Pötzen ist ein Ortsteil der Stadt Hessisch Oldendorf (die aus 24 Stadtteilen besteht) im Weserbergland im Landkreis Hameln-Pyrmont. Zusammen mit den Ortsteilen Bensen, Haddessen und Höfingen bildet es die Ortschaft Süntel.

Geografie mini|Naturschutzgebiet Ehemaliger Standortübungsplatz Pötzen (Herbst 2018) Der Ort liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln am Fuß des südöstlichen Teils des Süntelgebirges auf 140 m ü. NHN, 8,57 km östlich der Kernstadt von Hessisch-Oldendorf und ca. 9 km nordnordwestlich der Kreisstadt Hameln.

Östlich von Pötzen, zwischen Süntel und Landesstraße L 432, erstreckt sich das 26,69 Hektar große Naturschutzgebiet Ehemaliger Standortübungsplatz Pötzen.

Geschichte Wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern bei Welliehausen zeigen, wurde das Gebiet bei Pötzen bereits in der Mittelsteinzeit (8000–5600 v. Chr.) von Menschen aufgesucht.Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden, 2025, S. 11, ISBN 978-3-95954-174-9.

Mittelalter und Neuere Geschichte Nach der Siedlungsforschung wurden Orte mit den Endungen „-hausen“ und „-husen“ (abgeschliffen zu „-sen“), wie „Pedessen“ (Pötzen), in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends am Süntel in zweitrangiger Siedlungslage angelegt.Helga Knoke, 1968, S. 118. Das Gründungsjahr des Ortes ist nicht bekannt; Pötzen wurde in der gleichen Zeitstellung wie z. B. das Nachbardorf Welliehausen urkundlich erstmals 1237 als „Pedessen“ erwähnt.Vgl. zur Ortsnamenforschung das Niedersächsische Ortsnamenbuch (NOB). Es ist ein langfristig angelegtes Projekt des Instituts für Historische Landesforschung an der Universität Göttingen. Das mittelalterliche Pötzen lag zwischen dem heutigen Ortsteil Pötzen und dem Ortsteil Pötzer Landwehr; die mittelalterlichen Hofstellen wurden nach einem Überschwemmungsereignis aufgegeben und in den heutigen Ortslagen von Pötzen und Pötzer Landwehr neu aufgebaut.

Die Region um Pötzen und Fischbeck war ein früh besiedelter Teil des Schaumburger Landes. Das Stift Fischbeck und der Nachbarort Haddessen wurden 955 gegründet. Pötzen lag seit dem Frühmittelalter im altsächsisch-engernschen Tilithigau und gehörte wohl zum Gerichts- und Verwaltungsbezirk der „Fischbecker Goe“ des Tilithigaus. Das Gogericht (die „Malstatt“) der Fischbecker Goe befand sich in der Ortslage von Fischbeck und wurde ab dem Spätmittelalter von der dort ansässigen Adelsfamilie von Post geschützt, welche über mehrere Jahrhunderte regionalen Einfluss besaß. Pötzen gehörte während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit zur Vogtei Fischbeck.

Pötzen gehörte zum Archiadiakonat Ohsen der Diözese Minden, das faktisch bis 1647/1648 bestand und infolge des Westfälischen Friedens offiziell aufgelöst wurde.

Die aus altsächsischem Uradel stammenden Grafen von Schaumburg hatten als weltliche Grundherren die Landeshoheit und vergaben in den Sünteldörfern Rechte und Meierhöfe als Lehen, so auch in Pötzen.Carl Wilhelm Wippermann: Regesta Schaumburgensia: Die gedruckten Urkunden der Grafschaft Schaumburg, 1853. Das 955 gegründete Stift Fischbeck besaß als geistlicher Grundherr seit dem Hochmittelalter erhebliche Ländereien, Höfe und Zehntrechte in Pötzen.Renate Oldermann: Stift Fischbeck. Eine geistliche Frauengemeinschaft in mehr als tausendjähriger Kontinuität, Schaumburger Studien, Band 64, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld, 2005. Das Kloster Möllenbeck/das Augustiner-Chorherrenstift Möllenbeck bei Rinteln hatte zu seiner wirtschaftlichen Absicherung im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit bis in das 17. Jahrhundert ebenfalls Höfe und Zehntrechte in Pötzen. Zum Ende des Spätmittelalters und zu Beginn der Neueren Geschichte erwarben wohlhabende Patrizier und Bürgerfamilien aus der Stadt Hameln Grundbesitz in den Sünteldörfern. Beispiele für Pötzen waren der Hamelner Bürger Cord von Pötzen und seine Ehefrau Adelheid, die urkundlich als Käufer und Verpfänder von Höfen und Renten auftauchen und Heinrich Welligehusen, der in Pötzen ansässig und begütert und Angehöriger der Hamelner (und ursprünglich Welliehäuser) Patrizier-Familie von Walthausen war.Max Bär: Geschichte der Familie von Walthausen in Niedersachsen, August Lax Verlag, Hildesheim und Leipzig, 1929.

