mini|Übersichtsplan des Muséum national d’histoire naturelle mini|Andere Standorte in Frankreich. mini|Buffon-Denkmal vor der Grande galerie de l’Evolution mini|Galerie de Paléontologie et d’Anatomie Comparée (Galerie der Paläontologie und der Vergleichenden Anatomie) mini|Grande galerie de l’évolution mini|Nilkrokodil in der Ménagerie du Jardin des Plantes
Das Muséum national d’histoire naturelle (Sigel: MNHN; ) ist ein staatliches französisches Naturkundemuseum, an das eine Forschungs- und Bildungseinrichtung für Bio- und Geowissenschaften angeschlossen ist. Das Naturkundemuseum wurde am 10. Juni 1793 gegründet und hat den Status eines grand établissement. Es untersteht sowohl dem Forschungs- als auch dem Umweltministerium. Der Hauptsitz befindet sich in Paris. Im Laufe der Geschichte kamen weitere Dependancen in Paris und in ganz Frankreich hinzu.
Seine wissenschaftlichen Sammlungen umfassen mehr als 55 Millionen Exponate, das MNHN hat damit die drittgrößte Sammlung der Welt. Am Hauptstandort in Paris befindet sich auch ein dem Museum angeschlossener Zoo, die Ménagerie du Jardin des Plantes.
Geschichte Die Ursprünge des Museums liegen im königlichen Heilpflanzengarten, dem Jardin royal des plantes médicinales, der von Guy de La Brosse, dem Arzt von Ludwig XIII., im Jahr 1626 initiiert wurde. Dazu kaufte der König ein Grundstück und ein Gebäude im Faubourg Saint-Victor und gründete den Garten per Edikt im Jahr 1635. Er wurde 1640 eröffnet und machte Mediziner und Apotheker kostenfrei sowie in französischer Sprache mit Botanik, Anatomie und Chemie vertraut. Damit ist er die zweitälteste wissenschaftliche Institution Frankreichs nach dem Collège de France. Die Verwaltung oblag den königlichen Ärzten. Mit der Proklamation von Ludwig XV. an 31. März 1718 wurde die rein medizinische Funktion aufgehoben, so dass die Anlage nunmehr Jardin royal des plantes genannt wurde, später nur noch Jardin des plantes. Von 1739 bis 1788 war Georges-Louis Leclerc de Buffon Intendant des Gartens.
Ab 1790 erhielt der königliche Garten mehrere private Sammlungen, die von den Revolutionären aus Klöstern und Gutshäusern konfisziert worden sind. Darunter befanden sich die Sammlungen von Louis V. Joseph de Bourbon, prince de Condé aus dem Schloss Chantilly. Joseph Lakanal schlug der Konstituante die Einrichtung eines Museums vor. Nach einer Reorganisation wurde am 10. Juni 1793 das Museé national d’histoire naturelle mit zwölf Professuren von gleichem Rang neu gegründet. Einige ihrer frühen Professoren waren André Thouin, Barthélemy Faujas de Saint-Fond, Georges Cuvier, Jean-Baptiste de Lamarck und Étienne Geoffroy Saint-Hilaire.
Als im März 1814 Paris von russischen und preußischen Truppen besetzt wurde, begannen marodierende Truppenteile den Jardin des Plantes zu zerstören. Durch die Unterstützung von Alexander von Humboldt, der dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Begleiter diente, konnten die wissenschaftlichen Einrichtungen und Sammlungen vor den Raubzügen der Besatzungstruppen gerettet werden.
Der Zoologe Alphonse Milne-Edwards leitete das Museum von 1890 bis 1900. Nach einer Voliere (1888) und einer neuen Galerie für Zoologie (1889) erhielt das Museum 1898 eine Galerie für Paläontologie und vergleichende Anatomie. 1896 entdeckte Henri Becquerel in seinem im Museum befindlichen Laboratorium die Radioaktivität, was ihm 1903 den Nobelpreis für Physik einbrachte.
Nach dem Erhalt finanzieller Autonomie im Jahre 1907 begann eine neue Phase des Wachstums, während der Zwischenkriegszeit in ganz Frankreich. In den letzten Jahrzehnten richtete sich seine Forschungs- und Bildungsarbeit auf ein besseres Verständnis der Geo-, Bio- und Anthropodiversität, darunter auch die Auswirkungen der Ausbeutung des Menschen auf die Umwelt. 1934 schuf das Museum im Bois de Boulogne einen Pariser Zoo und als Teil der Grands Travaux von Staatspräsident François Mitterrand eröffnete 1994 die neugestaltete Grande Galerie de l’Évolution im Zoologie-Gebäude.
