mini|hochkant|Rudolph Hertzog (1839) Rudolph Carl Hertzog sen. (* 15. Juni 1815 in Berlin; † 2. Mai 1894 in Karlsbad) war ein deutscher Unternehmer im Textil-Einzelhandel.
Leben Hertzog begründete das bis nach dem Zweiten Weltkrieg überregional bekannte Kaufhaus Rudolph Hertzog in Berlin (im historischen Ortsteil Cölln). Das von ihm 1839 gegründete Manufakturwarengeschäft im Haus Breite Straße 13 entwickelte sich durch Versandhandel zu einer der bekanntesten Adressen für Möbel, Teppiche, Modewaren und Stoffe. Hertzog war einer der ersten, der in Berlin Festpreise einführte und Reklame-Anzeigen drucken ließ, ebenso eine jährlich erscheinende Agenda von etwa 200 Seiten Umfang, die unter anderem Paul Lindenberg und Rudolf Pietsch betreuten.
Rudolph Hertzog begann 1839 als eines von damals ca. 150 Manufakturwarengeschäften in Berlin. 1848 hatte sein Laden eine Größe von 155 m², doch der steigende Absatz erlaubte regelmäßige Umbauten. 1867 wies es 2290 m² auf, 1878 waren es 3710 und 1892 dann 5405 m².
Noch zu Lebzeiten Bismarcks bot 1884 Rudolph Hertzog Kaiser Wilhelm I. an, mit einer Million Mark in Vorleistung für ein Bismarck-Denkmal in Berlin zu gehen. Dieses Ansinnen wurde aber abgelehnt.
Rudolph Hertzog wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof II beigesetzt; das Grabmal der Familie Hertzog steht unter Denkmalschutz.
Der Sohn Rudolph L. Hertzog und der Enkel Rudolph Hertzog führten das Einzelhandels-Unternehmen Rudolph Hertzog fort.Rudolph Hertzog Agenda 1914. S. 66–68. Vor dem Ersten Weltkrieg war es das größte Kaufhaus Berlins, größer auch als die führenden Warenhäuser Wertheim und Hermann Tietz. Da die Besitzer christlich waren, überstanden sie mit ihrem Unternehmen als einzige der Berliner „Konfektionsgründer“ die Zeit des Nationalsozialismus.Uwe Westphal: Berliner Konfektion und Mode 1839–1939. Die Zerstörung einer Tradition (= Stätten der Geschichte Berlins, Band 14). Edition Hentrich, Berlin 1986, S. 16. Im Jahr 1949 wurden die Erben, die das nun im kommunistisch regierten Ostteil Berlins gelegene Geschäft bis dahin geleitet hatten, jedoch enteignet.
Kaufhaus Hertzog nach 1894 1904 errichtete das Unternehmen einen neuen imposanten Bau an der gegenüberliegenden Brüderstraße, so dass eine Gesamtfläche von 10.800 m² und 1912 schließlich 15.875 m² genutzt wurde. 1912 deckte der Kaufhauskomplex fast das gesamte Karree bis zur Brüderstraße zwischen Scharrenstraße und Neumannsgasse ab. Hier erinnerte eine vom Bildhauer Adolf Brütt geschaffene Marmorbüste an den Unternehmensgründer.
Eine Filiale des Kaufhauses befand sich in Swakopmund in Deutsch-SüdwestafrikaWarenhaus Hertzog Swakopmund. In: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz., deren Gebäude heute noch steht.
mini|Einzig erhaltener Teil des ehemaligen Kaufhauses Hertzog an der Brüderstraße in Berlin-Mitte (2009) Letztes Gebäude des Unternehmens in Berlin an der Ecke Brüderstraße / Scharrenstraße war ein noch bestehendes, in der Fassade nach Beseitigung der Kriegsschäden etwas vereinfachtes viergeschossiges Bauwerk mit verputzter Fassade in neobarocken Formen mit Eingangsfront, 1908/1909 nach Entwurf des Architekten Gustav Hochgürtel ausgeführt. 1970 wurde das Gebäude umfassend instand gesetzt. Danach befand sich bis 1990, zum Ende der DDR, in dem Gebäude ein Hochzeitsausstatter und ein Kontex-Jugendmode-Kaufhaus. In den Jahren 2015 bis 2018 wurde das Gebäude kernsaniert. Die anderen Bauteile wurden im Zuge der Neubebauung und -gestaltung der Breite Straße abgerissen.
Literatur Marina Wesner, Claudia M. Melisch: St.-Petri-Kirche. Ein Rundgang durch das historische Cölln in Berlin. Berlin-Story, Berlin 2008, ISBN 3-929829-87-8, S. 83 ff.
Weblinks
Rudolph Hertzog. berlin.friedparks.de Familie Hertzog. schulz-pearce.de
Einzelnachweise
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