Der Rettenbach ist ein Wildbach in der mittleren Koralpe.
Lauf Er entspringt auf der Hebalm im Filzmoos, bei der Freiländer Alm im Hebalmgebiet im Mittelteil der Koralpe. Er fließt am Ursprung zunächst Richtung Westen, danach halbkreisförmig und steil bergab nach Osten bis zur Einmündung in die (Niedere) Laßnitz. Mittel- und Unterlauf bilden die Grenze zwischen den ehemaligen Gemeinden Osterwitz und Kloster.
Eine andere Angabe gibt das Steiermärkische Wasserbuch,Digitaler Atlas Steiermark, Thema Gewässer und Wasserinformation; insb. Rettenbach (3) und Unbenanntes Gerinne 7735. Auszug aus der digitalen Gewässerkartei Steiermark. das die Quelle oberhalb des Hofbauers am Stoffkogel () sieht, in der Sattellandschaft zwischen diesem Gipfel und dem Koralpen-Hauptgrat. Der Bach aus dem Filzmoos bleibt dabei unbenannt.
Die mittlere Durchflussmenge beträgt 0,2 m³/s.
mini|links|Der Oberlauf des Rettenbachs in einem tief eingeschnittenen Tal ist fast unzugänglich Das starke Gefälle im gesamten Lauf hat seinen Grund in der Entstehung der Koralpe:Peter Beck-Mannagetta: Die Geologie des Einzugsgebietes der Laßnitz (Weststeiermark). In: Mitteilungen der Alpinen geologischen Vereinigung. Band 34. Wien 1942, S. 1–37. Weiters das mehrseitige Literaturverzeichnis dieses Autors in dessen Nachruf: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft Nr. 90 (1997). Wien 1999, , S. 207–212. Zum Einfluss auf die Alpenbildung, Aufteilung in Krustenkeile bzw. Teile am Beginn der Karpaten und des Dinarischen Gebirges: Hans Georg Krenmayr, Albert Daurer (Redaktion): Rocky Austria. Eine bunte Erdgeschichte von Österreich. Geologische Bundesanstalt, Wien 1999, ISBN 3-85316-006-9, S. 46.Bezirkstopographie. Helmut‑Theobald Müller (Hrsg.), Gernot Peter Obersteiner (wissenschaftliche Gesamtleitung): Geschichte und Topographie des Bezirkes Deutschlandsberg. Steiermärkisches Landesarchiv und Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg, Graz/Deutschlandsberg 2005, ISBN 3-901938-15-X. In der Reihe: Große geschichtliche Landeskunde der Steiermark. Begründet von Fritz Posch†. Band 3. Erster Teilband, Allgemeiner Teil. Hartmut Hiden: Geologie des Siedlungsraumes. S. 11.Gerda Woletz: Die Geschiebeverhältnisse der Laßnitz, in: Arthur Winkler-Hermaden, Peter Beck-Mannagetta, Karl Bistritschan, Gerda Woletz, Karl Schoklitsch, Herbert Pichler: Wissenschaftliche Studienergebnisse der Arbeitsgemeinschaft für geologisch-bodenkundliche Untersuchungen im Einzugsbereiche des Laßnitzflusses in Südweststeiermark. In: Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse, Abteilung 1, 149. Band, 7. bis 10. Heft (vorgelegt in der Sitzung am 27. Juni 1940). Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, Wien 1940, S. 245–257. Die Koralpe ist geologisch ein emporgehobener Gebirgsteil, eine sogenannte PultschollePeter Beck-Managetta: Über den geologischen Aufbau der Koralpe. In: G(ernot) Weissensteiner: Mineralien der Koralpe. 1. Sonderband der Vereinszeitschrift Die Eisenblüte. Vereinigung steirischer Mineraliensammler, Graz 1979, S. 6.. Ab ihrem Quellgebiet müssen die Flüsse und Bäche auf kurzen Strecken große Höhenunterschiede überwinden. Das Quellgebiet des Rettenbachs auf der Hebalm ist ein Beleg für den schollenartigen Bau der Koralpe: Es handelt sich um eine mehrere Kilometer lange relativ ebene Fläche, auf der eine Reihe von Feuchtflächen (Moose wie das Filzmoos, das Seemoos) liegen. Das Filzmoos ist nicht nur der Ursprung des Rettenbachs, sondern auch des Klosterbaches, eines Zuflusses zum Wildbach.
Die steilen Hänge des Tales des Rettenbaches führen zu Hangrutschungen, durch welche Mineralienfundstellen erschlossen werden.G(ernot) Weissensteiner: Mineralien der Koralpe. 1. Sonderband der Vereinszeitschrift Die Eisenblüte. Vereinigung steirischer Mineraliensammler, Graz 1979.
