Kappel-Grafenhausen ist eine Gemeinde im Ortenaukreis in Baden-Württemberg. Die Doppelgemeinde besteht aus den ehemaligen selbstständigen Gemeinden Kappel am Rhein und Grafenhausen (Baden).
Geografie Geografische Lage
Kappel-Grafenhausen liegt in der Oberrheinischen Tiefebene und ist in zwei benachbarte Ortsteile gegliedert.
Das westlich gelegene Kappel ist ein Haufendorf, welches sein historisches Zentrum am Rande der Rheinauen auf dem Hochufer des Rheines hat. Das Dorf wird von der Elz durchflossen. Die Gemarkung des Ortsteils selbst stößt zwar durchaus auch an den Rhein, ein großer Teil der von Kappel aus zugänglichen Rheinauen ist aber Eigentum der linksrheinischen und damit französischen Stadt Rhinau und bildet das gemeindefreie Gebiet Rheinau.
Das östlich gelegene Grafenhausen ist ein Straßendorf, welches entlang der alten Rheinstraße zwischen Kappel und Ettenheim, die beide deutlich älter sind, errichtet wurde. Das Dorf liegt in dem ehemals sumpfigen Bruchgebiet zwischen dem Hochufer des Rheins und der Vorbergzone, dem Beginn der sog. Kinzig-Murg-Rinne, welches durch Westumleitung der von Ettenheim herkommenden und einst nach Norden fließenden Unditz (heute „Ettenbach“) und durch aufwändige Melioration trockengelegt wurde.
Darüber hinaus umfasst das Gemeindegebiet eine Exklave am oberen Ende des Münstertales östlich von Ettenheimmünster. Dabei handelt es sich um ein unbewohntes Waldgebiet im Schwarzwald, das nach Auflösung der aus dem Spätmittelalter herrührenden Ettenheimer Waldgenossenschaft im 19. Jahrhundert an die Orte Kappel und Grafenhausen kam.
Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Schwanau, im Osten an die Stadt Mahlberg, im Südosten an die Stadt Ettenheim, im Süden an Ringsheim und Rust und im Westen an das gemeindefreie Gebiet Rheinau, sowie die elsässische Gemeinde Rhinau (vormals „Rheinau“). Im Schwarzwald liegt eine ausschließlich forstwirtschaftlich genutzte Exklave der Gemeinde, die im Uhrzeigersinn an Ettenheim, Ringsheim und Schuttertal angrenzt.
Gemeindegliederung Kappel-Grafenhausen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Kappel am Rhein und Grafenhausen, zu denen jeweils nur die gleichnamigen Dörfer gehören. Auf der Gemarkung Grafenhausen in Richtung von Ringsheim befand sich die Wüstung Reichenweier und auf derjenigen von Kappel der abgegangene Weiler Adelnhofen und die ehemalige Siedlung Trisloch, die keltischen Ursprungs gewesen sein soll.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 311–312
Geschichte mini|Ansicht von Kappel im Jahre 1637, vor der Zerstörung bei der Schlacht von Wittenweier im Dreißigjährigen Krieg Kappel wurde im Jahre 1219 erstmals urkundlich erwähnt, als der Straßburger Bischof Heinrich II. mit dem königlichen Vogt Straßburgs, Anselm von Rheinau, einen Vertrag über den Rückfall des Lehens Rheinau und Kappel nach dessen Tode an den Bischof schloss.Wilhelm Wiegand (Hrsg.): Urkundenbuch der Stadt Straßburg, Bd. 1, Straßburg 1879, S. 142 f.; Der Vertrag ist in lateinischer Sprache abgefasst, eine deutsche Zusammenfassung ist in Alfred Hessel, Manfred Krebs (Hrsg.): Regesten der Bischöfe von Strassburg, Band 2, Innsbruck 1928, S. 22, zu finden. Der Ort ist allerdings schon viel früher aus einer Ansiedlung von Fischern und Bauern an der am Hochufer vorbeifließenden Elz und in unmittelbarer Nähe des alten Rheinübergangs entstanden. Der Sage nach soll der heilige Fridolin bei seinem pastoralen Wirken in und um Straßburg zu Beginn des siebten Jahrhunderts den hier lebenden Alemannen Trost bei einem schweren Hochwasser gespendet und ihnen den christlichen Glauben gebracht haben. In der Folge muss auch bald ein erstes Kirchlein – wohl als Eigenkirche der lokalen alemannischen Herrenfamilie – errichtet worden sein. Die für den Ort namensgebende „Capella“, so ist anzunehmen, ist aber erst um 750 entstanden, als die Franken nach Enteignung der alemannischen Herren hier wohl eine Urpfarrei auf Königsgut errichtet haben.Tobias F. Korta: Kappel am Rhein im Mittelalter, Ettlingen 2018, S. 42, 58, 70, 74. Die Überreste eines spätrömischen Gutshofes (villa rustica) weisen auf eine schon frühe landwirtschaftliche Nutzung des Hochgestades bei Kappel hin.Josef Naudascher: Überraschender Fund in Kappel: Römische Mauerreste entdeckt, in: Lahrer Zeitung vom 30. Dezember 1988. Die ersten wesentlichen geschichtlichen Spuren stammen von drei bedeutenden keltischen Fürstengräbern aus der Zeit von 620 bis 550 v. Chr. und einer keltischen Ansiedlung.Rolf Dehn, Markus Egg und Rüdiger Lehnert: Das hallstattzeitliche Fürstengrab im Hügel 3 von Kappel am Rhein in Baden, Mainz 2005.
