Die historische Altstadt ist ein Ortsteil von Görlitz und Anziehungspunkt für Touristen. Neben vielen denkmalgeschützten Gebäuden ranken sich allerhand Sagen um die Görlitzer Altstadt.
Geschichte miniatur|hochkant|Schwarze Gasse in der Görlitzer Altstadt miniatur|Die Görlitzer Altstadt
Nachdem das Siedlungsgebiet der Stadt sich ausweitete, entstanden Mitte des 13. Jahrhunderts Anfänge der heutigen Altstadt. Neben einer Befestigungsanlage, bestehend aus über 20 Wachtürmen, einem Zwinger sowie einer Stadtmauer, entstand auch das Görlitzer Rathaus als Sitz der Verwaltung sowie der Unter- und Obermarkt als Handelsplätze. Ende des 15. Jahrhunderts kam der Kaisertrutz zur Görlitzer Wallanlage hinzu. Im Mittelalter fiel die Stadt mehreren Bränden zum Opfer. Dabei wurden viele Bauten unwiederbringlich zerstört. Auch Teile der Pfarrkirche St. Peter und Paul mussten erneuert werden.
Görlitz wuchs zu einer reichen Handelsstadt heran. Dies wurde durch die günstige Lage an zwei der wichtigsten Handelsstraßen Europas begünstigt, der Via Regia und der Neiße-Talrand-Straße. Architektonisch ist die Altstadt Schauplatz vieler Stilbegegnungen. Renaissance, Barock und Gotik sind im Stadtbild wiederzufinden. Diese Vielzahl an Bauwerken und Stilen verdankt Görlitz dem Umstand, dass es im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt blieb. Während des Sozialismus zerfiel die Bausubstanz immer mehr. Die Wende brachte Investoren und damit Gelder in die Stadt. Der damalige Oberbürgermeister Wiesbadens, Achim Exner, wurde auf Grund seiner Förderung zum Erhalt der Altstadt zum Ehrenbürger von Görlitz ernannt.
Festlichkeiten
Görlitzer Altstadtfest Die beliebteste und auch bestbesuchte Veranstaltung der Stadt ist das alljährliche Altstadtfest. Es hat ein mittelalterliches Flair, das sich am letzten Augustwochenende jeden Jahres, von Freitag bis Sonntag, über die Görlitzer Altstadt legt. Gaukler, Musikanten und allerhand gastronomische Spezialitäten aus dem Mittelalter (und der Gegenwart) ziehen die Menschen aus ganz Deutschland an. Zum Abschluss des Festes findet auf dem Obermarkt ein Feuerwerk statt. In der Vergangenheit gab es Diskussionen, das Fest ausfallen zu lassen, da Gelder knapp waren. Stattdessen wurde ein freiwilliger Wegzoll eingeführt, aus dem das Spektakel zum Teil finanziert wird.
ViaThea Sinngemäß heißt es Straßentheater. Bei diesem Fest verwandelt sich die gesamte Altstadt für ein Wochenende in eine Bühne für Künstler aus der ganzen Welt.
Sehenswürdigkeiten
miniatur|Das Neiße-Wehr mit Vierradenmühle miniatur|hochkant|Die Brüderstraße mit Blick auf den Schönhof miniatur|hochkant|Kirchtürme der Stadtkirche St. Peter und Paul Altstadtbrücke Die am 20. Oktober 2004 neueröffnete Altstadtbrücke dient als Grenzübergang für Fußgänger zwischen dem deutschen und polnischen Teil der Stadt.
Drei- und Vierradenmühle Die Dreiradenmühle befindet sich auf der polnischen Seite der Stadt und ist heute, genau wie die Vierradenmühle auf der deutschen Seite, ein Restaurant direkt an der Neiße neben der Altstadtbrücke. Die Vierradenmühle bietet zudem die Möglichkeit, auf einer Terrasse inmitten der Neiße zu speisen.
Das Rathaus Das historische Rathaus ist heute noch Sitz des Standesamtes und gilt als Blickfang und Touristenattraktion. Im Inneren des Gebäudes befindet sich ein alter Paternosteraufzug.
Schönhof Der am Untermarkt gelegene Schönhof ist das älteste Renaissance-Bauwerk in Görlitz. Es wurde 1525 vom Ratsbaumeister Wendel Roskopf dem Älteren erbaut.
Die Stadttürme Der Nikolaiturm, der Dicke Turm sowie der Reichenbacher Turm gaben der Stadt den Beinamen „Stadt der Türme“. Alle drei sind ehemalige Wachposten der historischen Stadtmauer und dienten den Turmwächtern nicht nur als Ausschaupunkt, sondern auch als Wohnort. Während der Tourismussaison können die Türme unter fachkundiger Führung besichtigt werden.
