Als Schlacht bei Rheinfelden werden zwei kriegerische Auseinandersetzungen (daher teilweise auch Doppelschlacht genannt) während des Dreißigjährigen Krieges bezeichnet, die sich innerhalb von vier Tagen in der Nähe der damals dem südlichen Breisgau zugehörigen Reichsstadt Rheinfelden zugetragen haben. Truppen des für die protestantische Seite kämpfenden Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar trafen auf kaiserlich-bayerische Söldner, die der belagerten Stadt zu Hilfe eilten. Das Kriegsglück wechselte zwischen beiden Schlachten, doch endlich am 3. März 1638 triumphierte die protestantische Seite.

Situation vor der Schlacht Mit der Kriegserklärung Frankreichs an den Habsburger Kaiser hatte im Dreißigjährigen Krieg 1635 die Phase des schwedisch-französischen Krieges begonnen. Der Krieg war ein politisch-strategischer Eroberungs-Krieg geworden und der ursprünglich wichtige religiöse Faktor war nicht mehr bedeutsam. Nicht mehr nur Protestanten und Katholiken trafen aufeinander, sondern das katholische Frankreich, das im Innern gegen die Hugenotten kämpfte, kämpfte nach außen auf Seiten der deutschen und schwedischen Protestanten gegen das katholische Spanien und gegen die Truppen des katholischen Habsburger Kaisers, während fast alle protestantischen Fürsten und Städte im Friedensvertrag von Prag ihr Bündnis mit den Schweden gebrochen und mit dem Kaiser Frieden geschlossen hatten.

links|mini|hochkant|Bernhard von Sachsen-Weimar Der als Folge seiner schweren Niederlage in der Schlacht bei Nördlingen aus seinem Herzogtum Franken vertriebene Bernhard von Sachsen-Weimar hatte im Vertrag von Saint-Germain-en-Laye im Oktober 1635 von Frankreich für die Fortsetzung des Krieges mit einem schwedisch-deutschen Heer Subsidiengelder erhalten. Dem Wunsch des französischen Kardinals Richelieu gemäß zog er mit dem Heer nach Hochburgund, wo General Federigo Savelli ein kaiserliches Heer kommandierte. Bernhards Heer – die sog. Weimaraner – besetzten mehrere Orte und brachten am 24. Juni zwischen Gray und Besançon dem Heer von Herzog Karl von Lothringen, der mit dem Kaiser verbündet war, eine Niederlage bei. Darauf zog Bernhard mit seinem Heer über Mömpelgard durch den Sundgau, setzte am 27. Juli bei Rheinau über den Rhein an das rechte Ufer und igelte sich auf der dortigen Flussinsel beim Dorf Wittenweier ein.

Hier kam es zu einem Waffengang mit einem kaiserlich-bayerischen Heer unter Johann von Werth, der nach Eroberung der Kurtrierer Festung Ehrenbreitstein an den Oberrhein gezogen war, wo er dem Heer Bernhards entgegentrat. Dessen Angriffe auf die Wittenweierer Schanzen im August und September wehrte er erfolgreich ab. Bernhards Heer hatte erhebliche Verluste und zog sich in die Winterquartiere nach Mömpelgard zurück. Das Weimaraner Heer war auf weniger als 4.000 Mann geschrumpft und Bernhard war über fehlende französische Unterstützung durch Zuweisung von Söldnern enttäuscht. In die Sorgen mischte sich Freude über die Zusammenarbeit mit der als Exklave in Vorderösterreich gelegenen Festung Hohentwiel. Der dortige Kommandant Konrad Widerholt hatte sich unter das Kommando von Bernhard von Sachsen Weimar gestellt und hielt tapfer, aber auch eigenwillig, stellvertretend für seinen im Exil in Straßburg befindlichen Landesherrn Herzog Eberhard III. von Württemberg, den Hohentwiel als die letzte protestantische Bastion in Württemberg.

Zu Weihnachten 1637 erhielt Bernhard die Zusage von Manassès de Pas, Marquis de Feuquières, dem Gesandten von Kardinal Richelieu, dass mit französischen Verstärkungen für sein Heer zu rechnen sei. Bernhard plante eine neue Kampagne und stärkte seine Truppen durch gute Verpflegung so, dass er seinen Feldzug im Jahr 1638 sehr frühzeitig beginnen konnte. Dabei zielte er zunächst auf Geländegewinne am Hochrhein ab, ehe er sich der ungemein wichtigen Festung Breisach am Rhein des Reichs zuwenden wollte. Eine Rolle mag dabei die ihm vertraglich zugesicherte Herrschaft über die Landgrafschaft Elsass gespielt haben. Er wollte dieses Gebiet aus dem Besitz der Habsburger in Vorderösterreich für sich selbst erobern.

