mini|500px|Topographische Karte von Neuguinea Die Flora und Vegetation von Neuguinea, der zweitgrößten Insel der Welt, gelegen im Südpazifik und in ihrem Zentrum bis zu fast 5.000 Meter hoch, gilt als einer der bedeutendsten botanischen Hot Spots der Welt. Rund 20.000 bis 25.000 Arten, von denen über die Hälfte nur hier vorkommen, machen Neuguinea zu einer der artenreichsten und eigentümlichsten floristischen Regionen der Erde.

Ungeachtet ihrer Reichhaltigkeit ist die Flora und Vegetation von Neuguinea bisher nur unzureichend erforscht, und wenngleich sie bis in die Gegenwart relativ gut erhalten blieb, haben insbesondere im noch erheblich schlechter erforschten Westteil der Insel in den letzten Jahrzehnten schwere Eingriffe in die Natur zugunsten wirtschaftlicher Interessen begonnen.

Geographie mini|Lage der Insel auf der Erde Neuguinea ist eine, inklusive einiger vorgelagerter Inseln und Inselgruppen, rund 786.000 km² (Deutschland: 357.100 km²) große Insel an der Nordostspitze des australischen Kontinents auf 5°20'S, 141°36'E. Von Australien ist sie durch die am schmalsten Punkt 150 km breite Torres-Straße getrennt.

Die von Nordwesten nach Südosten langgestreckte Insel wird über ihre gesamte Länge von einem rund 200 km breiten Gebirge durchzogen und geteilt (im Westen als Maokegebirge, im Osten als Bismarckgebirge), das Höhen von annähernd 5.000 m erreicht (Puncak Jaya: 4.884 m, Puncak Trikora: 4.730 m, Ngga Pilimsit: 4,717 m, Puncak Mandala: 4,640 m, Mount Wilhelm: 4.509 mIan Allison, James A. Peterson (2000): Glaciers of Irian Jaya, Indonesia and New Zealand, U.S. Geological Survey, U. S. Department of the Interior, ).

mini|Klimadiagramm Madang (6 m), weitgehend repräsentativ für das Klima der Küstenregionen mini|Klimadiagramm Wabag (1981 m), weitgehend repräsentativ für das Klima montaner Regionen

Klima Die Temperaturen der Insel werden – neben lokalen Faktoren wie der Höhenlage insbesondere im alpinen Bereich – von der äquatorialen Lage der Insel bestimmt, Wind und Niederschlagsmengen werden allerdings zusätzlich vom Monsun beeinflusst.

In den niederen Lagen ist es durchgehend heiß (an der Küste beträgt die monatliche Durchschnittstemperatur ganzjährig um 27 °C) und extrem luftfeucht ohne jahreszeitliche Schwankungen. Die jährliche Niederschlagssumme beträgt an der Küste im Mittel rund 2800 mmBrookfield, Hart: . 1966, Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization, Australia, Canberra, in: Selvaradjou, S-K., L. Montanarella, O. Spaargaren, D. Dent: European Digital Archive of Soil Maps (EuDASM) – Soil Maps of Asia, DVD-ROM version, EUR 21823 EN, Office of the Official Publications of the European Communities, Luxembourg, 2005, kann im Inland südlich der Gebirgszüge (z. B. Daru-Ebene) jedoch bis auf Werte zwischen 5000 und 6000 mm ansteigen. Durch den Monsuneinfluss kommt es dabei zu Zeiten geringerer Niederschläge (im Norden vor allem Dezember bis März, im Süden vor allem zwischen Mai und Oktober) bzw. starker Niederschläge, diese differieren jedoch regional teils deutlich. Erwähnenswerte Ausnahmen vom allgemeinen Niederschlagsreichtum der Insel sind Zonen relativer Trockenheit mit weniger als 2500 mm jährlichem Niederschlag hauptsächlich im Tiefland, wo sich an Stelle von tropischen Regenwäldern immergrüne Trockenwälder bzw. Savannen finden.

Mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen, bleiben aber ebenfalls ganzjährig stabil. In Kutubu auf 885 m betragen sie im jährlichen Mittel 23,3 °C, in Baliem und Goroka auf 1660 bzw. 1730 m 19 °C bzw. 20,2 °C und in Wabag (1981 m) nur noch 16,8 °C.Topographic service of The Netherlands: . In: Selvaradjou, S-K., L. Montanarella, O. Spaargaren, D. Dent: European Digital Archive of Soil Maps (EuDASM) – Soil Maps of Asia, DVD-ROM version, EUR 21823 EN, Office of the Official Publications of the European Communities, Luxembourg, 2005

In den höchsten Lagen des Puncak Jaya, des Ngga Pilimsit und des Puncak Mandala existieren sogar Gletscher, die allerdings durch die Gletscherschmelze aufgrund des Klimawandels drastisch zurückgehen. Niederschläge und Temperaturen sind hier das ganze Jahr über stabil und unterliegen nur geringen Schwankungen,Ian Allison, James A. Peterson (2000): Glaciers of Irian Jaya, Indonesia and New Zealand, U.S. Geological Survey, U. S. Department of the Interior, die Temperaturen liegen auf 3.600 m um 8 °C, auf 4.200 m um 3,5 °CHope, Geoff S, u. a. (Hrsg.): The Equatorial Glaciers of New Guinea (Results of the 1971–1973 Australian Universities' Expeditions to Irian Jaya: survey, glaciology, meteorology, biology and palaeoenvironments), 1976, S. 62–63., Niederschlagswerte für den Puncak Jaya ergaben geschätzte jährliche Niederschlagsmengen zwischen 2.800 und 3.000 mmHope, Geoff S, u. a. (Hrsg.): The Equatorial Glaciers of New Guinea (Results of the 1971–1973 Australian Universities' Expeditions to Irian Jaya: survey, glaciology, meteorology, biology and palaeoenvironments), 1976, S. 69–71. mini|Der Ramu im Nordosten Neuguineas

Floristik und Biodiversität Neuguinea ist, ungeachtet seiner geographischen Zugehörigkeit zum australischen Kontinent, Teil des Ozeanischen Florenreichs. Die von Regenwäldern dominierte Insel zählt floristisch zu den zehn artenreichsten Regionen weltweit,Barthlott u. a.: Globale Biodiversität – Artenzahlen von Gefäßpflanzen. Tafel, zw, S. 1003 und 1004, Strasburger, 35te Aufl. ihre Flora umfasst 20 bis 25.000 Arten aus über 1500 Gattungen in rund 250 Familien.M.M.J. van Balgooy: Phytogeography. In: K. Paijmans u. a., 1976, p.5. Die dort angegebenen Zahlen höherer Taxa basieren auf dem heute weitgehend außer Gebrauch geratenen Melchior-System der Systematik der Pflanzen nach Engler, unter Zugrundelegung neuerer Systeme würden diese Zahlen teils deutlich höher ausfallen. Besonders auffällig ist der hohe Anteil von Arten, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen (sogenannte Endemiten), er beträgt rund 55 %.Kal Muller: Keregaman Hayati Tanah Papua [The Biodiversity of Papua]

Begünstigt wird die hohe Artenzahl durch den Reichtum der Insel an unterschiedlichsten Biotopen und Habitaten, die zum einen auf die geographische Vielfältigkeit der Insel und zum anderen auf ihren bis in die Gegenwart von menschlichen Eingriffen weitgehend unberührten geschlossenen Bewuchs zurückzuführen ist, rund 75 % der Fläche Neuguineas sind allein mit Wäldern bedeckt. In der jüngsten Gegenwart ist diese Geschlossenheit jedoch vor allem im politisch zu Indonesien gehörenden Westneuguinea durch massiven Holzeinschlag und die anschließende Umwandlung in Agrarland zunehmend gefährdet.

Ungeachtet der Diversität und aktuellen Gefährdung gilt Neuguinea mit Sammlungswerten von unter 50 (Ost) bzw. 25 (West) Sammlungen pro 100 km² gleichzeitig jedoch als der botanisch am wenigsten erschlossene tropische Großraum überhaupt.Ghillean T. Prance, Henk Beentje, John Dransfield, Robert Johns: The Tropical Flora Remains Undercollected. In: Annals of the Missouri Botanical Garden, Vol. 87, No. 1, 2000, S. 70.

Florengeschichte mini|Sago-Palmen, East Sepik Neuguinea ist ein Teil des australischen Kontinents und bildet den nördlichsten Teil der australischen Platte. Mit dem Auseinanderbrechen des südlichen Superkontinents Gondwana vor etwa 150 Millionen Jahren löste sich allmählich Australien von Südamerika, Afrika, Indien und der Antarktis und rotierte gegen den Uhrzeigersinn. Die zu dieser Zeit auf Neuguinea vorherrschende gondwanische Flora war im Wesentlichen an warm-gemäßigte Verhältnisse angepasst.

