Der Kleine Baldrian (Valeriana dioica), auch Sumpf-Baldrian oder Zweihäusiger Baldrian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Baldriane (Valeriana) in der Unterfamilie der Baldriangewächse (Valerianoideae) innerhalb der Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). eine auch in Mitteleuropa heimische Pflanzenart aus der Unterfamilie der Baldriangewächse (Valerianoideae).
Beschreibung mini|links|Illustration aus Sturm mini|Habitus mini|Weibliches Exemplar mini|Weibliche Blüte
Vegetative Merkmale Der Kleine Baldrian ist eine ausdauernde Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 35 Zentimetern. Sie bildet ein Rhizom und oft auch langsamwachsende Ausläufer; durch diese vegetative Ausbreitung kann stellenweise der falsche Eindruck entstehen, Exemplare eines bestimmten Geschlechts hätten bei dieser Art die Vorherrschaft. So können an einer Stelle bis zu fünfzig weibliche Blütenstängel beieinander stehen; sie sind aber unterirdisch miteinander verbunden, bilden also einen Klon und müssen deshalb gleichen Geschlechts sein. Die Stängel sind aufrecht und im oberen Bereich schwach verzweigt. Die Hauptachse ist dabei verlängert.
Die Grundblätter sind gestielt und ihre einfache Blattspreite ist eiförmig. Die mittleren und oberen gegenständigen Stängelblätter sind gefiedert mit einer großen Endfieder.
Generative Merkmale Die Blüten befinden sich in dreiteiligen, schirmförmigen trugdoldigen Blütenständen. Der Kleine Baldrian ist unvollkommen zweihäusig (Diözie), das heißt im Regelfall gibt es rein männliche und rein weibliche Pflanzenexemplare, es kommen aber (selten) auch Zwitter vor. Die weiblichen Blüten (der rein-weiblichen Pflanzen) sind nur 1,5 Millimeter groß und weißlich bis hell-rosafarben, die männlichen Blüten (der rein-männlichen Pflanzen) sind etwa 3 Millimeter groß und rosafarben.
Die Frucht ist ein einfächeriges, eiförmiges Nüsschen, dessen sterile Fächer reduziert sind. Auf dem Nüsschen befinden sich etwa 5 Millimeter lange, federige Pappusborsten.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.
Ökologie und Phänologie Beim Kleinen Baldrian handelt es sich um einen Hemikryptophyten.
Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni.
Die Bestäubung erfolgt durch Insekten.
Der Kleine Baldrian ist Futterpflanze für den gefährdeten Baldrian-Scheckenfalter (Melitaea diamina).
Vorkommen Der Kleine Baldrian von in Europa bis Westasien verbreitet. Weitere Vorkommen gibt es in Zentralasien und im nordamerikanischen Kanada sowie in den nordwestlichen USA. In Deutschland kommt der Kleine Baldrian in allen Bundesländern vor, in einigen nördlichen ist sie gefährdet. In Österreich ist der Kleine Baldrian zerstreut bis selten, kommt in allen Bundesländern vor, ist aber in den flachen Regionen gefährdet.
Der Kleine Baldrian kommt in der collinen bis subalpinen Höhenstufe vor und besiedelt nasse Wiesen, (eher kalkreiche) Niedermoore, Sümpfe und Bruchwälder. In den Allgäuer Alpen steigt er beispielsweise im Ziebelmoos nahe dem Piesenkopf bis zu einer Höhenlage von 1340 Metern auf. Pflanzensoziologisch ist sie eine schwache Kennart der Ordnung Molinietalia caeruleae W.Koch 1926 und hat ihre Schwerpunktvorkommen in den Verbänden Molinion caeruleae W.Koch 1926 und Calthion Tx. 1937. Der Kleine Baldrian gedeiht auf staunassen, sickernassen oder wechselnassen, mehr oder weniger nährstoffreichen und basenreichen, mäßig sauren bis milden Sumpfhumusböden.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4+w+ (nass aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Systematik Die Erstveröffentlichung von Valeriana dioica erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 31. Weitere Synonyme für Valeriana dioica sind: Valeriana septentrionalis , Valeriana sylvatica ex , Valeriana dioica subsp. sylvatica ()
Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten unterscheiden: Valeriana dioica subsp. dioica: Sie kommt in Spanien, Portugal, Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland, Belgien, in den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, Schweden, in der Schweiz, Österreich, Tschechien, Polen, Ungarn, Slowenien, Bulgarien, Rumänien und in der europäischen Türkei vor. Valeriana dioica subsp. simplicifolia : Sie kommt in Tschechien, in der Slowakei, in Österreich, Polen, Litauen, Lettland, Estland, Kaliningrad, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, in der europäischen Türkei und in der Ukraine vor. Die in Nordamerika heimische Sippe wird manchmal auch als eigene Varietät Valeriana dioica var. sylvatica geführt.
Quellen Literatur Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5. Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv (CD-Rom), Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2001/2002, ISBN 3-494-01327-6.
Einzelnachweise Valeriana dioica var. sylvatica auf USDA Plants Database. E. von Raab-Straube, T. Henning, 2017+: Valerianaceae. Datenblatt Valeriana dioica In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 538.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt Kleiner Baldrian - Valeriana dioica mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
Kategorie:Baldriangewächse