlarn in Oberbayern. Das Kloster gehört zur Bayerischen Benediktinerkongregation.

Die Ortschaft, die hauptsächlich aus der Abtei besteht, liegt im Isartal südlich von München.

Geschichte mini|Ein Stich des Klosters aus dem „Churbaierischen Atlas“, Band 2, 1690 mini|Der von 1702 bis 1707 um die hier noch dargestellte alte gotische Klosterkirche errichtete barocke Neubau. Erst 1733, nach dem Abbruch der alten Kirche entstand an seiner Stelle die heutige Barockkirche Das Kloster wurde 762 von Waltrich, einem aus einer fränkischen Adelsfamilie stammenden Benediktiner, auf seinem Land (Pippinsbach) gegründet. In den nächsten beiden Jahrhunderten wuchs das Kloster durch verschiedene Schenkungen (darunter Schwabing und Hesselohe, s. a. Pullach). Im 10. Jahrhundert war die Abtei erloschen.

Um das Jahr 1140 vermachte Graf Konrad I. von Valley seinen ganzen Besitz zu Ilmungeshofen „zu seinem und seiner Eltern Seelenheil“ dem Kloster Schäftlarn in einer Urkunde. Weil die Fläche dieser Schenkung nur als Weideland benutzt werden konnte, machte das Kloster daraus einen Viehhof, also eine Schwaige, die nach dem heiligen Georg St. Georgenschwaige genannt wurde. 1140 wurde das Kloster Schäftlarn durch Bischof Otto von Freising dem Prämonstratenser-Orden übertragen. Im Hoch- und Spätmittelalter verfügte das Kloster über umfassenden Landbesitz im inneralpinen Raum, insbesondere im Raum Bozen und Gries-Quirein.

Im Jahr 1721/22 wurde im Auftrag des Abts unweit des Konvents ein Fischgewässer angelegt. Der Klosterkomplex wurde 1702 bis 1760 letztmals neu errichtet. 1733 entstand nach dem Abbruch der alten Kirche an seiner Stelle die heutige Barockkirche. Der Konvent gehörte bis zu seiner Auflösung im Rahmen der Säkularisation am 1. April 1803 dem Prämonstratenser-Orden an. In den Klostergebäuden wurden nach der Aufhebung eine Fayence-Manufaktur und eine Badeanstalt errichtet, die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche. Marie von Erdődy, die Freundin Beethovens, wurde 1837 hier begraben. 1845 bis 1866 nutzten Englische Fräulein die Gebäude.

Ein Benediktinerkloster wurde eingerichtet, 1884 gründeten die Benediktiner im Gebäude das Gymnasium der Benediktiner Schäftlarn. Am 17. April 1910 erhob Prinzregent Luitpold das Kloster wieder in den Rang einer Abtei.

In der kurzen Zeit der bayerischen Räterepublik wurde das Kloster am 29. April 1919 zum Schauplatz einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen 20 Spartakisten und einer Gruppe von Regierungssoldaten, wobei ein Unteroffizier der Regierungstruppen ums Leben kam. Einen Tag danach wurden neun Spartakisten durch ein Standgericht ohne Verhör verurteilt und am gleichen Tag erschossen. Während das Grab des Unteroffiziers bis heute erhalten blieb, wurde die Grabstätte der Spartakisten auf dem Zeller Friedhof sofort eingeebnet. Die ursprüngliche Erinnerungstafel verschwand mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Im März 2021 brachte die Gemeinde Schäftlarn am Zeller Friedhof eine neue Gedenktafel an.

Gegenwart Neben dem privaten Gymnasium mit Tagesheim und Internat betreiben die Mönche Forstwirtschaft, eine Brennerei und eine Imkerei. Die erzeugten Produkte werden in einem Klosterladen angeboten. Seinen kulturellen Auftrag erfüllt das Kloster Schäftlarn insbesondere durch die Stiftsbibliothek Schäftlarn, die Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken (AKThB) ist,Mitgliedsbibliotheken der AKThB, abgerufen am 28. April 2022. und als Veranstalter der Schäftlarner Konzerte. Das Kloster ist Ausgangspunkt für die erste Etappe des 2009/2010 ausgeschilderten Jakobswegs Isar–Loisach–Leutascher Ache–Inn.