Vom 14. Jahrhundert (Spätmittelalter) bis in das Jahr 1640 (Frühe Neuzeit) bildete eine geschlossene Landwehr in Form von Buschwerk, der sogenannte Schaumburger Knick, der rund um die gesamte Grafschaft Schaumburg angelegt wurde, am östlichen Rand der Gemarkung Pötzen (daher der Name „Pötzer Landwehr“) die militärisch abgesicherte Grenze zunächst zu kleineren benachbarten Grafschaften und ab Anfang des 15. Jahrhunderts zum welfischen (Teil-)Fürstentum Calenberg.Ekkehard Wassermann, 2016.Christina Ricke: Wehrbergen im Wandel der Zeit, Hameln, 1990, S. 17 f., zit. Staatsarchiv Hannover, Hann. 74, Springe, Nr. 86. Der am Östlichsten liegende Teilabschnitt des Schaumburger Knicks zog sich als Grenze der beiden Hoheitsgebiete Grafschaft Schaumburg und (Teil-)Fürstentum Calenberg konkret von der „Hohen Egge“ auf dem Süntelkamm hinunter zum östlichen Rand der Gemarkung von Pötzen, entlang der Pötzer Landwehr, über den Lengeberg zur östlichen Grenze des Stiftswaldes von Fischbeck, weiter zur östlichen Grenze der Gemarkung Fischbeck, in die Weser und südlich der Weser weiter an Helpensen und Halvestorf vorbei immer entlang der Schaumburger Grafschaftsgrenze. Seit 1409/1432 gehörten einige Bauernhöfe der Pötzer Landwehr, die östlich des Schaumburger Knicks lagen, nicht zur Grafschaft Schaumburg, sondern zum welfischen (Teil-)Fürstentum Calenberg. In der Zeitstellung der Neuesten Geschichte gehörte dieser östliche Ortsteil der Pötzer Landwehr noch vor der Umgliederung der Region um Hessisch Olderndorf aus dem Kreis Grafschaft Schaumburg in den Landkreis Hameln-Pyrmont zu Letzterem.

Der Dreißigjährige Krieg war für Pötzen die verheerendste Epoche. Am 8. Juli 1633 fand die Schlacht bei Hessisch Oldendorf statt. Das Umland wurde von kaiserlichen und schwedischen Truppen rücksichtslos requiriert. Häuser wurden in Pötzen geplündert, das Vieh geraubt und die Ernten vernichtet.

Im Vorfeld der Schlacht bei Hastenbeck am 26. Juli 1757 im Siebenjährigen Krieg rückten zehntausende Soldaten in das Gebiet vor. Die Pötzer Bauern wurden gezwungen, französische und alliierte Soldaten einzuquartieren und zu verpflegen. Missernten gingen dem Jahr 1757 voraus, und der Siebenjährige Krieg führte auch in der Region um Fischbeck zu Hungersnöten.

19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert, möglicherweise auch schon im 17. Jahrhundert und nochmals nach dem Zweiten Weltkrieg wurde nordöstlich des Pötzer Steinbruchs im Süntelwald, in der Nähe des Schaumburger Knicks in einem Flurstück mit Namen „Stollen“, unter Tage Steinkohle gefördert. Nördlich von Haddessen und Pötzen soll es im Süntel noch ein zweites Steinkohlebergwerk gegeben haben. Die Kohleförderung geschah aber auch an anderen Stellen im östlichen Süntelwald, u. a. bei Welliehausen, Münder und Klein Süntel. Allerdings entstanden in beiden Zeitstellungen in den Bergwerken technische Probleme mit dem einfließenden Grubenwasser, und die Kohleförderung war nicht mehr wirtschaftlich, so dass sie im April 1952 endgültig eingestellt wurde. Die Pötzer Steinkohle war zwar nicht von guter Qualität, half aber maßgeblich dabei, im Winter 1947 die Haushalte der Flüchtlinge und die Schulen mit Heizmaterial zu versorgen. Zuletzt wurden täglich bis zu 35 t Steinkohle gefördert und verkauft.Süntelkohle aus Pötzen, auf geschichte-hessisch-oldendorf.de, abgerufen am 13. Juni 2026.N. N.: In den Heistern wird nach Kohle gegraben, in: Schaumburger Zeitung vom 7. November 1951.

Dem Hannoverschen Gebirgsverein wurde von der Süntelwaldgenossenschaft im Jahr 1897 die Erlaubnis erteilt, einen steinernen Aussichtsturm auf der „Hohen Egge“ im Süntel zu errichten, den Süntelturm, der seither fast durchgehend als Ausflugslokal bewirtschaftet wurde und wird.

