Mit „französische Grammatik“ (frz.: ) bezeichnet man 1. die Grammatik der französischen Sprache und 2. ein Werk, in dem diese Grammatik beschrieben wird.

Man unterscheidet: Die deskriptive Grammatik der französischen Sprache, die den jeweiligen Sprachstand des Französischen zu einem gewissen Zeitpunkt beschreibt (synchrone Sprachbetrachtung). Die historische Grammatik der französischen Sprache, die die historische Entwicklung der grammatikalischen Formen und Strukturen des Französischen beschreibt (diachrone Sprachbetrachtung). Die Textgrammatik der französischen Sprache, die auf der Grundlage der Textlinguistik nicht nur eine deskriptive Beschreibung der französischen Sprache gibt, sondern nach Harald WeinrichHarald Weinrich: Textgrammatik der deutschen Sprache. Dritte revidierte Auflage. Georg Olms Verlag, Hildesheim 2005. Lizenzausgabe für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, Bestellnr.: 18662-1. Seite 16. darüber hinaus, anstatt das Einzelwort oder den Einzelsatz zum Ausgangspunkt der Untersuchung zu machen, sich an umfassenderen Sinneinheiten ausrichtet, wie sie in Texten (in der Bedeutung, die die Textlinguistik dem Wort Text verleiht) vorkommen.

Der vorliegende Artikel gibt im Wesentlichen eine deskriptive Darstellung der Grammatik der modernen französischen Sprache.

Syntax

Wortstellung im Aussage- und Fragesatz Die Grundwortstellung im Satz ist Subjekt-Verb-Objekt (SVO), ähnlich wie in den anderen romanischen Sprachen und dem Englischen. Im Fragesatz kann die Grundwortstellung beibehalten werden und die Frage durch Intonation kenntlich gemacht werden:

Vous êtes gentils. – [] – Ihr seid freundlich. Vous êtes gentils ? – [] – Seid ihr freundlich?

Die zweite Methode der Fragesatzbildung besteht darin, dem Aussagesatz ein est-ce que voranzustellen. Es handelt sich um die neutralste Frageform und kann in jedem Sprachregister, ob umgangssprachlich oder leicht gehoben, verwendet werden. Sollte ein Fragewort den Satz einleiten, steht dieses vor est-ce que.

Il est six heures. – [] – Es ist sechs Uhr. Est-ce qu’il est six heures ? – [] – Ist es sechs Uhr?

Quoi ? – [] – Was?/Wie? Qu’est-ce que c’est ? – [] – Was ist das? Qu’est-ce que le tiers état ? – [] – Was ist der dritte Stand?

Die dritte Möglichkeit der Fragestellung ist die Inversion, also die Umkehrung der Satzstellung von Personalpronomen und dazugehörigem Verb:

Qu’est-ce que vous faites ? – [] – Was machen Sie?/Was macht ihr? wird zu Que faites-vous ? – [] – Was machen Sie?/Was macht ihr?

Est-ce qu’il est six heures ? – [] – Ist es sechs Uhr? wird zu Est-il six heures ? – [] – Ist es sechs Uhr?

Verneinung

Die Verneinung wird mit verschiedenen Verneinungswörtern gebildet, die die Art des verneinten Gegenstands angeben („rien“ – nichts / „personne“ – niemand etc.), zusammen mit einem einheitlichen, vorausgehenden Element „ne“ (das aber in der gesprochenen Sprache oft wegfällt).

ne … pas – nicht ne … rien – nichts ne … jamais – nie, niemals ne … personne – niemanden ne … plus – nicht mehr ne … pas du tout – gar nicht, überhaupt nicht ne … pas encore – noch nicht ne … pas non plus – auch nicht ne … ni...ni – weder...noch ne … aucun(e) – überhaupt kein(e) ne … nulle part – nirgendwo ne … que – nur, erst

„Ne“ steht vor dem finiten Verb, „pas“ etc. dahinter. In den zusammengesetzten Zeiten (z. B. passé composé) wird also das finite Hilfsverb von der Verneinung eingerahmt, das Vollverb folgt außerhalb dieser Klammerstruktur. Beispiele: Il ne vient pas „Er kommt nicht“. Il n’est pas venu „Er ist nicht gekommen“. Tu n’as rien fait „Du hast nichts getan“.

In Infinitivkonstruktionen stehen beide Verneinungselemente vor dem Verb: pour ne pas se faire remarquer „um nicht bemerkt zu werden“.

Vor Vokalen und h muet (stummes h) wird ne apostrophiert: Je n’ai jamais fumé. – [] – Ich habe nie geraucht. Je n’habite pas ici. – [] – Ich wohne nicht hier. „Ne“ wird in der Umgangssprache oft weggelassen. Beispiel: Il fume pas „Er raucht nicht“.

