Erich Jakowlewitsch Sternberg (; * 4. Juli 1903 in Posen; † 22. August 1980 in Moskau) war ein deutsch-russischer Psychiater. Er war einer der prominentesten Gerontopsychiater der Sowjetunion.
Leben Erich Sternberg wurde als einziges Kind des Kaufmanns Jacques Sternberg und seiner Frau Agnes geboren und wuchs ab 1905 in Schöneberg b. Berlin auf. Sein Abitur legte er auf dem Werner-Siemens-Realgymnasium ab, wo er seinen lebenslangen Freund Heinrich Schulte kennenlernte. Anschließend studierte er Medizin an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin und der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und wurde 1925 in Berlin promoviert (Dissertation: Strömungen in der einfachen Rinne und ihre Bedeutung für die Reizphysiologie).
Sternberg begann bereits als Student wissenschaftlich zu publizieren,Seine erste bislang bekannte Publikation stammt aus dem Jahre 1925 gefördert durch Arthur Kronfeld, der 1927 eine eigene ArbeitDer gedankliche Aufbau der klassischen Aphasielehre im Lichte der Sprachlehre. In: Psychologie und Medizin. Band 2, 1927, S. 254–295 zusammen mit ihm veröffentlichte.Kronfeld hat sie später in sein Buch Perspektiven der Seelenheilkunde von 1930 aufgenommen, in dem er Sternberg auf S. 156 ausdrücklich dankt. Seine Facharztausbildung begann Sternberg danach bei Karl Bonhoeffer an der Charité und setzte sie zunächstnach der Dissertation von P. B. Foley, S. 148 in der Neurologischen Abteilung des Hufeland Hospitals der Städtischen Irrenkliniken in Berlin-Buchheute Helios Klinikum Berlin-Buch fort. Danach arbeitete er bis 1933 als Assistent an einer Psychiatrischen und Nervenklinik in Dresden.
Durch Vermittlung der Gesundheitsabteilung des Völkerbunds in Genf soll Sternberg danach eine Arbeitsstelle in Moskau gefunden haben,Nach einer im Mai 1933 erschienenen Publikation: an der "Wissenschaftlichen chemo-pharmazeutischen Forschungsstelle Moskau (Dir. Dr. I. C. Feldmann)" so dass er mit seiner Mutter und ersten Frau 1933 in die Sowjetunion emigrierte.Uwe-Henrik Peters: Im memoriam Erich Sternberg. In: Nervenarzt. Band 52, 1981, S. 619 ff.; nach dessen nicht in allen Details verlässlichen Angaben sind beide Frauen allerdings alsbald wieder zurück in den Westen gereistGerd Huber: Erich Sternberg 1903–1980. In: Archiv für Psychiatrie und Nervenkrankheiten. Band 230, 1981, S. 1 ff.Уве Генрих Петерс. Немецкая психиатрия: Прошлое и настоящее. К.: Ассоциация психиатров Украины, 1996. С. 18, ISBN 90-72657-10-1 Später war er am Neuropsychiatrischen Forschungsinstitut der UdSSR Pjotr B. Gannuschkin tätig. Dort trug er dazu bei, dass sich auch Arthur Kronfeld an diesem Institut bewarb und 1936 eine Forschungsprofessur erhielt. Im Zuge des Großen Terrors wurde Sternberg im gleichen JahrHuber, ebd.Peters, ebd. von der sowjetischen Geheimpolizei GPU verhaftet und von einem NKWD-Gericht zur Lagerhaft in Sibirien verurteilt.
Nach dem Tod StalinsВатлин А. Ну и нечисть. Немецкая операция НКВД в Москве и Московской области. М.: Российская политическая энциклопедия (РОССПЭН), 2012 (История сталинизма). wurde er rehabilitiert (1989Штернберг Эрих Яковлевич. Книга Памяти Жертв Коммунистического Террора) und zu einem prominenten Gerontopsychiater in der Sowjetunion.
Werke Monographien Die Liquorbefunde bei der multiplen Sklerose. Karger, Berlin 1929 Probleme der Alterspsychiatrie: ausgewählte Kapitel aus der allgemeinen und speziellen Alterspsychiatrie. Fischer, Jena 1975 Штернберг Э.Я. Геронтологическая психиатрия. М.: Медицина, 1977.
Fachartikel (Auswahl) Strömungen in der einfachen Rinne und ihre Bedeutung für die Reizphysiologie. In: Beitr Physiol. Band 3, 1925, S. 79–84 Zum Problem der direkten und indirekten Wirkung der Chemotherapie... In: Klin Wschr. Band 12, 1933, S. 825–828 Zur Kritik der existentialistischen und anderen antinosologischen Richtungen in der modernen westlichen Psychiatrie. In: Psychiat Neurol med Psychol. Band 16, 1964, S. 397–402 Neuere klinische Forschungsrichtungen in der sowjetischen Psychiatrie. In: Fortschr Neurol Psychiat. Band 47, 1979, S. 1–23
Literatur Gerd Huber: Erich Sternberg 1903–1980. In: Arch Psychiatr Nervenkr. Band 230, 1981, S. 1–3 (Mit Literaturverzeichnis, Auswahl) Uwe-Henrik Peters: Im memoriam Erich Sternberg. In: Nervenarzt. Band 52, 1981, S. 619–620
Anmerkungen
Kategorie:Psychiater Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1980 Kategorie:Mann