Die Geschichte der Stadt Hanau beginnt mit einer im 12. Jahrhundert erstmals erwähnten Wasserburg gleichen Namens, die auf einer Insel im Fluss Kinzig kurz vor der Einmündung in den Main gebaut wurde. mini|Wappen der Stadt Hanau

Anfänge mini|links|200px|Das Hanauer Stadtschloss vor dem Abbruch. Ansicht der mittelalterlichen Teile des Schlosses von Nordwesten. Lithographie C.W. Woerishoffer, um 1828 mini|Burg und Stadt Hanau um 1400.

Die Burg befand sich zunächst im Eigentum der Herren von Buchen. Sie wurde erstmals 1143 erwähnt, als in einer Urkunde Dammo von Hagenowe als Zeuge genannt wird.Günter Rauch: „Tammo de Hagenouwa“. Zur ersten urkundlichen Erwähnung des Namens Hanau vor 850 Jahren. In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte 1993, S. 4 ff.; Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Band 2: Die Urkunden seit dem Tode Erzbischof Adalberts I. (1137) bis zum Tode Konrads (1200). Darmstadt, Verlag des Historischen Vereins für Hessen 1971, Nr. 37. Im nächsten Jahr nannte er sich wieder Dammo von Buchen und hatte seinen Sohn Arnold dabei. Bis zum Jahr 1145 erscheint er dann noch 11-mal als Dammo von Hanau. Arnold nannte sich noch einmal Arnold von Buchen, danach erscheint er 17 Jahre lang (21-mal) als Arnold von Hanau.

Um 1166/8 scheint ein Wechsel in der Herrschaft stattgefunden zu haben. Als Erbe trat eine Adelsfamilie auf, die sich zunächst nach ihrer Stammburg Dorfelden, auch mit dem Namen „Herren von Dorfelden-Hagenowe (Hanau)“ nannte, ab 1191 aber nach der Burg Hanau.

Die Herren von Hanau erweiterten ihr Herrschaftsgebiet auch im Umfeld von Hanau in der Folgezeit sehr erfolgreich. So erwarb Reinhard I. von Hanau 1277 die Bulau vom Erzbistum Mainz.

Um die Burg Hanau entwickelte sich eine Siedlung. In der Nachbarschaft befand sich eine weitere Siedlung, das Kinzdorf, das über eine eigene Pfarrkirche verfügte, die bis ins 15. Jahrhundert auch für Hanau zuständig war. Urkundlich sind im Hanauer Stadtgebiet mindestens drei weitere Ortschaften bekannt, die im Verlauf des Spätmittelalters zur Wüstung wurden: Heilmannshausen, Helwigshausen und Mühlrode.

Mittelalter mini|links|200px|Rest der Stadtmauer der Altstadt mini|Burg und erweiterte Stadt Hanau um 1550

Am 2. Februar 1303 verlieh König Albrecht I. der Siedlung Hanau das Markt- und Stadtrecht entsprechend dem Frankfurter Stadtrecht. Damit war das Recht verbunden, Märkte abzuhalten, einen Rat mit zwei Bürgermeistern an der Spitze zu wählen, sowie die Freiheit von Leibeigenschaft („Stadtluft macht frei“). In dieser Zeit wurde mit dem Bau der ersten Stadtmauer begonnen.

Die Stadt Hanau löste in ihrer Bedeutung bald das benachbarte Kinzdorf ab. Die 1317 erstmals erwähnte Marienkirche, damals eine Maria-Magdalenen-Kirche, war zunächst eine Stiftskirche und wurde 1434 die Hanauer Pfarrkirche.

In den Pestpogromen des Jahres 1349 wurde auch die erste Jüdische Gemeinde Hanaus vernichtet. Andererseits verlieh König Karl IV. bereits 1351 an Ulrich III. von Hanau das Judenregal.

Zwischen 1403 und 1419 war die Stadt aufgrund von politischen und finanziellen Schwierigkeiten Ulrichs V. an Kurmainz verpfändet. Vermutlich später entwickelte sich daraus die Geschichte vom Märteswein, der bis ins 19. Jahrhundert am Abend vor Martini an die Bürger der Altstadt ausgeschenkt wurde.

Kaiser Sigismund erhob 1429 Reinhard II. von Hanau in den Reichsgrafenstand. Reinhard II. ließ die Marienkirche um den noch heute erhaltenen spätgotischen Chor vergrößern. Mit seinem Tod 1451 wurde sie zur Begräbnisstätte der Grafen von Hanau.

