mini|Alexander Ranaldson MacDonell of Glengarry, der nicht bestätigte „Erfinder“ des Schiffchens, im Jahre 1812 (Porträt von Henry Raeburn) Das Schiffchen ist eine aus der schottischen Militärtradition stammende Kopfbedeckung, die sich über ihren internationalen militärischen Gebrauch hinaus bei verschiedenen Berufsgruppen und Organisationen verbreitet hat und teilweise bis heute großer Beliebtheit erfreut. In Schottland ist dieser Mützentyp unter der Bezeichnung Glengarry bonnet bzw. Glengarry bekannt. Der in Deutschland geprägte Name Schiffchen leitet sich von seiner bootsförmigen Form ab.
Beschreibung mini|Dunkelblaues Schiffchen der deutschen Luftwaffe von 1962 Geschichtlich erstmals greifbar wurde das Schiffchen 1794 als eigenständiges Erkennungszeichen des schottischen Hochlandregiments Glengarry Fencibles eingeführt. Über seine Ursprünge kann nur spekuliert werden. Als 1868 das Glengarry zur allgemeinen Dienst- und Ausgangsmütze bei den meisten Einheiten der britischen Armee wurde, erhielt es die Optik, welche bis heute die international gebräuchlichen militärischen und zivilen Schiffchen prägt.
Der Mützentyp kann aus Filztuch, Kammgarn- und Zeltstoffen sowie aus Drillich oder Moleskin bestehen. Zivile Ausführungen sind häufig vollständig aus Pelz gefertigt. In Form einer Wegwerfmütze kann sie auch aus Papier hergestellt sein. Allen Modellen gleich ist die typische umgedrehte Bootsform. Im nicht aufgesetzten Zustand ist die Mütze extrem flach und nimmt fast keinen Stauraum ein. Mit Einführung des britischen Mützenmodells besitzen sehr viele Schiffchen einen vollständig um den Mützenkörper laufenden weichen, herunterklappbaren Nacken- und Ohrenschutz. Dieser Schutz ist so breit ausgelegt, dass er die Ohren vollständig und zumindest Teile des Nackens abdecken soll. Im Bereich des Gesichtsfeldes verjüngt sich der Schutz, da er hier im heruntergeklappten Zustand nur die Stirn bedecken muss.
Militärisch genutzte Schiffchen besitzen immer mindestens ein Abzeichen aus Metall, Email oder Stoff. Diese Abzeichen werden entweder seitlich oder frontal auf dem Mützenkörper befestigt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand eine besonders billige und stoffsparende militärische Mützenvariante, die sich bis heute hauptsächlich für Versionen aus Zeltstoff oder Drillich sehr weit verbreitete. Bei dieser fehlt der Schutz und wird, wenn überhaupt, lediglich durch eine Ziernaht angedeutet. Im Gegensatz zu anderen militärisch genutzten Mützen wird das Schiffchen traditionell nicht in Tarnstoffen ausgegeben.
Die Tragweise des Schiffchens unterlag in den zwei Jahrhunderten des bisherigen Gebrauchs verschiedenen Moden und Vorschriften.
Schottland und Großbritannien mini|Glengarry eines Soldaten des Royal Regiment of Scotland Das Glengarry ist ein traditionelles schottisches Schiffchen aus dickem Wollstoff. Die Bezeichnung leitet sich von dem Clannamen des Alasdair Ranaldson MacDonell of Glengarry (1771–1828) ab. Dieser war Oberst und hatte das Schiffchen 1794 als Teil des von ihm aufgestellten schottischen Hochlandregiments Glengarry Fencibles eingeführt. Es ist bisher unklar, ob MacDonell of Glengarry der Erfinder des Schiffchen ist oder ob es in seinem Umfeld entwickelt wurde. Festzustellen ist jedoch, dass es keinen Hinweis auf eine frühere Existenz dieses Mützenmodells gibt.
Im Jahr 1841 soll das Glengarry für die Sackpfeifer der 79th Regiment of Foot (Cameron Highlanders) von Oberstleutnant Lauderdale Maule eingeführt worden sein. Im Verlauf der sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurde es bei den meisten schottischen Infanterieregimentern zur Standardkopfbedeckung. In den 1870er Jahren wurde es von allen Lowland- und vielen englischen und walisischen Linienregimentern übernommen.Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs, S. 10 Anhand verschiedenfarbiger Tartanbänder, welche als breiter Rand den unteren Teil des Schiffchens einnehmen, bzw. durch das Fehlen dieser Bänder kann man die Einheiten identifizieren. Zudem ist vorne an der linken Seite ein metallenes Regimentsabzeichen auf einer Kokarde angebracht. Am hinteren Ende des Glengarries befinden sich zwei längere, schwarze Stoffbänder, die auf den Rücken des Trägers herabfallen.
