miniatur|Kanadischer Matrose inspiziert Antennen einer FuMB-Anlage: Links am Bildrand die Bali-Antenne des FuMB 1 (Metox). In der Mitte, oben auf dem Antennenmast, den der Matrose mit der rechten Hand dreht, dem Betrachter zugewandt, die „Fliege“-Antenne des FuMB 7 (Naxos). Markant ist der zwei Rosenblättern ähnelnde Dipol (Schmetterlingsantenne) im Zentrum des durch ein Drahtgeflecht gebildeten Parabolreflektors. Ganz oben auf dem Mast die kreisrunde Hornantenne für FuMB 26 (Tunis). Rechts die ebenfalls kreisrunde UKW-Rahmenantenne.Das Foto wurde nach der deutschen Kapitulation und Übergabe von U 889 an die kanadische Marine am 13. Mai 1945 im Hafen von Shelburne (Nova Scotia) aufgenommen. Funkmessbeobachtungsgerät (Offizielle Abkürzung:Handbuch, Scan der authentischen Werkschrift des Fu MB 4 (Samos), abgerufen am 19. Juni 2019. Fu MB; häufig auch geschrieben: FuMB) ist die vor und während des Zweiten Weltkrieges gebräuchliche deutsche Bezeichnung für ein Funkmessgerät (in damaliger Rechtschreibung: „Funkmeßbeobachtungsgerät“; neudeutsch: HF‑Scanner) zum Empfang von elektromagnetischen Wellen im Hochfrequenz-Bereich. Sie erfüllten insbesondere auf U-Booten den Zweck eines Radarwarngerätes.
Beschreibung Die Abkürzung steht für Funkmessbeobachtungsgerät. Gelegentlich wird auch Funkmeßbordgerät als Erklärung für die Abkürzung verwendet, dies ist jedoch nicht korrekt. FuMB arbeiteten auf verschiedenen Wellenlängen und wurden Anfang der 1940er-Jahre bei Luftwaffe und Kriegsmarine eingesetzt. Nachdem die ersten Geräte dieser Art relativ niedrige Frequenzbereiche, wie den UKW-Bereich (30 MHz bis 300 MHz) abdeckten, wurde es im Verlauf des Krieges erforderlich, auch höhere Frequenzen „beobachten“ zu können. So folgte beispielsweise auf das 1942 entwickelte Fu MB 4 (Samos), das 90 MHz bis 470 MHz abdeckte, ein Jahr später das Fu MB 5 (Fanö) für 400 MHz bis 1600 MHz und Fu MB 8 (Zypern I) und Fu MB 9 (Zypern II). Letzteres wurde auch „Wellenanzeiger“ genannt, kurz WAnz. Daraus erwuchs der Spitzname Wanze für das Messgerät, der den eigentlichen Decknamen Zypern verdrängte.
Einen großen Einfluss auf die Entwicklung der deutschen Funkmessbeobachtungsgeräte hatte das sogenannte „Rotterdam-Gerät“. Das ist der deutsche Deckname eines Anfang Februar 1943 bei Rotterdam aus einem abgeschossenen britischen Stirling-Bomber geborgenen brandneuen Zentimeterwellen-Radars vom Typ H2S. Entscheidende Komponente war ein damals hochmodernes Magnetron, das die Erzeugung von Mikrowellen im S-Band, also bei 3 GHz (10 cm) erlaubte. Das konnte durch kein vorhandenes FuMB detektiert werden. Hierzu wurde die Entwicklung des Fu MB 7 (Naxos) vorangetrieben, das ab Herbst 1943 einsatzfähig war.
