Die Wohneigentumsquote ist das Verhältnis der von Eigentümern selbst bewohnten Wohnungen zu der Gesamtzahl aller Wohnungen.
Allgemeines Die Wohneigentumsquote soll als volkswirtschaftliche Kennzahl den Anteil der Eigentümer von Wohnraum messen, so dass der restliche Anteil auf Mietwohnungen entfällt. Maßgebend für die Entstehung von Wohneigentum sind ökonomische und demographische Einflüsse wie z. B. Einkommen, Immobilienpreise und Mieten, die Größe des Privathaushalts oder die Bevölkerungsdichte.
Beeinflussende Faktoren Ferner wird die Wohneigentumsquote von einer ganzen Reihe außerökonomischer Größen bestimmt, z. B. der Wohnlage, historischen Ereignissen und Erfahrungen, die den nationalspezifischen Umgang mit Immobilien beeinflussen wie einer Währungsreform sowie kulturellen Faktoren wie Werten, Lebensstilen und Präferenzen.Karin Behring, Ilse Helbrecht: Wohneigentum in Europa, hrsg. von der Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg 2002. ISBN 3-933249-54-6 Die Schaffung von Wohneigentum kann mit gezielten wohnungspolitischen Fördermaßnahmen auch ein Instrument der Sozialpolitik sein.Manfred G. Schmidt: ohne Jahr, abgerufen am 19. Juli 2016
Durch den Wertverfall von Kapitalvermögen infolge der Weltwirtschaftskrise ab 2007 sowie den Rückgang der Geburtenrate bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung (Überalterung der Gesellschaft) mit den dadurch bedingten Finanzierungsproblemen der gesetzlichen Alterssicherung tritt Immobilienvermögen als Mittel der Altersvorsorge in den Industrienationen zunehmend in den Vordergrund (sog. Betongold).Ilse Helbrecht: Wohneigentum statt Rente? Demografischer Wandel und Altersvorsorge in acht europäischen Ländern im Vergleich Informationen zur Raumentwicklung Heft 2.2013 O.W. Lerbs, C.A. Oberst: Auswirkungen der Finanz- und Schuldenkrise auf den deutschen Eigenheimsektor / Impacts of the financial and economic crisis on the owner-occupied real estate market in Germany. Journal of Interdisciplinary Property Research (Zeitschrift für Immobilienökonomie), 2/2011, S. 49–65
Zugleich ist das Bauen in Deutschland, Österreich und der Schweiz wegen der dort verbreiteten Massivbauweise im internationalen Vergleich überdurchschnittlich teuer.Albrecht Hanser: Vorfertigung im internationalen Vergleich Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft, 2002
Deutschland Der soziale Wohnungsbau begann nach dem Ersten Weltkrieg in der Weimarer Republik und gewann nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch an Bedeutung. Linksammlung mit historischen Daten zu Wohnungsbau und -bestand, abgerufen am 19. Juli 2016
Neben einem Stadt-Land-Gefälle bei der Wohneigentumsquote sind gegenwärtig auch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern festzustellen.Jörg Hackhausen: Vorteil Eigenheim Handelsblatt, 26. Mai 2014Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Wohneigentum Juni 2009 In Berlin ist die Quote mit rund 15 % am geringsten. Entwicklung und Eigentumsquote in Berlin Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 17/13709 vom 15. Mai 2014 Die Wohneigentumsquote hängt zudem stark vom Haushaltseinkommen ab.Institut der deutschen Wirtschaft: Wohneigentumsquote: Die Mehrheit mietet Pressemitteilung Nr. 28 vom 13. Mai 2016 Webseite des Statistischen Landesamts Sachsen-Anhalt, Stand: 1. Januar 2014
