Cascavel ist ein brasilianisches Munizip im Westen des Bundesstaats Paraná. Es hat 348.051 Einwohner (2022), die sich Cascavelenser nennen. Seine Fläche beträgt 2.091 km². Es liegt 794 Meter über dem Meeresspiegel.
Etymologie Cascavel trug im Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wechselnde Namen:
Der Ort geht auf einen alten Tropeiro-Rastplatz an der Handelsroute von Foz do Iguaçu nach Guarapuava zurück, der Encruzilhada dos Gomes (deutsch: Kreuzung der Gomes) genannt wurde. Der Volksglaube besagt, dass der Name Cascavel auf die Zeit des Baus der Straße von Colônia Mallet nach Foz do Iguaçu um 1920 zurückgeht, als Tropeiros ihr Lager an der Encruzilhada dos Gomes am heutigen Rio Cascavel aufgeschlagen hatten. Eines Nachts hörten sie das laute Rasseln einer Klapperschlange. Der Ort wurde dann Pouso da Cascavel (deutsch: Rastplatz Klapperschlange) und der Bach Riacho Cascavel (deutsch: Klapperschlangenbach) genannt. Binnen Kurzem wurde dieser Name auf Landkarten verwendet. Bei der Grundsteinlegung für die Kirche taufte Pfarrer Guilherme Maria Thiletzek 1934 den Ort auf den Namen Encruzilhada de Aparecida dos Portos. Als der Ort 1938 zum Distrikt von Foz do Iguaçu erhoben wurde, erfolgte dies unter dem Namen Cascavel. Während der Zeit der Zugehörigkeit zum Território Federal do Iguaçu 1943 bis 1946 trug der Ort den Namen Guairacá. Die öffentliche Meinung favorisierte aber immer Cascavel.
Geschichte
Urbevölkerung Ursprünglich lebten Kaingang im Gebiet von Cascavel. Die europäische Besiedlung begann 1557 durch die Spanier, als sie Ciudad del Guairá, das heutige Guaíra, gründeten. Im Jahr 1632 siedelten die meisten Einwohner aus dem Gebiet des heutigen Paraná an das westliche, paraguayische Ufer des Rio Paraná um, um der Versklavung durch Bandeirantes zu entgehen. Das Land unterlag jetzt der Herrschaft der Bandeirantes, die es jedoch nicht wieder besiedelten.
Besiedlung Eine erneute Besiedlung begann 1730 mit Tropeiros, an deren Rastplätzen entlang der Handelsroute kleine Siedlungen entstanden. Die nachhaltige Besiedlung des Gebiets begann tatsächlich erst Ende der 1910er Jahre auf dem Höhepunkt des Erva-Mate-Zyklus durch Siedler und Nachkommen slawischer Einwanderer.
Die Entwicklung von Foz do Iguaçu und die vielen Arbeiter, die dorthin kamen, trugen wesentlich zur Gründung von Cascavel bei. Viele Bewohner der Region betrieben das Geschäft der Pousos, die Verpflegungs- und Rastplätze für die Tropeiros (Fernhändler und Viehtreiber) und ihre Tiere darstellten. An einem dieser Rastplätze fanden einmal ein paar Tropeiros eine große Anzahl von Klapperschlangennestern. Aus diesem Grund wurde der Bach als Rio Cascavel (Schlangenfluss) bekannt. Die Anlegestelle, wo die Schneisen und Pfade der Siedler und Händler zusammentrafen, wurde nach einer der ansässigen Familien Encruzilhada dos Gomes genannt.
Gründung José Silvério de Oliveira, genannt Nhô Jeca (Nhô ist Kurzform von Senhor = Herr, Jeca = Hinterwäldler, Bauerntölpel; Jeca Tatu ist ein Bauerntölpel im Hinterland von São Paulo, dem Monteiro Lobato 1918 mit seinem erfolgreichen Buch Urupês ein Denkmal setzte) oder Tio Jeca (Onkel Jeca = Hinterwäldler, Bauerntölpel) aus Guarapuava wurde am 21. März 1888 geboren. Er war Kaufmann und Erbe ehemaliger Tropeiros. Er ließ sich in Pouso Alegre in der Nähe von Laranjeiras do Sul nieder, wo er eine Bar und ein Lagerhaus besaß. Er betrieb die Rodung der verbliebenen Wälder in der Region.
Er war einer der bekanntesten Propagandisten der Aliança Liberal, die sich für die Präsidentschaftskandidatur von Getúlio Vargas gegen Júlio Prestes zur Wahl vom 1. März 1930 einsetzte. Der Wahlsieg von Prestes hatte für Nhô Jeca in Guarapuava dramatische Konsequenzen. Er beschloss, von Pouso Alegre an die Encruzilhada dos Gomes zu ziehen, das er schon 1920 auf seinen Handelsfahrten kennengelernt hatte. Er pachtete ein Stück Land von Antônio José Elias aus Santa Catarina, der sich 1920 hier niedergelassen hatte. Der 28. März 1930, der Tag der Ankunft seiner Familie, gilt als Gründungstag von Cascavel.