Das Glengarry wird auch häufig außerhalb des Militärs getragen, insbesondere als Bestandteil der Uniform von Pipe Bands. Es kann auch als Kopfbedeckung zum Highland Casual Dress getragen. Wurde das Glengarry bis etwa zum Ende des Zweiten Weltkrieges generell schräg rechts, mit dem Mützenrand nahe am rechten Ohr getragen, so wird es seitdem eher gerade, mit der Spitze über dem rechten Auge getragen.
1868 wurde eine modifizierte Form des Glengarry zur allgemeinen Dienst- und Ausgangsmütze bei den meisten nicht schottischen Einheiten der britischen Armee und erhielt die Optik, welche bis heute die international gebräuchlichen militärischen und zivilen Schiffchen prägt. 1902, nach dem Ende des Burenkrieges, schaffte man das Schiffchen bei der britischen Armee wieder ab und führte 1905 eine steife khakifarbene Schirmmütze für Dienst und Ausgang ein.
1937 wurde ein khakifarbenes Schiffchen als allgemeine Dienstmütze in der britischen Armee wieder eingeführt. Die Royal Air Force erhielt damals eine blaugraue Ausführung. Beginnend während des II. Weltkriegs wurde aber das Schiffchen mehr und mehr durch das Barett ersetzt.
Vereinigte Staaten von Amerika mini| General Omar N. Bradley mit einem Schiffchen während des Zweiten Weltkriegs 1918, während des Ersten Weltkriegs, wurde beim Expeditionskorps der US-Army bei den Heeressoldaten und Marineinfanteristen das Oversea Cap (Überseemütze) eingeführt. Dieses Wollschiffchen wurde nur im Heeresfarbton dunkeloliv ausgeliefert. Es gab keine spezielle Farbausführung für die Marineinfanterie, welche damals forstgrüne Stoffe trugen. Wie bei den schottischen Schiffchen wurde das Abzeichen der Marineinfanteristen (USMC) rechts vorne befestigt. Dieses Metallabzeichen stammte vom steifen Filzhut der Streitkräfte und zeigte den Weißkopfadler auf Globus und Anker.Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs, S. 64
Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919, stellte der US-Kongress eine einflussreiche patriotische und politische Veteranenorganisation auf, die Amerikanische Legion. Diese wurde mit blauen Oversea Caps ausgestattet.
Auch während des Zweiten Weltkriegs gehörte das Schiffchen, jetzt aus khakifarbenem Stoff gefertigt, zur Dienst- und Ausgehuniform der US-amerikanischen Armee.
Sowjetunion/Russland Rote Armee/Sowjetarmee mini|Die Pilotka der Roten Armee Mit der Pilotka, dem khakifarbenen Schiffchen M1935, wurde diese Kopfbedeckung auch in der Roten Armee als allgemeine Dienstmütze bei gemäßigten Temperaturen eingeführt. Für den Winterdienst stand zu diesem Zeitpunkt noch die aus der Russischen Revolution stammende spitze Budjonowka-Mütze zur Verfügung, bis diese 1940 gegen die heute international verbreitete Pelzmütze Schapka-Uschanka ersetzt wurde. Mannschaften und Unteroffiziere trugen auf der Stirnseite des Schiffchens einen emaillierten roten Stern. Während des Zweiten Weltkriegs setzte sich aus Tarn- und Kostengründen auch eine khakigestrichene Metallvariante des Sterns durch.Laurent Mirouze: Infanteristen des Zweiten Weltkriegs, S. 30
Deutschland
Mitte des 19. Jahrhunderts ist eine Form des Glengarry als Kopfbedeckung für Musiker der königlich-hannoverschen Armee (bis zu deren Auflösung 1866), die durch die großbritannisch-hannoversche Personalunion (1714–1837) direkte Verbindungen zur dortigen Uniformtradition hatte, anzutreffen.Lutz König: Königreich Hannover: Uniformen, abgerufen am 22. Juli 2022. In der Uniformschau für 1866 trägt, vordere Reihe, 2. v. links, der Tambour eine entsprechende Kopfbedeckung.Hannover, Uniformen, 1. (Leibregiment) und 2. Infanterie-Regiment, bis 1866. Foto Museumsmontre (alamy), abgerufen am 20. Oktober 2025
Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus
Das Schiffchen war ein fester Bestandteil der Uniformen des nationalsozialistischen Deutschlands und bei vielen Organisationen für männliche und weibliche Uniformträger anzutreffen, wie beim NSKK, der Hitlerjugend, der DAF, der NAPOLA, den Wehrmachts- und SS-Helferinnen, der Legion Condor sowie anderen paramilitärischen und allen militärischen Verbänden.Brian Leigh Davis, Pierre Turner, "DGerman Uniforms of the Third Reich", Blandford Press Ltd., England, 1980 Mit der Feldmütze M35 wurde 1935 ein Schiffchen in der Wehrmacht eingeführt. Als Versuchs-Feldmütze 1929 hatte es in der Reichswehr eine sehr ähnliche Vorform gegeben, die aber trotz positiver Aufnahme durch die Truppe nicht allgemein eingeführt wurde.Adolf Schlicht, Jürgen Kraus: Die deutsche Reichswehr. Die Uniformierung und Ausrüstung des deutschen Reichsheeres von 1919 bis 1932. Wien 2005, ISBN 3-902526-00-9, S. 132–135.