Schlachtverlauf

Belagerung von Rheinfelden mini|Feldzug Bernhards von Weimar anfangs 1638 Am brach Bernhard mit einer Vorausabteilung von 1000 Mann und 1000 Pferden auf, um die Waldstädte in seinen Besitz zu bringen. Bernhard umging Stellungen der Kaiserlichen im Elsass und in Hochburgund. Am setzte er mit 500 Musketieren und 500 Pferden zwischen Stein und Säckingen per Fähre über den Strom und nahm noch am selben Tag das Städtchen Säckingen und das „Kloster Picken“ ein (die Deutschritterkommende Beuggen). Dann marschierte die aufgeteilte Truppe auf beiden Seiten des Flusses weiter nach Laufenburg. Die Stadt fiel am an Bernhards Armee, denn sie verfügte mit lediglich 60 Mann nur über eine schwache Verteidigung. Zum Schutz der dortigen, strategisch vorteilhaften Rheinbrücke stationierte Bernard 100 Musketiere in der Stadt.

Anschließend erhielten zwei Obristen den Auftrag, sofort mit ihren Einheiten weiterzuziehen, um Stadt und Festung Rheinfelden dies- und jenseits des Rheines zu blockieren. Am folgte ein weiterer Obrist mit einem Teil der Truppen auf der Schwarzwälder Seite nach, Bernhard selbst marschierte mit dem anderen Teil auf Fricktaler Seite rheinabwärts bis Rheinfelden. Die Stadt war gut bewehrt und wurde von 480 Mann unter Obristwachtmeister Röckel verteidigt.Eintrag Rödel (Röckel), N auf www.30jaehrigerkrieg.de Bernhard ließ sodann den Rest seiner Leute aus dem Winterquartier nachrücken. Am 23. Januar machte sich dieser Teil des Heeres aus dem Bistum Basel zur Belagerung Rheinfeldens, der wichtigsten unter den Waldstädten, auf. Unterdessen nahmen die Voraustruppen noch die Stadt Waldshut.

Am begann Bernhard mit der Belagerung und Kampfhandlungen gegen die Verteidiger Rheinfeldens. Am ließ er die Türme und Flanken der Stadt angreifen. Der Stadtkommandant war besorgt, denn ihm ging langsam die Munition aus. Er schickte einen Boten zur Festung Breisach mit der Bitte um Nachschub. Der Mann fiel in Feindeshand und wurde am Februar vor einem Tor von Rheinfelden gehenkt. Sowohl am wie am Februar wurde die Stadt von den Belagerern heftig beschossen. Es gelang ihnen, unter dem Außenwerk eine Mine zu legen und zu zünden. Durch die Bresche drangen Angreifer in den Verteidigungsring ein. Etliche von ihnen wurden durch Schüsse niedergestreckt oder erlitten durch Steinwürfe schwere Quetschungen. Am riss die Kanonade ein großes Loch in einen Turm und den Angreifern gelang es, eine zweite Mine am Zwinger zu platzieren.

Nach ihrer Zündung entstand ein Gang bis zu diesem Turm, über den die protestantische Armee in die Stadt eindringen wollte. Doch gelang es den Verteidigern, einzelne Abschnitte des Ganges zu beherrschen. Sie warfen Sprengkörper und Steine auf die Eindringlinge. Den Turm zündeten die Städter an. Durch die Hitzeentwicklung war er nun nicht mehr zu gebrauchen und als Vorposten für die Angreifer ungeeignet. Diese gingen am Februar daran, durch Beschuss in den links daneben liegenden Turm eine weitere Bresche zu öffnen, und es gelang ihnen auch, den Turm zum Einsturz zu bringen. Wegen der beiden Schwachpunkte im Verteidigungsring hegten die Belagerer nun die Hoffnung, dass sich die Stadt bald zur Übergabe bereit erklären würde. Da nahm das Geschehen eine ungeplante Wende.

In den Tagen davor hatte sich in Villingen ein kaiserlich-bayerisches Heer versammelt und war nach einem viertägigen Tages- und Nachtmarsch am Morgen des Februar unbemerkt bis in die Nähe des Kriegsschauplatzes gelangt.

