Die Bahnstrecke Engers–Au ist eine Nebenbahn in Rheinland-Pfalz. Sie zweigt in Engers von der Rechten Rheinstrecke ab und führt im Westerwald über Siershahn und Altenkirchen (Westerwald) nach Au, wo sie in die Siegstrecke einmündet.

Namensgebung Es existieren mehrere unterschiedliche Namen für die Bahnstrecke bzw. Teile davon, im Einzelnen sind dies:

Brexbachtalbahn oder auch Brexdiebrex.de für den Abschnitt Engers–Siershahn Holzbachtalbahn für den Abschnitt Siershahn–Altenkirchen Oberwesterwaldbahn für den Abschnitt Altenkirchen–Au und die Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen Unterwesterwaldbahn für den Abschnitt Engers–Altenkirchen und die Bahnstrecke Staffel–Siershahn

Geschichte Bahnbau und Eröffnung Erste Bestrebungen für einen Bahnbau in dieser Region gab es Anfang der 1870er Jahre durch die Hessische Ludwigsbahn (HLB) quer durch den Westerwald, auch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft (RhE) projektierte eine Strecke vom Siegtal nach Limburg mit einem Abzweig zum Rhein. Eine entsprechende Konzession der Strecken Engers–Altenkirchen und Limburg–Siershahn für die RhE wurde 1871 erteilt. Die HLB erhielt eine Konzession für eine Strecke von Troisdorf über Altenkirchen nach Limburg im Jahr 1873.

Vertraglich war für die RhE eine Fertigstellung vier Jahre nach dem nötigen Grunderwerb festgelegt, die RhE nutzte diese Bestimmung als Vorwand um den Bahnbau zu verzögern, denn nach dem Gründerkrach fehlte es an Finanzmitteln, immerhin waren 16 Millionen Mark für den Bahnbau veranschlagt. Der Grundstückserwerb und konkrete Detailplanungen über den Verlauf der Bahnstrecken zog sich so einige Jahre hin, als die Gesellschaft 1880 schließlich von Preußen verstaatlicht wurde, wurde als neuer Fertigstellungstermin der 1. Juli 1884 bestimmt. Nun begannen die eigentlichen Arbeiten an zahlreichen Stellen der Strecke zugleich, die nötigen Gelder hatte die RhE noch vor der Verstaatlichung beschafft. Termingerecht wurde die Strecke am 30. Mai 1884 zusammen mit den Strecken Staffel–Siershahn und Grenzau–Höhr-Grenzhausen eröffnet.

Die HLB hatte mit ähnlichen Problemen zu kämpfen und ließ ihre Konzession 1880 verfallen. Da die Strecke der verstaatlichten RhE und die vom Preußischen Staat fertig zu bauende Bahnstrecke Limburg–Altenkirchen nun ohne Verbindung ins Siegtal im Westerwald geendet hätte, beschloss Preußen am 21. Mai 1883 die Verbindung Altenkirchen–Au auf eigene Kosten zu bauen. Am 1. Mai 1887 wurde dieses Teilstück eröffnet.

Betrieb bis 1990 mini|links|Empfangsgebäude Bahnhof Altenkirchen (Westerwald) mini|links|Bahnhofsgebäude Engers

Der Abschnitt Engers–Siershahn sollte 1905 zweigleisig ausgebaut werden, aufgrund hoher Baukosten wurde das Vorhaben dann aber doch nicht umgesetzt.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Strecke mehrfach das Ziel von Bombenangriffen, so wurden die Bahnhöfe Altenkirchen, Dierdorf und Siershahn teilweise schwer beschädigt. Zurückweichende Truppen sprengten dann im März 1945 zahlreiche Brücken, sodass der Verkehr vorerst zum Erliegen kam. Komplett durchgängig befahrbar war die Strecke dann erst 1947.

Nachdem der Personenverkehr auf Uerdinger Schienenbusse umgestellt worden war, wurden zum 20. Oktober 1952 nachträglich die Bedarfshaltepunkte Hundsdorf, Mogendorf, Nordhofen, Brückrachdorf, Wienau, Berzhausen, Schöneberg (Westerw), Kloster Marienthal und Ebernhahn eingerichtet, sowie die spätere Eröffnung des Haltepunkts Hohe Grete (heute: Pracht Hohegrete) angekündigt.

mini|links|Zielschild des Schienen-Straßen-Omnibusses

Von 1954 bis 1967 führte auch die Verbindung Koblenz–Betzdorf des Schienen-Straßen-Omnibusses über die Strecke, wobei dieser ab Dierdorf (Bz Koblenz) auf Gleisen fuhr. Der Bahnhof Marienrachdorf wurde zum 7. Juli 1967 in einen unbesetzten Haltepunkt umgewandelt.Bundesbahndirektion Mainz (Hrsg.): Amtsblatt der Bundesbahndirektion Mainz vom 7. Juli 1967, Nr. 27. Bekanntmachung Nr. 243, S. 110; ebd. vom 21. Juli 1967, Nr. 29. Bekanntmachung Nr. 264, S. 123. Bis 1975 fuhren auf der Strecke regelmäßig Dampfloks. Zuletzt waren es mit Betzdorfer Loks der Baureihe 50 bespannte Schotterzüge aus Erbach in Richtung Troisdorf/Köln.

