mini|rechts|300px|Preußisch Oldendorf (Ansicht von Südwesten) Preußisch Oldendorf (niederdeutsch: Oldenduorp, Aulendöppe) ist eine Stadt im Nordosten von Nordrhein-Westfalen in der Region Ostwestfalen-Lippe. Mit Einwohnern ist Preußisch Oldendorf die kleinste Kommune im ostwestfälischen Kreis Minden-Lübbecke im Regierungsbezirk Detmold. Oldendorf, so der historische Name, wurde erstmals im 10. Jahrhundert schriftlich erwähnt und 1719 zur Stadt erhoben. Der heutige territoriale Zuschnitt der Stadt geht auf die 1973 durchgeführte Gebietsreform zurück.
Geografie Geografische Lage mini|Topographie des Stadtgebietes mini|Die Große Aue bei Preußisch Oldendorf mini|Blick ins Eggetal Richtung Osten
Preußisch Oldendorf liegt im Nordosten des deutschen Landes Nordrhein-Westfalen und im Nordosten Ostwestfalen-Lippes an der Grenze zu Niedersachsen. Das Stadtgebiet wird im Süden durch den Kamm des Wiehengebirges begrenzt. Im Südwesten bilden das Wiehengebirge und die Egge das Eggetal, in dem der Stadtteil Börninghausen liegt. Die höchsten Gipfel in den Mittelgebirgsregionen der Stadt, die rund ein Drittel der Fläche der Kommune einnehmen, sind von West nach Ost sortiert der Limberg (190 m), der Maschberg (190 m), der Glösinghauser Berg (289 m) und das Alte Verbrenn (291 m). Nördlich davon beginnt die weitestgehend flache Norddeutsche Tiefebene, in der rund zwei Drittel des Stadtgebietes auf einer Höhe von rund 50 m liegen. Naturräumlich lässt sich die Tiefebene im Norden des Stadtgebietes in das direkt nördlich des Wiehengebirges gelegene Lübbecker Lößland und die im äußersten Norden bis an das Stadtgebiet heranreichende Rahden-Diepenauer Geest gliedern.
Von Süden fließt in das Stadtgebiet durch ein Durchbruchstal im Wiehengebirge die noch junge Große Aue ein. Sie durchfließt das Stadtgebiet von Süd nach Nord und nimmt dabei einige Nebenflüsse auf, von denen der Börninghauser Mühlenbach und die rechtsseitig zufließende Flöthe die größten Zuflüsse im Stadtgebiet sind. Am Balkenkamp bzw. Oldendorfer Schweiz entspringt der Große Dieckfluss, der zunächst westlich der Großen Aue nach Norden fließt, dann teilweise die nördliche Grenze der Stadt bildet und westlich an Levern vorbei nach Rahden in die Große Aue mündet. Große Aue und Großer Dieckfluss unterqueren beide den Mittellandkanal, der das nördliche Stadtgebiet westöstlich durchzieht.
Nachbargemeinden Die Stadt Preußisch Oldendorf grenzt im Norden an die Gemeinde Stemwede und die Stadt Espelkamp, im Osten an die Stadt Lübbecke, im Süden an die Gemeinde Hüllhorst und an die Gemeinde Rödinghausen im Kreis Herford und im Westen an die niedersächsischen Gemeinden Melle und Bad Essen im Landkreis Osnabrück.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebietes Das Stadtgebiet hat eine Fläche von 68,75470 km². Die maximale Süd-Nord-Ausdehnung beträgt dabei etwa 11 km, die maximale Ost-West-Ausdehnung rund 10 km. Der höchste Punkt der Gemeinde ist das Alte Verbrenn im Südosten des Stadtgebiets mit 291,1 m. Der tiefste Punkt liegt im Nordwesten der Stadt im Tal des Großen Dieckflusses mit 45,8 m, wobei die gesamte Nordgrenze der Stadt an keiner Stelle die Marke von 50 Meter überschreitet.
