Allgemeine SS (ASS), auch Allgemeine-SS (A-SS), war seit dem 14. Dezember 1934 offizielle Bezeichnung jenes Teils der Schutzstaffel der NSDAP (SS), der seinen Dienst weiterhin freiwillig, unentgeltlich und unbewaffnet tat.

Das heißt, ihre Angehörigen gingen, bis auf die hauptamtlichen SS-Führer, die Vollzeitbeschäftigte der SS waren und von dieser entlohnt wurden, bürgerlichen Berufen nach.

1939 erreichte die Allgemeine SS mit mehr als 260.000 Angehörigen den Höhepunkt ihres Vorkriegsbestands. Während des Zweiten Weltkrieges (1939–1945) dienten rund sechzig Prozent ihrer Angehörigen (etwa 160.000) in der Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine) und rund 36.000 in den Reihen der Waffen-SS.

Etymologie Die Bezeichnung Allgemeine SS kam verstärkt im Spätsommer und im Herbst 1934 auf. Offiziell eingeführt wurde sie durch einen von Heinrich Himmler verfassten Geheimbefehl vom 14. Dezember 1934, mit der alle unbewaffneten Teile der SS bezeichnet wurden, die weder zur Verfügungstruppe noch zu den Totenkopfverbänden sowie zum Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) gehörten.Bastian Hein: Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925–1945. In: Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 92, Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-486-70936-0, S. 91.Bundesarchiv: Josef Henke: Persönlicher Stab des Reichsführer SS. Eintrag: Einteilung der SS in SS-Verfügungstruppe, Allgemeine SS und SS-Wachverbände (Befehl des Reichsführer SS), 14. Dezember 1934, Band 57, Bestand NS19/1934.

Synonyme Die Allgemeine SS wurde umgangssprachlich auch als Politische SS,Dankwart Paul Zeller: Das Geheimnis der Partisanen-Tora. Eine theologische Kriminalgeschichte. Brendle, Albstadt 2008, ISBN 978-3-9812497-0-5, S. 116. Schwarze SSJosef Fiala: „Österreicher“ in den SS-Einsatzgruppen und SS-Brigaden. Die Tötungsaktionen in der Sowjetunion 1941–1942. Teil der Anne-Frank-Shoah-Bibliothek, Diplomica-Verlag, Hamburg 2010, ISBN 978-3-8428-5015-6, S. 19. sowie als Heimat-SSDavid A. Hackett (Hrsg.): Der Buchenwald-Report. 2. Auflage. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60356-3, S. 128. bezeichnet. Verklärend wurde auch von Himmlers schwarzem OrdenHelmut Blazek: Männerbünde: eine Geschichte von Faszination und Macht. Links-Verlag, Berlin 1999, S. 120. gesprochen, was sich auf die „Ordensregeln der SS“ und deren schwarzen Uniformen ableiten ließ.

„Politische SS“ wurde sie informell genannt, da sie eine politische Gliederung der NSDAP war. Den Namen „Heimat-SS“ trug sie, weil jene Angehörigen, die nicht im Kriegsgeschehen eingebunden waren, im heimatlichen Standortdienst usw. eingesetzt waren. Der Begriff „Schwarze SS“ leitet sich wie der Begriff „schwarzer Orden“ von den üblicherweise im Standort- und Außendienst getragenen schwarzen Uniformen ab.

Bei den kasernierten SS-Verbänden (Verfügungstruppe, Totenkopfverbände) dagegen wurde die schwarze Uniform für den täglichen Gebrauch rasch ersetzt, da sie dafür als ungeeignet angesehen wurde. Die Verfügungstruppe begann, nach dem militärischen Vorbild der Wehrmacht, erdgraue Uniformen einzuführen, die noch wie die schwarzen Uniformen geschnitten waren. Die Totenkopfverbände führten dagegen für den Lagerdienst erdbraune Uniformen ein, was sie als SS-Sonderverband erscheinen ließ. Die schwarzen Uniformen wurden von den kasernierten Verbänden nur noch bei Paraden und im Standortdienst verwendet.

Die Allgemeine SS war also strikt von der bewaffneten SS und vom SD zu unterscheiden.

Unterstellungsverhältnis 1934–1936 war die Allgemeine SS der Reichsführung SS in München zentral unterstellt, wo sie dem SS-Amt bzw. dem SS-Hauptamt zugeordnet war. Infolge der Machtausweitung von Himmlers Kompetenzen durch die Übernahme der Polizei in den deutschen Ländern nahm er in einem Befehlsentwurf zum 9. November 1936 eine Reorganisation der drei Schutzstaffelteile vor: Die in den SS-Oberabschnitten bis zur Standartengröße organisierten regionalen Einheiten von Allgemeiner SS, SS-Verfügungstruppe und der SS-Totenkopfverbände wurden nun in den Dienststellen der SS-Oberabschnittsführer zusammengefasst,Bundesarchiv: Josef Henke: Persönlicher Stab des Reichsführer SS. Eintrag: Organisatorische Zusammenfassung der drei SS-Teile (Allgemeine SS, SS-Verfügungstruppe, SS-Totenkopfverbände) in den Dienststellen der SS-Oberabschnittsführer, (Befehls-Entwurf zum 9. November 1936), Band 57, Bestand NS19/1458. da er dort die SS als regionaler Stellvertreter des Reichsführers SS Himmler agierte.

