Als Jugendfilme werden Filme bezeichnet, die sich insbesondere an Jugendliche richten und deren Hauptfiguren in der Regel ebenfalls Heranwachsende sind. Das Filmgenre wird zum Drama gezählt und wird in diverse Subgenres unterteilt, wie beispielsweise den Coming-of-Age-Film oder den High-School-Film. Darüber hinaus gibt es in vielen etablierten Filmgenres, wie z. B. bei Filmbiografien, Filmkomödien, Horrorfilmen oder auch Dokumentarfilmen, Produktionen, die auf Jugendliche ausgerichtet sind.
Im Bereich der Literaturverfilmungen, wurden einige Jugendbücher – teilweise als Mehrteiler – verfilmt, deren großer finanzieller Erfolg darauf hindeutet, dass ein Teil des Publikums anderen Altersgruppen angehört.
Definitionen Der Medienwissenschaftler Hans Jürgen Wulff unterscheidet zwischen einer älteren und einer neueren Bedeutung des Jugendfilmes. Die ältere Definition fasst Filme zusammen, die Jugendliche an das Medium Film heranführen und geht auf die 1950er und 1960er Jahre und die damaligen „Jugendfilmclubs“ zurück. Mittlerweile hat der Begriff sich gewandelt und wird für eine Gruppe von Teenie-Komödien, Musikfilme, Horrorfilme etc. verwendet die für Heranwachsende produziert wurden. Inhaltlich handeln Jugendfilme beispielsweise von Sexualität, der Geschlechterrollen, dem Umgang mit Emotionen, der Delinquenz oder Ausgrenzung. Zu den typischen Schauplätzen zählen dabei oft Bildungseinrichtungen.Hans Jürgen Wulff: Jugendfilm. Filmlexikon der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 9. Juni 2025
Der Filmemacher und Regisseur Frank Papenbroock definiert das Genre im Jahr 2023 als „Filme, die sich an Menschen im Alter von etwa 12 bis 18 Jahren wenden“ und meist jugendliche Hauptfiguren haben, die sich in einer Art Übergangssituation befinden und oft auf der Suche nach ihrer Identität sind.
Merkmale des Jugendfilms Allgemeines Jugendfilme wenden sich an eine Altersgruppe zwölf bis achtzehn Jahren und unterscheiden sich somit auch hinsichtlich der Zielgruppe von Kinder- und Familienfilmen.
Bei der näheren Betrachtung besonders erfolgreicher Jugendfilme, ist eins der Hauptmerkmale, dass eine (oder mehrere) Hauptfigur(en) im Alter der Zielgruppe vorhanden sind, die in der Regel ein gewisses Maß an Identifikation ermöglichen.
Inhaltlich geht es bei Jugendfilmen neben der Identitätsfindung oft um Themen wie Freundschaft, die erste Liebe, das Erwachen der Sexualität oder die Ablösung vom Elternhaus. Aber auch problematische Themen wie Scheidung, Gewalt, Rechtsextremismus, Drogenmissbrauch, Diskriminierung (einschließlich Mobbing) und Zwangsprostitution werden in ernsteren Jugendfilmen aufgegriffen.
Dabei kann das Format variieren und schließt neben Spielfilmen auch animierte Filme, wie den Silhouetten-Animationsfilm z. B. Die Abenteuer des Prinzen Achmed (1926, Lotte Reiniger) oder Zeichentrickfilme mit ein, wie Aufstand der Tiere (1954, John Halas). Auch Märchenfilme, die in vielen Ländern pauschal als Kinderfilme verbucht wurden, können für Kinder verstörend sein oder sie überfordern.
Beim Jugendfilm sind es insbesondere mutige, unkonventionelle Filme, die später zu Klassikern werden. Hierzu zählt beispielsweise die deutsche Verfilmung des autobiografischen Romans Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1978). Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981, Uli Edel), portraitiert den Abstieg der 14-jährigen Christiane F., die Ende der 1970er Jahre Teil der Berliner Heroinszene wird. Die Umsetzung des Films erfolgte mit minderjährigen Laiendarstellern und wurde teils mit Handkamera gefilmt. Den heutigen Jugendlichen empfiehlt die Deutsche Kinemathek den Film, weil der ungeschönten Realismus damals eine völlig neue Art der Darstellung bot. Der von Bernd Eichinger produzierte Film, war zudem einer der erfolgreichsten deutschen Filme im Ausland - obwohl er in den USA die Altersfreigabe R erhielt.Annika Haupts: Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Deutsche Kinemathek, abgerufen am 9. Juni 2025
Altersfreigabe In Deutschland werden die Altersfreigaben für Filme von der Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) festgelegt. Jugendfilme haben in der Regel eine Altersfreigabe FSK 12 bzw. FSK 16. Allerdings sind auch einige Jugendfilme mit FSK 6 freigegeben. Denn die FSK prüft lediglich, ob es Inhalte im Film gibt, die für Kinder ungeeignet sind und nicht, ob Kinder den Film inhaltlich folgen können.
