Alno ist eine Marke der Höffner-Gruppe. Bis zum Jahr 2021 war Alno in Form der Neue Alno GmbH mit Sitz im baden-württembergischen Pfullendorf ein eigenständiger deutscher Küchenmöbel-Produzent; mit 2100 Beschäftigten und einem Umsatz von 522 Millionen Euro zählte die Firma noch 2015 zu den weltweit größten Küchenmöbel-Herstellern. Nach seiner Insolvenz im Oktober 2017 wurde das Unternehmen restrukturiert und neu aufgestellt. Ende September 2021 stellte es endgültig den Betrieb ein und wurde liquidiert.
Geschichte Alno im 20. Jahrhundert Die Wurzeln von Alno reichen ins Jahr 1927 zurück: Albert Nothdurft (1905–1997) gründete mit der Anmeldung als selbstständige Schreinerei Albert Nothdurft zum 1. Januar 1927 in Wangen bei Göppingen eine Schreinerwerkstatt. Zunächst arbeitete er im elterlichen Wohnhaus; später verkaufte er das Anwesen und zog in eine größere Werkstatt.Heinz Scholz: Albert Nothdurft – Gründer der ALNO-Werke. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte Nothdurft nach Pfullendorf um, weil in seiner Heimatgemeinde kein Bauland für seine Expansionspläne für die Herstellung von Küchenmöbeln zur Verfügung stand. Am dortigen Standort beschäftigte er zu Beginn bereits 50 Arbeitskräfte. Im Jahre 1958 folgte die Umfirmierung zur „Alno Möbelwerke GmbH“. Der Name Alno setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben seines Vor- und Zunamens zusammen. Nothdurft galt als Pionier der Küchenmöbelherstellung. Er schuf 300 Arbeitsplätze in Pfullendorf; die Stadt erlebte einen starken Wirtschaftsaufschwung.Siegfried Volk/siv: Eine Firma blickt zurück. In: Südkurier. 7. Dezember 2002.
In den 1960er Jahren wuchs Alno enorm; der Umsatz stieg von 2,5 Millionen Euro im Jahr 1960 auf 35,2 Millionen Euro im Jahr 1970. Die Anzahl der Mitarbeiter stieg von 95 auf 677. Alno gründete im Zeitraum 1969 bis 1992 acht ausländische Tochtergesellschaften, darunter Alno France S.A.R.L, die N.V. Alno (Belgien), die Alno Italia S.p.A., die Alno Iberica, S.A., die Alno (Schweiz) AG, die Alno UK Ltd. und die Alno Nederland. 1970 erwarb der AEG-Konzern 51 Prozent der Anteile an der Alno Möbelwerke GmbH & Co. KG. Zwölf Jahre später löste sich die Firma wieder aus dem Verbund mit AEG.Knaurs Weltspiegel. 1984 (= Knaur. 7658). Droemer, München 1983, ISBN 3-426-07658-6. Zwischen 1990 und 1995 erfolgte dann der Aufbau der Unternehmen Impuls und Pino.
Die einstige Alno Möbelwerke GmbH & Co. KG wurde 1995 eine Aktiengesellschaft und ging an die Börse. Der Ausgabekurs der Aktie betrug 59 DM. 60,2 Prozent der Aktien blieben im Eigentum der Familie Nothdurft. Nach dem Tod des Unternehmensgründers Albert Nothdurft 1997 begann eine Berg- und Talfahrt des Unternehmens. 1999 wurde erstmals in der Geschichte von Alno 500 Millionen DM Umsatz gemacht.
mini|hochkant=1.3|Lochkarte aus den 1970er Jahren mini|Typische Alno-Küchenzeile der 1980er Jahre Die Restrukturierungsprogramme ab 2000 Wegen hoher Überkapazitäten begann Alno im Jahr 2000 ein Umstrukturierungsprogramm. Der damalige Aufsichtsrat ernannte erstmals einen nicht zur Familie zählenden Manager, Raimund Denk, zum Vorstandsvorsitzenden. Nach zwei Jahren folgte ihm Frank Gebert. Unter seiner Leitung fusionierte die Alno AG im Jahr 2003 mit der Casawell Service Gruppe (Wellmann, Geba, Wellpac), einem weltweit tätigen Unternehmensverbund für Einbau- und Mitnahmeküchen sowie Küchentechnik. Zugleich übernahm Alno die Gustav Wellmann KG und konzentrierte sich fortan auf sein Kerngeschäft. Ein Jahr später richtete die Alno AG die Casawell-Gruppe neu aus, wobei es zum Verkauf küchenfremder Casawell-Beteiligungen kam. Mit dieser Restrukturierung gelang es Gebert, für das Geschäftsjahr 2004 einen Gewinn von 2,7 Millionen Euro auszuweisen. Die Gesellschaft setzte mit dem Liquiditätszufluss ihren Expansionskurs fort. Im August 2005 wurde die „Alno Middle East“ gegründet und eine Produktionsstätte in Dubai eröffnet.. In: alno.ag, abgerufen am 31. Juli 2018.