Am 2. Juni 1984 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Siershahn–Altenkirchen eingestellt. 1986 schlossen die Deutsche Bundesbahn und das Land Rheinland-Pfalz eine Rahmenvereinbarung, die vorsah, dass beide Partner Planungen zur Verbesserung des Verkehrsangebotes durchführen und eine zehnjährige Bestandsgarantie für den Nahverkehr auf der Strecke Au–Westerburg–Limburg besteht. Daraufhin wurde 1988 das Zugangebot zwischen Au und Altenkirchen ausgebaut. So wurde der Betrieb weitgehend auf die neue Baureihe 628 umgestellt, die Fahrzeiten durch die Einrichtung von Bedarfshalten beschleunigt und die Zahl der Fahrten erhöht. Am 28. Mai 1989 wurde der Schienenpersonennahverkehr auf dem Abschnitt Engers–Siershahn ebenfalls eingestellt. Trotz der Vereinbarung und der steigenden Zugzahl um 9 Fahrten täglich sank die Querschnittsnachfrage weiter, im Abschnitt Altenkirchen–Au montags bis freitags konkret von 955 Fahrgästen im Jahr 1988 auf 697 pro Tag im Jahr 1992. Daraufhin wurde das Angebot zum Fahrplanwechsel im Jahr 1993 stärker vertaktet und der Verkehr in Schwachlastzeiten ausgeweitet.Kleine Anfrage 1519, Autor: Fritsche (DIE GRÜNEN), Zukunft der Eisenbahnstrecke Au–Limburg, 25. März 1993 Gleichzeitig wurde dieser Abschnitt auf signalisierten Zugleitbetrieb umgestellt.

Am 1. August 1994 wurde der Güterverkehr zwischen Engers und der Anschlussstelle Ludwig eingestellt. Ein kleiner Teil wurde um 2001 noch beim Bau der Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main genutzt, 2004 wurde auch der Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Ludwig und Siershahn stillgelegt. Jahrelang war die Strecke stellenweise stark zugewachsen und nicht befahrbar.

mini|vectus-Triebwagen im Einsatz auf der Oberwesterwaldbahn beim Zwischenhalt im Bahnhof Altenkirchen (Westerwald)

Mit ihrer Betriebsaufnahme setzte die Vectus Verkehrsgesellschaft mbH ab dem 12. Dezember 2004 ihre neuen LINT-Triebwagen ein, die die 1986 eingerichteten Bedarfshalte wieder als reguläre Halte bedienen konnten. Zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2014 übernahm die Hessische Landesbahn (HLB) die Verkehre auf der Oberwesterwaldbahn für einen Zeitraum von 16 Jahren sowie Fahrzeuge und Personal von Vectus. Die jetzigen Zugleistungen sind unter der Bezeichnung Westerwald-Sieg-Bahn (RB 90) in der Regel von Siegen durchgebunden, hinzu kommen einzelne Verstärkerfahrten im Abschnitt Altenkirchen–Au. Da der Ausbau noch nicht die Fahrzeiten Siegen–Altenkirchen–Limburg mit allen geplanten Halten laut Deutschlandtakt zulässt, endeten die meisten Fahrten zunächst in Westerburg. Die Fahrten zwischen Betzdorf, Au und Altenkirchen werden jede zweite Stunde verdoppelt.

Anfang 2023 wurde bekanntgegeben, dass zum Fahrplanwechsel im Dezember 2025 drei zweiteilige Siemens-Mireo-Plus-B-Triebwagen im Pilotbetrieb zum Einsatz kommen sollen. Diese gingen aus einer Fahrzeugausschreibung der Hessischen Landesbahn hervor und sind Teil eines Tests des SPNV-Nord zur Dekarbonisierung des Schienenverkehrs.

Im November 2023 ging ein neues elektronisches Stellwerk des Typs ZSB 2000 im Bahnhof Breitscheidt in Betrieb, womit der Einsatz des signalisierten Zugleitbetriebs endete.

