Wirtheim ist neben Bieber, Breitenborn/Lützel, Kassel, Lanzingen und Roßbach einer der Ortsteile der Spessart-Gemeinde Biebergemünd im hessischen Main-Kinzig-Kreis. mini|Wappen der Forstmeister von Gelnhausen links (= heraldisch rechts) und derer von Schleifras rechts (= heraldisch links) am Schloss Wirtheim

Geografie Geografische Lage Wirtheim liegt im Naturpark Spessart direkt im Mündungsgebiet der Bieber in die Kinzig. Die Kinzig, die Bundesautobahn A 66 und die Kinzigtalbahn Fulda–Hanau trennen Neuwirtheim von Wirtheim. Nördlich oberhalb von Neuwirtheim, liegt der bereits zum Vogelsberg und zur Gemarkung Wächtersbach zählende Aspenhainer Kopf mit 260 m über NHN.

Nachbargemeinden Wirtheim grenzt im Nord-Osten an die Stadt Wächtersbach, im Süd-Osten an den Ortsteil Kassel, im Westen an Kaltenborn, einen Ortsteil im Stadtteil Haitz von Gelnhausen und im Nord-Westen an den Ortsteil Neuwirtheim.

Geschichte mini|Schloss Wirtheim, Hofseite. mini|Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Wirtheim

Vorzeit Ausgrabungen auf dem Wirtheimer Kringel in 2014 förderten 13 kleine Feuerstein-Abschläge (Mikrolithen) zutage. Sie werden einem kurzzeitigen Lagerplatz einer steinzeitlichen Jägergruppe, der Wirtheimer Gruppe, aus der Zeit um 8000 v. u. Z. (vor unserer Zeitrechnung) zugeordnet.Der Ringwall–Ausgrabungen. Ein Erdwerk an strategisch günstiger Position, Webseite www.spessartprojekt.de des ASP, abgerufen am 11. Dezember 2021

Ortsname Der Name Wirt(heim), Wert(heim) oder Wörth geht wohl auf die „fränkische Bezeichnung für Insel oder Halbinsel, hier ist ein Schwemmkegel im Mündungsbereich der Bieber in die Kinzig angesprochen, auf dem Wirtheim erbaut wurde“ (→ Werder, Flussinsel). Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Geschichte mehrfach, von Wertheim (976) über Weirtheim (1184) zum heutigen Wirtheim (1362).

Mittelalter Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung Wirtheims datiert von 976 Feb. 28, als Otto II. die Orte Wertheim, Cassele, Hosti in pago Kinzechewes dem Stift St. Peter und Alexander in Aschaffenburg zum Geschenk machte. Ab 1262 nahm der Einfluss des Erzbistums Mainz zu, das 1313 die volle Gerichtsbarkeit erlangt. Ab 1361 wurde im Ort offiziell Gericht gehalten. In der folgenden Zeit begann Wirtheim immer wohlhabender zu werden, nachdem ihm am 29. Dezember 1365 durch Kaiser Karl IV. die StadtrechtePeter Nickel, „Die Frankfurt-Leipziger Strasse zur Postkutschenzeit“, S. 3 und damit das Recht zum Mauerbau sowie Markt- und Zollrechte zugesprochen wurden.

1426 wurde erstmals das Schloss Wirtheim als kurmainzischer Amtssitz erwähnt, mit dem die Familie Forstmeister von Gelnhausen belehnt war. Von 1428 bis 1566 war Wirtheim an die Grafen von Hanau (ab 1456: Grafschaft Hanau-Münzenberg) verpfändet.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 209, die allerdings „Wertheim“ liest. Wertheim allerdings war nie mainzisch

Wirtheim lag im Mittelalter an der ehemaligen Reichsstraße, der Via Regia (auch Hohe Straße genannt). Sie war mit 4.500 Kilometern die „längste mittelalterliche Handelsstraße, die Ost- und Westeuropa verband“. Von Santiago de Compostela kommend, führte sie über Frankfurt am Main nach Leipzig und weiter bis Kiew.Handelswege führten nicht nur nach Rom, Gelnhäuser Neue Zeitung, 20. Juli 2019 Sie war im Mittelalter bis hinein in die Neuzeit eine der wichtigsten Verbindungen nach Mitteldeutschland. Ein Schlüsselpunkt dieser Straße, die „Wirtheimer Pässe“, die Vorspannleistungen erforderten, sind unter diesem Namen in die Geschichte eingegangen.https://www.geschichtsverein-biebergemuend.de/geschichte-des-biebergrundes/chronik/iv-1000-bis-1684/