Nach dem Staatsstreich vom 30. Oktober 1930 beschloss Nhô Jeca den Bau einer Stadt in Encruzilhada dos Gomes. So entstand aus dem Zusammenschluss der Häuser von Antônio José Elias und José Silvério de Oliveira die Vila Encruzilhada. Noch in den 1930er Jahren kamen einige Siedler polnischer Herkunft aus Santa Catarina nach Cascavel und bildeten die Kolonien Esperança und São João d'Oeste.
Durch eine Reihe von Gesetzen, die das rechtliche Eigentum an den Grundstücken an der Encruzilhada dos Gomes regeln sollten, wurde Nhô Jeca mit dem Dekret Nr. 20 vom 5. Januar 1931 plötzlich vom Pächter zum Eigentümer der Grundstücke. Die ursprüngliche Konzession, die für den Erwerb durch Antônio José Elias ausschlaggebend war, stammte nämlich aus einer der alten Konzessionen des Kaiserreichs. Nhô Jeca begann, Neusiedlern Land anzubieten. Er wollte eine kleine Stadt mit einem Verbrauchermarkt aufbauen und sein Geschäft ausbauen.
Wirtschaftszyklen Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Familien aus Santa Catarina und Rio Grande do Sul als Landwirte nach Cascavel. Dadurch wurde es möglich, andere Reichtümer wie Kaffee, Erva Mate und Holz zu erschließen.
Ab 1948 begann der Holzzyklus. Dadurch kamen mehr Familien aus dem Süden. Diese Bevölkerungsbewegung wurde als frente sulista (deutsch: Südfront) bekannt.
Mit der Einführung des traditionellen Kaffeeanbaus und der Verbesserung der Kaffeepreise kamen weitere Familien aus anderen Teilen Brasiliens, was die frente cafeeira (Kaffeefront) auslöste. links|mini|Migrantendenkmal auf der Praça dos Migrantes in Cascavel In und um Cascavel trafen die Kolonisationsfronten aufeinander und trugen zum Fortschritt der Stadt bei. Zum Andenken an diese Fronten errichtete die Stadt das Migranten-Denkmal, das die hier ansässigen Migrationsfronten symbolisiert.
Die steigende Nachfrage führte zu einer Zunahme der Handels- und Gewerbebetrieben. Im Januar 1938 wurde der erste Gerichtsbezirk von Cascavel in der Gemeinde Foz do Iguaçu gegründet. Die Volkszählung von 1950 ergab für Cascavel eine Bevölkerung von 404 Einwohnern. Die Holzverarbeitung schuf viele Arbeitsplätze, das Bevölkerungswachstum war Ende der 1940er Jahre enorm, so dass der Ort 1951 zum Munizip erhoben werden konnte.
Der Holzzyklus ging mit der praktisch vollständigen Abholzung des ursprünglichen Waldes Ende der 1970er Jahre zu Ende. Es begann die Phase der Industrialisierung der Stadt, die mit einer Zunahme der Landwirtschaft (insbesondere Soja und Mais) und der Viehzucht einherging.
Erhebung zum Munizip Cascavel wurde durch das Staatsgesetz Nr. 790 vom 14. November 1951 aus Foz do Iguaçu ausgegliedert und in den Rang eines Munizips erhoben. Es wurde am 14. Dezember 1952 als Munizip installiert.
Geografie
Fläche und Lage Cascavel liegt auf dem Terceiro Planalto Paranaense (der Dritten oder Guarapuava-Hochebene von Paraná). Seine Fläche beträgt 2091 km². Es liegt auf einer Höhe von 794 Metern.
Vegetation Das Biom von Cascavel ist Mata Atlântica.
Klima Das Klima ist gemäßigt warm. Es werden hohe Niederschlagsmengen verzeichnet (1841 mm pro Jahr). Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur bei 20,0 °C. Die Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger lautet Cfa.
Gewässer Cascavel liegt auf der Wasserscheide zwischen den drei Einzugsgebieten von Rio Paraná, Rio Piquiri und Rio Iguaçu.
Der Rio São Francisco Verdadeiro fließt zunächst auf der westlichen Grenze zu Toledo und dann weiter zum Rio Paraná.
Der Rio Tourinho und der Rio Melissa fließen zum Rio Piquiri.
Der Rio Cascavel und der Rio Quati entspringen mitten im Stadtgebiet und fließen zum Iguaçu-Nebenfluss Rio Andrada. Der Rio Tormenta fließt zunächst entlang der südöstlichen Grenze und mündet weiter südlich ebenfalls in den Iguaçu.
Verkehr In Cascavel kreuzen sich folgende Bundesstraßen:
BR-277 von Foz do Iguaçu nach Paranaguá BR-163 von Barracão nach Guaíra BR-369 von Cascavel nach Ourinhos
Die Staatsstraße PR-180 erschließt den Süden des Munizips und führt nach Boa Vista da Aparecida.
