Das Silicon Valley [] (englisch für ‚Silicium-Tal‘, abgekürzt manchmal SV) – offiziell die Metropolregion San Jose-Sunnyvale-Santa Clara – ist geografisch der südliche Teil der San Francisco Bay Area, der Metropolregion um die Städte San Francisco und San José, und wirtschaftlich eines der bedeutendsten Technologiezentren der IT- und Hightech-Industrie weltweit. Genauer gesagt ist es das Zentrum der US-amerikanischen Halbleiterindustrie (ab 1960er) und der großen Internetunternehmen (ab 1990er) im Umfeld der New Economy und deren Nachfolger, der Digital Economy. Das Silicon Valley und seine Unternehmen sind eng mit dem Informationszeitalter und dem Internet seit den 2000er Jahren sowie der KI-Ära seit den 2020er Jahren verbunden. An diesem Ort werden seit Jahrzehnten innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt, zur Marktreife gebracht und vertrieben.
Geographie Das Silicon Valley umfasst das Santa Clara Valley und die südliche Hälfte der Halbinsel von San Francisco und reicht von San Mateo bis nach San José. Sunnyvale liegt ungefähr im Zentrum des Silicon Valley. Die Region Silicon Valley ist ungefähr 100 Kilometer lang und 30 Kilometer breit und umfasst eine Fläche von rund 4000 km². Längs durch das Tal führt in Nord-Süd-Richtung der U.S. Highway 101.
Folgende Städte befinden sich im Silicon Valley:
Cupertino Los Altos Los Gatos Menlo Park Mountain View Milpitas Palo Alto Redwood City San José Santa Clara Saratoga Sunnyvale
Metropolregion mini|alt=Kartendarstellung des Silicon Valley|Darstellung des Silicon Valley südlich von San Francisco. Die Metropolregion Silicon Valley (Stand 2026) umfasst etwa 6978 km2 und es werden etwa 1,9 Mio. Menschen gezählt, davon 1,6 Mio. in Arbeit, wovon etwa 1 Mio. angestellt sind. Davon arbeitet einer von fünf als Professional in der High-Tech-Industrie, welche aus 80 % Privatunternehmen besteht. Die Arbeitslosenquote liegt bei 4,9 %. Etwa 40 % sind nicht in den USA geborene Einwohner und das Medianalter liegt bei 38 Jahren. Die Hälfte der Einwohner hat ein College besucht. Rund 30 % der Einwohner haben einen Bachelor-Abschluss und weitere 30 % verfügen über eine postgraduale Qualifikation. Der Medianverdienst liegt bei rund 88.000 US-Dollar und ab einem Bachelor-Abschluss bereits bei über 110.000 US-Dollar. Rund 75 % der Häuser (im Silicon Valley sind es rund 679.914 Einheiten) wurden zwischen 1940 und 1999 gebaut. Der Medianwert einer Einheit im Besitz liegt bei 1,4 Mio. US-Dollar.
Lokale Tageszeitungen der Region sind Siliconvalley.com (Mercury News), oder auch SF Chronicle (Bay Area) u. a.
Wirtschaft Wirtschaftlich ist das Silicon Valley eng mit der Großstadt San Francisco (SF) und ihren Finanzunternehmen im Financial District, z. B. der ehemaligen First Republic Bank, verknüpft. In SF ist außerdem eine Zentralbank des Federal Reserve Systems angesiedelt. Einer der größten Finanzierer der Start-up-Szene war jedoch bis 2023 die Silicon Valley Bank (SVB). Des Weiteren existierten kapitalreiche Venture Capital-Unternehmen wie Andreessen Horowitz oder Sequoia Capital.
Bezeichnung Der Namensteil Silicon („“ – nicht mit Silikon zu verwechseln) bezieht sich auf das chemische Element, das den Hauptbestandteil bei der Herstellung von Computerbausteinen (integrierte Schaltkreise oder Mikroelektronik) darstellt.Kajetan Hinner, Internet-Lexikon, 2001, S. 319 f. Da der größte Teil des Forschungs- und Industriekomplexes mit über 1000 Unternehmen in der Halbleiter-, Computer- und IT-Technik im Santa Clara Valley liegt, wählte man als zweiten Namensteil das Tal ().
Die bereits gelegentlich, vorwiegend von Oststaatlern, für das Santa Clara Valley verwendete Bezeichnung Silicon Valley wurde 1971 als Begriff geprägt, als sie der Technik-Journalist Don Hoefler auf Vorschlag des Unternehmers Ralph Vaerst im Titel einer Artikelserie über die Halbleiterindustrie in der Wochenzeitung Electronic News erstmals publizierte.