Die Stadt Hanau wuchs in dieser Zeit und es entstand eine Vorstadt im Westen, außerhalb des ersten Mauerrings, vor dem Metzgertor, im Bereich der heutigen Hospitalstraße. Diese erhielt ihren Namen von dem Alt-Hanauer Hospital, das dort ebenfalls in dieser Zeit errichtet wurde. 1470 erhielt diese Vorstadt dann eine eigene Umwehrung, die sich an die erste Stadtmauer anlehnte.

1484 wurde das älteste Altstädter Rathaus, von dem wir wissen, an der Ecke Metzgergasse / Altstädter Markt errichtet, das sogenannte Spielhaus. Schon 50 Jahre später als zu klein befunden, wurde es 1537–1538 durch ein neues Rathaus ersetzt, das heutige Goldschmiedehaus.

Reformation mini|Stadtansicht von Hanau aus Abraham Saurs Theatrum Urbium, Ausgabe von 1610

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich bald der Reformation an – zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung. 1528 wurde von Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg der evangelische Prediger Philipp Neunheller nach Hanau berufen. Der Prozess der Reformation verlief aber gleitend und kam erst unter Graf Philipp III. zu einem ersten Abschluss. In der zunächst noch katholischen Marienkirche wurden keine Stiftsherren mehr nachberufen, so dass das Stift erlosch, die Kirche wurde evangelisch.

Unter Philipp II. wurde 1528 auch mit dem Bau der zweiten Stadtbefestigung nach dem technischen Standard der Renaissance begonnen, die die drei im Mittelalter entstandenen Mauersysteme, das der Burg, das der Altstadt und das der Stadterweiterung im Bereich der Hospitalstraße umschloss. Die mittelalterliche Mauer war in ihrem Umfang zu klein geworden und bot auch technisch gegen die aufkommende Artillerie nur noch unzureichend Schutz. Die neue Stadtbefestigung erhielt mehrere Bastionen, die das Aufstellen von Kanonen ermöglichten. Ihre Mauern und Erdwerke waren mehrere Meter dick. Zudem war sie so gebaut, dass Kugeln nur selten frontal einschlagen und so weniger Schaden anrichten konnten. Eine zweite Stadterweiterung schob sich nun vor der ersten bis an die Kinzig. Sie wird noch heute als „Vorstadt“ bezeichnet. 1556 wurde der Grundstein für eine neue steinerne Brücke über die Kinzig gelegt. Auf ihr befand sich bis 1829 ein breiter Torturm, der Margarethenturm.

Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg mini|Entwurf für den Bau der Hanauer Neustadt 1597

Zweite Reformation Für Graf Philipp Ludwig II., dessen Vater früh verstorben war, nahm Graf Johann VI. von Nassau-Dillenburg die Vormundschaft wahr und heiratete schließlich auch seine Mutter, Magdalene von Waldeck. Philipp Ludwig II. gelangte so unter starken calvinistischen Einfluss. Als regierender Landesherr machte er dann von seinem Recht Gebrauch, die Konfession seines Territoriums zu bestimmen („cuius regio, eius religio“). Die Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde calvinistisch, die mittelalterliche Ausstattung der Marienkirche weitgehend entfernt.

Neustadt Hanau mini|links|Grenzverlauf zwischen dem Erzbistum Mainz und der Grafschaft Hanau, gezeichnet wegen rechtlicher Auseinandersetzungen anlässlich der Gründung der Neustadt Hanau 1597. Links von der Bildmitte die im Bau befindliche Neustadt. mini|Hanau – Auszug aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655, rechts die Neustadt