Während es auch internationale Organisationen gibt, die sich wie die International Age Rating Coalition mit Altersfreigaben von Medieninhalten befassen, werden Filme im Allgemeinen von Gremien des jeweiligen Staates nach den dort gültigen Kriterien vorgenommen. Dies hat zur Folge, dass derselbe Film (Aufstand der Tiere, 1954) beispielsweise in Frankreich und Japan ohne Altersbeschränkung gezeigt werden darf, in Deutschland (ab 6) und Dänemark (ab 7) als für Grundschüler geeignet befunden wurde und in anderen Filmen als Jugendfilm gilt; z. B. in den USA (auf Google Play ab 14) oder Schweden (ab 15).Animal Farm. Parents Guide. Certifications. IMDb, abgerufen am 9. Juni 2025Alterskennzeichnung/Classifications. Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen, abgerufen am 9. Juni 2025
Es kommt immer wieder vor, dass Filme, die sich an ein jugendliches Publikum richten, von der nationalen Filmzensur oder einer Selbstzensur der Filmwirtschaft (wie die FSK) für die betreffende Zielgruppe landesabhängig nicht freigegeben werden. Der Filmverleih versucht dies zumeist durch eine Kürzung der Filme (z. B. bei ausdrücklicher Gewaltdarstellung in Teenagerhorrorfilmen) zu umgehen, um eine „entschärfte“ Version mit einer niedrigeren Altersfreigabe in entsprechenden Ländern anbieten zu können.
Abgrenzung zum Kinderfilm Die Abgrenzung zwischen Jugendfilmen und Kinderfilmen erweist sich mitunter als nicht leicht. Teilweise sind die Hauptfiguren von Jugendfilmen selbst noch Kinder, wie beispielsweise bei Der Junge im gestreiften Pyjama (2008, Mark Herman) zählt. Hier ist der Protagonist erst acht Jahre alt, während der Film für Jugendliche unter 12 nicht geeignet (bzw. freigegeben) ist.
Insbesondere die Harry-Potter-Reihe (2001 bis 2011), die weltweit eine ganze Generation von Kindern und Jugendlichen in ihrem Prozess des Älterwerdens begleitet hat (die Protagonisten sind am Anfang der Serie elf, am Ende der Serie siebzehn Jahre alt), hat die Konzepte der Unterscheidung von Jugend- und Kinderfilm neu definiert.
Abgrenzung zu Filmen für ein erwachsenes Publikum Keine Jugendfilme sind Filme, in denen Jugendliche und ihre altersspezifischen Anliegen zwar eine tragende Rolle spielen, die jedoch nicht auf eine Identifikation des Publikums mit den jugendlichen Figuren ausgerichtet sind. Ein Beispiel dafür sind die Adaptionen von Vladimir Nabokovs umstrittenem Roman Lolita durch Stanley Kubrick (Lolita, 1962) und Adrian Lyne, der 1997 unter demselben Titel ein Remake drehte.
Jugendfilmgenres Bei der Unterscheidung nach Subgenres, spielt die Form des Films keine Rolle. Es ist also nicht wesentlich, ob es sich um einen Spiel-, einen computeranimierten Film oder einen Stop-Motion-Film handelt. Im Bereich der gibt es, neben kommerziellen Produktionen auch medienpädagogische Angebote, besonders im Bereich der Dokumentationen. Papenbroock unterscheidet bei seiner Einteilung von Filmgenres und Filmgattungen, die hier aufgeführten Subgenres. Darüber hinaus vertritt er jedoch die Ansicht, dass sich auch innerhalb anderer Genres, eigenständige Subgenres gebildet haben, die sich insbesondere an Heranwachsende wenden, wie beispielsweise der zum Horrorfilm gehörende Slasher-Film („Teen-Slasher“).
