mini|300px|Io und Argos. Antikes Fresko aus Pompeji mini|300px|Hermes, Io (als Kuh) und Argos, schwarzfigurige Amphora der Northampton-Gruppe, 540–530 v. Chr., Staatliche Antikensammlungen, München (Inv. 585) mini|Lage des Ionischen Meeres

Io () ist in der griechischen Mythologie die Tochter des Flussgottes InachosHerodot, Historien 1,1 und der Melia. Bei Hyginus, Fabulae 145 heißt sie Argia. Sie war eine Geliebte des Zeus und brachte Epaphos zur Welt.

Mythos

Zeus verliebte sich einst in Io, eine Priesterin der Hera,Aischylos, Die Schutzflehenden 291; Bibliotheke des Apollodor 2,1,3,1 und verführte sie, nachdem er sich in einen Stier verwandelt hatte. Ovid stellt abweichend den Vorgang in seinen Metamorphosen als Vergewaltigung darKonrad Heldmann: Jupiters Nebeldecke und die Wolke des Zeus. Ovids Io-Erzählung (met. 1, 588-750) und ihr literarhistorischer Kontext. In: Hermes. Band 142, 2014, S. 326–348, hier S. 328. für die Zeus das umliegende Land in Dunkel gehüllt hat.. Ovid, Metamorphosen I, 598 f. In einer anderen Version ist Io in Träumen zuvor zu dieser Verbindung animiert worden.Aischylos, Prometheus 640–672 Dies bemerkte jedoch seine eifersüchtige Gattin Hera. Um die Tat zu vertuschen, verwandelte Zeus Io in eine weißeBibliotheke des Apollodor 2,1,3,2; Ovid, Metamorphosen 1,652 Kuh.Oder Hera verwandelte sie in eine Kuh (Aischylos, Die Schutzflehenden 299; Lukian, Götterdialoge 3). Hera entdeckte dies jedoch und forderte die Kuh als Geschenk, was Zeus ihr nicht abzuschlagen vermochte.Ovid, Metamorphosen 1,588–621

Hera ließ die Kuh von dem hundertäugigen Riesen Argos bewachen. Aus Mitleid mit Io entsandte Zeus den Himmelsboten Hermes zu Argos mit dem Auftrag, ihn zu töten. Hermes schläferte mit seinem Flötenspiel Argos ein und schlug ihm dann den Kopf ab, sodass Io – immer noch in Tiergestalt – entfliehen konnte.Ovid, Metamorphosen 1,622–719

Der befreiten Io sandte Hera eine Rinderdassel, die sie unablässig verfolgte und durch die ganze Welt trieb. (Das tiefe Surren dieser für Rinder lebensgefährlichen Bremse vermag ganze Kuhherden in die Flucht zu treiben.) Auf der Flucht überquerte Io das Meer, das später nach ihr benannt wurde (Ionisches Meer) und überschritt die Furt, die ihr ihren Namen verdankt (Bosporus, griechisch für Kuh- oder Ochsenfurt), von Europa nach Asien.Bibliotheke des Apollodor 2,1,3,5

Schließlich ließ sich Hera besänftigen, und Io, mittlerweile am Nil angelangt, erhielt ihre menschliche Gestalt zurückOvid, Metamorphosen 1,728–743 und gebar den Epaphos.Bibliotheke des Apollodor 2,1,3,6; Ovid, Metamorphosen 1,748

Nach Herodot war Ios Vater Inachos König von Argos.Herodot, Historien 1,1 Einmal seien Phönizier nach Argos gekommen, um ihre Waren zu verkaufen. Als die Königstochter Io zu den Ständen kam, hätten die Phönizier sie geraubt, woraufhin die Griechen Vergeltung übten und die Tochter des Königs von Tyros raubten, die Europa hieß. So sei, berichtet Herodot, eine Reihe von gegenseitigen Frauenrauben entstanden, wie auch der Raub der Medea (Argonautensage)Herodot, Historien 1,2 und der Helena,Herodot, Historien 1,3 der zum Auslöser für den Trojanischen Krieg wurde. Allerdings berichtet Herodot auch von einer Version der Geschichte, nach der Io schwanger vom Kapitän des phönizischen Schiffs gewesen sei, weswegen sie, aus Furcht vor dem Zorn ihrer Eltern, freiwillig mit den Phöniziern mitgegangen sei.Herodot, Historien 1,5 mini|links|Antonio da Correggio: Jupiter und Io, Kunsthistorisches Museum, Wien

Künstlerische Verarbeitungen

Die Thematik der Verführung Ios durch Zeus wurde mehrfach künstlerisch dargestellt. Zu den bekanntesten Abbildungen gehört das Gemälde Jupiter und Io von Antonio da Correggio.

Benennungen Der Jupitermond Io wurde, ebenso wie Kallisto, Ganymed und Europa, nach Jupiters gleichnamiger Liebschaft benannt. Neben anderen galt auch Io als Namensgeberin für das Ionische Meer, einen Teil des Mittelmeeres. In den Jahren 1902 bis 1904 benannte der britische Zoologe Oldfield Thomas drei Fledermausarten nach Io: den Ostasiatischen Frühabendsegler (Ia io), die Thomas-Gelbfledermaus (Rhogeessa io) und die Thomas-Sackflügelfledermaus (Balantiopteryx io). Das Tagpfauenauge Aglais io ist ebenfalls nach ihr benannt.

Literatur Michael von Albrecht: Die Erzählung von Io bei Ovid und Valerius Flaccus. In: Würzburger Jahrbücher für Altertumswissenschaft. Neue Serie Band 3, 1977, S. 139–148. Ken Dowden: Death and the Maiden: Girls’ Initiation Rites in Greek Mythology. Routledge, London/New York 1989, ISBN 0-415-01263-5, S. 117–145.

Konrad Heldmann: Jupiters Nebeldecke und die Wolke des Zeus. Ovids Io-Erzählung (met. 1, 588-750) und ihr literarhistorischer Kontext. In: Hermes. Band 142, 2014, S. 326–348.

Fritz Wehrli: Io, Dichtung und Kultlegende. In: Hildebrecht Hommel (Hrsg.): Wege zu Aischylos. Band 2. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1974, S. 136–148.

Weblinks

Io im Theoi Project (englisch) Gustav Schwab: Io ca. 250 Photos von Darstellungen von Io und Argus in der Kunst, in der Warburg Institute Iconographic Database.

Einzelnachweise

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