Die Wohneigentumsquote ist in Deutschland verglichen mit den anderen europäischen Ländern und den USA relativ gering, in den Jahren 1993 bis 2018 aber von 38,8 % auf 46,5 % gestiegen.Entwicklung der Wohneigentumsquoten in Deutschland (in Prozent von 1950 bis 1998) WohnungsWirtschaft im NetzEntwicklung der Wohneigentümerquote in Deutschland in den Jahren 1993 bis 2010 statista.de, abgerufen am 19. Juli 2016 Die absolute Zahl der Wohneigentümer hat sich dabei jedoch nicht wesentlich erhöht, die Zunahme wird vor allem mit einem Kohorteneffekt erklärt. Danach sind in den betreffenden Jahren vor allem ältere Mietergenerationen weggefallen.Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft: Vereinfachungspotenziale Wohn-Riester - Mehr Wahlfreiheit, geringere Hemmschwellen Berlin, 2012
Die niedrige Quote hat eine ganze Reihe von Ursachen. So erschweren Eigenkapital-Anforderungen der Banken den Erwerb von Wohneigentum. Die Wohnungspolitik schafft Anreize für das Mieten.Wohneigentumsquote in Deutschland stagniert – Hauptgrund Kapitalmangel Haufe Online-Redaktion, 26. Februar 2018Leo Kaas, Georgi Kocharkov, Edgar Preugschat, Nawid Siassi, 14. Januar 2020: Gründe für die niedrige Wohneigentumsquote in Deutschland Bundesbank Online, Research Brief Beim Erwerb einer vermieteten Wohnung kann der Vermieter Schuldzinsen von der Einkommensteuer absetzen, was aber beim Erwerb von selbst genutztem Wohneigentum nicht möglich ist. Die Erbschaft- und Schenkungsteuer gewährt durch § 13d Erbschaftsteuergesetz auf zu Wohnzwecken vermieteten Wohnraum einen Bewertungsabschlag von 10 %. Auch das deutsche Mietrecht trägt dazu bei, dass der Erwerb von Wohneigentum zum Zwecke der Vermietung professionellen und privaten Investoren seit Jahrzehnten attraktiv erscheint.
Nach Bundesländern Nach Bundesländern ergibt sich folgende Aufstellung:Home ownership rate in the EU-28 2018, Statista
Bundesland 2018 in % 2014 in % Berlin 17,4 10px 14,2 10px Hamburg 23,9 10px 22,6 10px Sachsen 34,6 10px 34,1 10px Bremen 37,8 10px 38,8 10px Mecklenburg-Vorpommern 41,1 10px 38,9 10px Nordrhein-Westfalen 43,7 10px 42,8 10px Sachsen-Anhalt 45,1 10px 42,4 10px Thüringen 45,3 10px 43,8 10px Deutschland 46,5 10px 45,5 10px Hessen 47,5 10px 46,7 10px Brandenburg 47,8 10px 46,4 10px Bayern 51,4 10px 50,6 10px Baden-Württemberg 52,6 10px 51,3 10px Schleswig-Holstein 53,3 10px 51,5 10px Niedersachsen 54,2 10px 54,7 10px Rheinland-Pfalz 58,0 10px 57,6 10px Saarland 64,7 10px 62,6 10px Europa 69,3 10px 70,0 10px
Während die Stadtstaaten die niedrigsten Quoten aufweisen, sind in den Flächenstaaten höhere Eigentumsquoten zu verzeichnen. Damit lag Deutschland im europäischen Vergleich 2016 vor der Schweiz (42,5 %) am Ende der Skala.
