Die historisch belegte Geschichte Elminas, einer heutigen Kleinstadt in Ghana umfasst mehr als fünfhundert Jahre. Sie beginnt 1482 mit einem Abkommen zwischen dem portugiesischen Seefahrer Diogo de Azambuja und dem von den Portugiesen Caramansa genannten Herrscher von Elmina. Darin wurde den Portugiesen erlaubt, dort die erste europäische Festung im Afrika südlich der Sahara zu errichten. Für die folgenden gut 150 Jahre bis zur Eroberung durch die Niederländer 1637 war Elmina Hauptort der portugiesischen Stützpunkte an der Goldküste, anschließend für etwa 250 Jahre Hauptort der Niederländer in Westafrika. Seit der Erbeutung des Pachtvertrages für die beiden Festungen Elminas durch die Aschanti 1701, hatte die Stadt zudem eine herausragende Bedeutung für das Aschantikönigreich, also die beherrschende Regionalmacht der Goldküste. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Elmina die bevölkerungsreichste Stadt der Goldküste und übertraf sogar Accra und Kumasi. Der Handel mit Gold, Sklaven und Palmöl brachte die Stadt in direkten Kontakt mit Europa, Nordamerika, Brasilien und über die Rekrutierung von Soldaten auch mit Südostasien. Erst mit der Übernahme und weitgehenden Zerstörung der widerstrebenden Stadt durch die Briten 1873 büßte Elmina seine herausragende Stellung an der Goldküste ein und wurde ein Küstenort unter vielen.
mini|Diese Karte Westafrikas aus dem 16. Jahrhundert zeigt die Bedeutung Elminas mini|Ansicht Elminas aus dem 17. Jahrhundert
Elmina vor Ankunft der Portugiesen mini|Karte von Elmina 1647, die Stadt ist auf die Südhalbinsel beschränkt
Elmina erstreckt sich heute auf zwei Halbinseln, nördlich und südlich des Benyaflusses. Die Besiedelung der südlichen Halbinsel ist seit mindestens dem Jahr 1000 n. Chr. belegt.DeCorse 18 Die Besiedelung der Nordhalbinsel dagegen setzte erst in der Neuzeit ein. Die Einwohnerzahl lag unmittelbar vor Ankunft der Portugiesen Ende des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich bei einigen hundert Personen und Elmina gehörte damit zu den größeren Siedlungen des später Goldküste genannten Küstenabschnittes. Seine Bewohner befanden sich zudem bereits 100 Jahre vor Ankunft der Portugiesen über den Salzhandel im Handelsaustausch mit den Akanvölkern des Inlandes.Yarak 1979 Über diese Inlandsvölker war Elmina – in bescheidenem Ausmaß – mit den großen Handelsrouten Westafrikas und letztlich mit den Transsahararouten verbunden.DeCorse 32. Die Bewohner von Elmina waren AkanFrance, Christine A. M.; Owsley, Douglas W.; Bruwelheide, Karin S.; Renschler, Emily S.; Barca, Kathryn G.; DeCorse, Christopher R., Stable isotopes from the African site of Elmina, Ghana and their usefulness in tracking the provenance of enslaved individuals in 18th‐ and 19th‐century North American populations. American Journal of Physical Anthropology 171/2, 2020, 298.
Ein zweigeteiltes Dorf Elmina lag an der Grenze der beiden Fante–Staaten Komenda und Fetu. Da die Portugiesen das spätere Elmina auch „Aldea das duas Partes“, also „Dorf der zwei Teile (oder Parteien)“ nannten, ist lange vermutet worden, dass hier vor Ankunft der Portugiesen nicht ein Dorf bestand, sondern dass es zwei verschiedene Fischerdörfer auf beiden Ufern der Benya-Lagune gegeben hat, von denen eines zu Komenda (andere Bezeichnung: Eguafo), das andere zu Fetu gehörte.z. B. van Danzig:9, aber auch andere Archäologische Untersuchungen in den 1990er Jahren haben dagegen eindeutig ergeben, dass es nördlich des Benya vor Ankunft der Portugiesen keine Siedlung gab. Beide Hälften des alten Elmina lagen auf der südlichen Halbinsel. Der eine Siedlungskern befand sich unmittelbar westlich an das heutige Elmina Castle anschließend (und teils heute unter der Burg begraben), also am Ostende der Halbinsel; der andere Teil etwa 400 Meter westlich, kurz vor dem heutigen Ort Bantuma.De Corse Der Grund für die Zweiteilung des Dorfes dürfte darin gelegen haben, dass beide Teile jeweils an den erhöhten Punkten der Halbinsel lagen und das Gebiet dazwischen gelegentlich überflutet war.
