Das Schlossmuseum Quedlinburg wird von der Welterbestadt Quedlinburg als eines von drei Städtischen Museen betrieben. Es ist Teil des UNESCO-Welterbes „Schloss, Stiftskirche und Altstadt Quedlinburg“ und befindet sich in den historischen Räumlichkeiten des ehemaligen Stiftes Quedlinburg, das von 936 bis 1802 bestand. Das 1929 gegründete Museum präsentiert ab Oktober 2026 eine vollständig überarbeitete Dauerausstellung zur Geschichte des Damenstifts, der Region und der Rolle mächtiger Frauen in der europäischen Geschichte.

Geschichte Die Wurzeln des Damenstiftes reichen bis in das 10. Jahrhundert zurück, als nach dem Tod König Heinrich I. im Jahr 936 seine Witwe, Königin Mathilde und sein Sohn Otto I., am Grab des Königs eine Memorial-Gemeinschaft einrichteten, die sich im Laufe des 10. Jahrhunderts zu einem freiweltlichen Damenstift entwickelte. Das Stift war reichsunmittelbar, das heißt nur dem Kaiser und dem Papst direkt unterstellt. Unter der Leitung von 39 Äbtissinnen, teilweise aus hochadligen Häusern, prägte es über 866 Jahre das geistliche, politische und kulturelle Leben der Region, bis es 1802 im Vorfeld des Reichsdeputationshauptschlusses aufgelöst wurde.

Die Räumlichkeiten, die den Äbtissinnen und Stiftsdamen einst als Residenz dienten, werden seit 1929 als Schlossmuseum genutzt. Die Museumsleiter waren in den Jahren 1938 bis 1940 Karl Schirwitz, in den 1950er Jahren Heinz Müller, nach der Wiedervereinigung eine Zeit lang Joachim Schymalla, später Christian Mühldorfer-Vogt und zuletzt (ab 2007) Martin Porr. Nach den 2010er Jahren wurde es überwiegend interimistisch verwaltet.

Am 2. Februar 2020 wurde das Schlossmuseum für umfangreiche Baumaßnahmen geschlossen, die bis 2026 dauerten. Die Gebäude wurden saniert und die Dauerausstellung neu konzeptioniert. Die baulichen Reste aus ottonischer Zeit, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock und des 20. Jahrhunderts der dreiflügeligen Stiftsschlossanlage wurden denkmalschutzgerecht restauriert. Durch den Einbau von Aufzügen, Rampen und einem Hohlboden, wurde der barrierefreie Zugang verbessert. Die Ausstellungsfläche im Schlossmuseum wurde von 1.300 auf 2.300 Quadratmeter erweitert. Hinzu kommen 2.400 Quadratmeter museal gestaltete Bereiche der Stiftskirche. Zahlreiche historische Besonderheiten, wie die Schwarze Küche und das Gartenhaus im barocken Garten wurden rekonstruiert. Die Fassade im hellen barocken Aussehen, basierend auf historischen Quellen, wurde neu gestaltet.

Eine modernisierte Ausstellungsgestaltung mit multimedialen Elementen, lässt die bisher unerzählte Geschichten, wie zur Reformation in Quedlinburg oder zum Alltag der Äbtissinnen, lebendig werden.

Ausstellungen Die neue Dauerausstellung im Schlossmuseum beleuchtet die Geschichte des Damenstifts Quedlinburg von der Vorgeschichte bis zur Rezeptionsgeschichte. Im Mittelpunkt stehen dabei Glaube, Macht und Memoria: Die Rolle der Äbtissinnen als geistliche und weltliche Herrscherinnen und Bewahrerinnen des Andenkens an Heinrich I. und Mathilde sowie ihre Bedeutung für die europäische Kulturgeschichte. Mehr als 300 originale Ausstellungsobjekte aus den Sammlungen der Welterbestadt werden präsentiert. Die Ausstellung verbindet historische Bauwerke, wie das ottonische Gewölbe oder das Paradeappartement der Äbtissin aus dem 18. Jahrhundert mit moderner Präsentationstechnik.