Im Zeitvergleich
+ Eigentümerquote Deutschland nach Jahr Jahr 1998 2002 2006 2010 2014 2018 Quote 40,9 % 42,6 % 41,6 % 45,7 % 45,5 % 46,5 % Quelle: Statistisches Bundesamt
Österreich Mit dem Gemeindebau entstand in Österreich seit den 1920er Jahren der soziale Wohnungsbau. Im Jahr 2021 lag die Wohneigentumsquote mit 54 % deutlich über derjenigen in Deutschland (49 %), jedoch drei Prozentpunkte niedriger als 2014.Wohnstatistiken/Wohnbesitzverhältnisse Eurostat, November 2015
Schweiz Im Jahr 2021 betrug die Wohneigentumsquote in der Schweiz 42,2 %. 2014 waren es noch lediglich 37,4 % gewesen. Die steigende Tendenz war vor allem auf die Zunahme bei Stockwerkeigentum zurückzuführen.Stefan Pulfer: Webseite des Bundesamts für Wohnungswesen, abgerufen am 19. Juli 2016 Je städtischer ein Gebiet ist, desto tiefer ist die Quote. Am tiefsten ist sie im Kanton Basel-Stadt mit 16,0 Prozent, die höchsten Quoten haben Wallis (57,2 Prozent), das viele Baulandreserven hat, und Kanton Appenzell Innerrhoden (57,0 Prozent).Statistik Schweiz:
In der Schweiz ist der Anteil an Mietwohnungen bei 1- bis 4-Zimmer-Wohnungen höher, während bei 5-Zimmer- und größeren Wohnungen der Eigentumsanteil höher ist. Eigentumsquote nach Zimmeranzahl:Statistik Schweiz: , abgerufen am 10. März 2016 1-Zimmer 2-Zimmer 3-Zimmer 4-Zimmer 5-Zimmer 6-Zimmer und größer Wohneigentumsquote 2014 9,0 % 13,4 % 24,8 % 45,6 % 74,4 % 89,4 %
Weitere Europäische Union Die durchschnittliche Wohneigentumsquote in der Europäischen Union (EU) liegt seit Jahren stabil um die 70 %. Wohnstatistiken/Wohnbesitzverhältnisse Eurostat, Dezember 2020Distribution of population by tenure status, 2014 (% of population) Bevölkerung nach Wohnbesitzverhältnissen, 2014 (in % der Bevölkerung), Eurostat, 2015 (graphische Darstellung)Stefan Buchberger: 14. August 2015
In postrealsozialistischen Staaten liegt die Quote innerhalb der EU am höchsten. So waren 2021 die Länder mit dem höchsten Eigentümeranteil Rumänien (95 %), Ungarn (92 %), Kroatien (91 %), Litauen (89 %) und Polen (87 %). Die hohe Eigentumsquote in diesen Staaten wird mit der dortigen Privatisierung nach dem Ende des Realsozialismus erklärt. In Westeuropa liegen die Mittelmeerländer an der Spitze (Malta 82 %, Portugal 78 %, Spanien 76 %, Italien 74 %, Griechenland 73 %). In den Beneluxländern liegt die Quote bei 70 bis 71 %, in Frankreich bei etwa 65 %; in den skandinavischen EU-Ländern rangierte sie 2021 von 70 % in Finnland über 65 % in Schweden bis 59 % in Dänemark. Österreich (54 %) und Deutschland (49 %) sind in der EU die Länder mit der geringsten Eigentumsquote.
Weblinks Juliane Wiedemeier: Experteninterview zur Wohneigentumsquote in Deutschland – „Weil viele mieten, sind wir gut durch die Krise gekommen“ 13. Februar 2014 Sebastian Kohl: Mieterland oder Hauseigentümernation? Wohnungsmärkte in Deutschland und den USA Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, 2014 Robert Kaltenbrunner, Matthias Waltersbacher: Besonderheiten und Perspektiven der Wohnsituation in Deutschland Bundeszentrale für politische Bildung, 5. Mai 2014 Bettina Reimann, Beate Hollbach-Grömig, Detlef Landua: Wohneigentum als Chance für Stadtentwicklung und Integration Deutsches Institut für Urbanistik, 2014 Scot W. Stevenson: Land für alle: Wie das Eigenheim für Amerikaner zum Normalfall wurde USA Erklärt, 27. Oktober 2006
Einzelnachweise
Kategorie:Wohnungsmarkt Kategorie:Immobilienwirtschaft Kategorie:Sozialwissenschaftliche Kennzahl