Grafenhausen fand seine Erstnennung in Zusammenhang mit einer Schenkung zugunsten des Klosters St. Peter im Schwarzwald im Jahr 1111, deren Zeuge im Kreise von Zähringer Gefolgsleuten auch ein Adalbero de Grabenhusen war. Keimzelle des Ortes war der südlich am heutigen Lauf des Ettenbachs gelegene „Hof zum Graben“, ein Meyerhof aus fränkischer Zeit, der im zehnten und elften Jahrhundert im Besitz des Straßburger Bischofs war. Nachdem der Ettenbach (ehemals der Oberlauf der Unditz, die westlich von Orschweier nach Norden in den heutigen Kaiserwald lief) durch den „unduz graben“ direkt in Richtung Rhein geleitet wurde, war die Voraussetzung geschaffen zur Urbarmachung des sumpfigen Bruchgebietes zwischen den Ausläufern der Vorbergzone bei Orschweier und Mahlberg einerseits und dem Hochufer bei Kappel andererseits. Für die Besiedlung wie auch für den Fortbestand von "Grauvinhusen" (1225) war der teilweise heute noch vorhandene Dorfgraben von entscheidender Bedeutung.Albert Köbele: Dorfgraben und Dorfhag in Grafenhausen, in: Geroldsecker Land, Heft 3, 1960/61, S. 130–133.
Die beiden selbständigen Gemeinden Kappel am Rhein und Grafenhausen wurden im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg am 1. Juli 1974 vereinigt.
Nach Unregelmäßigkeiten bei der Bürgermeisterwahl 2006, die Armin Klausmann gewann, entschied der Verwaltungsgerichtshof Mannheim, dass die Wahl wiederholt werden musste. 2007 zog Klausmann sein Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht zurück und verzichtete auf das Amt des Bürgermeisters, im Gegenzug stellte das Landratsamt das eingeleitete Disziplinarverfahren ein.Heilbronner Stimme (vom 21. September 2007)
Religionen Da die Reformation in den damals zum Straßburger Hochstift gehörenden Orten Kappel und Grafenhausen nicht Fuß fassen konnte, sind sie auch heute noch vorwiegend römisch-katholisch geprägt. Es gibt in beiden Orten je eine katholische Kirchengemeinde. Für die evangelischen Einwohner ist die Gemeinde in Mahlberg zuständig. Seit 2002 unterhält sie einen Betsaal in Grafenhausen.
Politik Gemeinderat mini|Rathaus von Kappel, Sitz der Gemeindeverwaltung Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,25 % (2019 53,7 %) zu folgendem Ergebnis (mit Unterschieden zur vorigen Kommunalwahl 2019):
Partei / Liste Stimmenanteil +/− %p Sitze +/− CDU 29,68 % - 25,12 4 - 4 Pro Kappel-Grafenhausen 67,54 % + 67,54 10 ± 10AfD2,78 % + 2,78 %0± 0 Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. März 2024 Philipp Klotz. Zum Zeitpunkt des Amtsantritts war er der jüngste hauptamtliche Bürgermeister Deutschlands. Klotz wurde am 3. Dezember 2023 mit 58,8 Prozent der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger war von 2008 bis 2024 war Jochen Paleit.Staatsanzeiger für Baden-Württemberg – Bürgermeisterwahl 2015 in Kappel-Grafenhausen
Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Ettenheim an.