Die Bezeichnung kann mittlerweile auch auf die umgebenden Gebiete angewendet („Bay Area“) werden, da viele Unternehmen expandiert oder ihren Sitz verlegt haben oder neue Büros hinzugezogen haben. Der Name Silicon Valley steht umgangssprachlich auch für die Elektro-, Elektronik-, Computerindustrie der Westküste, unabhängig vom Silicon Valley.
Geschichte mini|Die Garage in Palo Alto, in der 1939 das Unternehmen Hewlett-Packard seinen Anfang nahm. (2002)In Kalifornien war bereits vor dem Aufkommen des Silicon Valley die Erdölindustrie mit der Standard Oil Company of California und Union Oil Company of California seit Jahrzehnten vor dem Silicon Valley wirtschaftlich aktiv.
Die Konzentration der Computerindustrie auf das Tal geht ursprünglich auf zwei Männer zurück, Frederick Terman und William B. Shockley. Als Grundlage gilt das Moffett Federal Airfield, das im Zweiten Weltkrieg und danach als Naval Air Station der zentrale Militärflugplatz der Region war. Um den Flughafen siedelten sich mehrere Unternehmen der Luftfahrtbranche an, darunter Lockheed. Sie dienten als Sprungbrett für die Hightech-Industrie.
Mit dem beginnenden Kalten Krieg stieg die US-Regierung im großen Stil in die Forschungsförderung ein. Weil Präsident Dwight D. Eisenhower gegenüber großen, zentralisierten Unternehmen kritisch eingestellt war, wurden diese Fördermittel in kleinen Tranchen an einzelne Unternehmen und Universitäten verteilt. Nordkalifornien und die Bay Area waren nur eine von vielen Regionen, die davon profitierten. Allerdings gab es dort bereits Unternehmen der Luftfahrtbranche, sowie auf Mikroelektronik und Kommunikationsgeräte spezialisierte, wie Radar- oder Mikrowellentechnik. Diese Bereiche zeigten sich besonders bedeutend und erfolgreich in der Technologieentwicklung, so dass das Santa Clara County zum größten Empfänger der Forschungsmittel wurde. Ein technologisches Schlüsselereignis war die Entwicklung des Klystrons durch die Varian-Brüder an der Standofrd University im Zweiten Weltkrieg.
Frederick Terman, Dekan an der Stanford University, meinte, dass die großen, ungenutzten Flächen des Landes, die der Universität gehörten, perfekt für die Ansiedlung von Immobilien und Unternehmen geeignet seien. Er rief ein Programm ins Leben, das Studenten ermutigen sollte, in dem Gebiet zu bleiben, indem er ihnen Kapital zur Verfügung stellte. Bereits 1939 hatte Terman die Studenten William Hewlett und David Packard bei der Gründung eines Elektronikunternehmens unterstützt, das im Zweiten Weltkrieg gute Gewinne erwirtschaftete. Hewlett-Packard sollte zum ersten großen IT-Unternehmen in der Umgebung werden, das nicht in direkter Verbindung zur NASA oder der US Navy stand. Die Veränderungen ab den 1950er Jahren gehen zunächst auf eine Aufrüstung der USA im Kalten Krieg zurück. Militärische Anlagen, wie die Vandenberg Air Force Base, wurden als Teil des Raketenzeitalters zu Entwicklungszwecken ausgebaut und genutzt. Zu den Unternehmen, die sich in dieser Zeit ansiedelten, zählen General Dynamics und die Flugzeughersteller sowie Hersteller aus der Luft- und Raumfahrtindustrie.
1952 wurde das Programm durch die Schaffung des Stanford Industrial Park erneut erweitert. Eine Anzahl kleiner Industriegebäude wurde zu sehr geringen Kosten an Technologieunternehmen vermietet. Das Gelände war bald gut belegt, so dass sich neue Elektronikunternehmen entlang des Freeway 101 in Richtung San José ansiedelten. 1954 kam das Honors Cooperative Program dazu, heutzutage bekannt unter dem Namen co-op, welches Vollzeitangestellten der Unternehmen erlaubte, auf Teilzeitbasis an der Universität zu studieren. Mitte der 1950er entwickelte sich die Infrastruktur des späteren Silicon Valley dank Termans Bemühungen hervorragend.
Die Einrichtungen im Stanford Park unterlagen strengen Bauvorschriften. Das neue Industriezentrum neben dem Universitätscampus sollte sauber wirken, keine rauchenden Schlote oder Flüssigkeitstanks durften den Eindruck stören. Diese Bauweise wurde zum Vorbild aller Industrieparks im Silicon Valley.