Für die notwendige Sanierung des Klosters wurden 2018 Kosten von 35 Millionen Euro geschätzt.

Sehenswürdigkeiten miniatur|Klosterkirche mini|Klosterkirche: Innenraum miniatur|Ansicht von Süden Der heutige Klosterbau wurde 1707 nach Plänen von Giovanni Antonio Viscardi fertiggestellt. Die als Klosterkirche erbaute St.-Dionys-Kirche ist ein Juwel des Rokoko. 1733 bis 1740 wurde unter François de Cuvilliés d. Ä. ein Neubau begonnen, 1751 bis 1760 der Bau von Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer vollendet. 1754 bis 1756 malte und stuckierte Johann Baptist Zimmermann die Kirche aus. 1756 bis 1764 stellte Johann Baptist Straub die Altäre und die Kanzel auf. Die Kirche und ihre Ausstattung wurden von 2004 bis 2011 komplett restauriert.

Orgel Die Orgel wurde 1996 von Orgelbau Vleugels gebaut. Sie hat 31 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen und Registertrakturen sind mechanisch. Das Gehäuse stammt noch von Anton Bayr um 1762. Sie besitzt folgende Disposition:

I Hauptwerk C–f3 1. Prinzipal 8′ 2. Viola da Gamba 8′ 3. Copl 8′ 4. Oktave 4′ 5. Flöte 4′ 6. Quinte 3′ 7. Superoktave 2′ 8. Mixtur IV ′ 9. Cornet V 8′ 10. Trompete 8′ 11. Clairon 4′ II Hinterwerk C–f3 12. Bifara 8′ 13. Salicet 8′ 14. Rohrflöte 8′ 15. Fugara 4′ 16. Blockflöte 4′ 17. Quintflöte 3′ 18. Flageolet 2′ 19. Terzflöte ′ 20. Cymbel IV 1′ 21. Fagotto 16′ 22. Krumphorn 8′ Pedal C–d1 23. Prinzipalbass 16′ 24. Subbass 16′ 25. Oktavbass 8′ 26. Cellobass 8′ 27. Gedacktbass 8′ 28. Flötenbass 4′ 29. Cornetbass III 3′ 2′ ′ 30. Posaunenenbass 16′ 31. Trompetenbass 8′ Koppel: I/P, II/P, II/I Glockenspiel, Pauke, Vogelschrei, Tremulant

Glocken

Bronzegeläute in Schlagtonfolge es1 - ges1 - as1 - b1 - des2 - es2

Prälatengarten mini|Blick zum Kloster aus dem Prälatengarten (2021)

Im Kloster liegt der 1998 neu gestaltete Prälatengarten. Der Eingang liegt 20 Meter rechts der Klosterpforte.

