Schwabendorf ist ein Ortsteil der Stadt Rauschenberg im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geographie Der Ort liegt am Rande des Burgwaldes. Er gehörte von 1821 bis 1932 zum damaligen Kreis Kirchhain. Nördlich treffen sich die Bundesstraße 3 und die Landesstraße 3077.
Geschichte Ortsgeschichte Gegründet wurde das Schwabendorf im Jahre 1687 auf Anordnung der landgräflich Regierung in Kassel. Damals siedelten 116 französische Glaubensflüchtlinge hier, Hugenotten und Waldenser. Auf dem zentralen Dorfplatz, dem Hugenottenplatz, erinnert ein Gedenkstein an die Namen der Einwandererfamilien. Ein nordwestlich gelegenes Feuchtgebiet, das den Siedlern teilweise zur Nutzung überlassen wurde, wird heute noch als Franzosenwiesen bezeichnet.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen genehmigte die Landesregierung mit Wirkung vom 31. Dezember 1971 den freiwilligen Zusammenschluss der Stadt Rauschenberg und der Gemeinden Albshausen, Bracht, Ernsthausen, Josbach, Schwabendorf und Wolfskaute im damaligen Landkreis Marburg zu einer Stadt mit dem Namen Rauschenberg. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden sowie für die Kernstadt wurde je ein Ortsbezirk gebildet.
Vom 4. bis 8. Juli 2012 wurde 325 Jahre Schwabendorf gefeiert.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schwabendorf angehört(e):
ab 1687–1800: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Landgrafschaft Hessen-Kassel, französische Kanzlei der landgräflich Reg. in Kassel ab 1800: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Rauschenberg ab 1803 ist das Staatsoberhaupt Kurfürst 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rauschenberg (Friedensgericht Rauschenberg) ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Rauschenberg ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis KirchhainÜbersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 74Trennung von Justiz (Justizamt Rauschenberg) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg, Stadt RauschenbergAm 31. Januar 1971 wurde Schwabendorf als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Rauschenberg eingegliedert. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Rauschenberg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Rauschenberg
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Schwabendorf 471 Einwohner. Darunter waren 6 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 90 Einwohner unter 18 Jahren, 201 zwischen 18 und 49, 105 zwischen 50 und 64 und 78 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 198 Haushalten. Davon waren 57 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 66 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 33 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 138 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1687: 35 Familien • 1747: 38 Haushalte • 1812: 38 Häuser, 342 Einwohner • 1838: Familien: 64 nutzungsberechtigte Ortsbürger
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 339 evangelisch-lutherische, 10 evangelisch-reformierte, 10 römisch-katholische Einwohner • 1885: 315 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 393 evangelische (= 92,00 %), 31 katholische (= 7,29 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1746: Erwerbspersonen: 16 Strumpfweber, 6 Wollkämmer, 5 Wollspinner, 4 Leineweber • 1780: Erwerbspersonen: 25 Strumpfweber, 2 Leineweber, 2 Hutmacher, 1 Schneider, 1 Schuhmacher. • 1838: Familien: 15 Ackerbau, 15 Gewerbe, 34 Tagelöhner • 1858: Erwerbspersonen: 1 Schreiner, 2 Leineweber, 3 Zimmerleute, 10 Maurer • 1961: Erwerbspersonen: 104 Land- und Forstwirtschaft, 88 Produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges
Politik Für Schwabendorf besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat für den Ortsbezirk Schwabendorf besteht aus fünf Mitgliedern. Die Wahlbeteiligung zur Wahl des Ortsbeirats bei der Kommunalwahl 2021 60,47 %. Alle Kandidaten gehörten der „Gemeinschaftslist Schwabendorf“ an. Der Ortsbeirat wählte Günther Aillaud zum Ortsvorsteher.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Hugenotten-Gedächtniskirche mini|Die Schwabendorfer Kirche mini|Innenraum
Anstelle der 1711 errichteten alten Fachwerkkirche wurde 1875 eine neue Kirche aus Stein errichtet. Kaiser Wilhelm I. hatte mit einem Geschenk von 9000 Mark entscheidend zur Finanzierung beigetragen. 1887 erhielt die Kirche eine Orgel als Geschenk der kaiserlichen Familie zur 200-Jahr-Feier des Dorfes. Sie wurde 2006 restauriert.