Wappen Das Wappen der Gemeinde ist eine Kombination der Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden Kappel und Grafenhausen. Das Wappen von Kappel zeigte auf rotem Grund drei übereinander liegende silberne Fische, flankiert von zwei goldenen Rudern, und verwies somit auf die frühere Bedeutung der Fischerei in dieser Gemeinde. Das Wappen von Grafenhausen zeigte auf blauem Grund einen auf grünem Untergrund stehenden silbernen Engel, der vor sich ein schwarzes Andreaskreuz hält.
Gemeindepartnerschaften Kappel-Grafenhausen unterhält eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Rhinau im Elsass.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|St. Cyprian und Justina in Kappel mini|hochkant=0.65|St. Jakobus in Grafenhausen Kirchen In den beiden Orten der Gemeinde befinden sich zwei sehenswerte Kirchen: Die katholische Pfarrkirche in Kappel St. Cyprian und Justina wurde in den Jahren 1730–1733 erbaut, aber erst 1737 am gleichen Tag wie die Ruster Kirche vom Weihbischof des Straßburger Bistums geweiht. Nachdem sie die schnell wachsende Gemeinde nicht mehr aufnehmen konnte, wurde die Kirche 1826–1828 nach Plänen des Weinbrennerschülers Hans Voß umgebaut und erweitert. Dabei blieb das bisherige Langhaus als Chor bestehen, und ein neues, größeres Langhaus sowie ein neuer Turm wurden angebaut.Josef Sauer, „Die kirchliche Kunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Baden (Fortsetzung)“, in: Freiburger Diözesan-Archiv, Bd. 58 (1931), S. 247–249; vgl. auch: mit ausführlicher Baubeschreibung Nach Zerstörung am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie von 1947 bis 1949 unter der Leitung des Freiburger Architekten Gregor Schroeder leicht verändert wieder aufgebaut, wobei die klassizistische Gestalt, die Voß der Kirche gegeben hatte, erhalten blieb. 1955 wurden die Glocken des neuen fünfstimmigen Geläutes geweiht, das von dem bedeutenden Heidelberger Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling geschaffen wurde.Glockengeläut anhören Die katholische Pfarrkirche St. Jakobus in Grafenhausen wurde von 1787 bis 1789 vom Freiburger Baumeister Anton Hirschbühl erbaut und enthält neben barocken Formen auch Elemente des Klassizismus.Website der Gemeinde: Kirchen Auch diese Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und ab 1951 wieder instand gesetzt. Sie beherbergt eine spätbarocke Orgel des Orgelbaumeisters Blasius Schaxel, die 1890 von Orgelbauer August Merklin um vier Register und ein zweites Manual erweitert wurde. Älteste und größte Glocke des vierstimmigen Geläutes ist die 1767 von Matthäus Edel in Straßburg gegossene Jakobus-Glocke.Glockengeläut anhören
Museen Im Ortsteil Grafenhausen befindet sich eine historische Ölmühle mit einer einzigartigen Mühlentechnik aus dem 17. Jahrhundert. Die Mühle beherbergt zudem ein kleines Bauernmuseum.
Naturdenkmäler Das Naturschutzgebiet Taubergießen liegt zwischen Kappel-Grafenhausen und dem Rhein.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Rheinfähre Kappel/Rhinau Kappel-Grafenhausen zählt zur Wirtschaftsregion Offenburg/Ortenau (WRO).www.kappel-grafenhausen.de
Die Gemeinde ist traditionell Industriestandort. Beide Ortsteile profitierten maßgeblich von der Anbindung an die Eisenbahn im 19. Jahrhundert. Der Ortsteil Kappel verfügte schon früh über eine Versorgung mit elektrischem Strom über eine örtliche Mühle an der Elz. Mit dem Anschluss an die Autobahn A 5 wurde der Standort Grafenhausen zunehmend attraktiv, so befinden sich in Grafenhausen mehrere Betriebe der Produktion, Logistik und Dienstleistungen. Auch die Bauindustrie bevorzugt die günstige Lage. So befindet sich an der A5 (Gewerbegebiet „Kleinoberfeld III“) der Standort „FertighausWelt Schwarzwald“.www.bau-welt.de, Eröffnung April 2022 Die Nähe zum nahegelegenen Schwarzwald mit der Ressource Holz ist ebenfalls vorteilhaft: In Kappel-Grafenhausen befinden sich mehrere Betriebe der Holz- und Papierindustrie.
Die Nähe zu den touristischen Zielen Europa-Park, Naturschutzgebiet Taubergießen und Schwarzwald macht Kappel-Grafenhausen touristisch attraktiv. Dies schlägt sich in Hotels, Gaststätten und Pensionen nieder. Direkt an der Grenze zum Elsass liegt das eigene touristische Ziel Freizeitpark Funny World.
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