Nachbarort Hergersfeld Eine der 12 Trinkwasserquellen der heutigen Gemeinde Biebergemünd ist der in Wirtheim befindliche Hersfelder Born. Der Name erinnert an Wirtheims ehemaliges Nachbardorf, die heutige Wüstung Hergersfeld. Richtiger wäre daher der Name Hergersfelder Born, denn die Quelle liegt zwischen beiden mittelalterlichen Orten. Der vielleicht von Bewohnern von Wirtheim oder Kassel aus, bereits vor 886 gegründete Ort ist, nach über 500 Jahren, etwa um das Jahr 1400 wüst gefallen.„1000 Jahre Kassel und Wirtheim“, Festschrift, 1976, S. 46Herigisfeld, aufgerufen am 29. Dezember 2021 Vermutlich hinter den, bald nach 1365 errichteten Mauern Wirtheims, werden die Bewohner von Hergersfeld eine Zuflucht gefunden haben., aufgerufen am 29. Dezember 2021

Neuzeit Bis zum Dreißigjährigen Krieg war das an der belebten Handelsstraße gelegene Wirtheim durch Wachstum und wirtschaftliche Blüte geprägt. Dies änderte sich 1634, als kaiserliche Truppen den Ort besetzten und die Pest einschleppten.

1632 erfolgte die Besetzung durch die Schweden. König Gustav Adolf von Schweden schenkte Wirtheim der Grafschaft Hanau, die Wirtheim 1649 an Mainz zurückgab. Nach einer nochmalige Verpfändung von 1665 bis 1721, kam Wirtheim 1803 zum durch den Reichsdeputationshauptschluss neu geschaffenen Fürstentum Aschaffenburg, 1810 zu dem von Napoleon gegründeten Großherzogtum Frankfurt. Im Pariser Frieden von 1814, nach der für Napoleon verlorenen Völkerschlacht bei Leipzig, wurde Wirtheim, ebenso wie Kassel und Orb dem Königreich Bayern zugesprochen. Der Wiener Kongress (1814/15) bestätigte nochmals diese Zuordnung. Bereits 1866 musste Bayern, nach dem verlorenen Preußisch-Österreichischen Krieg, Wirtheim an das Königreich Preußen abtreten.

Am 1. Mai 1867 erhielt Wirtheim mit einem Haltepunkt Anschluss an die Kinzigtalbahn Fulda–Hanau, als sie in diesem Abschnitt eröffnet wurde. Das bis heute erhaltene Empfangsgebäude stammt von 1893. Mit der Einrichtung eines Bahnhofsgebäudes, an der Strecke „Frankfurt (M) – Bebra“, jenseits der Kinzig, beginnt auch eine Ansiedlung in dieser Gegend. Um 1900 tauchte das erste Mal der Name Neuwirtheim auf. Es ist trotz seines eigenständigen Charakters und des eigenen Ortsschildes offiziell kein eigener Ortsteil. Neuwirtheim hat sich als reines Wohngebiet an der Eisenbahn und der Landesstraße L 3201 entwickelt und breitete sich immer weiter an den Hängen des Kinzigtals nach Norden hin aus.

Kurz nach dem Ortsteil Kassel erhielt auch Wirtheim 1912 ein Wasserkraftwerk zur Stromgewinnung. Im Jahr 1963 erfolgte der Bau der Kanalisation.

Postverkehr Nach Einrichtung eine Oberpostamtes in Frankfurt am Main durch das Haus Thurn und Taxis legte der Postmeister Johann von den Birghden, 1616 einen festen Postkurs auf der Strecke Frankfurt – Leipzig fest. Wirtheim lag, ebenso wie die benachbarten Orte Höchst und Aufenau an der Strecke, zählte aber nicht, wie Gelnhausen oder Salmünster zu den „Posthaltereien“.Peter Nickel, „Die Frankfurt-Leipziger Strasse zur Postkutschenzeit“, Dokumentation zur Ausstellung des Geschichtsvereins Biebergemünd, 400 Jahre Poststrasse Frankfurt am Main – Leipzig 1616/2016, S. 8 Wirtheim spielte aber sicher als Zustiegstelle an der Route eine gewisse Rolle. Schon um 1660 kam, mit der Fürstlich Hessischen Post eine Konkurrenz-Linie auf der gleichen Route hinzu. In der Napoleonischen Zeit (1806–1813) wurden beide Linien zu einer einzigen vereint, die ab dem 2. Dezember 1813 wieder in der Regie von Thurn und Taxis lief. Wirtheim, als der am weitesten nördlich exponierte Ort des Königreichs Bayern, erhielt 1833 eine Königlich bayerische Postexpedition. Sie war im Gasthof „Zum Löwen“ untergebracht und blieb bis zum 10. Januar 1852 an dieser Stelle tätig. Mit der Aufnahme des viel günstigeren und leistungsfähigeren Bahnbetriebs auf der Linie Hanau – Fulda kam das rasche Ende des Fahr- und des Reisepostverkehrs.