Substantiv Genera Bei französischen Substantiven gibt es zwei grammatikalische Genera (Geschlechter), das männliche und das weibliche (das lateinische Neutrum existiert nur noch in Resten); das auffälligste Genuskennzeichen ist der dem Genus entsprechende Artikel. Anders als in den übrigen romanischen Sprachen ist es schwer, das Genus des Substantivs anhand der Wortendungen herauszufinden, wenn man die Etymologie eines Wortes nicht kennt. So sind die Wörter garçon ‚Junge‘, poisson ‚Fisch‘ und hérisson ‚Igel‘ männlich (masculin), die Wörter chanson ‚Lied‘, leçon ‚Lektion‘ und boisson ‚Getränk‘ weiblich (féminin).

Anders als im Deutschen (z. B. das Mädchen) haben Substantive mit natürlichem Geschlecht im Französischen auch immer das entsprechende grammatikalische Geschlecht (la fille).

Das Geschlecht eines französischen Wortes stimmt oft nicht mit dem Geschlecht des entsprechenden Wortes in anderen Sprachen überein, vor allem bei nicht nahe verwandten Sprachen wie dem Deutschen.

la lune (f.) – [] – der Mond (m.) le soleil (m.) – [] – die Sonne (w.)

Da es vom lateinischen Neutrum im Französischen nur noch Reste gibt (unpersönliches il (= es) (Bsp.: il pleut), ce, cela (= dies) (Bsp.: c’est / ce sont), le (= es) (Bsp.: je le sais)), können Wörter, die im Deutschen das sächliche Geschlecht haben, im Französischen somit nur männlich oder weiblich sein. Substantivierte Adjektive sind männlich, also le beau ‚das Schöne‘.

Das Substantiv amour ist im Singular männlich, im Plural jedoch meist weiblich. Beispiele: «Je n’arrive pas à oublier mon premier amour»Aussprache: [prəmjɛramur] „Ich kann meine erste Liebe nicht vergessen.“ und «On revient toujours à ses premières amours», wörtlich: „Man kehrt immer zu seinen alten Lieben zurück“, „Alte Liebe rostet nicht.“

gens – Leute ist von Hause aus maskulin, ein vorangestelltes (!) Adjektiv wird aber an das ursprüngliche, aus dem Lateinischen ererbte Genus (→ < lat. gens, gentis f) angeglichen (Bsp.: les petites gens).

Artikel Es gibt im Französischen drei Artikel: den bestimmten Artikel (l’article défini): le (männlich = m), la (weiblich = f), l’ (für männliche und weibliche Substantive, die mit einem Vokal oder einem stummen h beginnen. Der Plural heißt für beide Geschlechter les. Beispiele: le livre „das Buch“, la maison „das Haus“ l’enfant (m) „das Kind“, l’échelle (f) „die Leiter“, l’hôtel (m) „das Hotel“ den unbestimmten Artikel (l’article indéfini): un (männlich), une (weiblich). Beispiele: un livre „ein Buch“, une maison „ein Haus“, un enfant „ein Kind“, une échelle „eine Leiter“. den Teilungsartikel (l’article partitif): du (männlich), de la (weiblich), de l’ (männlich und weiblich für Substantive, die mit einem Vokal beginnen), des (Plural für beide Geschlechter). Beispiele: du pain „Brot“ (eine unbestimmte Menge), de la viande „Fleisch“, de l’eau „Wasser“, des maisons (f) „Häuser“, des jardins (m) „Gärten“.

Pluralbildung Wie im Englischen und Spanischen wird in den meisten Fällen im Plural ein s ans Wortende gehängt, das in der Aussprache im Allgemeinen stumm bleibt. Zwischen Artikel und Substantiv wird gebunden (liaison).

l’heure – [] – die Stunde les heures – [] – die Stunden

Substantive, die in der Einzahl auf -eau enden, bilden den Plural mit x. Wörter auf -al enden im Plural auf -aux. Beispiele: le journal „die Zeitung“, les journaux „die Zeitungen“. Ausnahmen: le festival, les festivals. Bei Substantiven, die in der Einzahl auf s, z oder x enden, sind Einzahl- und Mehrzahlform identisch.

la voix – [] – die Stimme les voix – [] – die Stimmen

Einen unregelmäßigen Plural haben die Wörter œil ‚Auge‘ und œuf [œf] ‚Ei‘: les yeux ‚die Augen', les œufs [lezø] ‚die Eier‘.