Das Nachfolgermodell, die Feldmütze M38, wurde zunächst von der WehrmachtAndrew Steven, Peter Amodio: Waffen-SS – Uniformen in Farbe, S. 42 und im Oktober 1940 als Feldmütze neuer Art (Feldmütze M40) bei der Waffen-SS eingeführt und besaß eine umlaufende Schutzklappe, welche bei entsprechender Witterung heruntergezogen werden konnten. Im vorderen Bereich der dort abschwingend gestalteten Mützenklappe sowie am Deckelrand befand sich bei der Offiziersversion eine silberfarbene Biese. Auf der Klappe über der Stirn war ein Soutachewinkel aufgenäht, welcher die Waffenfarbe zeigte. Zusätzlich befand sich in dem Winkel eine metallene oder gestickte Kokarde in den Reichsfarben schwarz-weiß-rot. Bei der Waffen-SS war statt der Kokarde ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen zu sehen. Über dem Winkel und über der Klappe war der gewebte Hoheitssadler aufgenäht. Im vorderen Drittel der Mütze befand sich über der Klappe zudem ein mit Metall beringtes Lüftungsloch. Sie konnte unter dem Helm getragen werden.
Am 21. Juli 1942 wurde die Feldmütze M42 eingeführt, welche der Feldmütze M38 sehr ähnlich war. Statt des Soutachewinkels waren nun zwei Metallknöpfe untereinander angenäht.
1943 wurde bei allen Heeresteilen sowie der Waffen-SS das Schiffchen nicht mehr ausgegeben und ab September durch die Einheitsfeldmütze M43 ersetztAndrew Steven, Peter Amodio: Waffen-SS – Uniformen in Farbe, S. 8, welche ihren Ursprung in der Bergmütze hatte. Doch wurde vielfach das Schiffchen bis Kriegsende weitergetragen.Laurent Mirouze: Infanteristen des Zweiten Weltkriegs, S. 52
Nationale Volksarmee (DDR) Bei der Nationalen Volksarmee (NVA) wurden bis zu ihrer Auflösung 1990 von den Land- und Luftstreitkräften steingraue Schiffchen, auch Käppi genannt, zur Dienst- und zur Felddienstuniform getragen.
Zur Stabsdienst- und Ausgangsuniform wurde grundsätzlich die Schirmmütze und kein Schiffchen getragen. Bei der Volksmarine war das dunkelblaue Schiffchen (Bordkäppi) zum Bord-, Dienst- und Kampfanzug in Gebrauch.
Bundeswehr
mini|Bundeswehrsoldat mit Schiffchen zum Feldanzug (1984) mini|Dunkelblaues Schiffchen der Deutschen Marine Das Schiffchen wurde während der ersten umfangreichen Uniformreform der Bundeswehr 1959Rainer Ditté: 30 Jahre Bundeswehr 1955–1985, S. 42, S. 71 in der Bundeswehr für den Dienstanzug bei allen Teilstreitkräften in den jeweils entsprechenden Farben und in verschiedenen Materialien eingeführt. So waren die Stoffschiffchen des Heeres oliv, und die aus Wolle gefertigten Schiffchen für Luftwaffe und Marine in zwei unterschiedlichen Blautönen gefärbt.
Zudem wurde im gleichen Jahr eine Paspelierung an den oberen Rändern des herunterklappbaren Schutzes bei den Schiffchen in den jeweiligen Waffenfarben eingeführt. Diese Paspelierung fiel für Mannschaften und Unteroffizieren 1977 wieder weg und blieb nur für Offiziere erhalten.