Modelle Die folgende unvollständige Tabelle fasst wichtige Eigenschaften der diversen FuMB-Modelle zusammen. Neben der Typbezeichnung wird der Deckname beziehungsweise Spitzname angegeben, dann der ungefähre Frequenzbereich in MHz sowie der entsprechende Wellenlängenbereich in Metern, und schließlich die Herstellerfirma, ihr damals zur Tarnung benutztes Fertigungskennzeichen (Fkz) sowie der Herstellort und das Jahr der Erstfertigung. ModellDecknameFrequenz/MHzWellenlänge/mHerstellerFkzOrtJahrFuMB 1Metox113–4840,62–2,65MetoxParis1940FuMB 2Sadir66–1202,5–4,5SadirParisFuMB 3Dohmeyer180–2201,36–1,66RPZFuMB 4Samos90–4700,64–3,33R&SncvMünchen1942FuMB 5Fanö400–16000,75–0,19R&SncvMünchen1943FuMB 6Wangerooge158–2501,2–1,9R&SncvMünchenFuMB 7Naxos2500–37500,12–0,08TelefunkenbouBerlin-Zehlendorf1943FuMB 8Zypern166–2501,2–1,8HagenukobnKiel1943FuMB 9„Wanze“166–2501,2–1,8HagenukobnKiel1943FuMB 10Borkum100–4000,75–3,01943FuMB 11Korfu 8122500–37500,08–0,12BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1943FuMB 12Korfu 12181660–25000,12–0,18BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1944FuMB 13Korfu 683750–50000,06–0,08BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1944FuMB 14Korfu 465000–75000,04–0,06BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1944FuMB 15Korfu 2747500–111000,027–0,04BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1944FuMB 17Korfu 172611500–176000,017–0,026BlaupunktfvwBerlin-Wilmersdorf1945FuMB 24„Fliege“2000–37500,08–0,15TelefunkenbouBerlin-Zehlendorf1944FuMB 25„Mücke“100000,03TelefunkenbouBerlin-Zehlendorf1944FuMB 26Tunis2000–3750 & 100000,03 & 0,08–0,15TelefunkenbouBerlin-Zehlendorf1944FuMB 29BaliFuMB 32Flores110–3001,0–2,75FuMB 35Athos1500–150000,2–0,021945FuMB 37Leros100–15000,2–3,0S&HBerlin1945
Trivia mini|Das Biskaya-Kreuz bestand aus zwei auf einem Holzkreuz montierten Dipolantennen, die eine für horizontale und die andere für vertikale Polarisation. Viele FuMB-Geräte trugen die Namen von Inseln. Eines der ersten, bei der Kriegsmarine auf U-Booten eingesetzten FuMB, war FuMB 1 (Metox). Es verwendete als Antenne ein provisorisch anmutendes Holzkreuz (Bild) mit einem Doppel-Dipol. Aufgrund des Einsatzgebietes, der von der Royal Air Force überwachten Biskaya, und seines Erscheinungsbildes, wurde es als „Biskaya-Kreuz“ bezeichnet. Die Handhabung war mühsam. Es musste in der Hand gehalten werden und wurde dann in verschiedene Himmelsrichtungen gedreht. Über ein anfangs noch offen auf der Kommandobrücke liegendes Kabel wurde das Signal durch die Turmluke und die Zentrale des Bootes in den Funkraum geleitet, wo der Funker durch ein akustisches Signal, einen Brummton, eines Empfangsgeräts über eine erfolgende Radarortung unterrichtet wurde.
Literatur Arthur O. Bauer: Funkpeilung als alliierte Waffe gegen deutsche U-Boote 1939–1945. Wie Schwächen und Versäumnisse bei der Funkführung der U-Boote zum Ausgang der „Schlacht im Atlantik“ beigetragen haben. Arthur O. Bauer Selbstverlag, Diemen, Niederlande 1997, S. 195, ISBN 3-00-002142-6.
Weblinks Foto eines Biskaya-Kreuzes. Bild einer Bali-Antenne. Funkmeßgerätekunde, OKM MDv. Nr. 291 Funkmeßbeobachtungsanlagen Bordfunk-Geräte der deutschen Luftwaffe 1939–1945 Fu MB 4, Werkschrift des Samos. Fu MB 9, Werkschrift des Zypern vom November 1943. FuMB 26, Werkschrift des Tunis vom November 1944.
Einzelnachweise
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