Inge Seiffge-Krenke (* 28. September 1948) ist Professorin für Psychologie, Psychoanalytikerin und leitete bis zum Jahr 2013 die Abteilung für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
In ihren zahlreichen nationalen und internationalen Veröffentlichungen beschäftigt sie sich sowohl mit allgemeiner Entwicklungspsychologie als auch mit der Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen.
Werdegang Inge Seiffge-Krenke studierte Psychologie in Göttingen und Gießen von 1967 bis 1972. Danach erhielt sie ein Graduiertenstipendium zur Promotion. Sie erlangte ihren Doktorgrad 1981 mit einer Arbeit über den Psychologieunterricht an Schulen. Bereits 1985 habilitierte sie für das Gesamtgebiet der Psychologie. Zeitgleich erlangte sie 1986 ihren Abschluss als Psychoanalytikerin. Ihre erste Professur erhielt sie am Institut für Medizinische Psychologie in Gießen. Nach einer weiteren Professur in Bonn war sie von 1997 bis zu ihrer Emeritierung 2013 Professorin am Institut für Psychologie in Mainz und Leiterin der Abteilung für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. Seit 2014 ist sie Gastprofessorin an der International Psychoanalytic University Berlin sowie an der Catolica Pontificat Universitas Lima, Peru.
Von 2005 bis 2023 war Inge Seiffge-Krenke Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Lindauer Psychotherapiewochen und seit 2016 auch dessen Sprecherin. Sie war über mehrere Jahre Präsidentin der European Association for Research on Adolescence (EARA).
Am 24. April 2007 wurde ihr der Heigl-Preis für das Buch Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Therapie mit Jugendlichen verliehen. Im Jahr 2018 erhielt sie von der Society for the Study of Emerging Adulthood (SSEA) den Best International Research Award; 2020 von der European Association for Research in Adolescence den EARA Lifetime Achievement Award.
Forschungsschwerpunkte Inge Seiffge-Krenke forscht umfassend über Beziehungen zwischen Eltern und Jugendlichen, die neue Entwicklungsphase Emerging Adulthood, romantische Beziehungen und die Bedeutung von Vätern. Ein später Schwerpunkt war der Zusammenhang zwischen Identitätsentwicklung und Familienbeziehungen, den sie länderübergreifend untersucht. Dazu hat sie zahlreiche internationale Forschungsprojekte geleitet. Ein zentrales Anliegen war und ist die Verbindung psychologischer Forschung mit psychoanalytischer Praxis im Bereich der Erwachsenen- wie auch der Kinder- und Jugendlichentherapie.
Psychologieunterricht In den 1970er und 1980er Jahren beschäftigte Inge Seiffge-Krenke sich intensiv mit dem Psychologieunterricht in der Sekundarstufe II, der mit der Oberstufenreform von 1972 ermöglicht worden war. Ihr zweibändiges Handbuch Psychologieunterricht kann Gislinde Bovet zufolge als „Musterbeispiel für eine sorgfältige, wissenschaftlich fundierte Curriculumentwicklung für das Fach Psychologie“ bewertet werden. Band 1 fasst die theoretischen Grundlagen aus den Perspektiven der Adoleszenzforschung und der reformierten Oberstufe und liefert so ein doppelt wissenschaftsorientiertes Curriculum. Als Ziele des Oberstufenunterrichts formuliert sie Sachkompetenz, komplexes Denken, wissenschaftsorientierte Einstellung, Fragehaltung, Kompetenzmotivation und Transfer; didaktisch entscheidet sie sich für das forschend-entdeckende Lernen, das das alltägliche Denken der Lernenden neu strukturieren soll, und formal für ein an Grundbegriffen im Sinne von Jerome Bruner orientiertes Spiralcurriculum. Band 2 enthält die Evaluation und Erprobung des Curriculums. Dass der Doppelband trotz seiner exzellenten Qualität wenig Anwendung fand, ist wohl auf äußere Umstände zurückzuführen, etwa sein im Vergleich zur Lehrplanentwicklung spätes Erscheinen und seine starke inhaltliche Festlegung; das Land Hessen war zudem zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits wieder aus dem Psychologieunterricht für die Oberstufe ausgestiegen.
