mini|hochkant=1.2|Blick auf Karatschi Karatschi (, , ) ist die größte Stadt Pakistans und Hauptstadt der Provinz Sindh; bis 1959 war sie pakistanische Hauptstadt.

Mit 14,9 Millionen städtischen Einwohnern (2017) (Auswahl links: City population, Auswahl rechts: Pakistan), abgerufen am 19. Juli 2011. ist Karatschi eine der größten Städte der Welt. In der Agglomeration leben 19,1 Millionen Menschen (2023).Die größten Agglomerationen der Welt. City Population In Pakistan existiert keine Behörde zur Registrierung des Wohnsitzes von Personen; die angegebenen Einwohnerzahlen stellen daher Hochrechnungen auf Basis der Volkszählungsergebnisse dar.

Das Verwaltungsgebiet Karatschis ist kein zusammenhängendes Stadtgebiet, sondern – mit seiner außerhalb der Kernstadt dominierenden ländlichen Siedlungsstruktur – eher mit einer kleinen Provinz vergleichbar. Das gesamte Verwaltungsgebiet der Stadt hatte bei der Volkszählung 2023 knapp 20,4 Millionen Einwohner.

Die Stadt ist Wirtschafts-, Handels- und Produktionszentrum, Verkehrsknoten, Kulturzentrum mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Museen, Galerien und Baudenkmälern sowie der größte Hafen des Landes. Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten ist Mazar-e-Quaid, das Mausoleum des Begründers von Pakistan, Muhammad Ali Jinnah (1876–1948), der in der Stadt geboren wurde und dort auch begraben ist.

Geographie Geographische Lage mini|Satellitenaufnahme von Karatschi Karatschi liegt am westlichen Rand des Mündungsdeltas des Indus in das Arabische Meer in einer Ebene, die von Hügeln an den westlichen und nördlichen Grenzen der städtischen Agglomeration umgeben ist, durchschnittlich 22 Meter über dem Meeresspiegel.

Zwei Flüsse fließen durch die Stadt, der Malir vom Nordosten bis zum Zentrum und der Liari vom Norden bis zum Süden. Viele andere kleinere Flüsse und die Abwässer fließen von den westlichen und nördlichen Stadtteilen in Richtung Süden. Der Hafen Karatschis liegt in einer geschützten Bucht im Südwesten der Stadt.

Das gesamte Verwaltungsgebiet Karatschis hat eine Fläche von 3527 Quadratkilometern. Das entspricht dem Anderthalbfachen der Bodenfläche des Saarlandes. Davon gehören 591 Quadratkilometer (17 Prozent) zur Kernstadt (hohe Bebauungsdichte und geschlossene Ortsform). 2936 Quadratkilometer (83 Prozent) bestehen aus Vorstädten und Gebieten mit ländlicher Siedlungsstruktur.

Geologie

Das breite Indus-Ganges-Tiefland trennt die Gebirgsumwallung von der Scholle des Dekkan und bildet eine von mächtigen jungen Sedimenten aufgeschüttete Vortiefe des Faltengebirges. Die Stadt Karatschi befindet sich im trockenen unteren Indusgebiet, dem letzten Glied der Tieflandzone. Die einzigen Wasserläufe sind hier die kurzen Flüsse der westlichen Randgebiete, deren Wasser von kleinen, voneinander getrennt liegenden Bewässerungsoasen völlig aufgezehrt wird, und der Indus selbst, in dessen Tal sich eine bis 40 Kilometer breite Flussoase hinzieht.

Während an der Küste des Indischen Ozeans östlich des Indusdeltas ein großer zeitweise überfluteter Salzsumpf, der Rann von Kachchh, landwirtschaftlich nicht genutzt werden kann, ist das Indusdelta selbst bis nahe an die mangrovenreiche, sumpfige Küste gut bebaut. Das Indusgebiet ist zu einem der wichtigsten Baumwollanbaugebiete Südasiens geworden. Hauptausfuhrhafen ist Karatschi westlich der Indusmündung, ein bedeutender Knotenpunkt der internationalen Fluggesellschaften.

