mini|Asta Gröting (2018) Asta Gröting (* 1961 in Herford) ist eine deutsche Künstlerin. Sie arbeitet mit Video, Performance, Bildhauerei und Zeichnung.

Leben Gröting studierte von 1981 bis 1987 Bildhauerei an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Von 1996 bis 1997 war sie als Gastprofessorin an der Kunsthochschule Valand der Universität Göteborg, an der Gesamthochschule Kassel und an der Städelschule in Frankfurt am Main tätig. Von 1997 bis 2003 war sie Professorin für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in München. Von 2009 bis 2025 lehrte sie an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.

Gröting lebt in Berlin.

Werk (Auswahl) In medienübergreifenden Werkgruppen entstehen seit den frühen 1980er Jahren Arbeiten zu verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkten, die sich teils über Jahrzehnte ihres Schaffens erstrecken. Seit Anfang der 1990er Jahre arbeitet Gröting neben Skulptur verstärkt mit Video und Performance.

Arbeitsbegriff und Industrialisierung Der sich verändernde Arbeitsbegriff, Produktionsprozesse und industrielle Kreisläufe bilden in zahlreichen Werken den Ausgangspunkt ihrer Arbeiten.

mini|„Goethes Reisekutsche, Adenauers Mercedes und mein smart“Für die dreiteilige Arbeit „Die Reisekutsche von Goethe, der Mercedes von Adenauer und mein smart“ (2012) hat Gröting die Unterkarosserien der Gefährte abgeformt. Die Fahrzeuge stehen jeweils für den Stand der Technik aus drei Jahrhunderten und zeigen so die historische Entwicklung der Fortbewegungstechnik.

In der umfangreichen Installation „Die Geschichte der Werkzeuge ist das aufgeschlagene Buch der menschlichen Psychologie“ (2017) sind 65 Arbeitstische aus 150 Jahren der Handwerksgeschichte in Vorarlberg versammelt und im Kunstraum Dornbirn ausgestellt.

Anhand der Werkbänke werden der veränderte Arbeitsbegriff und die Produktionsbedingungen über einen langen Zeitraum hinweg greifbar.

Durch die Entnahme von Materialien aus dem Produktionsprozess und ihrer bildhauerischen Neukontextualisierung macht Gröting ökonomische Abläufe und Beziehungen sichtbar, wie etwa in der Werkgruppe „Affentanz“ (seit 1987). Das Leder der Jacken stammt von türkischen Lämmern, die von anatolischen Frauen in Heimarbeit zu Patchwork verarbeitet und containerweise gegen Rohstoffe eingetauscht werden.

Persönliche Machtverhältnisse Die zwischenmenschliche Dimension von persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen und das Verhältnis von Unausgesprochenem und Unaussprechbarem im Physischen und Psychischen taucht in langjährigen Werkgruppen Asta Grötings auf.

Die sechsteilige Werkreihe „Miniature Studio“ (2022), ein 3D-Druck eines Scans von Grötings Atelier verkleinert auf Miniaturgröße, entstand vor dem Hintergrund der stadtpolitischen und Immobilienentwicklungen in Berlin und Fragen nach der Größe (oder verkleinerten Form) von Ateliers, die noch bezahlbar sein werden, aber auch nach der Relation von Arbeitsraum und Kunstwerk. Gröting engagiert sich mit Künstlern wie Katharina Grosse, Monica Bonvicini, John Bock, Heiner Franzen, Karin Sander und anderen für den Erhalt der Atelierräume in den Uferhallen Berlin.

Im Video „Matthias, Helge und Asta“ (2025) stellt Matthias Brandt die Frage nach dem Scheitern. Helge Schneider und Asta Gröting antworten mit Blicken. Die Premiere des Videos war 2025 im Städel Museum in Frankfurt am Main.

Physische Kommunikation mini|Asta Gröting, Space between lovers, 2008 „Space Between Two People Having Sex“, eine Werkgruppe, die Gröting 2008 begann, sind direkte Abdrücke von Personen beim Sex. Diese Materialisierung eines intimen Moments zeigt den plastischen Zwischenraum zwischen den Personen und macht das Dazwischenliegende und den inneren Raum bildhauerisch sichtbar.

„The Inner Voice“ (1993–2016) ist ein Langzeitprojekt mit Bauchrednern aus aller Welt. Die jeweiligen Bauchredner führten mit einer von der Künstlerin geschaffenen Puppe Gespräche über Freundschaft, Selbsterkenntnis, Altern, Liebe oder Tod. Das Drehbuch für dieses Projekt stammt von der Künstlerin, manchmal in Zusammenarbeit mit anderen Autoren wie Deborah Levy und Tim Etchells.

Trauma und Architektur mini|Asta Gröting, Berlin Facades, installation view, KINDL, Berlin, 2017. Photo: Jens Ziehe. Mehrere Werkgruppen befassen sich mit dem Zusammenhang von Trauma und Architektur, indem sie etwa die an Gebäuden noch sichtbaren Schäden des Zweiten Weltkrieges abformen. Die Serie „Berlin Fassaden“ (2016) besteht aus Silikonabformungen von 16 Fassaden in Berlin-Mitte, die in den letzten beiden Wochen des Zweiten Weltkrieges im April 1945 zerstört und bis 2016 noch nicht renoviert waren. Durch den Abdruck des klebrigen Silikons wurden das Graffiti, der Dreck, Staub, Putz mitgenommen.