Werke (Auswahl) Neid (= Analyse der Psyche und Psychotherapie). Psychosozial-Verlag, Gießen 2024, ISBN 978-3-837-93348-2. Psychodynamische Psychotherapie mit jungen Erwachsenen. Besonderheiten der Entwicklungsphase „emerging adulthood“. Kohlhammer, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-170-40362-8. mit Rolf Göppel: Die Jugendlichen und ihre Suche nach dem neuen Ich. Identitätsentwicklung in der Adoleszenz. 2., aktualisierte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-170-41752-6. Jugendliche in der Psychodynamischen Psychotherapie. Kompetenzen für Diagnostik, Behandlungstechnik, Konzepte und Qualitätssicherung. Klett-Cotta, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-98359-3. Väter, Männer und kindliche Entwicklung ein Lehrbuch für Psychotherapie und Beratung. Springer, Berlin 2016, ISBN 978-3-662-47994-0. Psychoanalytische und tiefenpsychologisch fundierte Therapie mit Jugendlichen. 3. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-608-94934-6. mit Norbert F. Schneider: Familie - nein danke?! Familienglück zwischen neuen Freiheiten und alten Pflichten. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-40182-8. Psychotherapie und Entwicklungspsychologie. Beziehungen: Herausforderungen, Ressourcen und Risiken. 2., vollst. überarb. Auflage. Springer, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-68290-5. mit Arnold Lohaus (Hrsg.): Stress und Stressbewältigung von Kindern und Jugendlichen. Hogrefe, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8017-2020-9. Nach PISA. Stress in der Schule und mit den Eltern Bewältigungskompetenz deutscher Jugendliche im internationalen Vergleich. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-46262-X. als Hrsg.: Aggressionsentwicklung zwischen Normalität und Pathologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005, ISBN 3-525-46233-6. Diabetic Adolescents and Their Families. Stress, Coping, and Adaptation. Cambridge Univ. Press, Cambridge u. a. 2001, ISBN 0-521-79200-2. Adolescents' Health. A Developmental Perspective. Erlbaum, Mahwah, NJ u. a. 1998, ISBN 0-8058-1839-1. mit S. Shulman: Fathers and Adolescents. Routledge, London u. a. 1997, ISBN 0-415-11791-7. Chronisch kranke Jugendliche und ihre Familien. Kohlhammer, Stuttgart 1996, ISBN 3-17-013885-5. Stress, Coping, and Relationships in Adolescence. Erlbaum, Mahwah, NJ u. a. 1995, ISBN 0-8058-1235-0. Gesundheitspsychologie des Jugendalters. Hogrefe, Göttingen 1994, ISBN 3-8017-0614-1. Problembewältigung im Jugendalter. Habilitationsschrift. 3 Bände. Universität Gießen, 1985. Probleme und Ergebnisse der Kreativitätsforschung. Huber, Bern u. a. 1974, ISBN 3-456-80012-6.
Mitautorin Arbeitsgruppe OPD-KJ (Hrsg.): Operationalisierte psychodynamische Diagnostik im Kindes- und Jugendalter. Hans Huber, Bern u. a. 2003, ISBN 3-456-83817-4. Hildegard Hetzer u. a. (Hrsg.): Angewandte Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters. 3. Auflage. Quelle und Meyer, Heidelberg u. a. 1995, ISBN 3-494-02217-8.
Weblinks
Seite an der Universität Mainz Inge Seiffge-Krenkes Forschungsprojekte in der Datenbank Gepris der Deutschen Forschungsgemeinschaft
Einzelnachweise
Kategorie:Psychoanalytiker Kategorie:Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) Kategorie:Sachbuchautor (Pädagogik und Psychologie) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1948 Kategorie:Frau