Spessartbahn Zur Förderung des Erzbergbaus im Biebertal wurde 1885 die schmalspurige Spessartbahn in Betrieb genommen. Sie führte vom Bahnhof Gelnhausen parallel zur Staatsbahn nach Wirtheim und von dort nach Lochborn oberhalb von Bieber. Der Betrieb dieser Bahn wurde auch nach Stilllegung des Bergbaus im Mai 1925, zunächst für die Personenbeförderung noch fortgesetzt. 1951 stellte dies Bahn ihren Betrieb ein. Ein Teil der Bahntrasse ist als Wander- und Radweg erhalten.

Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. September 1970 die bis dahin selbständigen Gemeinden Kassel und Wirtheim zur neuen Gemeinde Biebergemünd zusammengeschlossen. Für die Ortsteile wurden keine Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Die Fläche der ehemaligen Gemeinde Wirtheim betrug 10,01 km².

Bevölkerung Einwohnerentwicklung

Quelle: Historisches Ortslexikon

1582: 48 bewohnte Herdstätten 1633: 43 Haushaltungen und 8 Gefreite 1812: 119 Feuerstellen mit 579 Seelen

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 11 evangelische (= 1,57 %), 690 katholische (= 98,43 %) Einwohner • 1961: 139 evangelische (= 9,77 %), 1277 katholische (= 89,80 %) Einwohner

Bildung Kindertagesstätte Seit 1975 gibt es in Wirtheim die von der katholischen Kirchengemeinde St. Peter und Paul betriebene „Kindertagesstätte Kolibri“ . In ihr können Kinder vom 1. bis zum 10. Lebensjahr betreut werden.Kindertagesstätte

Schulen In Wirtheim gibt es eine Grundschule. In unmittelbarer Nähe, im Ortsteil Kassel, ist die Alteburg-Schule mit einem Haupt- und einem Realschulzweig. Darüber hinaus ist die Gemeinde Biebergemünd insgesamt an die Friedrich-August-Genth-Schule (eine Kooperative Gesamtschule) in Wächtersbach, das Grimmelshausen-Gymnasium in Gelnhausen und die Henry-Harnischfeger-Schule (integrierte Gesamtschule) in Bad Soden-Salmünster angebunden.

Bücherei Die katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul betreibt auch eine öffentliche Bücherei. Bücher und Medien können hier, aus einem Medienbestand von über 5400, auch online oder telefonisch bestellt werden.

Infrastruktur und Wirtschaft Verkehr Busverkehr Ganzjährig verkehren in Wirtheim mehrere Buslinien des KVG. Sie schaffen mit den Linien MKK 64 und MKK 65 öffentliche Verkehrsanschlüsse zu allen Ortsteilen der Gemeinde Biebergemünd, nach Wächtersbach mit der Kinzigtalbahn Fulda–Hanau (Bahnhof Wächtersbach) sowie nach Bad Soden-Salmünster, weiterhin zum Bahnhof Gelnhausen, Bahnhof Wirtheim und zu den Nachbargemeinden Flörsbachtal und JossgrundMKK Verkehrslinienplan. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Bahn Wirtheim hat einen Bahnhof an der Kinzigtalbahn Fulda–Hanau. Die nächsten barrierefreien Bahnhöfe sind Wächtersbach und Gelnhausen. Die hier verkehrende Regionalbahn Wächtersbach–Frankfurt verkehrt im Stundentakt.

Straße Quer durch den gesamten Ort verläuft die Bundesstraße 276, die Deutsche Ferienroute Alpen–Ostsee, die von Mücke im Vogelsberg bis Lohr am Main im Spessart führt. Im Norden verbindet die Landesstraße 3333 (die ehemalige Bundesstraße 40) den Ort mit Gelnhausen und die Kreisstraße 908 mit Neuwirtheim. Wirtheim liegt direkt an der A 66 die Frankfurt am Main und Fulda verbindet, zwischen den Anschlussstellen AS 44 Gelnhausen Ost und AS 45 Bad Orb / Wächtersbach.

Fahrradwege Durch Wirtheim verläuft der Hessische Radfernweg R3. Er führt als „Rhein-Main-Kinzig-Radweg“ von Rüdesheim nach Tann in der Rhön. In Wächtersbach besteht Anschluss an den Vogelsberger Südbahnradweg.

Ein Teil der Bahntrasse der ehemaligen Spessartbahn, die durch das gesamte Biebertal führte, ist als Wander- und Radweg erhalten.

Freiwillige Feuerwehr