Der Hardcore Punk (häufig als Hardcore abgekürzt) entstand Ende der 1970er-Jahre in den Vereinigten Staaten und unabhängig davon im Vereinigten Königreich als radikalere und schnellere Weiterentwicklung des Punk-Rocks. Die ursprüngliche Hardcore-Ära gilt seit Mitte der 1980er-Jahre als beendet, als Hardcore begann, sich in unterschiedliche Subgenres aufzuspalten. Seitdem gibt es zum einen sogenannte „Old-School“-Gruppen, die sich am ursprünglichen Hardcore-Punk orientierten, zum anderen entwickelten sich zu jener Zeit Bands, die stärker andere Musikstile, so auch Metal, miteinbezogen und deshalb eher dem Post-Hardcore zugeschrieben werden. Diese sich dennoch stark mit Punk-Rock identifizierendenvgl. etwa mit der Selbstbestimmung von Bands wie Refused; Zitat: „We made this album wanting to challenge peoples preconceptions of what a Punk band could be and what it could play[…]“ – Dennis Lyxzén / Refused; abgerufen am 8. Februar 2008. Weiterhin auch Snapcase: straightedgelifestyle.moonfruit.com abgerufen am 8. Februar 2008; „Would you like to talk about the tour? Snapcase are a band that have broken grounds I think in every area of hardcore as one of the most furious and passionate punk bands“ Bands wurden damals als „New-School“-Hardcore bezeichnet.

Erst später wurden die Begriffe auch als Spaltung verstanden, als der „New-School“-Begriff fast nur noch für einen Teil der Bands dieser Entwicklung verwendet wurde, deren Musik und Selbstverständnis stark am Metal orientiert war und deren Stilentwicklung letztlich im Metalcore mündete.

Der Hardcore-Punk hatte großen Einfluss auf später folgende Musikrichtungen wie Grunge, Crossover oder Extreme Metal.

Herkunft des Begriffs Hardcore

Über die Herkunft des Begriffes „Hardcore“ existieren unterschiedliche Auffassungen. Oftmals wird die Bezeichnung auf die kanadischen D.O.A. zurückgeführt, die mit ihrem zweiten Album Hardcore '81 den Begriff Hardcore erfunden oder zumindest verbreitet haben sollen. Eine andere Ansicht vertritt Charlie Harper, Sänger der britischen Band UK Subs, laut dem Hardcore aufgekommen sein soll, nachdem die Managerin der UK Subs und Anti-Nowhere League während einer gemeinsamen US-Tour beider Bands den Begriff „Hardcore-Punk“ zur Beschreibung ihrer Musikstile benutzt habe.Arte.tv: Martin Büsser führt ein Zitat von Vic Bondi (Articles of Faith) aus dem Headspin an, demzufolge der Begriff vom US-Militär stammt:

In Deutschland tauchte der Begriff „Hardcore-Punk“ spätestens 1980 in der Musikzeitschrift Sounds auf.punk-disco.com

Geschichtliche Entwicklung Anfänge mini|links|Dead Kennedys mini|Minor Threat

Hardcore entstand gegen Ende der 1970er-Jahre, als eine neue Generation von Jugendlichen Zugang zur Punk-Musik fand, die nicht wie die Vertreter des 77er-Punk-Rocks mit dem Garage- und Glam-Rock der 1960er- und 1970er-Jahre aufgewachsen waren, sondern mit Punk-Rock, und diese Musikform geschwindigkeitstechnisch und textlich radikalisierten. Das heute vorherrschende klassische Bild eines Punks mit Irokesenschnitt oder „Liberty Spikes“ wurde erst in der Ära des Hardcore-Punks geprägt.

Paul Rachmann erklärt den Unterschied zwischen Punk und Hardcore mit der unterschiedlichen Sozialisation; im Hardcore sei die Musik selbst als Botschaft zu verstehen. Punk sei „zwar musikalisch auch aggressiv […], aber alles in allem wesentlich versierter und konzeptioneller“. Er habe seine Anfänge in Metropolen wie London und New York, sei dann in Metropolen wie Los Angeles und San Francisco aufgegriffen worden; diese hätten Museen, Galerien und ein „intellektuelles Klima“ vorzuweisen, wohingegen Hardcore in Vororten entstanden sei und im Vergleich etwa zu Patti Smith, Television, den Ramones und dem CBGB „unkultiviert“ sei. Als möglicherweise erstes Hardcore-Punk-Album gilt die von Joan Jett produzierte LP GI von The Germs (1979).