Ab dem 15. August 1940 war die Allgemeine SS zum einen dem im SS-Führungshauptamt angesiedelten Kommandoamt der Allgemeinen-SS, zum anderen der Hauptabteilung A I 1d im SS-Hauptamt zugeordnet.

Größenentwicklung Als Heinrich Himmler am 6. Januar 1929 die SS übernahm, umfasste diese 280 aktive SS-Männer. Bis Jahresende 1929 wurde sie auf 1000 Mann aufgestockt. Ab 1931 wurden die Zehnerstaffeln offiziell fallen gelassen und so wuchs die SS bis September 1932 auf rund 49.000 aktive Angehörige an. Nach Adolf Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, hatte die SS Ende des Jahres 1933 bereits 209.000 Angehörige. Bei Kriegsausbruch verzeichnete die Allgemeine SS rund 236.000 Angehörige. Ihren Höchstbestand wies die Allgemeine SS Ende 1941 mit über 271.000 Mitgliedern auf. Im Juni 1944 zählte sie noch 264.000 Angehörige.Zur Mitgliederentwicklung der Allgemeinen SS und der Waffen-SS vgl. die Tabelle 6 in: Michael Grüttner: Das Dritte Reich. 1933–1939 (= Handbuch der deutschen Geschichte. Band 19). Klett-Cotta, Stuttgart 2014, S. 142.

Verhältnis zu anderen SS-Verbänden Die Allgemeine SS galt damals wie heute als Mutterorganisation aller der Schutzstaffel unterstellten und/oder abgeleiteten SS-Organisationen. Sie führte die Tradition der 1925 begründeten SS weiter, geriet jedoch mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges immer mehr in die politische Bedeutungslosigkeit. Am 20. April 1940 wurden etwa 10.000 ihrer hauptamtlichen SS-Führer, die einem der bestehenden SS-Hauptämter zugeordnet waren, der Waffen-SS überstellt.

Das Organisationsbuch der NSDAP aus dem Jahr 1943, das im Übrigen das letzte seiner Art war, beschreibt die Allgemeine SS wie folgt:

Eintritt, Austritt, Entlassung, Ausschluss und Ausstoß

Seit dem 15. Oktober 1934, als Folge des sogenannten Röhmputsches und der Ausgliederung der Schutzstaffel aus der „Gesamt-SA“ mussten Kandidaten eine Reihe von Bedingungen erfüllen, um als SS-Bewerber (SS-würdig, über die Aufnahme in die SS noch nicht entschieden) aufgenommen zu werden.

Vor 1933 reichte es schon aus, wenn ein Kandidat seinen Aufnahme- und Verpflichtungsschein (AV-Schein) ausgefüllt beim zuständigen SS-Sturm abgab, sich eine schwarze Uniform kaufte und am „SS-Dienst“ teilnahm.Bastian Hein: Himmlers Orden. Das Auslese- und Beitrittsverfahren der Allgemeinen SS. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, de Gruyter, München 2011, S. 277.

Nach Abgabe des AV-Scheines, der Abgabetag galt als Eintrittstag in die SS, wurde der Kandidat für die „rassische Musterung“ vorgemerkt (Mannschafts-Untersuchungs-Liste, kurz Mula). Vor einer aus SS-Ärzten bestehenden Musterungskommission wurde er nach körperlichen und rassischen Kriterien untersucht und dementsprechend eingestuft. Zudem hatte er einen Lebenslauf, ein polizeiliches Führungszeugnis und einen Ahnennachweis bis zu den Großeltern einzureichen. Hatte er die Hürde der Aufnahmeüberprüfung erfolgreich bestanden, wurde er zum 9. November mit der Vereidigung auf Adolf Hitler (Führereid) als Bewerber in die Allgemeine SS übernommen, wo er eine Anwartschaft von 1 ½ Jahren zu bestehen hatte.Heinrich Himmler: Die Schutzstaffel als antibolschewistische Kampforganisation. 3. Auflage. Abschnitt „Ehrengesetz des SS-Mannes“, Zentralverlag der NSDAP, München 1937, S. 26 ff. DNB. Die ersten sechs Monate galten hierbei als Probe- und Bewährungszeit, in der der Bewerber (oder Anwärter) jederzeit selbst wieder aus der SS austreten oder vom zuständigen Sturmführer entlassen werden konnte, wenn es sich herausstellte, dass der Bewerber/Anwärter letztendlich für den SS-Dienst ungeeignet war. Ausschlüsse und Ausstöße konnte zudem Heinrich Himmler als Reichsführer SS jederzeit aussprechen, wenn ein Bewerber/Anwärter vorsätzlich oder grob fahrlässig gegen die „Ordensgesetze der SS“ handelte. Der Bewerber hatte bis zum 1. Oktober das SA-Sportabzeichen in Bronze und das Reichssportabzeichen zu erwerben.