20. und 21. Jahrhundert In Pötzen wurde in den Jahren 1912/1913 eine Stromversorgung geschaffen. Der Ort wurde an das Netz der regionalen Überlandzentrale angeschlossen, des am 27. Juni 1912 gegründeten Elektrizitätswerks Wesertal in Hameln-Afferde. Am 1. Oktober 2003 kam das Elektrizitätswerk Wesertal im Zuge einer Fusion zur neuen E.ON Westfalen Weser AG.

Im Ersten Weltkrieg wurden fast alle wehrfähigen Männer eingezogen. Den Höfen fehlten Arbeitskräfte, und es herrschte akuter Mangel an Nahrungsmitteln. Der Landrat in Rinteln befahl im November 1918 zur Stärkung der Ordnung die Wahl eines lokalen Arbeiter- und Soldatenrats, in Pötzen blieb es aber ruhig.

In der Regionalbus-Geschichte gab es ab 1929 eine Buslinie Pötzen-Welliehausen-Holtensen, die zweimal täglich betrieben wurde.Ludwig Fricke: Dorfchronik Welliehausen, Druck- und Verlagshaus J. C. Erhardt GmbH, Springe, 2002, S. 260. Später gab es nur eine Buslinie nach Hessisch Oldendorf. Noch später gab es zwei Buslinien, die drei- bis viermal täglich an Werktagen betrieben wurden. Seit Februar 2020 gibt es stattdessen einen Rufbus.

Der noch vor dem Zweiten Weltkrieg gegründete Kalksteinbruch am „Hoher Nacken“ (374 m ü. NN, umgangssprachlich auch „Hohenacken“ genannt) im Süntel nördlich von Pötzen wurde Mitte der 1970er Jahre stillgelegt. Bis zur Stilllegung in den 1970er Jahren wurden zwischen 300.000 und 400.000 Tonnen Gestein des harten fossilführenden KorallenoolithsMichael Rademacher, 2006. abgefahren, das im Straßenbau verwendet wurde.Manuel Pauser: Fossilien des unteren Kimmeridgium des Steinbruchs Pötzen nc.steinkern.d, auf, abgerufen am 12. Juni 2026.Fritz Jürgen Krüger, 1983. Die Gesteinsschichten stammen erdgeschichtlich aus dem Unteren Kimmeridgium des Oberen Jura.

Pötzen musste, wie alle anderen Gemeinden im Lande, im Jahr 1945 eine hohe Zahl von Evakuierten vor allem aus zerbombten Städten im Ruhrgebiet und Heimatvertriebene aus den Ostgebieten aufnehmen. Dies führte im Dorf zu einer akuten Wohnungs- und Versorgungsnot. Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 und der Aufhebung der Lebensmittelmarken besserten sich die Lebensumstände der Einwohner.

Pötzen wurde im Jahr 1964 im Zuge des Aufbaus der zentralen Wasserversorgung für die Sünteldörfer über den „Wasserbeschaffungsverband (WBV) Süntelwald“ an das Trinkwassernetz angeschlossen.Information des Wasserbeschaffungsverbands (WBV) Süntelwald, abgerufen am 13. Juni 2026. Im Rahmen der flächendeckenden Erschließung der Ortsteile von Hessisch-Oldendorf wurde Pötzen in den 1990er Jahren an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.Stadt Hessisch Oldendorf: Satzung über die Abwasserbeseitigung und den Anschluss an die öffentliche Abwasserbeseitigungsanlage der Stadt Hessisch Oldendorf (Abwasserbeseitigungssatzung), in: https://www.stadtwerke-hessisch-oldendorf.de/fileadmin/user_upload/abwasser/satzungen/Abwasserbeseitigungssatzung_01_2014.pdf, abgerufen am 14. Juni 2026.

Im Ort gibt es neben anderen mittelständischen Unternehmen ein großes Möbelgeschäft.

Waldwirtschaft, Jagdrecht und Naturschutz Im Mittelalter gehörten die Waldgebiete um Pötzen zum historischen Süntelwald. Die Bauern in Pötzen konnten vom Frühmittelalter bis in das 19. Jahrhundert die Holz- und Weiderechte in den Waldgebieten der Fischbecker Mark (dem östlichen Teil der Schaumburger Mark im Süntel nördlich des Ortes und im Großen Finnenberg südlich des Ortes) gemeinschaftlich nutzen.Die drei Süntelmarkgenossenschaften waren die Schaumburger Mark, die Mündersche Mark und die Ostermark. Die Fischbecker Mark ist der östliche Teil der Schaumburger Mark. Die Aufteilung der Waldmarken wurde bereits in vorkarolingischer Zeit durch die Altsachsen durchgeführt.