Ab 2006 versuchte Gebert, die Kapitalgesellschaft neu auszurichten: Bis dato war mit 25,5 Prozent die IRE Beteiligungs GmbH, Schorndorf, die über die Bauknecht Hausgeräte GmbH der Whirlpool Greater China Inc., Benton Harbor, Michigan/USA zuzuordnen ist, größter Aktionär. Die Familie Hellwig hielt rund 21,5 Prozent des Kapitals, die Commerzbank 20,6 Prozent und die Familie Nothdurft 12,5 Prozent. 19,9 Prozent befanden sich in Streubesitz.Küchen Holding strebt Mehrheit bei Alno an. In: Wirtschaftswoche. 16. Oktober 2006. Im Oktober 2006 übernahm der Münchner Finanzinvestor German Capital GmbH die Commerzbank-Anteile an der Alno AG. Diese wurden im Dezember 2006 mit den Papieren der Familie Hellwig in der Küchen Holding GmbH zu 42,1 Prozent gebündelt und zuvor ein Stimmbindungsvertrag mit der IRE Beteiligungs GmbH abgeschlossen, mit dem die Stimmrechte der IRE Beteiligungs GmbH an der Alno AG auf die Küchen Holding GmbH übertragen wurden. Die Küchen Holding GmbH und die IRE Beteiligungs GmbH bildeten fortan ein Investorenkonsortium.
Im Jahr 2007 wählte der Aufsichtsrat Georg Kellinghusen zum Vorstandsvorsitzenden. Er verantwortete die Ressorts Finanzen und Technik. Gleich in seinem ersten Jahr brachte er ein umfassendes Restrukturierungsprogramm mit Sofortmaßnahmen und langfristig angelegten Sanierungsaktivitäten auf den Weg. Im November 2007 erhielt Kellinghusen den Finance-Award CFO des Jahres. Einen Monat später gab er bekannt, dass er sich im Zuge des Restrukturierungsprogramms von 200 Mitarbeitern trennen wird. Gleichzeitig wurde eine Kapitalerhöhung beschlossen.Siegfried Volk: Jeder fünfte Job bei Alno ist weg. In: Südkurier. 14. Dezember 2007.
2009 wurde Jörg Deisel als Nachfolger von Kellinghusen Vorstandsvorsitzender.Siegfried Volk: Georg Kellinghusen scheidet zum 1. Juni frühzeitig aus – Jörg Deisel tritt Nachfolge an. Alno-Chef verlässt die Vorstandsetage. In: Südkurier. 28. Mai 2009. Deisel war zuvor bereits als Vorstand für die Ressorts Vertrieb und Produktion im Alno-Konzern beschäftigt.Siegfried Volk: Wechsel an der Spitze. Neuer Chef bei Alno. In: Südkurier. 28. Mai 2009.
Die Restrukturierung „Alno 2013“ Im Rahmen einer Neuausrichtung des Konzerns mit dem Titel „Alno 2013“ wurde der Stammsitz des Konzerns 2010 nach Düsseldorf verlagert.Halbjahresbericht 2010 der Alno AG. In: alno-ag.de, abgerufen am 31. Juli 2018 (PDF; 878 kB). Nach internen Differenzen über den Kurs des Unternehmens wurde Max Müller zum Vorstandsvorsitzenden gewählt; dieser verlegte den Sitz des Unternehmens 2011 wieder zurück nach Pfullendorf.Siegfried Volk: . In: suedkurier.de, abgerufen am 25. November 2017. Das Werk in Bad Salzuflen, welches zur Tochtergesellschaft Gustav Wellmann GmbH & Co KG gehörte, wurde geschlossen. 72 Mitarbeiter, die Sockelleisten, Regalböden und andere Sonderteile fertigten, verloren ihren Arbeitsplatz. In: Lippische Landeszeitung. 4. Februar 2014, abgerufen am 25. November 2017.
Entwicklung ab 2014 Durch Zukauf des Schweizer Küchenherstellers AFP Küchen AG im Jahr 2014 erhoffte sich Alno eine Steigerung von Marktanteilen und Umsatz. Um erneut eine bessere Auslastung im eigenen Werk zu erzielen, wurde die Produktion der neuen Schweizer Tochtergesellschaft stillgelegt. 100 Mitarbeiter verloren in der Schweiz ihren Arbeitsplatz, ohne dass ein einziger in Deutschland neu geschaffen wurde.Piatti-Produktion zieht nach Pfullendorf. In: moebelkultur.de. 13. Juni 2014, abgerufen am 25. November 2017. Mit 2100 Beschäftigten und einem Umsatz von 522 Millionen Euro zählte die Firma 2015 zu den weltweit größten Küchenmöbel-Herstellern.Alno weltweit anspruchsvolle Küchenwelten. In: Von Alno bis Zollern – Unternehmen im Landkreis Sigmaringen. In: Dirk Gaerte (Hrsg.), Edwin Ernst Weber (Konzeption): Der Dreiländerkreis Sigmaringen. Ein Führer zu Natur, Wirtschaft, Geschichte und Kultur. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2007, ISBN 978-3-89977-512-9, S. 68–113, hier: S. 69.