Nach drei Monaten, zum 30. Januar hin, wurde dem Bewerber ein vorläufiger SS-Ausweis unter Zuteilung einer SS-Nummer ausgehändigt, welcher ihn zum Anwärter machte.

Am 1. Oktober rückte der Anwärter zum Reichsarbeitsdienst ein, der die zweijährige Wehrpflicht folgte. In dieser Zeit wurde er in den Mitgliederlisten der Allgemeinen SS als SS-Zugehöriger geführt. Nach der Ableistung des Reichsarbeitsdienstes und der Wehrpflicht kehrte der Anwärter, sofern er sich nicht für eine Laufbahn als Berufssoldat in der Wehrmacht oder der Waffen-SS entschied, zur Allgemeinen SS zurück. Nach einer entsprechenden Beurteilung durch die Wehrmacht oder der Waffen-SS und durch Ablegung des Sippeneides wurde er nach Ablauf 18 Monaten zum SS-Mann ernannt, indem ihm am 9. November auf dem Reichsparteitag die SS-Seitenwaffe („SS-Dolch“) verliehen wurde. Entschied sich der Anwärter für den Berufssoldatenstand, wurde er „ehrenvoll“ aus der SS entlassen.

Interne Gliederung und Führerkorps 1937 bestandOrganisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel „Die Schutzstaffeln der NSDAP“, S. 428. das Führerkorps der Allgemeinen SS aus: Aktiven SS-Führern, die in den Oberabschnitten, Abschnitten, Standarten und Sturmbannen leitende Funktionen hatten. Zugeteilten SS-Führern bei Stäben des Reichsführers-SS, den drei Hauptämtern, den Oberabschnitten und den Abschnitten. Ihnen waren bis zur Einstellung der SS-Ehren- und Rangführerschaften zur besonderen Verwendung die Ehren- und Rangführer zugeordnet. SS-Führer in der Stammabteilung und SS-Führer zur besonderen Verwendung.

Im Herbst 1934 standen 120 SS-Führer zur Verfügung, hatten keine Verwendung, kaum mehr Karrierechancen. Nur wenige gelang die Rückkehr in den aktiven Dienst, so zum Beispiel dem ersten Sturmbannführer der SS, vom Dezember 1927, Johann Beck.

1938/1939 sind für die gesamte SS 13818 Führer verzeichnet, 39 standen davon zur Verfügung. 20 SS-Führer sind von sich aus ausgeschieden wegen Übertritt zur Wehrmacht, weitere 56 auf eigenen Antrag. Himmler entließ damals 56 SS-Führer, 54 wurden entlassen, 52 ausgeschlossen, darunter die SS-Oberführer Heinrich Höflich und Hermann Behme, und 24 ausgestoßen, u. a. der KZ-Mann Josef Elkemann-Reusch, SS-Nr. 444.Hans-Peter Klausch: Tätergeschichten. Die SS-Kommandanten der frühen Konzentrationslager im Emsland, in: DIZ-Schriften; Band 13, Edition Temmen, Bremen 2005, S. 148.

SS-Ehren- und Rangführer zur besonderen Verwendung Außer den oben aufgeführten SS-Führern, die in den Stäben und Einheiten aktiven Dienst leisteten, gab es auch SS-Männer, denen auf besondere Veranlassung vom Reichsführer-SS Himmler ein SS-Führerdienstgrad zuerkannt wurde und die einem Stab zugeordnet wurden, ohne aktiven Dienst zu leisten. Diesen Personenkreis nannte man „SS-Ehren- und Rangführer zur besonderen Verwendung“.

Beförderungen, Ernennungen (Stellenbesetzungen) Die Beförderungen in der Allgemeinen SS wurden 1937 (und darüber hinaus) wie in der SA, dem NSKK oder dem NSFK, aber auch analog zur Praxis in der SS-Verfügungstruppe oder den SS-Totenkopfverbänden gehandhabt:Organisationsbuch der NSDAP, 3. Auflage 1937, Kapitel „Die Schutzstaffeln der NSDAP“, S. 430.

Die Beförderung zum SS-Gruppen- und SS-Obergruppenführer nahm Adolf Hitler als „Oberster Führer der Schutzstaffel“ nach Vorschlag des Reichsführers SS Himmler vor. Die Beförderungen vom SS-Untersturmführer bis zum SS-Brigadeführer erfolgten durch den Reichsführer SS nach Bearbeitung durch die Personalkanzlei. Die Chefs der drei Hauptämter nahmen Beförderungen in Vertretung des RFSS bis zum SS-Hauptsturmführer vor.