Spätere niederländische Karten zeigen, dass die Gebiete im Westen und Nordwesten von Elmina von Eguafo / Komenda beherrscht wurden, die Gebiete im Osten dagegen von Fetu. Es ist nicht auszuschließen, dass zum Zeitpunkt der Ankunft der Portugiesen die Herrscher beider Staaten Ansprüche auf Elmina erhoben.DeCorse 20
Die ungeklärte Frage der politischen Zugehörigkeit des ursprünglichen Elmina hat zu verschiedenen Spekulationen geführt. Beispielsweise wurde über eine Lautähnlichkeiten zwischen dem Wort „Caramansa“, mit dem der „König von Elmina“ in den ersten portugiesischen Berichten bezeichnet wurde, und dem Herrschertitel „Mansa“ des Volkes der Mandinka aus dem Sahelgebiet, darauf geschlossen, dass in Elmina vor der portugiesischen Zeit Mandinkahändlern herrschten. Es gibt aber außer der Lautähnlichkeit keinerlei Hinweise hierauf. Da der Begriff Caramansa außer in den frühesten Berichten nicht mehr auftaucht, ist es wahrscheinlicher, dass der Mandinka-Begriff von einem mitgeführten afrikanischen Übersetzer als allgemeine Bezeichnung für „Herrscher“ benutzt wurde.DeCorse 49
Gründungslegende Nach einer lokalen Legende hatte der Gründer Elminas, Kwaa Amankwa, Aschanti-Vorfahren und kam aus Techiman in der heutigen Brong Ahafo Region. Die Herkunft aus Techiman deckt sich mit der Herkunftslegende der übrigen Fante. Ungewöhnlich ist jedoch die Betonung der Aschanti-Abstammung, denn Techiman war bis weit ins 18. Jahrhundert Teil des Königreiches Bono. Einig sind sich die Legenden jedoch darüber, dass Kwaa Amankwa Elmina am Fluss Benya gründete, nachdem er den Ort bei einem Jagdausflug entdeckt hatte. Er nannte seine Siedlung Anomansa, was übersetzt „unerschöpfliche Versorgung mit Wasser“ bedeutet.
Die portugiesische Zeit: 1482–1637 mini|Fort São Jorge da Mina in Elmina mini|Frühe, idealisierte Darstellung der Stadt Elmina von 1575
1471 hatten erstmals Portugiesen im Auftrag des Lissaboner Kaufmanns Fernão Gomes die Küste vor Elmina erkundet. Um 1482 kehrten sie mit einer Flotte von zehn Karavellen und zwei Frachtschiffen unter dem Kommando von Diogo de Azambuja zurück.Hadeler 12, andere Quellen sprechen von sechs Schiffen De Azambuja hatte den Auftrag, eine Festung an dieser Stelle zu errichten. Auf seinen Schiffen führte er Material mit, das für die Errichtung einer Festung nach europäischen Vorstellungen gedacht war.
Die Einheimischen waren am Handel mit den Portugiesen interessiert und begegneten ihnen freundlich, solange der Handel von den portugiesischen Schiffen aus ablief. Der Plan, bei Elmina eine Festung zu errichten, stieß jedoch auf Ablehnung. Verhandlungspartner der Portugiesen war ein lokaler Herrscher namens Kwamina Ansa, von den Portugiesen Caramansa genannt. Überliefert ist eine blumige Rede „Caramansas“, die darauf hinauslief, dass „Freunde, die sich gelegentlich sehen, bessere Freunde bleiben, als wenn sie Nachbarn würden.Daaku:52“ Die Portugiesen begannen trotz dieser Ablehnung den Festungsbau und legten am 21. Januar 1482 den Grundstein für das spätere Fort São Jorge da Mina. Laut Daaku brannten sie aber wegen dieses Widerstandes den Ort nieder.Daaku 53 Die Portugiesen errichteten auf dem höher liegenden östlichen Ende der Halbinsel eine rechteckige Festung mit Ecktürmen und nannten sie Castelo de São Jorge da Mina, also Festung des heiligen Georgs von Mina, heute bekannt als Elmina Castle. Den Ort selbst nannten sie „El Mina“, also „das Bergwerk“, sie bezogen sich damit auf den Ort als Quelle des Goldes, das sie einhandeln wollten.
Diogo de Azambuja wurde zum ersten von 48 capitão-mayór, also Gouverneuren von Elmina, ernannt. Die Gouverneure von Elmina waren im weiteren Verlauf gleichzeitig Gouverneure aller später gegründeten portugiesischen Besitzungen an der Goldküste.