Der Flughafen Cascavel liegt südwestlich der Stadt.
Nachbarmunizipien
Stadtverwaltung
Aktuelle Amtsinhaber Bürgermeister: Renato Silva, PL (2025–2028)
Vizebürgermeister: Henrique Antunes Mecabô (2025–2028)
Liste der Stadtpräfekten Quelle: (PDF; 2,6 MB). Abgerufen am 21. Juni 2022 (brasilianisches Portugiesisch). 1952–1956: José Neves Formighieri 1956–1960: Helberto Edwino Schwarz 1960–1964: Octacílio Mion 1964–1969: Odilon Correia Reinhardt 1969–1973: Octacílio Mion 1973–1977: Pedro Muffato 1977–1983: Jacy Miguel Scanagatta 1983–1988: Fidelcino Tolentino 1989–1992: Salazar Barreiros 1993–1996: Fidelcino Tolentino 1997–2000: Salazar Barreiros 2001–2004: Edgar Bueno 2005–2008: Lísias Tomé 2009–2012: Edgar Bueno 2013–2016: Edgar Bueno 2017–2020: Leonaldo Paranhos 2021–2024: Leonaldo Paranhos 2025–2028: Renato Silva
Gemeindegliederung mini|hochkant=1.15|Distriktgliederung von Cascavel Cascavel ist in acht Distrikte (distritos) geteilt, diese wiederum in 31 bairros. Distrikte: Distrito sede administrativa Rio do Salto Juvinópolis São João do Oeste Sede Alvorada São Salvador Distrito Sete Espigão Azul
Demografie
Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Stadt Land196039.5985.27434.324197089.92134.95054.9711980163.470123.65639.8141991192.990177.76615.2242000245.369228.67316.6962010286.172270.00916.1632022348.051?? Quelle: IBGE (2011) und Volkszählung 2022
Ethnische Zusammensetzung Ethnische Gruppen nach der statistischen Einteilung des IBGE (Stand 2000 mit 245.369 Einwohnern, Stand 2010 mit 286.205 Einwohnern):
+ Zehnjahresvergleich 2000/2010 Gruppe Anteil 2000 Anteil 2010 Anmerkung Brancos 192.240 (78,27 %) 201.634 (70,45 %) Weiße, Nachfahren von Europäern Pardos 45.431 (18,52 %) 74.815 (26,14 %) Mischrassige, Mulatten, Mestizen Pretos 5.074 (2,07 %) 7.250 (2,53 %) Schwarze Amarelos 1.162 (0,47 %) 2.223 (0,78 %) Asiaten Indígenas 733 (0,30 %) 251 (0,09 %) indigene Bevölkerung ohne Angabe 930 32 links|mini|Kathedrale Nossa Senhora Aparecida des Erzbistums Cascavel
Religionen Cascavel ist Sitz des Erzbistums Cascavel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten links|mini|Teatro Municipal von Cascavel
Theater
Teatro Municipal de Cascavel – Sefrin Filho: das zweitgrößte Theater Paranás über 1325 Plätze wurde 2015 fertiggestellt
Museen Das Kulturzentrum Centro Cultural Gilberto Mayer beherbergt neben einem Kino auch zwei Museen
Museu Histórico Celso Formighieri Sperança: das Historische Museum zeigt die Besiedlung der Region Museu da Imagem e do Som Pietro Tebaldi: das Bild- und Ton-Museum hat Tausende von Fotografien, Videos und Tonaufnahmen seit den Anfängen des Munizips
Bibliothek
Biblioteca Pública de Cascavel – Sandálio dos Santos: die Stadtbibliothek trägt den Namen des Lehrers, Schriftstellers und autodidaktische Mediziners, der auf Einladung des Gründers José Silvério de Oliveira nach Encruzilhada dos Gomes kam
Parks
Centro de Educação Ambiental Suely Festugatto (Parque Ambiental): in dem 140 ha großen Umweltpark wachsen einheimische Bäume und Pflanzen wie Peroba, Tapaia, Zeder, Zimt, Araukarie, Erva-Mate, Jerivá, Elfenbeinholz, Ginster oder Baumfarn. Hier leben Waldtiere wie Eidechsen, Nasenbären, Aras, Papageien, Maritacas, Kapuzineräffchen, Gürteltiere und Schlangen. Parque Ecológico Paulo Gorski umgibt den Lago Municipal, aus dem der Rio Cascavel entspringt. Mit 1,2 km² ist er das größte städtische Umweltschutzgebiet Südbrasiliens. Parque Municipal Danilo Galafassi Parque Municipal Danilo Galafassi: im Tierpark am Nordende des Lago Municipal Zoológico Municipal leben einheimische Wildtiere, darunter Vögel, Reptilien und Säugetiere. Die einzigen Exoten sind Löwen und Tiger.
Plätze
Praça do Migrante: auf dem Platz steht das Denkmal des Migranten