St. Peter- und Paulskirche Umgangssprachlich wird sie Peterskirche genannt. Die zwei Türme sind prägnant für die Silhouette der Stadt. Sie gilt neben der Landeskrone und den alten Stadtmauertürmen als Wahrzeichen der Stadt. Eine Legende besagt, dass beim Montieren der Kugel auf einer der Turmspitzen ein junger Arbeiter verunglückte. Der Arbeiter rutschte bei seiner Arbeit ab und konnte sich noch am Turm festhalten. Trotz aller Bemühungen, den Mann vor dem Absturz zu bewahren, schlug dieser auf das umliegende Kopfsteinpflaster auf. Die Stelle des Absturzes wurde mit einem besonderen Pflasterstein gekennzeichnet. Allerdings ist dieser Vorfall nicht bewiesen.
Waid- und Renthaus Das älteste nichtkirchliche Gebäude der Stadt, der damalige Aufbewahrungsort und Stapelplatz für die Tuchfärbepflanze Waid aus dem 15. Jahrhundert, ist heute Fortbildungszentrum für Handwerk und Denkmalpflege e. V. Es steht direkt neben der Peterskirche.
Die Annenkapelle Die Familienchronik des Kaufmanns Hans Frenzel berichtet über ein Gelübde, das der „Reiche“ Frenzel geleistet habe. Er wollte der heiligen Anna eine Kapelle errichten, da ihre Fürbitte ihm einen Erben beschert habe. Nach der Geburt des Sohnes Johannes hatte der reiche Kaufherr diese Kapelle gegen die Bedenken des Rates für 8500 Gulden in den Jahren 1508–1512 vom Stadtbaumeister Albrecht Stieglitzer anstelle des abgebrochenen Herzogschlosses errichten lassen. Schon 1505 hatte Frenzel dem Rat seine Absicht kundgetan. Erst 1508 mit der rechtlichen Klärung der damit verbundenen Erdarbeiten konnte begonnen werden. Kapellen und Kirchen zu errichten und mit Priesterstellen zu besetzen, die ja dazugehörten, stand einem gewöhnlichen Stadtbürger nicht zu. Es war die Sache des Territorialherren in Übereinstimmung mit dem Bischof. Selbst die Fugger hatten sich nur einen Kapellenanbau bei St. Ulrich und Afra in Augsburg gestatten dürfen. Was da in Görlitz geschah, war schon eine hochmütige Seltenheit. Pfingsten 1512 fand dann die Weihe statt. An der Annenkapelle amtierten fortan sieben Priester. Als 1987 das Innere einer gründlichen Erneuerung unterzogen wurde, kamen im Chorpolygon die Fundamente von drei Altären zum Vorschein. In ihrer Funktion als einer Art Herrschaftskapelle besaß die Annenkapelle ursprünglich eine Empore mit einer Maßwerkbrüstung, deren Rest seit dem Jahre 1900 den Altan über dem damals neu angelegten Treppenhaus der Südseite ziert. Der unterhalb der ehemaligen Empore gelegene Raum ist seitdem als Turnhalle der benachbarten Schule durch eine darüberliegende Schulaula abgetrennt. Die Aula besitzt dazu aber noch die alten Maßwerkfenster zwischen den einwärts gestellten Wandpfeilern und das ursprüngliche Netzrippengewölbe im traditionellen Prager Schema. Nach der Reformation verödete die Annenkapelle. 1620 wurde sie vorübergehend als reformierte Kirche der Besatzung es aus Böhmen vertriebenen „Winterkönigs“ Friedrich V. von der Pfalz benutzt. Seit 1642 wurde sie dann als Tagungsort des „Kleinen Priesterkollegiums“ und ab 1730 Kirchenraum des „Armen-, Zucht- und Waisenhauses“, das bis 1900 anstelle des anschließenden Schulgebäudes stand. Ab 1845 diente die Annenkapelle interimistisch als Gotteshaus der katholischen Gemeinde. 1903 wurde das Waisenhaus abgebrochen, und die Annenkapelle diente dann fortan als Turnhalle und Aula der Mädchen-Mittelschule. Seit der Renovierung der Aula 1992 dient sie auch als Ausstellungsraum und dem ebenfalls 1992 wiederbelebten Oberlausitzer Kunstverein sowie Konzerten.