Geschichte Dass das Gebiet, in dem der Rettenbach fließt, schon in vorgeschichtlichen Zeiten besucht war, ist durch Streufunde aus dem Neolithikum bei Trahütten und aus der Bronzezeit bei Freiland belegt.Gerhard Fischer: Osterwitz. ain wunderthätig Ort im hochen gepürg. Leben, Freude und Leid einer Gegend und ihrer Bewohner. Osterwitz 2002. Herausgeber und Verleger: Gemeinde Osterwitz. Herstellung: Simadruck Aigner & Weisi, Deutschlandsberg, S. 20. Während der mittleren Latène-Zeit befand sich das Einzugsgebiet des Rettenbachs im Kernland des damaligen norischen Königreichs im südösterreichischen Raum, dem heutigen Kärnten und der Südsteiermark.Susanna Berndt (Hrsg.): Die Kelten im südweststeirischen Teil des Königreiches Noricum. Sonderausstellung der Gebrüder Steffan-Stiftung. Katalog zur Ausstellung im Burgmuseum Deutschlandsberg. Herausgegeben vom Steirischen Kuratorium für Vor- und Frühgeschichte. 1998, S. 12. Später gehörte der Raum zu Karantanien.
Der Name Rettenbach ist auf verschiedene Weise erklärbar: Er kann von der Rodungstätigkeit der Besiedler abgeleitet werden, die zur deutschsprachigen Bevölkerungsschicht gehörten und die durch die bairische Kolonisation ungefähr ab dem 9. Jahrhundert in das Gebiet kamen, vgl. reuten ‚für durch Entfernen von Baum- und Strauchwerk urbar machen‘.Reuten. In: Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 14 R-Schiefe. Leipzig 1893, Spalte 849 Zeile 45. Nachdruck Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1991, ISBN 3-423-05945-1. dtv 5945. Gliederung zitiert nach: Der digitale Grimm – Elektronische Ausgabe der Erstbearbeitung. Version 12/04. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, ISBN 3-86150-628-9. Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier in Verbindung mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Allerdings fließt der Bach über weite Strecken in einem tief eingeschnittenen Tal, dessen steile Hänge keine gute Grundlage für Ackerbau oder Weiden geben.
In einer anderen Quelle wird Rettenbach aus dem Althochdeutschen (mit dem Beispiel: zu demo rôtin pache) mit ‚roter Bach‘ erklärt.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil 2: Alphabetisches Kärntner Siedlungsnamenbuch mit den amtlichen und den mundartlichen Formen, den ältesten und wichtigsten urkundlichen Belegen, der Etymologie und mit Zusammenstellungen der Grundwörter und Suffixe. Gleichzeitig Sachweiser zum Teil 1. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Band 51. Klagenfurt 1958, S. 178.
Eine weitere Erklärung des Namens deutet darauf hin, dass der Bach seine Bezeichnung bereits früher, in keltischer Zeit erhalten haben könnte: Rettenbach kann danach in auf das keltische Retos ‚Wassergraben‘ oder kelt. Reda ‚Straße‘ zurückgeführt werden.Inge Resch-Rauter: Unser keltisches Erbe. Flurnamen, Sagen, Märchen und Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit. Téletool Edition. Wien 1992. ISBN 3-9500-1670-8. 4. Auflage, Wien 2007, ISBN 978-3-9500167-0-3, S. 59–60 – mit ausdrücklicher Erwähnung von Rettenbachtal, allerdings ohne nähere Angabe, welcher der mehreren dafür in Frage kommenden Orte gemeint ist. Die Autorin dieser Ansicht verweist auf die Notwendigkeit einer Prüfung an den örtlichen Gegebenheiten (Realprobe): Tatsächlich beginnt an der Mündung des Rettenbaches in die Laßnitz neben dem Bachlauf ein Weg Richtung Westen, der zu Übergängen über die Koralpe führt. An seinem Beginn lagen früher eine Gaststätte (Wirtshaus Strelly) und ein Sägewerk. Auch, ob die Angabe, dass der Name der Siedlung Rettenbach im 16. Jahrhundert als im RötenbachMaximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg, 1988. Keine ISBN, S. 55. verzeichnet ist, einen Hinweis auf eine bestimmte Sprache bietet, ist offen: In der Literatur findet sich Retebach (allerdings für die Gegend von Erfurt) ebenso wie die Ableitung von Rodach von keltisch rhean, rhehan, red, rhidys für ‚Bach‘, aber auch rhyd, rod, roid für ‚Straße, Engpass‘ (mit einem Hinweis auf Englisch road) und reidh für ‚Feld‘.Wilhelm Obermüller: Wilhelm Obermüller's deutsch-keltisches, geschichtlich-geographisches Wörterbuch. Zur Erklärung der Fluß-, Berg-, Orts-, Gau-, Völker- und Personen-Namen Europas, West-Asiens und Nord-Afrikas. Im allgemeinen wie insbesondere Deutschlands nebst den daraus sich ergebenden Folgerungen für die Urgeschichte der Menschheit. Unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1868–72. Band 2. Martin Sändig, Wiesbaden 1967, S. 511, 512 und 520. In einem weiteren Buch werden die Namen Röderhausen, Röddern mit kelt. rhaedr ‚Wasserfall‘ in Verbindung gebracht,Gerhard Joachim Richter: Keltische Wurzeln in europäischen Sprachen: Sprache als Zugang zur Geschichte. Antonym, Leipzig 2002, ISBN 3-935185-03-0, S. 370 (3. veränderte Auflage, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-3622-5). was dem steilen Verlauf des Bachbettes in seinem Mittelteil entsprechen kann.