Vor rund 80 Millionen Jahren begann der Kontinent allmählich gen Norden auf den Äquator zuzudriften und kollidierte später mit der Eurasischen Platte. Durch die klimatischen Veränderungen während der Kontinentaldrift war die Flora Neuguineas zunehmend tropischer werdenden Bedingungen ausgesetzt, die bisherigen Florenelemente starben entweder aus, passten sich an die neuen Bedingungen an oder zogen sich an Standorte zurück, die ihren Ansprüchen weiterhin entsprachen. Von solchen Inselstandorten aus wurde eine neue Ausbreitung insbesondere durch die im Rahmen der Kollision beider Platten stattfindende Auffaltung des heutigen Gebirges seit dem Miozän vor rund 25 Millionen Jahren bis zur Entstehung der Hochgebirge am Ende des Pliozäns vor rund 2 Millionen Jahren begünstigt, da die Bedingungen höherer Lagen gemäßigten Bedingungen teilweise entsprechen. Bis in die Gegenwart wird die Pflanzenwelt der Hochgebirge daher von Nachfahren gondwanischer Florenelemente dominiert, ihre nächsten Verwandten haben die hier vorkommenden Familien und Gattungen dementsprechend mehrheitlich in den temperierten Zonen Südamerikas.

Gleichzeitig ermöglichte die neue Nähe zur Eurasischen Platte die Zuwanderung bisher nicht heimischer Arten aus Asien, die bereits an die jetzt vorherrschenden tropischen Bedingungen adaptiert waren und die durch den teilweisen Rückzug der gemäßigten Flora freigewordenen Lebensräume hauptsächlich in den niederen Lagen eroberten und diese auch bis heute dominieren.

Jedoch auch aus Australien gab es Zuwanderung. Der beide Landmassen trennende Golf von Carpentaria westlich der nur 12 Meter tiefen Torres-Straße, der selbst nur Tiefen bis zu 53 Meter erreicht, sowie Teile der westlich daran anschließenden Arafurasee fiel im Verlauf der Erdgeschichte immer wieder ganz oder teilweise trocken, insbesondere während der Kaltzeiten der letzten 3 Millionen Jahre, letztmals bis vor rund 10.000 Jahren. So entstanden regelmäßige Landverbindungen zwischen Neuguinea und Nordostaustralien, über die neben Menschen und Tieren auch Pflanzen migrierten. Dessen ungeachtet ist der Anteil von Pflanzen mit einem Ursprung in der australischen Flora vergleichsweise gering.

Vegetation Aufgrund der geographischen Situation der Insel, die sich gleichmäßig von der Küste bis hin zum Hochgebirge hin aufbaut, wird die Vegetation von Papua-Neuguinea zumeist nach den Höhenstufen gegliedert, die folgende Darstellung folgt K. Paijmans et al. 1976.K. Paijmans: Part II: Vegetation. In: K. Paijmans, M.M.J. van Balgooy, J.M. Powell: New Guinea Vegetation. 1976, CSIRO, Canberra, S. 23–105. Als ergänzende Abweichung von diesem Modell wird allerdings im Tiefland zusätzlich noch horizontal differenziert in niederschlagsreiche Regenwald- und niederschlagsärmere Trockenwald- und Savannengebiete. Auch müssen einige nicht vornehmlich klimatisch bedingte Vegetationstypen in dieses Modell integriert werden.

mini|Strand bei Wewak mini|Ziegenfuß-Prunkwinde (Ipomoea pes-caprae), hier am Strand von Réunion

Strandküste (Coastal beach ridges and flats) Der eigentlichen Küste vorgelagert finden sich in seichten Küstengewässern Seegraswiesen bestehend aus Thalassia-, Enhalus-, Halophila- und Cymodocea-Arten. Sie stellen die Weidegründe der Dugongs dar.

Die als Strand ausgebildete Küstenzone (Coastal beach ridges and flats) ist mit einem Anteil von nur 0,5 % an der Gesamtfläche aller Biotope die kleinste aller VegetationszonenK. Paijmans: Vegetation. In: K. Paijmans u. a., 1976, p.24. Die dort angegebenen Werte beziehen sich nur auf Papua-Neuguinea allein, Werte für die ganze Insel liegen nicht vor. und wird in fünf Vegetationstypen unterschieden.

Die Krautige Strandvegetation (Herbaceous beach vegetation) grenzt direkt ans Meer und beginnt unmittelbar hinter der Hochwasserzone. Es dominieren Seggen, Gräser und niedrige krautige Pflanzen wie die Ziegenfuß-Prunkwinde (Ipomoea pes-caprae) (nach der die Formation „pes-caprae formation“ heißt), Canavalia maritima sowie hinter Ischaemum muticum Fimbristylis-Arten, Cyperus peduncullatus und Cassytha filiformis. Alle Arten befestigen den Sand, sind den extremen Salz-, Wind- und Temperatur-Bedingungen gegenüber tolerant und im ozeanischen Florenreich und der Australis weit verbreitet.