mini|hochkant|Rachida Dati (2024) Rachida Dati (Aussprache: ; * 27. November 1965 in Saint-Rémy, Département Saône-et-Loire) ist eine französische Politikerin (parteilos, bis 2024 UMP bzw. Les Républicains).
Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 war sie Sprecherin des Kandidaten Nicolas Sarkozy, von 2007 bis 2009 Justizministerin in der Regierung von François Fillon, von 2009 bis 2019 Mitglied des Europäischen Parlaments. Seit 2008 ist sie Bürgermeisterin des 7. Arrondissements von Paris. Von 2020 bis Anfang 2024 führte sie zudem die Opposition im Pariser Stadtrat. Von Januar 2024 bis Februar 2026 war sie Frankreichs Ministerin für Kultur, zunächst im Kabinett Attal, seit September 2024 im Kabinett Barnier, seit Dezember 2024 im Kabinett Bayrou und seit September 2025 im Kabinett Lecornu I sowie seit Oktober 2025 im Kabinett Lecornu II.
Leben Herkunft und Ausbildung Rachida Dati wuchs als zweitältestes von elf Kindern eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter in einer Sozialbausiedlung von Chalon-sur-Saône auf, der größten Stadt des Départements Saône-et-Loire. Dort ging sie auf eine private, vom Karmelitenorden geführte katholische Schule. Um die Familie zu unterstützen, begleitete sie ihre Mutter als Reinigungskraft. Dann arbeitete sie nachts als Hilfsschwester, während sie sich auf das Baccalauréat (Abitur) vorbereitete. 1987 traf sie auf einem Empfang in der algerischen Botschaft den damaligen Justizminister Albin Chalandon. Er verschaffte ihr zur Finanzierung ihres wirtschaftswissenschaftlichen Studiums eine Stelle als Buchhalterin bei Elf Aquitaine, einem damaligen Staatskonzern, den er 1977–1983 als Generaldirektor geleitet hatte.
Berufliche Laufbahn Nach dem Studium arbeitete Dati zunächst ab 1990 in der Revision beim Matra-Konzern, sodann 1993 ein Jahr lang in London bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), auch dort in der Revisionsabteilung. Ab 1994 war sie in einer betriebswirtschaftlichen Funktion innerhalb der Abteilung für städtische Entwicklung des französischen Wasserversorgers Lyonnaise des Eaux und als Beraterin der juristischen Abteilung im französischen Bildungsministerium tätig. Auf Anraten der Politikerin Simone Veil absolvierte Dati von 1997 bis 1999 eine Ausbildung an Frankreichs nationaler Hochschule für das Richteramt (École nationale de la magistrature) und arbeitete danach bei der Staatsanwaltschaft in Évry.
Politische Karriere mini|hochkant|Rachida Dati (2007) 2002 wurde Rachida Dati Mitarbeiterin im Büro des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy, der sie zur Beraterin für Einwanderungsfragen machte. 2006 trat sie seiner Partei bei, der UMP. Als Sarkozy im Januar 2007 seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab, ernannte er sie zur Sprecherin seiner Wahlkampagne. Diese Ernennung geschah auch mit Unterstützung der damaligen Ehefrau Sarkozys, Cécilia Ciganer-Albéniz, die mit Dati befreundet war.
Nach Sarkozys Wahlsieg wurde Dati Justizministerin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie fünf Jahre juristische Berufserfahrung als Untersuchungsrichterin und stellvertretende Staatsanwältin.Aschenputtel aus der Banlieue. In: Rheinischer Merkur, 6. Dezember 2007. Dati war damit in Frankreich die erste Person arabischer Herkunft, die einen Ministerposten einnahmFrédéric Gerschel: Une beurette devient ministre de la Justice. Rachida Dati, une ministre très symbolique. Aujourd’hui en France, 19. Mai 2007. – und dies in einer konservativen Regierung:
Am 6. Juli 2007 trat Datis persönlicher Referent, Michel Dobkine, nach sieben Wochen Amtszeit zurück,Rückschlag für Sarkozy: Kabinettchef von Rachida Dati geht. In: Liechtensteiner Volksblatt, Onlineausgabe am 7. Juli 2007. Abgerufen am 6. November 2012 vier Tage später verließen drei weitere Untergebene Datis Beraterstab. Insgesamt verließen in den ersten Monaten sieben Amtsträger ihren Stab. Dati wurde im Juni 2009 im Zuge einer Kabinettsumbildung aus der Regierung entlassen.Rachida Dati, des réformes et des critiques. Libération.fr, 23. Juni 2009.
