mini|links|180px|Fliegen-Ragwurz (Ophrys insectifera) mit gut sichtbaren Pollinien mini|180px|Breitblättrige Stendelwurz – gut zu erkennen sind die Narbe, darüber die Klebdrüse und die unter der Antherenkappe hervortretenden Pollinien mini|180px|Pollinien einer Orchidee der Gattung Phalaenopsis
Das Pollinium (Plural Pollinien oder lateinisch Pollinia) ist eine zumeist klebrige Pollenmasse, Pollenpaket wie sie insbesondere von den Staubblättern der Orchideen und Seidenpflanzengewächse zur Blüte ausgebildet wird.
Die Einheit aus Pollinium, Pollinien und meistens einem Stiel (Caudicle und/oder Stipe, Tegula, Hamulus)R. M. T. Dahlgren, H. T. Clifford, P. F. Yeo: The Families of the Monocotyledons. Springer, 1985, ISBN 978-3-642-64903-5, S. 257, . sowie bei vielen Arten einer oder zwei Klebscheiben (Viscidium),M. Hesse, A. Dafni, E. Pacini: Pollen and Pollination. Springer, 2000, ISBN 3-211-83514-8, S. 243–252. heißt bei den Orchideen Pollinarium. Bei manchen Arten liegt das Viscidium in einer Tasche, Deckblatt (Thecum, Bursicle).
Bei den Seidenpflanzengewächsen sind zwei Pollinien mit einem Stielchen (Caudicle) und zusätzlich mit dem Pollenhalter (Retinaculum), zusammen der Translatorarm, am Corpusculum (Klemmkörper, Drüse) befestigt. Die zwei Translatorarme und das Corpusculum bilden zusammen den Translator. Bei den Stapelien bilden das Stielchen und der Sielchenflügel und das Corpusculum den Translator. In einigen Fällen findet hier die Befestigung des Stielchens im mittleren Abschnitt des Stielchenflügels statt, während sie in anderen Fällen direkt am Corpusculum ist.Gerald S.Barad: Pollination of Stapeliads. In: Cactus and Succulent Journal. (U.S.), Vol. 62(3), 1990, S. 130–140, online auf cactus-mall.com, abgerufen am 30. Dezember 2017.
Das Pollinium ermöglicht eine effektive Bestäubung durch Insekten, die durch raffinierte Tricks angelockt werden. Manche Orchideen locken ihre Bestäuber mit Nektar, andere täuschen dagegen nur ein Nektarangebot vor. Wieder andere bieten kleinen Insekten Schlafstätten, und die Ragwurzblüten locken gar mit sexuellen Reizen (Sexuallockstoffe, optische und taktile Schlüsselreize). Das Insekt bekommt beim Blütenbesuch ein Pollenpaket aufgeklebt, um dieses beim Besuch der nächsten Blüte zielgenau auf der Narbe abzusetzen. Einige Orchideen, etwa die Catasetum-Arten, besitzen einen speziellen Schleudermechanismus, bei dem durch Bienen mittels Hebel eine Schleuderbewegung (Explosionsmechanismen) in der Blüte ausgelöst wird und die Pollinien an der Biene festgeklebt werden.
Allerdings ist auch hier eine seltene Selbstbestäubung möglich, bei der Orchideenart Holcoglossum amesianum bewegt sich das Pollinium selbstständig zur fertilen Narbe in der Columna.Ke-Wei Liu, Zhong-Jian Liu et al.: Pollination: Self-fertilization strategy in an orchid. In: Nature. Vol. 441, 2006, S. 945–46, doi:10.1038/441945a, auf scienceticker.info, abgerufen am 31. Dezember 2017.
Literatur Spektrum Lexikon der Biologie auf CD-ROM. Spektrum-Verlag, Heidelberg 2003. Marco Klüber: Orchideen in der Rhön und ihre Lebensräume schützen – pflegen – bewahren (PDF), abgerufen am 28. Juni 2016. Karen L. Wilson, David A. Morrison: Monocots. CSIRO, 2000, ISBN 0-643-06437-0, S. 296–299.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Blüte