Zu den bedeutendsten Exponaten zählen: Goldscheibenfibel (Mitte 7. Jh.): Eine prachtvolle merowingerzeitliche Gewandspange, die im Jahr 1878 in Groß Orden gefunden. Der sogenannte Raubgrafenkasten (1. Hälfte 14. Jh.): Ein hölzernes Schau-Gefängnis, das später mit der Legende um Graf Albrecht II. von Regenstein verbunden wurde. Quedlinburger KnüpfteppichTouristenattraktion im Harz soll nach Umbau Champions League spielen auf harzkurier.de vom 17. März 2025, abgerufen am 18. März 2025. (um 1200): Ein mittelalterlicher Teppich aus dem Domschatz, der zu den ältesten erhaltenen Textilkunstwerken Europas zählt. Ein Goldschautaler von 1617, eine Goldmünze, die im Auftrag Äbtissin Dorothea von Sachsen zum Reformationsjubiläum geprägt wurde. Ledertapete (Anfang 18. Jh.): Fragment einer venezianischen Goldledertapete aus dem Wartesaal des Damenstifts. Schuhe der Äbtissin Sophie Albertine (2. Hälfte 19. Jh.): Ein Paar Schuhe aus weißem Ziegenleder mit grüner Seide, die 1803 einer Stiftsdame geschenkt wurde. Gemälde der Äbtissin Dorothea von Sachsen (2. Hälfte 17. Jh.): Öl auf Leinwand, unbekannter Künstler.

Architektur Der Baukomplex der dreiflügeligen Stiftsschlossanlage vereint zahlreiche baugeschichtliche Besonderheiten. So befinden sich im Untergeschoss Reste einer ottonischen Palastanlage (10. Jh.). Im Obergeschoss liegen die Räume des Paradeappartements der Äbtissin (18. Jh.), darunter der Audienzsaal und der Blaue Saal, der als Aufenthalts-, Theater- und Festsaal sowie für Aufbahrungen genutzt wurde. Der barocke Terrassengarten auf dem Stiftsberg und der Landschaftspark Brühl sind Teil der Initiative „Gartenträume – historische Parks in Sachsen-Anhalt“.

Die Wiedereröffnung des Schlossmuseums erfolgte im Sommer 2026, nach einer sechsjährigen Schließzeit. Die Stiftskirche St. Servatii mit ihrem Domschatz wurde bereits am 28. März 2026 für Besucher zugänglich gemacht.Erwin Klein: Quedlinburg: Neues Museum auf dem Stiftsberg öffnet - das erwartet die Besucher. In: Harz Kurier vom 23. März 2026. Beide Bereiche sind seitdem in einem geschlossenen Rundgang erlebbar, der die Verbindung von Glaube, Macht und Erinnerungskultur thematisiert.

Bedeutung und UNESCO-Welterbe Der Stiftsberg Quedlinburg wurde 1994 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die UNESCO begründete dies mit der „außergewöhnlichen und weltweiten kulturellen Bedeutung Quedlinburgs, die auf der engen Verbindung zwischen seiner Geschichte und Architektur beruht, die mit der sächsisch-ottonischen Herrscherdynastie verflochten ist“.

Literatur Johannes Brauer, Heinz Müller: "Mensch und Arbeit"; 30. Juni bis 29. September 1963. Schloßmuseum Quedlinburg 1963. Christa Rienäcker: Städtische Museen Quedlinburg, Schlossmuseum, hrsg. v. Städtische Museen Quedlinburg 1980. Lothar Weschke, Sylvia Schneider: Schloßmuseum Quedlinburg, hrsg. v. Städtische Museen Quedlinburg, Stekovics Verlag, Quedlinburg 2003. Christian Mühldorfer-Vogt, Wulff E. Brebeck: Geschichte und Propaganda: die Ottonen im Schatten des Nationalsozialismus. Dokumentation einer Tagung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, des Schlossmuseums Quedlinburg und des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.V. am 25. September 2003 in Quedlinburg. 2. Aufl. Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2008. Margrid Reitzammer; Christian Mühldorfer-Vogt: 100 Jahre Städtische Museen Quedlinburg, in: Quedlinburger Annalen 2 (1999), S. 24–42.

Weblinks

Museen der Welterbestadt Quedlinburg → Schlossmuseum Schlossmuseum Quedlinburg – Museumsverband Sachsen-Anhalt

Einzelnachweise

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