Nach der Europawahl 2009 war Dati Europaabgeordnete in der Fraktion der Europäischen Volkspartei., abgerufen am 7. November 2012 Sie war in der Legislaturperiode bis 2014 Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung sowie Delegierte für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Von 2009 bis 2011 gehörte sie dem Sonderausschuss zur Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise an. Nach ihrer Wiederwahl 2014 saß sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Europäischen Parlament 2019 im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres und war Delegierte für die Beziehungen zu den Maschrik-Ländern sowie in der Parlamentarischen Versammlung der Union für den Mittelmeerraum.
Dati ist seit 2008 Bürgermeisterin des 7. Arrondissements von Paris. Sie bewarb sich um die Kandidatur des bürgerlichen Lagers für das Amt der Pariser Bürgermeisterin 2014, zog sich jedoch im April 2013 zugunsten ihrer Parteikollegin Nathalie Kosciusko-Morizet zurück. Diese sei „von den Medien und vom System“ bereits zur Kandidatin der UMP gekürt worden. Bei den Bürgermeisterwahlen siegte Anne Hidalgo von der sozialistischen Partei. Bei der Kommunalwahl 2020 war Dati die Kandidatin von Les Républicains (LR, neuer Name der UMP) und verbündeter Mitte-Rechts-Parteien für das Bürgermeisteramt von Paris. Ihre Liste Engagés pour changer Paris (Engagiert um Paris zu verändern) kam auf 22,7 % im ersten und 34,3 % im zweiten Wahlgang und unterlag damit der Amtsinhaberin Hidalgo. Dati wurde aber als Bezirksbürgermeisterin des 7. Arrondissements bestätigt. Als Vorsitzende der Mitte-rechts-Fraktion Changer Paris (Républicains, Centristes et Indépendants) war sie zudem bis 2024 Oppositionsführerin im Conseil de Paris (Stadtrat).
Am 11. Januar 2024 wurde sie als Nachfolgerin von Rima Abdul Malak als Kulturministerin im Kabinett Attal nominiert, woraufhin LR ihren Parteiausschluss ankündigte. In dem nach den vorgezogenen Parlamentswahlen 2024 gebildeten Kabinett des neuen Premierministers Michel Barnier (LR) erhielt sie erneut das Kulturressort, welches unter der Regierung Bayrou im Dezember 2024 bestätigt wurde. Im Februar 2026 trat sie als Kulturministerin zurück, um sich auf ihre Kandidatur für das Amt der Bürgermeisterin von Paris bei der für März 2026 angesetzten Wahl zu konzentrieren. Sie unterlag im zweiten Wahlgang am 22. März 2026 mit 41,52 % gegen Emmanuel Grégoire, der 50,52 % erhalten hatte.
Kontroversen Verbindungen zu Katar 2007 nahm Rachida Dati wegen ihres letztlich nicht verwirklichten Vorhabens zur Einrichtung eines Auslandscampus der École nationale de la magistrature (ENM) in Doha Kontakte zur Regierung von Katar auf.« Nos très chers émirs ». Georges Malbrunot et Christian Chesnot explorent les relations entre les élus et les monarchies du Golfe. Le Point, 19. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Dieser Plan wurde in den französischen Medien als Zeichen einer zu engen Verbindung der französischen Justizminsterin mit dem Generalstaatsanwalt von Katar, Ali Bin Fetais Al-Marri, kritisiert.Romain Rosso: Le Qatar, ami discret de Paris. L’Express, 27. Februar 2009 (zuletzt aufgerufen am 26. Juni 2025)Christian Chesnot, Georges Malbrunot: Qatar Papers: So beeinflusst der Golfstaat den Islam in Europa. Seifert-Verlag, Wien 2020. ISBN 978-3-904123-38-9 Als Bürgermeisterin des 7. Pariser Arrondissements plante Dati 2015 einen «Club des ambassadeurs» («Club der Botschafter») als Treffpunkt für die zahlreichen ausländischen Diplomaten, die im 7. Arrondissement leben. Um ihr Vorhaben zu finanzieren, soll sie den katarischen Botschafter in Frankreich, Meshaal al Thani, um 400.000 € gebeten haben, was dieser jedoch abgelehnt habeQuand l'argent du Qatar affole les politiques. Le Parisien, 21. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025). Rachida Dati war jedoch weiterhin bestrebt, gute Beziehungen zu Katar aufzubauen und laut Medienberichten habe sie Nicolas Sarkozy deshalb gebeten, bei Al Thani für sie eine Einladung zum Doha Forum 2016 zu erwirken.Christian Chesnot: Nos très chers émirs. Sont-ils vraiment nos amis?. Éditions Michel Lafon, Neuilly-sur-Seine 2016. ISBN 978-2-7499-2487-8Philippe Peyre: Qatar: Le Guen et Dati portent plainte. RTL, 21. Oktober 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Recherchen des französischen online-Mediums Blast im Jahr 2024 sprechen dafür, dass Rachida Dati im Auftrag von Vertretern Katars tätig wurde, insbesondere für den Arbeitsminister Ali bin Samikh Al Marri, der im Katar-Korruptionsskandal im Europäischen Parlament eine wichtige Rolle spielte.Rachida Dati, la plume au service (secret) du Qatar. Blast (web TV), 7. Juni 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)
Verbindungen zu Aserbaidschan
Auch wegen ihrer Nähe zur aserbaidschanischen Regierung wurde Dati in französischen Medien kritisiert. Sie gehörte dem Verwaltungsrat der Association des Amis de l'Azerbaïdjan (AAA) an, die als wichtiges Organ der „Kaviar-Diplomatie“ in Frankreich gilt.Laura Motet: « Diplomatie du caviar » Les échanges de bons procédés entre l’Azerbaïdjan et les élus français. Le Monde, 5. September 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025)Des élus français très zélés avec les pays autoritaires. L’Express, 14. Februar 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Zudem wurde über gute Kontakte Datis zur aserbaidschanischen Vizepräsidentin und Präsidentengattin Mehriban Aliyeva berichtet.Marie-Christine Morosi: Rachida Dati séduite par l'Azerbaïdjan. Le Point, 21. September 2011 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Anlässlich seiner Wiederwahl 2013 und 2018 beglückwünschte Dati den aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev, obwohl die Wahlen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) als undemokratisch eingeschätzt worden waren.Nailia Bagirova, Margarita Antidze: Azeri president's supporters heckle as observers declare election unfair. Reuters, 12. April 2018 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Im September 2017 stimmte Dati gegen die Eröffnung einer parlamentarischen Untersuchung zu Bestechungsversuchen der aserbaidschanischen Regierung, insbesondere im Europarat« Caviargate »: Une enquête dénonce la corruption menée par l'Azerbaïdjan pour acheter des soutiens à l'étranger. 20 Minutes, 5. September 2017 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025). Bei einem Interview im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender France 2 wies sie Fragen zu ihren Verbindungen zur aserbaidschanischen Regierung zurück. Französische Medien warfen Dati vor, sich bei ihren Aktivitäten als Europaabgeordnete für die Interessen Aserbaidschans einzusetzen, insbesondere um Investitionen in erneuerbare Energien zugunsten aserbaidschanischer Gasimporte zu behindern, weshalb andere Europaabgordnete ihr Lobbying für Aserbaidschan vorwarfen.Laurent Léger: Liens encombrants avec l’Azerbaïdjan : Rachida Dati rattrapée par le caviar de Bakou, Libération, 25. Januar 2024 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025) Zwischen 2011 und 2017 reiste Dati fünfmal nach Aserbaidschan, wobei die Kosten teilweise von der aserbaidschanischen Regierung übernommen wurden. Die meldepflichtigen Reisen im April 2011 und im Oktober 2012 wurden dem Europaparlament nicht gemeldet. Nach den Konflikten in Bergkarabach 2016 verteidigte Dati in einer Wortmeldung gegenüber dem französischen Staatspräsidenten die Position Aserbaidschans gegenüber ArmenienRachida Dati: « De l'importance du respect du droit international pour le Haut-Karabakh », HuffPost, 15. April 2016 (zuletzt aufgerufen am 27. Juni 2025). Als im Dezember 2020 die republikanische Fraktion in der Assemblée nationale eine Verurteilung der kriegerischen Handlungen in Bergkarabach zur Abstimmung bringen wollte, war Dati darum bemüht, die republikanischen Abgeordneten von einer Zustimmung abzubringen. Im März 2024 bestätigte eine Recherche des Magazins Le Nouvel Observateur, dass Rachida Dati als Europaabgeordnete enge finanzielle Verbindungen zu Aserbaidschan unterhielt.