Letzten Endes kennzeichnet meist also nur der Artikel in der Aussprache den Unterschied zwischen Einzahl und Mehrzahl.

le livre rouge – [] – das rote Buch les livres rouges – [] – die roten Bücher

Pronomina Personalpronomen Person Personalpronomen être ‚sein‘ 1. Sg. je suis 2. Sg. tu es 3. Sg. il ‚er, es (für ImpersonaliaNeutral.)‘, elle ‚sie‘, on ‚man‘Das französische Pronomen on (< lat. homō – Mann; Mensch; vgl. das deutsche man) entspricht nicht dem deutschen es, sondern es kann, je nach Kontext, mit ‚man‘ oder mit ‚wir‘ übersetzt werden. Allerdings gilt das Ersetzen von nous durch on als umgangssprachlich. est 1. Pl. nous sommes 2. Pl. vous ‚ihr; Sie‘vous entspricht nicht nur dem deutschen ihr, sondern auch dem Höflichkeits-Sie. Im Französischen schreibt man es klein. êtes 3. Pl. ils, ellesZwischen dem Französischen und dem Deutschen besteht im Hinblick auf die 3. Person Plural der Unterschied, dass elles gewählt werden muss, wenn die gemeinten Objekte nur aus weiblichen Substantiven bestehen. Handelt es sich bei den Objekten jedoch um nur männliche oder um weibliche und männliche Substantive, benutzt man ils. sont

Objektpronomen Person direktes Objektpronomen indirektes Objektpronomen 1. Sg. me ‚mich‘ me ‚mir‘ 2. Sg. te ‚dich‘ te ‚dir‘ 3. Sg. le ‚ihn, es‘, la ‚sie‘ lui ‚ihm, ihr‘ 1. Pl. nous ‚uns‘ 2. Pl. vous ‚euch; Sie‘ vous ‚euch; Ihnen‘ 3. Pl. les ‚sie‘ leur ‚ihnen‘

Verben mit direktem und indirektem Objekt:

direkt: aider, attendre, craindre, croire (quelqu'un), raconter, rappeler, rencontrer, suivre. Die Pronomen sind: me, te, le/la, nous, vous, les.

indirekt: s’attendre, croire (à quelque chose), demander, s’intéresser, parler, penser, réfléchir, renoncer, répondre. Die Pronomen sind: me, te, lui, nous, vous, leur.

Verben mit être: rester, partir, sortir, retourner, revenir, passer, tomber, descendre, monter, rentrer, entrer, arriver, aller, venir. Alle reflexiven Verben werden auch mit être gebildet. Das Partizip wird immer an das Subjekt, nie an das Objekt angepasst.

Verben mit avoir: appeler, avoir, battre, boire, connaître, courir, croire, devoir, dormir, écrire, tenir. Das Partizip wird an ein ggf. vorausgehendes direktes Objekt (sehr oft in Form eines Objektpronomens oder eines Relativpronomens) angepasst, nie an das Subjekt.

Die verbundenen Objektpronomina (me, te, se etc.) und die Adverbialpronomina (y, en) stehen i. d. R. vor der konjugierten Verbform. Beim Vorhandenseins eines Infinitivs hinter einer (i. d. R. konjugierten) Verbform steht das (verbundene) Objektpronomen vor der Verbform, zu der es vom Sinn her gehört; nach Modalverben stehen sie somit vor dem Infinitiv: Je dois l’appeler. Aber: Je la vois venir.

Adverbialpronomen Adverbialpronomen sind y und en.

y bezeichnet Ortsangaben, die nicht mit de eingeleitet werden. y bezeichnet indirekte Objekte, die mit à, chez, dans eingeleitet werden, und Sachen, nie Personen.

en bezeichnet Ortsangaben, die mit de eingeleitet werden. en bezeichnet indirekte Objekte nur bei Sachen, nie bei Personen.

Reihenfolge der Objekt- und Adverbialpronomen Hier findet sich die übliche Darstellung der Reihenfolge aller Objekt- und Adverbialpronomen im Satz.

Person Objektpronomen Adverbialpronomen 1. Sg. me le, la, les lui, leur y en 2. Sg. te 3. Sg./Pl. se 1. Pl. nous 2. Pl. vous

Hervorhebung der Personalpronomen Person Indirektes Objektpronomen Zur Hervorhebung benutztes Pronomen 1. Sg. me moi 2. Sg. te toi 3. Sg. lui lui, elle1) 1. Pl. nous nous2) 2. Pl. vous vous 3. Pl. leur eux, elles1) 1) Die Hervorhebung der Pronomen elle/elles durch die Umwandlung in „elle elle“/„elles elles“ kommt nur in der gesprochenen Sprache vor.

2) Bei der Hervorhebung setzt man immer das Personalpronomen „on“ hinter das hervorhebende „nous“ wie folgt: Nous, on a joué au football. = „Wir haben Fußball gespielt.“

Da die Pronomen als einzige in der französischen Sprache dekliniert werden, existieren auch Beugungen wie die indirekten Objekte. Beispiel: Tu me donnes un cadeau. = „Du gibst mir ein Geschenk.“