Bedeutung Elminas Elmina wurde nicht zufällig zum Platz der ersten europäischen Festung an der Goldküste. Für diesen Ort sprach, dass es dort bereits eine größere afrikanische Siedlung als Voraussetzung für den Handel und als Quelle einheimischer Arbeitskräfte gab. An der Küste des späteren Ghana gab es – im Gegensatz zum Inland – zu dieser Zeit kaum größere Ortschaften. Eine Quelle von 1479 (Eustache de la Fosse) etwa nennt nur Elmina und das westlich gelegene Shama als Hafenorte. Selbst in dieser Gegend dauerte es im 15. Jahrhundert noch drei bis vier Tage, ehe sich die Nachricht von der Ankunft eines Schiffes per Trommeln verbreitet hatte und die Händler mit ihren Waren dort eingetroffen waren.De Corso:18 Die natürlichen Gegebenheiten waren ideal: eine felsige Halbinsel, zwischen Benya-Lagune und Ozean gelegen, leicht zu verteidigen mit der Lagune als natürlichem Hafen. Und auf der Halbinsel – keine Selbstverständlichkeit an der Goldküste – stand Sandstein für den Bau der die Festung an.DeCorso 21 De Azambuja führte nicht, wie in einigen Quellen angegeben, das komplette Material zum Festungsbau mit sich, sondern nur vorgefertigte Steine für die Fundamente, Torbögen und Fensteröffnungen. Der größere Teil des Materials für die Festung stammte von einem Steinbruch auf der Halbinsel. Ausschlaggebend für das Interesse der Portugiesen an dem gesamten Küstenabschnitt aber war, dass von dort die Handelswege ins Inland zu den Quellen des Goldes im Gebiet der Aschanti führten. Da in Elmina bereits vor Ankunft der Europäer Salz gewonnen und von dort aus ins Landesinnere transportiert worden war, existierte auch ein Handelsweg ins Landesinnere.
Das Verhältnis zwischen Portugiesen und Einheimischen in Elmina mini|Innenhof von Elmina Castle heute
Die Portugiesen übten keine uneingeschränkte Macht über die Bevölkerung von Elmina aus. Zwar akzeptierten die Einheimischen sie als eine Macht, die Streitigkeiten zwischen den Afrikanern schlichten konnte, doch dies ist wohl auch auf die Rolle der Portugiesen als „neutrale Außenstehende“ zurückzuführen. Die Portugiesen konnten eine Steuer auf Fisch durchsetzen und neu gewählte lokale afrikanische Oberhäupter ließen sich von ihnen offiziell anerkennen. Gleichzeitig waren sie aber von der Kooperation der Afrikaner abhängig. Als letztes Mittel bei Unzufriedenheit mit der europäischen Macht blieb den Afrikanern das wirkungsvolle Mittel, die Stadt zu verlassen. Bezeichnend ist ein Schreiben des portugiesischen Königs an den Gouverneur von Elmina aus dem Jahr 1523. Darin brachte er seine Besorgnis zum Ausdruck, dass die Menschen dort zu hart behandelt würden, mit dem Ergebnis, dass sich die Stadt entvölkere. Dies sei nicht im Sinne guter Handelsbeziehungen, die Leute sollten daher eher verteidigt, beschützt und belehrt werden.DeCorse:17 Tatsächlich entstand in Elmina auf königlichen Erlass hin 1529 die erste Schule für Einheimische, in der Schreiben, Lesen und die Heilige Schrift gelehrt wurde.
Die Portugiesen verboten (ebenso wie später die Niederländer) die Versklavung von Einheimischen im Umland von Elmina. Ein königlicher Erlass von 1615 legt dafür einen Umkreis von zehn Leguas (etwa 50 Kilometer) um die Stadt fest. Elmina war nie eine Quelle von Sklaven, während ihrer gesamte Herrschaft importierten die Portugiesen Sklaven dorthin und bezahlten mit tausenden Menschen von der sogenannten Sklavenküste das Gold der Aschanti.DeCorse:27 Die spätere Bedeutung der Stadt für den Sklavenhandel beruhte auf ihrer Funktion als Durchgangsstation für verschleppte Menschen ab dem 17. Jahrhundert.
1486 wurde „Elmina“ das portugiesische Stadtrecht verliehen. Tatsächlich bezog sich das Stadtrecht nach einzelnen Quellen nur auf die dortige Festung und nicht auf die afrikanische Siedlung.
Sehr früh entwickelte sich in Elmina ein portugiesisch basiertes Pidgin, das sich zur Verkehrssprache an der gesamten Goldküste entwickelte und noch Jahrzehnte nach der Vertreibung der Portugiesen im Kontakt zwischen Afrikanern und Europäern nicht nur portugiesischer Sprache benutzt wurde.