Am 1. Juni 1597 schloss Philipp Ludwig II. einen Vertrag mit calvinistischen Flüchtlingen aus Frankreich und den Spanischen Niederlanden, die Kapitulation der Neustadt Hanau, sich in Hanau niederzulassen. Die Kapitulation wurde 1604 durch ein Transfix der Neustadt Hanau ergänzt. Sie ist der Gründungsakt für die Hanauer Neustadt. Der Graf stellte das Baugelände vor der Hanauer Altstadt zur Verfügung – gegen den Widerstand des Erzbischofs von Mainz, der die Fläche als ihm zustehenden Wildbann betrachtete –, bezahlte die Infrastruktur – insbesondere die Befestigungsanlage –, gewährte Steuervorteile und politisches Selbstbestimmungsrecht für die neue Stadtgemeinde. Die Glaubensflüchtlinge aus Frankreich und den Niederlanden waren zuvor in der Reichsstadt Frankfurt nicht besonders freundlich aufgenommen worden und hatten daher ein Interesse, den Hoheitsbereich des lutherisch dominierten Frankfurt zu verlassen und sich in ein calvinistisches Gebiet zu begeben, ohne sich dabei allzu weit vom Frankfurter Messeplatz zu entfernen. Außerdem war der Hanauer Graf bei weitem nicht so mächtig wie die reiche Stadt Frankfurt und deshalb bereit, wirtschaftliche und politische Zugeständnisse zu machen. Mit den Flüchtlingen kam Kapital und Leistungsvermögen in der Fertigung von Luxusgütern in die Stadt, darunter Tuchmacher, Posamentierer (Hersteller von Borten, Bändern, Schärpen und Quasten), Leinen- und Zeugweber, Hosen- und Strumpfstricker, Hutmacher, Gold- und Silberschmiede und Maler, wie Daniel Soreau.Überblick: Gräf / Laufs: Die Neustadt.

Die Neustadt wurde von vornherein mit einer eigenen, modernen barocken Befestigungsanlage errichtet, die sich an die Befestigung der Altstadt anlehnte. Die planmäßige Anlage der Stadt legte ein regelmäßiges, schachbrettartiges Straßennetz fest, das die Hanauer Neustadt bis heute prägt und heute unter Denkmalschutz steht. Schon im Jahr des Abschlusses der Kapitulation wurden die ersten Häuser in der Neustadt errichtet. Die Inschrift des ersten Hauses – Zum Paradies in der Paradiesgasse – hat sich bis heute erhalten. Auch das Haus Lossow am Markt wurde schon 1597 errichtet. 1620 standen über 370 Häuser. Eine eigene große Doppelkirche (heute: Wallonisch-Niederländische Kirche) wurde bis 1611 errichtet mit einem Kirchenraum für die französischsprachige und einem für die niederländisch sprechende Gemeinde.

Beide Städte existierten bis 1821 parallel nebeneinander. Neben der räumlichen Trennung durch die Befestigung zwischen Alt- und Neustadt besaßen beide Städte eigene, getrennte Verwaltungen und Stadträte mit jeweils eigenen Bürgermeistern.

Jüdische Gemeinde mini|Jüdischer Friedhof, ältester Teil aus dem 17. Jh.

Die erste Jüdische Gemeinde in Hanaus wurde in den Pestpogromen des Jahres 1349 vernichtet. Im Dezember 1603 erließ Philipp Ludwig II. daraufhin ein Privileg zur erneuten Ansiedlung einer jüdischen Gemeinde. Zwischen der Alt- und der Neustadt entstand im Bereich des Zwingers der Altstadtbefestigung die Judengasse (heute: Nordstraße). Diese Gemeinde war direkt der gräflichen Verwaltung unterstellt, nicht einer der beiden Stadtverwaltungen von Alt- oder Neustadt Hanau. Während des „Fettmilch-Aufstandes“ in Frankfurt fanden im Sommer 1614 etwa 250 Juden aus Frankfurt vorübergehend Zuflucht in Hanau.

Münze, Geld Als weitere wirtschaftsfördernde Maßnahme, richtete Graf Philipp Ludwig II. 1603 eine Münzstätte in Hanau ein. Das Münzrecht beruhte das auf einem Privileg, das Kaiser Karl IV. den Herren von Hanau 1368 für Babenhausen erteilt hatte. Die Münze war – mit einigen Unterbrechungen – bis Ende des 18. Jahrhunderts in Betrieb.

Übersicht über den Wert der in Hanau gebräuchlichen Nominale in der Zeit um 1600Eckhard Meise: Hanau im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts: Sollen die Juden ausgewiesen werden? In: Neues Magazin für Hanauische Geschichte. Mitteilungen des Hanauer Geschichtsvereins 1844 e. V. (2023), S. 44–88 (88).:

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Hexenprozesse Von 1562 bis 1613 kam es in der Grafschaft Hanau-Münzenberg zu einer Reihe von Hexenprozessen. Anschließend fanden zwar keine Hexenprozesse mehr statt, aber Personen wurden unter dem Verdacht der „Zauberei“ bis weit in die 1680er Jahre verfolgt.Peter Gbiorczyk: Zauberglaube und Hexenprozesse in der Grafschaft Hanau-Münzenberg im 16. und 17. Jahrhundert. Shaker. Düren 2021. ISBN 978-3-8440-7902-9, S. 31–81.

Dreißigjähriger Krieg