mini|hochkant=1.4|Oberlauf von Laßnitz und Wildbach, Rettenbach auch als Niedere Laßnitz: ca. 1932
Informationen, die im Gebiet der mittleren Koralpe einen Fluss Laßnitz nennen, sind nicht eindeutig: Es können mehrere Gewässer gemeint sein, die zwar zum selben Flusssystem gehören, aber einige Kilometer (und mehrere Hundert Höhenmeter) auseinanderliegen können: Oberlauf der Laßnitz, Wildbach oder Rettenbach. Der Rettenbach wird auch selbst Niedere Laßnitz genannt.Freytag-Berndt Wanderkarte mit Kurzführer. Blatt 41, Graz-Koralpe-Eibiswald. 1:100.000 Auflage 1983 - 1183841137, Verlag Freytag-Berndt und Artaria, Wien. ISBN 3-85084-641-5. Der heute als Niedere Laßnitz bezeichnete andere Quellfluss der Laßnitz, von der Handalm, kann dann als Laßnitz oder auch Pöschlbach nach dem großen Bauerngut an der Rettenbachmündung bezeichnet sein. In älteren Publikationen kann sogar der heutige Rettenbach als Hohe Laßnitz und der Wildbach als Niedere Laßnitz bezeichnet sein.Maximilian Riederer, Gunther Riedlsperger, Johann Tomaschek: Freiländer Ortschronik. Eigenverlag der Gemeinde Freiland bei Deutschlandsberg 1988, S. 195, mit einem Verweis auf Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark mit historischen Notizen und Anmerkungen Graz, Verlag Leykam-Josefsthal 1878-85. Band 1: A-K. 1878-. VIII, 821 Seiten. Band 2: L-R. 1885. 793 Seiten (32 Tafeln). Nachdruck: Verlag für Sammler, Graz 1978-79. Diese Namensvariante für den Rettenbach ist darauf zurückzuführen, dass im 19. Jahrhundert der Ursprung der Laßnitz nicht wie heute im Gebiet der Handalm, sondern auf der Hebalm angenommen und damit der Rettenbach als Oberlauf der Laßnitz gesehen wurde.
Der Wechsel zwischen slawischen Namen Laßnitz und deutschen Bezeichnungen hat mit einer Besiedlungswelle ab dem 8. Jahrhundert aus deutschsprachigen Gebieten im Rahmen der Entstehung der Karantanischen Mark oder im Rahmen der Salzburgischen Besitzungen an der Sulm und der Laßnitz begonnen.
Umwelt Der Rettenbach fließt nach seinem Ursprung in einem Torfmoos in seinem Oberlauf durch Almgebiet, danach nur mehr durch ein bewaldetes, tief eingeschnittenes und weitgehend wegloses Tal abseits von Siedlungen oder Einzelhäusern. Er weist keine nennenswerten Umweltbelastungen auf.
mini|Quellbach des Rettenbaches aus dem Filzmoos Der Rettenbach liegt in einem Landschaftsschutzgebiet.Landschaftsschutzgebiet 02: Pack-Reinischkogel-Rosenkogel. Verordnung der steiermärkischen Landesregierung vom 25. Mai 1981, stmk. Landesgesetzblatt Nr. 37/1981 in der Fassung der Berichtigung (neue Kartendarstellung) Nr. 64/1981. im Digitalen Atlas Steiermark.
Fauna Im Gewässer selbst leben Regenbogenforellen.
Am Wasser leben Libellen und Köcherfliegen. Deren Larven sind ein verlässlicher Indikator der Wasserqualität, sie kommen nur in Gewässern mit guter bis sehr guter Wasserqualität vor.
Flora Am Rettenbach wachsen seltene Pflanzen: Die Sturzbach-Gemswurz und der Glimmer-Steinbrech,Bilder unter und unter Saxifraga.