Stadtgliederung

Karatschi gliedert sich in 7 Distrikte (West, Ost, Süd, Zentrum, Malir, Korangi und Kiamari) sowie in folgende 31 Unterbezirke (Volkszählung 2023): Bezirk DistriktFläche in km² EinwohnerEinwohner pro km²AirportMalir41254.3706.204Aram BaghKaratschi Süd4237.22459.306 Bin Qasim Malir447 322.915 722 Baldia Kiamari34 948.597 27.900Civil LineKaratschi Süd73480.4806.582FerozabadKaratschi Ost201.167.69258.385 Gulberg Karatschi Zentrum14 613.724 43.837 Gadap Malir1.104 100.351 91GardenKaratschi Süd4502.819125.705 Gulshan-e-Iqbal Karatschi Ost29 979.502 33.776Gulzar-e-HijriKaratschi Ost791.118.53414.159HarbourKiamari50451.8019.036Ibrahim HyderiMalir971.341.63813.831 Jamshed Quarters Karatschi Ost11 656.014 59.638 Korangi Korangi59 1.363.992 23.119 Landhi Korangi19 681.294 35.858 Liaquatabad Karatschi Zentrum6 547.706 91.284 Lyari Karatschi Süd6 949.878 158.313Mango PierKaratschi West3421.081.7533.163MauripurKiamari450218.933487Model ColonyKorangi9441.79149.088MominabadKaratschi West191.000.70852.669 Murad Memon Malir195 376.987 1.933NazimabadKaratschi Zentrum8572.74071.593 New Karachi Karatschi Zentrum18 1.165.742 64.763 North Nazimabad Karatschi Zentrum23 922.413 40.105 Orangi Karatschi West9 596.919 66.324 Saddar Karatschi Süd35 159.363 4.553 Shah Faisal Korangi21 641.894 30.566Shah MureedMalir27635.987130 SITE Kiamari25 449.120 17.965 SITE ist die Abkürzung für Sindh Industrial Trading Estate.

Klima Die Stadt befindet sich am Rand der tropischen Klimazone. Die Höchsttemperaturen betragen 35 bis 38 Grad Celsius bei stetigem Wind im Sommer aus Südwest und im Winter aus Nordost und wenig Regen.

Die monatlichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen 19,1 Grad Celsius im Januar und 30,7 Grad Celsius im Juni; die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 26 Grad Celsius.

Nur der Monat Juli ist humid, insgesamt fallen nur 167,6 Millimeter Niederschlag im Jahr, da der Süden Pakistans nur noch randlich von den Ausläufern des Sommermonsuns gestreift wird. Der meiste Niederschlag fällt im Monat Juli mit durchschnittlich 66,4 Millimeter, kein Niederschlag fällt im Monat Mai.

Geschichte Ursprung

Auf dem Gebiet der heutigen Stadt lag ursprünglich eine Gruppe kleiner Dörfer einschließlich der Ortschaft Eekalachi-jo-kun und der Festung Manora. Nearchos, Admiral Alexanders des Großen, segelte 326 v. Chr. zum Ende von dessen Eroberungsfeldzug nach Indien zu einem vermutlich an der Stelle Karatschis gelegenen Ort mit Namen Krokola. Als Muhammad ibn al-Qasim im Jahr 712 bis in den Sindh kam, eroberte er die Ortschaft Debul, die wahrscheinlich ebenfalls auf dem heutigen Stadtgebiet von Karatschi lag.

Im Jahr 1729 wurde die Siedlung Kolachi-jo-goth („Kolachis Teich“) gegründet, benannt nach einem Fischer aus der Gegend. Aus dem Fischerdorf entwickelte sich bald eine Handelsniederlassung für den Warenaustausch mit Maskat und Bahrain. Die Befestigung bestand aus Erdwällen, die Arbeiter aus Arabien gebaut hatten. Die Kanonen wurden aus Maskat geliefert. Die Siedlung hatte zwei Zugänge, einer mit Blick zum Meer, genannt kharadar („brackiges Tor“), und einer mit Blick zum Lyari-Fluss, genannt mithadar („süßes Tor“). Die erste schriftliche Erwähnung stammt von einem Gesandten Nadir Schahs, der 1742 von seinem Aufenthalt in der Stadt berichtete. 1795 wurde die Stadt vom Khan von Kalat an den Talpur-Herrscher von Sindh übertragen. Karatschi erlangte eine Position als Haupthafen und wurde infolgedessen eine wichtige Stadt.

Britische Kolonialzeit mini|Karatschi 1889 mini|Britische Familie in der Elphinstone Street 1914

Die Bedeutung von Indus und Sindh bewog die Briten, die Stadt am 3. Februar 1839 zu erobern. Damit begann eine Ära ausländischer Herrschaft und kolonialer Unterordnung, die ihr Ende erst 1947 fand. Ein berühmtes Zitat über Karatschi, das General Charles Napier (1782–1853) zugerechnet wird, lautet: „would that I could come again to see you in your grandeur!“. Napiers Zitat prophezeite, dass Karatschi unter britischer Herrschaft, nach dem Ausbau seines Hafens, der 1854 begann, wachsen würde.

