Wallroth ist ein Stadtteil von Schlüchtern im osthessischen Main-Kinzig-Kreis.

Geografie Wallroth liegt auf einer Höhe von 396 m über NN etwa 5,5 km nordwestlich des Stadtzentrums von Schlüchtern, im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises an der Grenze zum Landkreis Fulda auf dem Landrücken, dem verbindenden Höhenzug zwischen Rhön und Vogelsberg.

Wallroth grenzt im Norden an den Ort Stork, im Nordosten an den Ort Höf und Haid, im Osten an den Ort Klosterhöfe, im Südosten an Schlüchtern, im Süden an den Ort Breitenbach, im Südwesten an den Ort Kressenbach und im Nordwesten an den Ort Hintersteinau.

Wallroth hat die Ortsteile Oberdorf, Unterdorf und Mühldorf mit der Möllersch-Mühle. Weitere Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung waren die Annekätchensmühle und die Hermesmühle.

Geschichte Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung von Wallroth stammt aus dem Jahr 1167 als „Wesilhilderode“. Nach einem Vermerk im Schlüchterner Repertorium ist Wesselrode eine wüstgefallene Vorgängersiedlung, an deren Stelle dann Wallroth entstand. Weitere Erwähnungen erfolgten unter den Ortsnamen (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Weselrode und Weseldrode (1303), Weselderode (1331), Weselnrode (1387) und Walrode (1481). Das Dorf gehörte zum Kloster Schlüchtern und damit im Spätmittelalter zum Einflussbereich der Herrschaft Hanau (ab 1429: Grafschaft Hanau). Das Kloster Schlüchtern begab sich 1457 endgültig in deren Schutzherrschaft (ab 1458: Grafschaft Hanau-Münzenberg). Dort war Wallroth dem Amt Schlüchtern zugeordnet.

1481 wurde erstmals die Kirche von Wallroth erwähnt, die unter dem Patrozinium des Heiligen Antonius stand. Sie gehörte zur Pfarrei Hintersteinau.

Frühe Neuzeit Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. 1719 erhielt die Kirchengemeinde von Wallroth eine selbständige Pfarrei, die zum Dekanat Schlüchtern zählt und Filialen in Breitenbach und Kressenbach hat.

Mit dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., fiel Wallroth 1736 mit der ganzen Grafschaft Hanau-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen-Kassel, aus der 1803 das Kurfürstentum Hessen wurde.

Neuzeit Während der napoleonischen Zeit stand Wallroth ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Wallroth zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert und ist nach dem Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Bundeslandes Hessen geworden. Wallroth wechselte entsprechend die Verwaltungen, denen es zugehörte.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Wallroth im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Schlüchtern eingemeindet. Für Wallroth wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Schlüchter, ein Ortsbezirk eingerichtet. Ebenfalls mit der Hessischen Gebietsreform wurde der Landkreis Schlüchtern 1974 aufgelöst und Wallroth liegt seit dem im Main-Kinzig-Kreis.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Wallroth angehört(e):

vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Schlüchtern ab 1642: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Schlüchtern ab 1736: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Schlüchtern ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Schlüchtern 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Steinau ab 1816: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Fürstentum Hanau, Amt Schlüchtern ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis SchlüchternVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 76.Trennung von Justiz (Justizamt Steinau) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Schlüchtern ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Schlüchtern ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Schlüchtern ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Schlüchtern ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Schlüchtern, Stadt Schlüchtern ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Stadt Schlüchtern

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Wallroth 990 Einwohner. Darunter waren 33 (3,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 186 Einwohner unter 18 Jahren, 405 zwischen 18 und 49, 216 zwischen 50 und 64 und 186 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 393 Haushalten. Davon waren 84 Singlehaushalte, 138 Paare ohne Kinder und 132 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 69 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 261 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1538: 32 Steuernde • 1587: 34 Schützen, 7 Spießer • 1633: 58 Haushaltungen und 2 Gefreite • 1753: 68 Haushaltungen mit 365 Personen • 1812: 72 Feuerstellen, 561 Seelen

Religionszugehörigkeit • 1885: 550 evangelische (= 99,82 %), ein katholischer (= 0,18 %) Einwohner • 1961: 702 evangelische (= 90,58 %), 73 katholische (= 9,42 %) Einwohner

Politik Für Wallroth besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Wallroth) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 54,55 %. Alle Kandidaten gehören der „Bürgerliste Wallroth“ an. Der Ortsbeirat wählte Maik Basermann zum Ortsvorsteher.

Musik „Wallroth: Die 850 jährige Reise“ Der Componist – Borys Staaf „Wallroth: Die 850 jährige Reise“ auf YouTube.

Bildung In Wallroth gibt es einen evangelischen Kindergarten und eine Grundschule, die Landrückenschule.

Literatur Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis (= Hanauer Geschichtsblätter. Bd. 40). Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins und der Wetterauischen Gesellschaft für die Gesamte Naturkunde zu Hanau, Hanau 2003, ISBN 3-935395-02-7, S. 434 f. Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 65). Hessische Historische Kommission u. a., Darmstadt u. a. 1986, ISBN 3-88443-154-4, S. 158–159, 175. (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 1984). Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Bd. 14, ). Elwert, Marburg 1926, S. 492.

Weblinks Stadtteile In: Webauftritt der Stadt Schlüchtern.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Main-Kinzig-Kreis Kategorie:Ortsbezirk von Schlüchtern Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Main-Kinzig-Kreis) Kategorie:Ersterwähnung 1167 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971