Das Gebiet der Stadt wird überwiegend landwirtschaftlich genutzt und ist dementsprechend ländlich geprägt. Im Wesentlichen sind nur das Wiehengebirge und die Egge bewaldet. Das Hollwinkeler Holz ist das einzige kleinere Waldgebiet in der Tiefebene. Da das Wiehengebirge und Egge hier eine relativ breite Stelle des Wiehengebirges darstellen, ist der Waldanteil mit knapp 20 Prozent der Gesamtfläche relativ hoch im Vergleich zu den benachbarten Kommunen. Eine Übersicht über die Flächennutzung gibt folgende Tabelle:
Flächenach Nutzungsart Landwirt-schaftsfläche Wald-fläche Siedlungs-und Verkehrsfläche Wasser-fläche sonstigeNutzung Fläche in ha 4335 1343 995 183 3 Anteil an Gesamtfläche 63,3 % 19,5 % 14,5 % 2,7 % - %
Quelle: LDS
Stadtgliederung 200px|mini|Stadtteile Preußisch Oldendorfs
Nach § 3 Abs. 1 ihrer Hauptsatzung gliedert sich die Stadt Preußisch Oldendorf in folgende zehn Stadtteile vom 15. März 2000 (in Klammern Einwohnerzahlen am 1. Januar 2007Stadt Preußisch Oldendorf: Statistik): Bad Holzhausen (3514) Börninghausen (2184) Engershausen (843) Getmold (802) Harlinghausen (1264) Hedem (747) Lashorst (282) Offelten (488) Preußisch Oldendorf (3360) Schröttinghausen (378)
Für viele Dinge ist die Stadt aufgrund geografischer Gegebenheiten auch für das niedersächsische Dorf Büscherheide zuständig, z. B. Wasserversorgung, Müllabfuhr, Abwasser, Schule, Feuerschutz, Kirche usw. Ein formaler Anschluss Büscherheides an Preußisch Oldendorf wurde in den 1970er und 1980er Jahren von den dortigen Einwohnern angestrebt.
Klima mini|Niederschlagsverteilung im benachbarten Lübbecke
Das Klima in Preußisch Oldendorf wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas und durch seine Lage in der Norddeutschen Tiefebene bestimmt. Das Gebiet liegt überwiegend im Bereich des subatlantischen Seeklimas, weist aber temporäre kontinentale Einflüsse auf. Die Winter sind unter atlantischem Einfluss meist mild, die Sommer mäßig-warm, die Niederschläge relativ gleichmäßig verteilt. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei etwa 9 °C, wobei die Höhenlage diese beeinflusst. Die Höhenlagen des Wiehengebirges insbesondere Bereiche des Eggetals sind rund 0,5 °C kühler. Das nördliche Stadtgebiet ist noch etwas wärmer. Die Niederschläge sind maßgeblich durch die Lage an der Leeseite am Wiehengebirge beeinflusst. Der Teutoburger Wald und das Wiehengebirge schirmen das Stadtgebiet gegen die vom Atlantik kommenden, feuchten Wetterfronten aus Vorzugswindrichtung Süd-West ab. Obwohl Richtung Nordsee keine merkliche geografische Barriere mehr vorhanden und die Distanz zum Meer auch relativ gering ist, ist die vorherrschende Windrichtung dennoch so dominant, dass das Gebiet nördlich des Wiehengebirges zu den niederschlagärmsten Gegenden Ostwestfalen-Lippes zählt. Die mittlere Jahresniederschlagsmenge liegt zwischen 650 und 700 mm. Einzig die Höhenlage im Wiehengebirge insbesondere die Dörfer im Eggetal sind durch ausgeprägten Steigungsregen niederschlagsreicher. Hier weicht die Jahresniederschlagsmenge um bis zu 100 mm nach oben ab. Für konkrete monatliche Werte wird insbesondere auf das in vergleichbarer naturräumlicher Lage liegende und benachbarte Rahden und Lübbecke verwiesen.
Geschichte mini|Die Ruine auf dem Limberg
Das Gebiet im fruchtbaren Lübbecker Lößland gehört zum Altsiedelland. Vorgeschichtliche Funde beispielsweise in Hedem deuten auf bäuerliche Siedlungen ab dem 3. Jahrhundert bis zum 4./5. Jahrhundert nach Chr. hin. Die Stadt Preußisch Oldendorf entwickelte sich nicht zufällig an ihrer heutigen Stelle. Die Lage der Stadt ist maßgeblich mit der verkehrsgünstigen Lage an einer frühmittelalterlichen Heer- und Handelsstraße, der heutigen B 65, nördlich des Wiehengebirges von Minden nach Osnabrück bzw. Bramsche zu begründen. Die südlichen Stadtteile liegen außerdem an einem Übergang durch das Wiehengebirge, durch die früh Wege zur Reichsstadt Herford und weiter nach Bielefeld oder Detmold führten. Die Anfänge der Stadt gehen auf das 10. Jahrhundert zurück. In einer undatierten Traditionsnotiz des Mindener Bischofs Milo von Minden (Amtszeit von 969 bis 996, siehe auch Liste der Bischöfe von Minden) wird die ecclesiam in Aldenthorp (Pfarrkirche in Oldendorf) erwähnt.