Am 10. September 1857 schwor die 21. Infanteriedivision, die aus Einheimischen bestand und in Karatschi stationiert war, dem Kaiser Bahadur Schah Zafar (1775–1862) die Gefolgschaft und beteiligte sich am Indischen Aufstand von 1857. Sie wurde von den Briten geschlagen, die die Kontrolle innerhalb weniger Tage wiedererlangten. Während des Sezessionskrieges war Karatschi auch Hauptausfuhrhafen für Baumwolle. Die Cholera trat hier wiederholt (1866, 1868 und 1870) mit großer Heftigkeit auf. 1858–1861 wurde die Eisenbahnlinie von Karatschi nach Kotri erbaut, die den Indus quert. Im 19. Jahrhundert erlangte die Stadt wegen der starken Zunahme des Weizenanbaus in den nordwestlichen Provinzen eine kommerzielle Bedeutung und rivalisierte in dieser Hinsicht mit Bombay.

Karatschi entwickelte sich infolge der Aktivitäten der British East India Company zu einer Stadt mit gepflasterten Straßen, Gerichten und kommerziellen Zentren. Der Hafen, am Nordende des Indusdeltas gelegen, nahm infolge der Versandung des Hafens von Schah Bandar einen schnellen Aufschwung.

Im Jahre 1881 hatte Karatschi 73.560 Einwohner, davon 5.228 in Cantonment. Viele der Gebäude waren in klassischem britischen Stil gebaut und kontrastierten mit dem „Mughal Gothic“ in Lahore. Einige dieser alten Gebäude stehen immer noch und sind interessante Ziele für Besucher. 1876 wurde der Gründer Pakistans, Mohammed Ali Jinnah, in der Stadt geboren und nach seinem Tode 1948 auch begraben.

Die Eisenbahn verband Karatschi seit den 1880er Jahren auch mit den anderen Teilen von Britisch-Indien. 1899 galt Karatschi als größter weizenexportierender Hafen in Osten. 1911, als die Hauptstadt nach Delhi verlegt worden ist, bekam Karatschi die Bedeutung eines Tors nach Indien. Karatschi wurde 1936 zur Hauptstadt der neugeformten Provinz Sindh erklärt und dabei der traditionellen Hauptstadt Hyderabad vorgezogen.

Unabhängigkeit mini|Tin Talwar Chowrangi (Drei-Schwerter-Kreisverkehr), Clifton

Am 14. August 1947 entstand der Staat Pakistan aus den überwiegend muslimischen Teilen Britisch-Indiens, und Karatschi, das zu jener Zeit 425.000 Einwohner hatte, wurde Hauptstadt des Staates. Im Zuge der Teilung und nach Ausbruch des Ersten Indisch-Pakistanischen Krieges am 22. Oktober 1947 verließen zahlreiche Muslime das heutige Indien. Die Bevölkerungszahl der Hauptstadt explodierte wegen der großen Zahl von Flüchtlingslagern. 1959 löste Islamabad Karatschi als Hauptstadt des Landes ab.

1965 warfen im Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg indische Flugzeuge Bomben auf Karatschi. Über der Stadt fanden Luftkämpfe statt, bei denen von der pakistanischen Luftabwehr mehrere indische Flugzeuge abgeschossen wurden und in Wohngebiete stürzten. Zahlreiche Menschen kamen ums Leben, viele Gebäude wurden zerstört. Im Dritten Indisch-Pakistanischen Krieg von 1971 kam es erneut zu Angriffen der indischen Luftwaffe auf Karatschi. Ziele waren vor allem Militäranlagen und strategisch wichtige zivile Infrastrukturen. Die indische Marine griff den Hafen mit Raketen an. Dabei wurden Hafenanlagen und mehrere Schiffe zerstört.

Seit den 1970er Jahren ist Karatschi weiter gewachsen und hatte bei der Volkszählung 1998 etwa 9,3 Millionen Einwohner. Es ist eine Stadt mit sehr unterschiedlichen Wohngegenden, sie reichen von den hochwertigen Gegenden Clifton und Defense zu zahlreichen Slums (bastis), die Wohnorte der großen Zahl von Migranten sind, die nach Karatschi geströmt sind auf der Suche nach Zukunftschancen.

Während der sowjetischen Intervention in Afghanistan wurde Karatschi in den frühen 1980er Jahren ein zentraler Versorgungsort für die Mudschahidin mit Waffen für den Kampf gegen die Rote Armee. Viele der Rüstungsgüter blieben jedoch in der Stadt und gelangten in die Hände des organisierten Verbrechens oder studentischer Aktivisten, die sich im bewaffneten Arm der Islami Jamiat-e-Talaba organisierten und zur islamistischen Organisation Jamaat-e-Islami gehörten. In die Gegenrichtung wurde Karatschi einer der Handelspunkte für den Export von afghanischem Heroin, was erhebliche Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt der Stadt hatte.Laurent Gayer: Karachi: Ordered Disorder and the Struggle for the City. Oxford 2014, S. 19.