Per 30. Juni 2015 wurde das Briloner Werk Impuls Küchen GmbH an eine Tochter des südafrikanischen Steinhoff-Konzerns verkauft.ALNO AG: ALNO AG verkauft Impuls Küchen GmbH an Steinhoff Möbel Holding AG. In: equitystory.com. 30. Mai 2015, abgerufen am 25. November 2017.
Insolvenz (2017) Am 12. Juli 2017 hat die Alno AG beim Amtsgericht Hechingen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.Martin Hock: Alno stellt Insolvenzantrag. In: faz.net. 12. Juli 2017, abgerufen am 25. November 2017. Die übrigen Tochtergesellschaften waren nicht betroffen, außer die zwei Tochtergesellschaften (Gustav Wellmann GmbH & Co. KG und Alno Logistik & Service GmbH)Küchenhersteller. Alno meldet Insolvenz an. In: handelsblatt.com. 11. Juli 2017, abgerufen am 25. November 2017.Die Pfullendorfer Alno AG meldet Insolvenz an. In: suedkurier.de. 11. Juli 2017, abgerufen am 25. November 2017. Der Antrag wurde vorläufig genehmigt.Küchenhersteller. Alno darf sich vorerst in Eigenregie sanieren. In: handelsblatt.com. 13. Juli 2017, abgerufen am 25. November 2017. Ab Ende Juli 2017 befand sich die Schweizer Tochtergesellschaft Bruno Piatti AG in der provisorischen Nachlassstundung. Am 14. September 2017 wurde über Piatti das Konkursverfahren eröffnet. Piatti war der größte Schweizer Küchenhersteller, produzierte aber seit 2014 am Alno-Standort in Pfullendorf. Nach der Insolvenz des Mutterunternehmens hatten deshalb Lieferschwierigkeiten zu Problemen auch bei der Tochter geführt.
Ende August 2017 beantragte Alno, die Eigenverwaltung aufzuheben. Der bisherige gerichtlich bestellte Sachwalter Martin Hörmann wurde daraufhin zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.Amtsgericht Hechingen – Insolvenzgericht: . In: insolvenzbekanntmachungen.de. 1. Oktober 2017, abgerufen am 12. Januar 2018. Das Insolvenzverfahren wurde Anfang Oktober 2017 eröffnet. Rückwirkend zum 1. Oktober 2017 erfolgte der Verkauf pino Küchen GmbH an eine Investorengruppe unter Beteiligung von Nobilia. Am 26. Oktober 2017 stimmte das Kartellamt den Verkauf zu.Pino-Küchen in Coswig. Bundeskartellamt stimmt Verkauf zu. In: mz-web.de, Mitteldeutsche Zeitung, 26. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2018. Alle 229 Arbeitsplätze blieben erhalten.pino Küchen an Investorengruppe unter Beteiligung von nobilia verkauft. (PDF; 257 kB) Pressemitteilung der Alno AG. In: anchor.eu, 4. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2018. Mit dem Pino-Verkaufserlös entspannt sich die finanzielle Lage beim insolventen Alno-Konzern, wodurch noch keine Kündigung im Mutterkonzern ausgesprochen werden mussten – die „Belegschaft sollte vorerst gehalten werden“.Oliver Horst: Alno-Verkauf in Einzelteilen. Insolvenzverwalter bestätigt: Küchenbauer Nobilia aus Verl erwirbt Pino mit Partnern. In: westfalen-blatt.de. Westfalen-Blatt, 5. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2018. Für die Tochter Gustav Wellmann GmbH & Co. KG konnte kein Käufer gefunden werden und so erfolgte am 12. Oktober die Einstellung des Geschäftsbetriebs mit der Freistellung aller 400 Mitarbeiter „bis auf ein Team für insolvenzspezifische Abwicklungsaufgaben“.Wellmann-Mitarbeiter werden freigestellt. (PDF; 249 kB) Pressemitteilung der Alno AG. In: alno-ag.de, 12. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2018.Mareike Patock: Insolvenz: Küchenhersteller Wellmann stellt in Enger 400 Mitarbeiter frei. In: nw.de, Neue Westfälische, 12. Oktober 2017, abgerufen am 7. Januar 2017 (Stand: 25. Oktober 2017). Da die Investorensuche erfolglos blieb, wurde am 24. November 2017 die Einstellung des Geschäftsbetriebes bekanntgegeben. In: swr.de. 24. November 2017, abgerufen am 25. November 2017.