Der Anteil der außerhalb der USA geborenen Bevölkerung beträgt (Stand 2025) rund 41 Prozent (in Kalifornien 27 Prozent, USA-weit 14 Prozent).
Wissenstransfer durch William B. Shockley in das Silicon Valley mini|Erste IBM-Betriebsstätte in San José c. 1940. Heute befinden sich südlich der Stadt das IBM Silicon Valley Lab und das IBM Almaden Research Lab. Aufgrund dieser Aufbruchsstimmung entschied sich William B. Shockley, der wesentliche Beiträge zur Erfindung des Transistors geleistet hatte und dafür später mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde, in diese Gegend zu ziehen. Er hatte 1955 die Bell Laboratories aufgrund persönlicher Differenzen verlassen. Nach der Scheidung von seiner Frau und dem erfolglosen Versuch, bei den etablierten Elektronikkonzernen an der Ostküste Unterstützung zu erlangen, um die Transistortechnologie zur Serienproduktionsreife weiterzuentwickeln, kehrte er zum California Institute of Technology zurück, wo er seinen Bachelor of Science gemacht hatte. 1956 zog er nach Mountain View, um das Shockley Semiconductor Laboratory als Teil von Beckman Instruments zu gründen und um näher bei seiner alternden Mutter zu leben.
Dort begann Shockley, auf dem heute üblichen Halbleiterwerkstoff Silicium basierende Bipolartransistoren mit drei Lagen zu entwickeln; zu jener Zeit wurden Bipolartransistoren noch aus dem Halbleiter Germanium hergestellt. Weiter entwickelte er spezielle Vierschichtdioden, welche allerdings keine wesentliche Bedeutung erlangten. Die Theorie zu den Vierschichtdioden war vielversprechend, die Herstellung jedoch war bedeutend komplizierter als die herkömmlicher Transistoren. Als das Projekt zu scheitern drohte, wurde Shockley immer paranoider. Er verlangte Lügendetektortests von den Angestellten, veröffentlichte ihre Gehälter und verärgerte seine Mitmenschen. Aufgrund dieser Vorgänge verließen ihn 1957 acht seiner talentiertesten Mitarbeiter; diese „Traitorous Eight“ gründeten folglich Fairchild Semiconductor. Shockley sprach sich auch gegen die Erforschung von Silicium zur Entwicklung der heute üblichen integrierten Schaltkreise (ICs) aus.
Gründung von Fairchild-Ablegern In den nächsten Jahren sollten sich ähnliche Vorgänge wiederholen. Wissenschaftler verloren die Kontrolle über von ihnen gegründete Unternehmen an externe Manager, verließen ihre Unternehmen und gründeten erneut Unternehmen. AMD, Signetics, National Semiconductor, Intel und der Venture Capitalist Kleiner Perkins entstanden alle als solche Gründungen ehemaliger Fairchild-Mitarbeiter.
Globales Zentrum der Technologiebranche Damit war der Grundstein des heutigen Silicon Valleys gelegt: Die Dichte der Halbleiterelektronik-Unternehmen garantierte Kompetenz für alle weiteren Entwicklungen und dehnte sich mit dem Aufkommen von Standardsoftware in den 1970er Jahren auch auf Software aus. Das Computer History Museum (CHM), der Nachfolger des Digital Computer Museum, wurde zwar ursprünglich an der Ostküste gegründet, ist aber ab 1996 in Mountain View ansässig und zeigt die Geschichte des Computers und der Region.
Zwischen 1964 und 1984 entstanden im Santa Clara County 203.000 Arbeitsplätze in Industrieunternehmen, 85 % davon in High-Tech-Branchen. Damit war das Silicon Valley einer der bedeutendsten Fertigungsstandorte der Vereinigten Staaten, vergleichbar mit Detroit und Pittsburgh. Wie diese Zentren der Automobilindustrie litt Nordkalifornien ab Mitte der 1980er Jahre unter der Abwanderung von Fertigungsarbeitsplätzen nach Japan. Anders als der Automobilindustrie gelang es den Computer- und Kommunikationsunternehmen jedoch, sich mit Hilfe der Risikokapitalgeber immer wieder neu zu erfinden. Insbesondere konnten sie völlig neue Abnehmer für ihre Produkte erschließen, Computer waren nicht mehr nur bei staatlichen Stellen, dem Militär und in Großunternehmen zu finden, sondern wurden zu unverzichtbaren Werkzeugen jeglicher Betriebe und zogen in Privathaushalte ein.