In den USA sowie Kanada gelten vor allem fünf Bands, die Dead Kennedys, Bad Brains, Angry Samoans, Black Flag und Minor Threat als Initiatoren des „American Hardcore“. In Großbritannien wurde der „UK Hardcore“ oder „UK82“ hingegen von Bands wie Discharge, GBH und The Exploited geprägt. Obgleich beide Szenen sich gegenseitig beeinflussten (u. a. durch Touren von GBH und Discharge in den USA oder von den Dead Kennedys und Black Flag in Großbritannien), unterschieden sich beide Hardcore-Szenen äußerlich und inhaltlich dennoch recht stark. Neben den USA und Großbritannien breitete sich der Hardcore-Punk Anfang der 1980er-Jahre jedoch auch in andere Länder, wie Japan, Australien und in lateinamerikanische Länder (vor allem Brasilien) aus. Auf dem europäischen Festland entstand ein eigener „Euro-Hardcore“ vor allem in Deutschland und Skandinavien, aber auch in Italien. Als frühe deutsche Vertreter des Hardcore-Punks gelten unter anderem die The Buttocks, OHL, Toxoplasma oder Chaos Z.

American Hardcore Anfangsphase von 1979 bis etwa 1985/1986 mini|Black Flag

Initiatoren des frühen Westcoast-Hardcores waren vor allem die Bands Dead Kennedys und Black Flag, während der Eastcoast-Hardcore vor allem von den Bad Brains beeinflusst wurde. Durch Fanzines, das Austauschen von Audiokassetten per Post und Konzerte und Tourneen beeinflussten sich beide Szenen gegenseitig stark und ein gemeinsames Zusammengehörigkeitsgefühl der Hardcore-Szene sowie bandübergreifende Netzwerke wurden geprägt. Als Hochburgen des Hardcores mit eigenen einflussreichen Szenen galten früh Los Angeles, San Francisco (Cali-Punk, oder „Nardcore“), Boston (Boston Hardcore) und der Washington D.C.-Hardcore, später gewann auch der New York Hardcore (NYHC) an Bedeutung. Daneben entwickelten sich jedoch auch einflussreiche Hardcore-Szenen in Texas, Portland sowie im Nordwesten um Seattle. Eine eigene kanadische Szene wurde maßgeblich durch die Vorarbeit der Gruppe D.O.A. geprägt.

Wichtige Labels, die zu jener Zeit gegründet wurden, waren unter anderem in Kalifornien SST Records um Black Flag, BYO Records um Youth Brigade sowie Dischord in Washington D.C. um Minor Threat, welche mit ihrem gleichnamigen Song die Straight Edge Kultur begründeten.

Kommunikation in der Szene fand vor allem durch Fanzines statt. Vor allem die Magazine Flipside und Maximum Rock'n'Roll wurden Hauptmedien der Bewegung.

Weiterentwicklung ab etwa 1985/86 mini|Bad Religion

Zwischen 1984 und 1986 lösten sich viele der einflussreichsten Bands der frühen Hardcore-Szene auf oder veränderten ihren Stil maßgeblich. Zur gleichen Zeit kam eine neue Generation von Bands auf, die neue Einflüsse – vor allem aus dem Metal-Bereich – in die Musik einbrachten. Neue Bezeichnungen für Genres wie Powerviolence, Mosh und Crossover-Thrash kamen auf. Durch das politische Klima nach der Wiederwahl von Ronald Reagan begannen sich außerdem viele der Themen der Hardcore-Bands zu verändern. Durch das Aufkommen der Youth-Crew-Bewegung begann die neue Hardcore-Szene sich zunehmend vom Image des Punks zu entfernen. Ein neues Aussehen, der „Clean Look“, setzte sich durch und hob sich vom Aussehen der klassischen Hardcore-Punks ab. Neben den neuen Metal-beeinflussten Hardcore-Spielarten, „New School“ genannt, traten zudem neue aus dem Hardcore entstandene Szenen wie die Grunge-Bewegung und der Post-Hardcore hervor. Einige Gruppen wie die Beastie Boys oder später Biohazard begannen mit Hip-Hop-Einflüssen zu experimentieren, woraus sich der Crossover-Core entwickelte. Aus der Kritik an wachsendem Machismo innerhalb der Hardcore-Bewegung entwickelte sich vor allem in Washington, D.C. der Emotional Hardcore, kurz Emo.

Anfang der 1990er-Jahre traten, neben einer neuen Straight-Edge-Bewegung vor allem Metal-beeinflusste NYHC-Bands auf den Plan. Insbesondere in New York waren Elemente des Hip-Hop nicht mehr nur musikalischen Experimenten vorbehalten. Zur gleichen Zeit kam es aber auch zu einem Revival des Old-School-Hardcore. Daneben wurde der Westcoast-Hardcore durch den Mainstream-Erfolg von Melodycore-Gruppen wie Bad Religion und NOFX zunehmend kommerzialisiert. Die späten 1990er-Jahre sahen sowohl das Entstehen einer eigenen neuen Metalcore-Szene wie ein Revival der Youth-Crew-Bewegung.