Bis 1917 war die Kirche mit drei Glocken aus Bronze ausgestattet. Die kleinste aus 1770, die mittlere aus 1839, die größte aus 1902. Im Ersten Weltkrieg mussten die beiden größeren eingeschmolzen werden. 1919 wurde diese gegen Eintausch der kleinsten wieder ersetzt.
1930 ließ die Gemeinde aus dem Vermächtnis von Henriette Moutoux, deren Vorfahren Mitte des 19. Jahrhunderts von Schwabendorf nach Kalifornien ausgewandert waren, zwei Kunstwerke anfertigen: Die Bronzeskulptur „Heiliger Georg / Der Drachentöter“ von Gerhard Marcks und das Ölgemälde „David und Goliath / Auszug der Hugenotten“ von Karl Leyhausen. Diese erinnern an den Glaubenskampf und die Verfolgung der Hugenotten in Frankreich. Seitdem trägt die Kirche den Namen „Hugenotten-Gedächtniskirche“.
1937 wurde eine Sandsteinkanzel eingebaut als Ersatz für die holzvertäfelte Kanzel aus dem Jahre 1888. 1955 wurde das durch einen Blitzschlag zerstörte Chorfenster ersetzt durch das Glasfenster „Der auferstandene Christus“ nach dem Entwurf der früheren Schwabendorfer Pfarrfrau Johanna Schütz-Wolff.
Vereine Das kulturelle Ortsleben prägen folgende Vereine: Arbeitskreis für die Geschichte der Hugenotten und Waldenser Freiwillige Feuerwehr Schwabendorf Gesangverein 1886 Motor-Club Schwabendorf 1971 e.V Evangelischer Posaunenchor Tennisclub Schwabendorf 1986 e. V. Turn- und Sportverein 1927 Schwabendorf e. V. Verein für Schutz- und Gebrauchshunde
Infrastruktur In Schwabendorf gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine evangelische Kirche und das Dorfmuseum Daniel-Martin-Haus.
Verkehr Den öffentlichen Personennahverkehr stellen die Buslinien MR-72, MR-74 und MR-79 des RMV.
Nahwärme Seit Ende November 2011 läuft auf dem Gelände des Schwabendorfer Ortslandwirtes eine BiogasanlageBiogasanlage angefahren In: Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 21. November 2011., die dieser mit zwei weiteren Bauern aus der Region betreibt. Ebenfalls im November wurde im Ort eine Genossenschaft gegründet, die ein Nahwärmenetz aufbaut und die Abwärme der Biogasanlage abnimmtBundesgeschäftsstelle Energiegenossenschaften. Die Genossenschaftsmitglieder nutzen diese Wärme dann zum Heizen und für Warmwasser. Von dem zwischenzeitlichen Plan, die Kapazitäten durch ein Holzhackschnitzelwerk zu erhöhen In: Oberhessische Presse vom 13. April 2011., wurde wieder Abstand genommen, da die Kapazitäten der Anlage ausreichen, um die gut 70 Mitglieder mit Wärme zu versorgenEs ist noch Nahwärme da In: Redaktionsnetzwerk Deutschland vom 2. April 2012.. Die Bauarbeiten machen sich auch die Stadtwerke Marburg zunutze, die parallel zu der Nahwärmeleitung ein Glasfaserkabel für schnelles Internet verlegen. Das Nahwärmenetz ist seit Anfang 2013 in Betrieb.
Literatur Sigrid Althaus: Hugenottendörfer um Marburg und Frankenberg. Hitzeroth, Marburg 1989, Reihe Landeskundliche Bildbände Hessen 2, ISBN 3-925944-76-1, Kap. Schwabendorf S. 37–60
Weblinks
Luftbild des Ortes
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Geographie (Rauschenberg) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gegründet 1687 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Hugenottenort