Sagen Der dreibeinige Hund Diese Sage erzählt die Geschichte eines dreibeinigen Hundes, welcher jedes Jahr zur Weihnachtsnacht seinen Weg durch die Altstadt in den Görlitzer Zwinger sucht. Der Hund darf dabei nicht gestört werden, da einem sonst schreckliche Dinge widerfahren können, wie es der Sage nach einst eine junge Stadtwache erfahren musste, die dem Hund den Zugang zum Zwinger verwehren wollte.
Der kopflose Reiter Eine eher unbekanntere Sage. Eine Gedenktafel auf der Peterstraße erzählt davon, wie ein kopfloser Kutscher mit seinem Leichenwagen durch die Görlitzer Altstadt spukte.
Der Klötzelmönch Die traurige Geschichte eines kleinen Mädchens, das von einem grausamen Mönch geschändet und ermordet wurde. Diese Sage basiert auf einem Verbrechen, welches so stattgefunden haben soll. Ein Mönch, unfähig, sein Zölibat zu halten, verging sich an einem kleinen Mädchen. Aus Angst, seine Tat könne entdeckt werden, ermordete er das Kind und legte die Leiche unter einer Grabplatte der Kirche zur Ruhe. Ein Wanderschaftsbursche, der zufällig in der Kirche war, wurde unabsichtlich zum Mitwisser und half, das Verbrechen aufzuklären. An der ehemaligen Löwen-Apotheke, die 1945 vor Kriegsende niederbrannte, waren zwei Steinplastiken in der Fleischergasse angebracht. Die eine zeigte die Mutter des Kindes, die sehnsüchtig in Richtung Kirche blickte. Ihr gegenüber war der Kopf eines unansehnlichen Mannes angebracht, bei dem es sich wahrscheinlich um eine Darstellung des besagten Mönches handelte.
Die Linde auf dem Kirchhof Die Görlitzer Rechtsprechung galt als vorschnell und ungeduldig, wenn es darum ging, Todesstrafen zu verhängen. So musste es auch ein Knecht eines Raubritters erfahren. Dieser bestritt, sogar unter Folter, an der Wegelagerei seines Herren beteiligt gewesen zu sein. Der Rat verurteilte ihn dennoch zum Tode. Auf dem Weg zur Hinrichtung wurde dem Verurteilten gewährt, das Grab seiner Eltern zu besuchen. Er riss eine kleine Linde heraus, die auf dem Grab wuchs, und pflanzte sie kopfüber wieder ein. Er sprach zu seinen überraschten Henkern, dass es der Beweis seiner Unschuld sei, wenn diese Zweige Halt fänden und die Wurzeln erblühten. In den folgenden Jahren wuchs und gedieh der Baum. Der Jüngling galt seitdem als begnadigt. Eine weitere Legende dazu erzählt vom Theologen und Pfarrer Martin Moller, Primarius an der Peterskirche. Ihm wurde im 16. Jahrhundert unterstellt, er würde die Lehre des Crypto-Calvinismus verbreiten und nicht das Wort Gottes sprechen. Hier erzählt die Sage davon, dass er einen Baum auf sein Grab pflanzen ließ, ebenfalls mit den Zweigen in der Erde. Wenn dieser Baum wachse, so sollte dies der Beweis sein, dass er das Wort Gottes lehrte.
Der Nachtschmied Die wohl bekannteste Görlitzer Sage erzählt von einem fleißigen Schmied und dessen neuen Gesellen. Der einst so fleißige Schmied begann, faul zu werden und schob seine Arbeiten auf den Gesellen ab. Eines Tages, als der Geselle nicht in der Schmiede war, tauchte ein Reiter auf und beauftragte den Schmied mit der Herstellung eines Tores. Der Schmied schob auch diese Arbeit seinem Gesellen zu. Während dieser am Tor arbeitete, betrank sich der Meister in seinem Stammlokal. Am Tag vor der Fertigstellung war der Geselle verschwunden und das Schmiedestück wie verhext – es ließ sich nicht fertigstellen. Ein Ring am Tor zersprang jedes Mal nach dem letzten Hammerschlag. Der Schmied arbeitete die ganze Nacht, doch vergebens. Noch in dieser Nacht verschwand der Schmied für immer und mit ihm das besagte Tor. Es soll sich bei dem Gesellen sowie dem Reiter um Luzifer persönlich gehandelt haben. Im gleichnamigen Lokal soll man den Schmied heute noch klopfen hören. Beim Schmiedestück soll es sich um das ehemalige Friedhofstor des Nikolaifriedhofs handeln, welches heute die hintere Toreinfahrt im Hofe des Museums im Barockhaus Neißstraße 30 verschließt. Die Ringe sind allerdings vollzählig.
Blutiges Wasser