Höhere Obere ÄbteMichael Hartig: Die oberbayerischen Stifte, Band II: Die Prämonstratenserstifte, die Klöster Altomünster und Altenhohenau, die Collegiatstifte, der Deutsch- und der Malteserorden, die nachmittelalterlichen begüterten Orden und Stifte. Verlag vorm. G. J. Manz, München 1935, , S. 10 f. Waltrich, 762–790 Petto, 790–820 … Engelbert, 1140–1153 Eberhard, 1153–1160 Arnold, 1160–1164 Heinrich I., 1164–1200 Wernher I., 1200–1218 Conrad I., 1218–1238 Linpmann, 1238–1240 Conrad II. Wishaimer, 1240 Ulrich I., 1240–1249 Berchther (1. Amtszeit), 1249–1259 Heinrich II. Chozmer, 1259 Sighard, 1259–1264 Dietrich, 1264–1273 Berchther (2. Amtszeit), 1273–1277 Gerwin, Friedrich Schwabinger, 1277–1286 Conrad III., 1286–1290 Conrad IV. Witscheid, 1290–1295 Heinrich III. Giesinger, 1295–1301 Friedrich Schwabinger (2. Amtszeit), 1301–1305 Ulrich II. Teufelhart, 1305 Conrad V. Schwabinger, 1305–1317 Rudolf, 1317–1320 Conrad VI. Sachsenhauser, 1320–1346 Berchtold Nörderdorfer, 1346–1348 Wernher II., 1348–1352 Heinrich IV. Phaner, 1352–1362 Ulrich III. Osterhofer, 1363–1380 Johann I. Valer, 1380–1410 Johann II. Trostberger, 1410–1438 Heinrich V. Saxtsch, 1438–1457 Wilhelm Oberndorfer, 1457–1463 Erasmus Golhueter, 1463–1468 Leonhard I. Volkl, 1468–1476 Georg I. Trumetter, 1476–1490 Leonhard II. Schmid, 1490–1527 Georg II. Veckenbeurer, 1527–1544 Johann III. Ecker, 1544–1556 Georg III. Pachberger, 1556–1562 Ludwig Holtzmayr, 1562–1590 Leonhard III. Klotz, 1591–1619; erhielt 1598 die Pontifikalien Michael Graf, 1619–1626 Dionys Keller, 1626–1634 Albert Stainpacher, 1634–1640 Carl Hieber, 1640–1653 Anian Mayr, 1653–1680 Melchior Schussmann, 1680–1719 Hermann Josef Frey, 1719–1751 Felix Gege, 1752–1776 Godefried (Gottfried) Spindler OPraem (1750–1808), 1777–1803, letzter Abt des Klosters vor der Säkularisation, Taufname Johann Peter

Prioren Benedikt Zenetti, 1866–1872 (1872–1904 Abt von St. Bonifaz) Thaddäus Brunner, 1872–1883 Gregor Lindemann, 1884–1887 Pius Bayer, 1887–1888 Placidus Auracher, 1889–1899 Raphael Barth, 1899–1904 Sigisbert Liebert, 1904–1910

Äbte Sigisbert I. Liebert, 1910–1929 Sigisbert II. Mitterer, 1929–1963 Ambros Rueß, 1963–1973 Otmar Kranz, 1973–1975 Gregor Zasche, 1976–2008 Petrus Höhensteiger, seit 2008

Prioren Petrus Beda, 1940/50er Jahre

Literatur Romuald Bauerreiß: Altbayrische Hachilingen als Bischöfe von Langres in Burgund. Ein Beitrag zur Frühgeschichte Schäftlarns. In: Bayerische Benediktinerakademie (Hrsg.): Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige, Jg. 75 (1964), S. 254–261. online verfügbar Petrus Höhensteiger OSB: „Und alle werden Schüler Gottes sein“ (Joh 6,45). Das Kloster Schäftlarn im Isartal: Wie wir leben und was unser Auftrag ist. In: Alt und Jung Metten, Jg. 73 (2006/07), Heft 2, S. 229–265. Wolfgang Winhard: Kloster Schäftlarn: Geschichte und Kunst. Fotos von Gregor Peda. Kunstverlag Peda, Passau 1993, ISBN 3-927296-80-5. Sigisbert Mitterer (Hrsg.): 1200 Jahre Kloster Schäftlarn 762–1962. Blätter zum Gedächtnis. Seitz, München und Selbstverlag der Abtei Schäftlarn, Schäftlarn 1962. Die Traditionen des Klosters Schäftlarn 760–1305. Bearbeitet von Alois Weißthanner, Beck, München 1953 (Digitalisat). Anselm Forster: Ihr glücklichen Augen, Erinnerungen. Verlag Books on Demand, Norderstedt 2012. ISBN 978-3-8448-3164-1.

Weblinks

Abtei Schäftlarn Klöster in Bayern: Schäftlarn (Haus der Bayerischen Geschichte)

Fotos

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Einzelnachweise

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