Erster Waffengang am 28. Februar Die Kaiserlichen waren von den Erfolgen Bernhards am Hochrhein aufgeschreckt. Sie wollten Rheinfelden auf keinen Fall verlieren und rückten mit Truppen zum Entsatz der bedrängten Stadt heran. Das Korps des Kaiserlichen Feldzeugmeisters Federigo Savelli war um die Mannen des in bayerischen Diensten stehenden Reitergenerals Johann von Werth und Leute des Adrian Graf von Enkevort verstärkt. Sie griffen mit überlegener Macht den französisch-protestantischen Gegner am , einem Sonntag, an. Ihre Dragoner hielten sie zunächst in den Hecken verborgen und ließen erst das Fußvolk ein halbstündiges Scharmützel durchführen.

mini|Johann von Werth In der Schlacht trafen sodann aufeinander:

Auf kaiserlich-katholischer Seite: 3 Regimenter Kürassiere 8 Schwadronen und 5 Arkebusier-Regimenter 10 Schwadronen der bayerischen Truppen 2 Kompanien Kroaten 1 Regiment Dragoner 4 Regimenter zu Fuß

Auf französisch-protestantischer Seite: 6 Regimenter zu Pferde 12 Schwadronen 400 Musketiere 1 Schwadron des Obristen Bodendorff

Den rechten Flügel von Bernhards Truppen kommandierte General Georg Christoph von Taupadel, der sich gegen den von Johann von Werth befehligten linken Flügel der Kaiserlichen durchsetzte. Werths Männer ließen sich zerstreuen und ergriffen die Flucht, weit nachverfolgt von französisch-protestantischen Einheiten. Umgekehrt hingegen war die Situation am anderen Flügel. Hier konnten die von Savelli und Generalmajor Klaus Dietrich von Sperreuter geleiteten Einheiten Konfusion in den Reihen des Feindes auslösen und einige auf das Schloss Beuggen zutreiben, wo Musketiere sie unter Feuer nahmen. Weil in den Reihen der Kaiserlichen auch einige Kürassiere standen, kam das Fußvolk an Bernhards linkem Flügel nur wenig voran. Durch das Vordringen des rechten Flügels wurde Platz und die Reihen Bernhards getrennt. Beim Vorrücken erbeuteten die Angreifer die Regimentsgeschütze. Die Kaiserlichen stießen durch die entstandenen Lücken auf den feindlichen Tross und begannen die Wagen mit Nachschub zu plündern, wurden aber umgehend von ihren Obristen durch Befehle in diesem Tun gestoppt. Bernhard konnte dieses Durcheinander für das Wiederherstellen einer Schlachtordnung nutzen und mit seinen Leuten einen Angriff einleiten. In dieser Phase waren Bernhard und sein General Taupadel in gegnerische Gefangenschaft geraten. Weil ihre Bewacher ihre Aufmerksamkeit jedoch mehr darauf richteten, bei der Plünderung nicht zu kurz zu kommen, gelang beiden wieder die Flucht.

Das kaiserliche Heer musste zunächst zurückweichen, doch unterstützt durch einen Ausfall der Besatzung in der Stadt gelang es, den protestantischen Gegner zu schlagen. Weitere Attacken wurden von den Kaiserlichen pariert und bei ihrem Vorpreschen etliche Gefangene, darunter der Herzog von Rohan, gemacht. Der am französischen Hof in Ungnade gefallene Duc Henri II. de Rohan, der sich Bernhard als Berater angeschlossen hatte, erlitt in dieser Schlacht eine Verwundung, an der er nach anfänglich positivem Genesungsverlauf am 13. April in Königsfelden starb. Ferner war Bernhard auf dem Schlachtfeld mit dem Tod des Generalmajors Johann PhilippJohann Salomo Semler (Herausgeber): Anekdoten. In: Olla Potrida. 1785, Zweites Stück, S. 91–92 Google-Digitalisat, Wild- und Rheingraf aus dem Hause Salm in der Linie Salm-Kyrburg, eine weitere wichtige Stütze in seinem Heer genommen. Sein Schweizer Stabschef Johann Ludwig von Erlach geriet mit anderen Leuten zusammen in gegnerischen Gewahrsam.

Die Kämpfe in dieser Schlacht hielten den ganzen Tag über bis zum Einbruch der Dunkelheit an. Dann erst sammelten sich die Truppen. Das Kriegsglück war in diesem Treffen lange gleich verteilt, doch durch ihre größere Anzahl Soldaten hatten die Kaiserlichen am Ende mehr Vorteile und konnten sich als Sieger betrachten. Sie lagerten in der Nacht in der Stadt Rheinfelden. Die Kaiserlichen setzten dem abziehenden Heer Bernhards nicht nach. Im Glauben, einen totalen Sieg errungen zu haben, erlaubte Savelli, gegen den Rat von Werths, in der Folge den Truppen, sich in den Ortschaften im größeren Umkreis bessere Verpflegung zu organisieren. Rheinfelden wurde mit benötigtem Nachschub versorgt.