Weitere Bands 1979–1985/86

1985/86–1999

2000 bis heute

UK-Hardcore Klassische Phase 1979 bis etwa 1985 mini|Conflict live in Leeds, 1986 Der UK-Hardcore entstand Anfang der 1980er-Jahre direkt aus dem Umfeld härterer Streetpunk-Gruppen. Besonders wichtig ist der Einfluss der Gruppe Discharge, deren „D-Beat“ weltweit großen Einfluss auf viele Hardcore- und Metal-Bands ausübte. Einige „UK82“-Gruppen wie Conflict sind jedoch gleichzeitig der Anarcho-Punk-Bewegung zuzurechnen, deren Einfluss weniger im musikalischen als vielmehr im politischen Bereich lag. Als der Höhepunkt des UK-Hardcores wird das Jahr 1982 angesehen, nach dem das Genre auch „UK82“ genannt wird. Ab 1985 trat eine Verschlechterung der Konzertbedingungen ein, und viele Bands lösten sich auf oder nahmen Metal-Elemente in ihre Musik auf, wodurch sich alte Fans enttäuscht von ihnen abwandten.

Weiterentwicklung ab etwa 1985 Nach dem Metal-Crossover der 1980er-Jahre und dem Zerfall der „UK82“-Szene entstand in Großbritannien um diese Zeit vor allem die einflussreiche Crust-Bewegung, die Elemente der Anarcho-Szene, des Hardcores und des Metals zu einer neuen eigenständigen Subkultur verband. Neben dem entstand die anfangs ähnliche, aber enger mit dem Deathmetal verwandte Stilrichtung des Grindcore. Beide Szenen entwickelten sich zu eigenständigen Subkulturen, die sich auch international auf andere Länder wie Deutschland, Japan aber auch die USA auswirkten, während gleichzeitig der American Hardcore, vor allem der vom Death Metal beeinflusste New-School-Stil sowie der kommerzielle kalifornische Melodycore sich Anfang der 1990er-Jahre zunehmend auf eine neue britische Hardcore-Szene auswirkten. Ende der 1990er-Jahre hatten sich in Großbritannien neben kleineren Revivals des „UK82“-Stils Post-Hardcore und Metalcore gegenüber dem klassischen Hardcore-Punk durchgesetzt.

Weitere Bands 1979–1985/86

1985/86–1999

2000 bis heute

Euro-Hardcore Hardcore in Deutschland mini|Toxoplasma live im JUZ Illingen 2014 Anfangs war Hardcore in Deutschland die Bezeichnung für härteren Punk. Gruppen wie The Buttocks, Toxoplasma, teilweise auch Slime ließen sich von frühen britischen und amerikanischen Hardcore-Bands wie Discharge, Dead Kennedys und Black Flag zu einem schnelleren, härteren Stil beeinflussen. Später folgten ihnen Gruppen wie Vorkriegsjugend oder die Spermbirds. Die erste, auch außerhalb der deutschen Szene, bekannt gewordene Band war Inferno. Sie hatten als erste auch Stücke, die auf ausländischen Samplern erschienen. Ab Mitte der 1980er-Jahre trennte sich ein Teil der deutschen Hardcore-Szene explizit von der Punk-Subkultur ab und etablierte deutschen Hardcore als vom klassischen Punk-Rock unabhängige Gegenkultur, teilweise unter Berufung auf die amerikanische New-School-Szene und den Straight-Edge-Gedanken. Als Sprachrohre der deutschsprachigen Hardcore-Szene konnten sich lange Zeit die Fanzines ZAP und Trust etablieren.

Teilweise wurde der Begriff Hardcore auch für Punkbands ohne die bei den ursprünglichen Bands üblichen Rock-’n’-Roll-Elemente genutzt, die heutzutage nicht mehr unter diese Bezeichnung fallen würden oder heutzutage meist als Deutschpunk bezeichnet werden. So heißt es auf der Rückseite der Wiederveröffentlichung des „H’Artcore“-Samplers:

Bis in die 1990er-Jahre hinein existierten so zwei unterschiedliche Hardcore-Punk-Szenen nebeneinanderher, eine deutschsprachige, die unter anderem Bands wie Recharge oder Rawside hervorbrachte, sowie eine an amerikanischen Vorbildern orientierte, zu der unter anderem Bands wie Ryker’s oder Bonehouse zählten.