Der Bischof von Minden war der größte Grundherr in Oldendorf. Im 14. Jahrhundert erwarben die Grafen zu Ravensberg die Burg Limberg endgültig vom Hochstift Minden. Große Teile des Gebietes der heutigen Stadt gehörten seitdem zur Grafschaft Ravensberg. 1535 wird zum ersten Mal das Amt Limberg erwähnt, das als eines der vier ravensbergischen Ämter große Teile des heutigen Stadtgebietes aber auch südlichere Gebiete wie Rödinghausen umfasste. Das Amt Limberg blieb bis zum Ende der Grafschaft erhalten, jedoch wechselte der Amtssitz abwechselnd vom Limberg nach Oldendorf, Bünde und Börninghausen. Mit der Grafschaft Ravensberg fiel das Amt Limberg 1648 an Brandenburg-Preußen. Oldendorf war Sitz einer der beiden Vogteien des Amtes Limberg.
Um 1570 wurde Oldendorf als Flecken bezeichnet. Um 1701 galt der Ort als „freyen priviligierten Wigbold“. Am 17. April 1719 wurde der Ort von König Friedrich Wilhelm I. zur Stadt erhoben. Ab 1719 wurde durch die junge Stadt die Akzise eingeführt. Die Magistratsverfassung mit einem Bürgermeister und zwei Senatoren wurde 1743 eingeführt. 1783 hatte Oldendorf bereits 41 Gewerbetreibende als Handwerker und Kaufleute, die von ihren Besitzungen aus nebenher Landwirtschaft betrieben. Wie überall in Minden-Ravensberg erschlossen sich die Bürger mit der Verarbeitung von Flachs zu Leinen in protoindustrialistischer Heimarbeit eine neue Einnahmequelle. Gefördert wurde dieses Gewerbe durch den Staat Preußen im Sinne des Merkantilismus. Bereits 1669 richtet der Große Kurfürst eine Leinenlegge für Löwentleinen – Weißgarnleinwand oder Löwentlinnen – in Oldendorf ein. Das Aufkommen mechanischer Webstühle und die zunehmende Konzentration der Textilindustrie auf die großen Zentren, z. B. Bielefeld (vgl. Ravensberger Spinnerei), führte ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Niedergang der Textilindustrie in Oldendorf. In dieser Zeit litten die Menschen große Not und viele Bürger Oldendorfs waren gezwungen auszuwandern, einige davon bis nach Nordamerika.
Von 1807 bis 1813 war das Gebiet de facto französisch. Von 1807 bis 1810 gehörte die Stadt zum napoleonischen Satellitenstaat Königreich Westphalen und war in dieser Zeit Sitz des Kantons Oldendorf im Departement der Weser. Sie besaß damals 90 Hausstätten und 477 Einwohner.Johann Georg Hassel: Geographisch-statistischer Abriß des Königreichs Westphalen. Verlag des Landes-Industrie-Comptoirs, Weimar 1809 Volltext bei Google Books, S. 244 Von 1811 bis 1813 gehörte Oldendorf unmittelbar zu Frankreich und war dort Sitz der Mairie (Bürgermeisterei) Oldendorf im Arrondissement Minden des Departements der Oberen Ems.
Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft wurde die Stadt Oldendorf 1813 wieder preußisch. Sie kam 1815 zur Provinz Westfalen und 1816 im Regierungsbezirk Minden zum Kreis Rahden, aus dem 1832 der Kreis Lübbecke wurde.Amtsblatt der Regierung Minden 1816, S. 171 f. Bei der Einführung der westfälischen Landgemeinde-Ordnung von 1841 wurde 1843 das Amt Oldendorf gebildet. Es hatte den Umfang der napoleonischen Mairie von 1811 und umfasste neben der Stadt Oldendorf die Landgemeinden Getmold, Engershausen, Harlinghausen, Offelten und Schröttinghausen.Amtsblatt der Regierung Minden 1843: Bildung der Ämter im Kreis Lübbecke
1840 wurde die Zeche „Amalia“ gegründet, um Steinkohle und bald auch Eisenstein zu fördern. Die Eigentümer und Betriebsführer wechselten häufig, und 1875 bekam die Zeche den neuen Namen „Rudolph“. 1921 wurden die Bergbauaktivitäten eingestellt.Dieter Besserer: Von „Amalia“ zu „Rudolph II“. Ein Beitrag zur Geschichte des Steinkohlenbergbaus im Wiehengebirge. Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins, Jahrgang 56 (1984), S. 69–88.
Die Stadt Oldendorf hatte bereits im 14. und 15. Jahrhundert den amtlichen Namen „Oldendorf unter dem Limberge“. zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten geführt. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts führte die Stadt zur Unterscheidung von Hessisch Oldendorf den amtlichen Namen Preußisch Oldendorf.Während bei der Amtsbildung von 1843 und weiteren amtlichen Verlautbarungen in den 1840er Jahren noch explizit der Name Oldendorf verwendet wurde, wurde in preußischen Gemeindeverzeichnissen ab den 1860er Jahren durchgängig der Name Preußisch Oldendorf verwendet.