Die inneren Organe International bekannt wurde Gröting Anfang der 1990er Jahre mit einer Reihe von Arbeiten zu inneren Organen, und dem Verhältnis des Körpers zwischen Innen und Außen. Für die Skulptur „Mensch“ (1990) ist dessen Verdauungssystem aus massivem Glas als vergrößertes anatomisches Modell nachgeformt. „Mensch“ wurde auf der 44. Biennale in Venedig 1990 ausgestellt.

Die Laserinstallation „Atemkurve“ (2025) stellt das menschliche Ein- und Ausatmen dar. Der Linienverlauf ist eine Abwandlung der medizinischen Grafik einer Messung des Lungenvolumens während der Aufnahme von frischem Sauerstoff und der Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut.

Natur und Display Die menschliche Arroganz gegenüber Tieren ist Thema mehrerer Arbeiten von Asta Gröting. „Dancing Queen“ (2024), die schlaffe Körperform eines Schweins aus Silikon in leuchtender Warnfarbe, zeigt die enge Verbindung der menschlichen Zivilisationsgeschichte mit der Domestizierung des Schweins.

Die Arbeit „Gelée Royal“ (2023) ist Teil einer langjährigen Werkreihe zum Verhältnis von (Natur)Objekt und Display. Die Wandarbeiten bestehend aus Acryl- oder Polyesterblöcken, durchsichtig oder eingefärbt, die mit Abstand zur Wand angebracht sind und in die entweder ein weiterer Gegenstand eingegossen ist oder durch den man einen an der Wand angebrachten Gegenstand sieht. Die ursprüngliche Idee dreht sich um das Bild eines Vergrößerungs- oder Verkleinerungsglases.

Zeit als bildhauerisches Medium Die Darstellung bzw. Manipulation von Zeit mit technischen Mitteln ist Gegenstand einer Reihe filmischer sowie performativer Arbeiten. Durch die Zerlegung von Bewegung oder Zeitraffung erfassen die Werke mit technischen Mitteln, was für das menschliche Auge verborgen bleibt. mini|Asta Gröting, Wolf and Dog, 2021 (video still) Das Video „Wolf and Dog“ (2021) zeigt die Begegnung der beiden Tiere, die mit einer Ultrahochgeschwindigkeitskamera aufgenommen wurde. In der extremen Zeitlupe der animalischen Annäherung wird sichtbar, wie der domestizierte Hund aggressiv erscheint, während sich der Wolf ruhig und gelassen verhält und damit der Erwartung der Figur des wilden Wolfs aus den Märchen und den damit verbundenen Ängsten entgegensteht.

Die Performance „Eis“ (1995) basiert auf einer einstündigen Nummern-Revue in der Frankfurter Eissporthalle und entstand in Kooperation mit Theater am Turm in Frankfurt am Main. Acht Auftritte bebildern das innere und äußere Gleichgewicht von fünf Eistanzenden, einem Eishockeyspieler mit zwei Skulpturen – Nest und Käfig –, einem Schwarzbären und einer Weltmeisterin im Pirouetten drehen.

Ausstellungen (Auswahl)

Preise 1988: Stiftung Kunstfonds 1989: Schmidt-Rottluff-Stipendium 1991: Förderpreis für Bildende Kunst des Landes Nordrhein-Westfalen 1994: Otto-Dix-Preis, Gera 1996: Preis der Bayerischen Landesbank International S.A. 2023: Gerhard-Altenbourg-Preis des Lindenau-Museums AltenburgKathleen Bernhardt: 13. Gerhard-Altenbourg-Preis verliehen. Asta Gröting erhält bedeutendsten Kunstpreis Mitteldeutschlands, MDR, 21. August 2023

Literatur Asta Gröting: The inner voice. Herausgegeben von Jan Hoet und Christoph Keller. mit Beiträgen von Tim Etchells, Asta Gröting, Deborah Levy und Stella Rollig. Revolver, Archiv für Aktuelle Kunst, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-86588-003-7, (englisch und deutsch). Asta Gröting Sculpture: 1987–2008. Henry Moore Sculpture Institute, Leeds 2009. Asta Gröting. Herausgegeben von Marius Babias und Stella Rollig, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2010, ISBN 978-3-86560-786-7. (n.b.k-Ausstellungen. Band 6). Asta Gröting: Die Geschichte der Werkzeuge ist das aufgeschlagene Buch der menschlichen Psychologie. Herausgegeben von Kunstraum Dornbirn, Thomas Häusle, Verlag für Moderne KunstVerlag für moderne Kunst, Nürnberg, 2017, ISBN 978-3-903153-88-2. Asta Gröting Berlin Fassaden. Herausgegeben von Andreas Fiedler, Autoren: Deborah Levy, Andreas Fiedler, Sternberg Press, Berlin, 2017, ISBN 978-3-95679-356-1. Asta Gröting. Das Wesen von x. Video Works 1993–2023. Gerhard-Altenbourg-Preis 2023, Spector Books, Leipzig, 2023, ISBN 978-3-95905-785-1.

Weblinks

Website der Künstlerin

Einzelnachweise

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