Das Staatliche historisch-künstlerische Schutzgebiet Gobustan () ist ein archäologisches Schutzgebiet in Aserbaidschan. Es liegt rund 65 km südwestlich von Baku am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres in einer von Felsplateaus und Halbwüste geprägten Landschaft.
Im Gebiet des Schutzreservats liegt die UNESCO-Welterbestätte Felsbilder und Kulturlandschaft von Gobustan (), die drei Teilflächen mit zusammen 537,22 Hektar umfasst.
Geographie und Schutzgebiet Gobustan liegt unmittelbar westlich der Ortschaft Gobustan im Südosten Aserbaidschans in den Verwaltungsgebieten Qaradağ und Abşeron. Die Felsbildlandschaft konzentriert sich auf drei Hauptbereiche bei den Erhebungen Böyükdaş, Kiçikdaş sowie Cingirdağ–Yazılıtəpə.
Das Schutzgebiet wurde 1966 durch Beschluss des Ministerrats der Aserbaidschanischen SSR eingerichtet. Es umfasst eine Fläche von rund 45 km² und erhielt 2006 den Status eines nationalen Schutzgebietes.
Felsbilder und Archäologie Gobustan ist vor allem für seine Felsbilder bekannt. Die Stätte umfasst mehr als 6.000 Felsgravuren, die rund 40.000 Jahre Felskunst bezeugen und zeitlich vom Jungpaläolithikum bis ins Mittelalter reichen. Die wissenschaftliche Erforschung begann nach ersten Entdeckungen 1939 und 1940. Systematische Untersuchungen wurden seit 1947 insbesondere von İshaq Cəfərzadə durchgeführt. Spätere Forschungen erweiterten das Inventar deutlich.
Die Gravuren zeigen Menschen- und Tierfiguren, Jagd- und Kampfszenen, rituelle Rundtänze (darunter den „Yally“-Tanz), Boote mit bewaffneten Ruderern, Kamelkarawanen sowie Sonne- und Sternsymbole und geben damit einen detaillierten Einblick in Alltag, Religion und Umwelt der vorgeschichtlichen Bevölkerung des Südkaukasus.
Neben den Felsbildern wurden im Gebiet über 20 vorgeschichtliche Wohnplätze und Höhlen sowie rund 40 bronzezeitliche Hügelgräber und weitere Bestattungsplätze nachgewiesen.
Zu den epigraphischen Zeugnissen gehört auch eine lateinische Inschrift aus der Zeit des Kaisers Domitian, die als Hinweis auf die zeitweilige Anwesenheit eines Centurio der Legio XII Fulminata gilt. Sie gilt als die östlichste bekannte Inschrift eines römischen Legionärs. Zum Schutzgebiet gehören neben zahlreichen Schlammvulkanen auch der als Qaval daşı bekannte natürliche Klangstein, der beim Anschlagen mit kleinen Steinen trommelähnliche Töne erzeugt.
UNESCO-Welterbe 2007 wurde die Stätte unter dem Namen Gobustan Rock Art Cultural Landscape in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Die Eintragung erfolgte nach Kriterium (iii). Die UNESCO begründete die Aufnahme damit, dass die Felsgravuren ein außergewöhnliches Zeugnis einer verschwundenen Lebensweise darstellen. Besonders hervorgehoben werden Darstellungen von Jagd und Fischfang aus einer Zeit, in der Klima und Vegetation der Region wärmer und feuchter waren als heute.
Die Welterbestätte ist als serielle Stätte aus drei räumlich getrennten Teilgebieten ausgewiesen: Cingirdağ–Yazılıtəpə mit 17,09 Hektar, Böyükdaş mit 323,27 Hektar, Kiçikdaş mit 196,86 Hektar.
Museum mini|Ausgestellte Mikrolithen im Museum Im Schutzgebiet befindet sich ein archäologisches Museum und Besucherzentrum, das 2011 eröffnet wurde. Die Ausstellungsfläche beträgt 2.460 Quadratmeter. 2013 erhielt das Museum im Rahmen des Wettbewerbs Europäisches Museum des Jahres einen Sonderpreis.
Weblinks
(englisch) Qobustan petroglyphs – Kurzfilm über die Felszeichnungen (englisch)
Einzelnachweise
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