Güterverkehr auf Holzbachtalbahn seit 2005 mini|Passage des Betriebsgeländes von Schütz mini|Haltepunkt Nordhofen mini|Bahnhof Puderbach mini|Der planmäßig von Montag bis Freitag verkehrende Güterzug nach Selters zu Schütz Behälterbau mit einer Diesellokomotive der Baureihe 215 bei Obererbach

Im Jahre 2005 wurde die Infrastruktur der 1999 stillgelegten Strecke Selters–Raubach Eigentum der Westerwaldbahn (WEBA). 2006 wurde diese reaktiviert. Zusammen mit dem Abschnitt Raubach–Altenkirchen bediente die WEBA seitdem von Altenkirchen aus wieder Güterkunden auf der Schiene, u. a. einen Gleisanschluss in Neitersen und zu Schütz Behälterbau in Selters, dort quert die Bahnstrecke im Werksgelände auch Fabrikhallen. Eingesetzt wurden Dieselloks des Typs OnRail DH 1004 (umgebaute Baureihe V 100 der Deutschen Bundesbahn). Nur bei Sperrung der Strecke über Montabaur gab es Durchgangsgüterverkehr. 2017 erreichte die Transportmenge ihren Höchstwert von 230.000 Tonnen, was einen kostendeckenden Betrieb ermöglichte.

Im Juni 2017 beschloss der Kreistag Altenkirchen die Kündigung der Kooperationsvereinbarung mit DB Cargo sowie die Einleitung eines Stilllegungsverfahrens für die Holzbachtalbahn durch die kreiseigene Westerwaldbahn zum 31. Dezember 2017. Gegen eine wegen des vergleichsweise schlechten Zustands notwendige Modernisierung der Strecke hatte ein Konkurrent von Schütz, die Werit-Kunststoffwerke W. Schneider GmbH & Co. KG in Altenkirchen, geklagt, da man im Gleisanschluss beziehungsweise der Sanierung der Strecke auf Kosten der öffentlichen Haushalte einen unrechtmäßigen Wettbewerbsvorteil für Schütz sah. Der Güterverkehr wurde dann Anfang Dezember 2017 teilweise, im August 2018 komplett von der DB Cargo übernommen. Sie wickelt außer einem Leerwagenzug pro Woche den gesamten Verkehr über Montabaur ab. Zum Jahresende 2017 hatte die Westerwaldbahn die Gleisanschlussverträge gekündigt.

Im Juni 2018 wurde bekannt, dass die Gesellschafterversammlung der Westerwaldbahn einem Übernahmevertrag mit der Lappwaldbahn zustimmte. Da auf der Bahnstrecke Limburg-Staffel–Siershahn keine weiteren Trassen frei sind, ist die Holzbachtalbahn für den Güterverkehr weiter von Bedeutung. Um die Wettbewerbsbeschwerde zu entkräften, wird unter anderem ein touristischer Verkehr erwogen.

Am 26. November 2018 kaufte die Lappwaldbahn Service GmbH die Strecke, deren Eigentümerin sie zum 1. Januar 2019 wurde. Nach einer provisorischen Instandsetzung konnte der Güterverkehr auf der Strecke Ende 2019 testweise wieder aufgenommen werden. Seit September 2020 wurde eine vollständige Instandsetzung durchgeführt, bei welcher der Güterverkehr für ein halbes Jahr ausgesetzt wurde, damit fünf Brücken neugebaut werden konnten. Im Zuge dieser Streckensanierung wurden im Jahr 2022 auf Teilabschnitten neben diversen Schienen auch die vorhandenen Stahlschwellen, teilweise aus dem Jahr 1927 stammend, nach fast 100-jähriger Nutzungsdauer gegen Betonschwellen ausgetauscht. Die Arbeiten, die einen zweistelligen Millionenbetrag erforderten, sollten im Jahr 2023/24 abgeschlossen sein.

2025 hat die Holzbachtalbahn GmbH den Streckenabschnitt von Selters bis Altenkirchen von der Lappwaldbahn als Eigentümerin übernommen, wobei letztere den Betrieb noch bis zum 14. Dezember 2025 abwickelte.

Von Altenkirchen aus findet heute noch Güterverkehr statt. Über eine Reaktivierung der Verbindung im Personenverkehr wird seit einigen Jahren diskutiert, im Jahr 2004 fanden Probefahrten mit einem Triebwagen der Vectus Verkehrsgesellschaft zwischen Altenkirchen und Raubach statt.

Planungen Im November 2020 haben das Land Rheinland-Pfalz und die Deutsche Bahn eine Rahmenvereinbarung zum Bau neuer Stationen und zur Verlegung bestehender Stationen unterzeichnet. Im Rahmen der Stationsoffensive soll ab 2027 ein neuer Halt in Pracht-Wickhausen entstehen, der den bisherigen Halt Hohegrete ersetzt.40 Millionen Euro für Rheinland-Pfalz: Stationsoffensive bringt 17 neue, barrierefreie Stationen, Pressemitteilung Deutsche Bahn, 20. November 2020

Brexbachtalbahn e. V. Am 26. März 2007 wurde in Bendorf der Verein Brexbachtalbahn e. V. gegründet. Dieser hat sich zum Ziel gesetzt, die Bahn für den Tourismus wieder in Betrieb zu nehmen.

mini|hochkant|Dampfloks am 31. Mai 2009 beim Bahnfest zur Wiedereröffnung des Streckenabschnitts Grenzau–Siershahn