Andere Möglichkeiten der Unterteilung bestehen darin, Filme für Teenager (Teenie-Films) als Untergruppe der Jugendfilm zu betrachten. Innerhalb der Filme für Teenager sieht Kaczmarek Untergruppen wie den Musik - oder Tanzfilm, Spielarten des Horrorfilms, Filme über Jugendkriminalität und Außenseiter und Filme, deren Protagonisten, aufgrund von ihren positiven Eigenschaften als Vorbilder bzw. Identifikationsfiguren dienen können.Ludger Kaczmarek: Jugendfilm. Filmlexikon der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 9. Juni 2025
Einige der früher verwendeten Begriffe wie „Pennälerfilm“ oder Halbstarkenfilm finden heute keine Verwendung mehr, waren aber für die Ausbildung einer eigenständigen Jugendkultur, zu der auch eigene Filme zählten, von Bedeutung.Sigrid Nieberle: Halbstarkenfilm. Filmlexikon der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, abgerufen am 9. Juni 2025
Coming-of-Age-Filme Unter dem Begriff Coming-of-Age-Film (engl. Coming of Age, dt. Adoleszenz, Heranwachsen) werden Filme zusammengefasst, deren jugendliche Hauptfiguren mit Problemen oder Ereignissen konfrontiert werden, deren Bewältigung den Übergang ins Erwachsenenalter markieren. Durch sich ändernde Lebensumstände (Umzug, Veränderung der Familiensituation, gesundheitliche Probleme etc.) oder in Reaktion auf Probleme (Mobbing, Ausgrenzung, Kriminalität) müssen die jugendlichen Protagonisten neue Strategien entwickeln, um adäquat auf die Anforderungen reagieren zu können.
Eine Reihe von Coming-of-Age-Filmen wurde durch ihre Präsenz und Bekanntheit sowie ihre Referenzfunktion innerhalb des Genres mittlerweile zu Filmklassikern. Ulf Abraham nennt in diesem Kontext Literaturverfilmungen wie Herr der Fliegen (1963, Peter Brook) und True Grit (2010, Ethan und Joel Coen), in denen die Wahrnehmung und die Bedürfnisse eines jugendlichen Publikums berücksichtigt werden.
Weitere bekannte Filme, die als Coming-of-Age-Filme eingestuft werden, sind; Die Reifeprüfung (1967, Mike NicholsThe Graduate. Library of Congress, abgerufen am 12. Juni 2025), American Graffiti (1973, George LucasAmerican Graffiti. Film by Lucas . Encyclopædia Britannica, abgerufen am 12. Juni 2025), Stand by Me (1986, Rob Reiner), Billy Elliot – I Will Dance (2000, Stephen Daldry), Dreizehn (2003, Catherine HardwickeKino. Catherine Hardwicke zu „Dreizehn“: „Ich wollte diesen Film unter allen Umständen machen“. Blickpunkt:Film, abgerufen am 12. Juni 2025), Boyhood (2014, Richard Linklater) und Coda (2021, Siân Heder).
Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Multigenrefilmen, wie My Private Idaho (1991, Gus Van Sant), einen Coming-of-Age-Film, der zugleich ein Roadmovie ist und mittlerweile als Klassiker des New Queer Cinema gilt.Objects of desire: Gus Van Sant’s My Own Private Idaho. British Film Institute, abgerufen am 12. Juni 2025
Ein weiteres Beispiel ist der von der FBW als Mischform von Thriller, Horror und Coming-of-Age beschriebenen Film Cuckoo (2024, Tilman Singer), der mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet wurde.Cuckoo. FBW, abgerufen am 12. Juni 2025
High-School-Filme Jugendfilme, die an einer Schule, einem Internat oder einer High-School spielen, weisen oft stark typisierte Figuren auf, zu denen Vorzeigesportler, Zicken, Diven, Nerds und Außenseiter gehören, mitunter tritt die Hauptfigur als der oder die Neue auf und muss bestimmte Ziele erreichen oder Probleme überwinden. In nordamerikanischen Produktionen ist zudem der „Prom“ (dt. Abschlussball) ein Thema, was oft aufgegriffen wird, wie bei Eine wie keine (1999, Robert Iscove).
Zu den ersten Filmen dieses Genres zählen, die heute oft als „Klassiker“ bezeichneten Filme von John Hughes The Breakfast Club (1984) und Ferris macht blau (1986).Breakfast Club – Der Frühstücksclub. Ein Klassiker: Jugenddrama der frühen 80er, gespickt mit Jungstars der Zeit. Cinema, abgerufen am 21. Juni 2025 Beide wurden mittlerweile ins National Film Registry aufgenommen.John Hughes. Trivia. IMDb, abgerufen am 21. Juni 2025
Gerade bei amerikanischen Filmen ist die Grenze zum Sportfilm fließend. In diesem Kontext spielen auch oft Cheerleader oft eine wichtige Rolle, wie bei Girls United (2000, Peyton Reed).
Zu den bekannteren Filmen, deren Handlung an einem Internat spielt, zählen Der Club der toten Dichter, (1989 Peter Weir) und der schwedische Film Evil (2003, Mikael Håfström).