Gegenwart Heute ist das Museum ein Naturkundemuseum sowie eine Forschungseinrichtung für Bio- und Geowissenschaften. Seine Fachgebiete umfassen Zoologie, Botanik, Geologie und Paläontologie, samt abgeleiteten Disziplinen wie der Ökologie. Seine wissenschaftlichen Sammlungen, mit dem weltweit drittgrößten Gesamtbestand nach dem National Museum of Natural History der Smithsonian Institution in Washington und dem Londoner Natural History Museum, umfassen unter anderem 40 Millionen Insekten, 8 Millionen Blütenpflanzen und 7 Millionen sonstige Pflanzen, Algen und Pilze (Kryptogamen).
Cyberangriff Ende Juli 2025 Ende Juli 2025 wurde das Naturkundemuseum Opfer eines Cyberangriffs, über den erstmals am 31. Juli berichtet wurde. Dabei wurden sämtliche Computersysteme und wissenschaftlichen Datenbanken lahmgelegt. Betroffen waren etwa 600 Wissenschaftlerinnen und Forscher in den Bereichen Biologie, Paläontologie und Archäologie im Haus selbst sowie Tausende Forscherinnen und Forscher in der weltweiten Wissenschaftsgemeinde, die auf die Daten und Digitalisate angewiesen sind. Die Abteilung Cyberkriminalität der Staatsanwaltschaft Paris übernahm Ermittlungen. Erste Erkenntnisse deuteten auf einen Angriff mit Ransomware hin. Die Direktion des Museums betonte, dass kein Lösegeld gezahlt wurde und dass die Wiederherstellung der Systeme Wochen oder gar Monate dauern würde. Bis Februar 2026 waren die Datenbanken noch nicht wieder zugänglich und es war nicht abzusehen, wann sie wiederhergestellt sein würden.
Veröffentlichungen Das Museum publizierte von 1839 bis 1861 die Archives du Muséum d’Histoire Naturelle.
Das Muséum National d’Histoire Naturelle gibt fünf wissenschaftliche Zeitschriften heraus, die kostenlos im Internet zugänglich sind: Geodiversitas (seit 2009),Geodiversitas () Zoosystema, Adansonia (seit 2009),Adansonia () Anthropozoologica und das European Journal of Taxonomy (seit 2011).European Journal of Taxonomy ()
Die wissenschaftlichen Publikationen des Museums bestehen derzeit aus sechs Sammlungen von Monographien: , , , , und .
Angegliederte Institutionen Der Jardin des Plantes, Paris Der Parc zoologique de Paris im Pariser Bois de Vincennes Das Musée de l’Homme, Paris Die Grande galerie de l’évolution, Paris Die Galerie de Minéralogie et de Géologie, Paris Die Galerie de Paléontologie et d’Anatomie Comparée, Paris Die Ménagerie du Jardin des Plantes, Paris Das Arboretum de Chèvreloup in Le Chesnay-Rocquencourt Der Parc zoologique de Clères Das Musée de la mer-Station maritime in Dinard Die Station de biologie marine in Concarneau Der Parc zoologique de la Haute-Touche in Obterre Das Musée du site de l’abri Pataud in Les Eyzies-de-Tayac-Sireuil Der Jardin botanique alpin La Jaÿsinia in Samoëns Der Jardin botanique exotique du Val Rameh in Menton Das Laboratoire d’écologie générale in Brunoy
Die ersten zwölf Lehrstuhlinhaber (1793) Anatomie des animaux: Jean-Claude Mertrud (1728–1802) – bis 1802. Anatomie humaine: Antoine Portal (1742–1832) – bis 1832. Arts chimiques: Antoine-Louis Brongniart (1742–1804) – bis 1804. Chimie générale: Antoine-François Fourcroy – bis 1804. Botanique à la campagne: Antoine-Laurent de Jussieu – bis 1826. Botanique dans le muséum: René Desfontaines – bis 1833. Culture (agriculture et culture des Jardins, des arbres fruitiers et des bois): André Thouin – bis 1824. Zoologie (quadrupèdes, cétacés, oiseaux, reptiles, poissons): Étienne Geoffroy Saint-Hilaire – bis 1794. Zoologie (insectes, vers et animaux microscopiques): Jean-Baptiste de Lamarck – bis 1829. Minéralogie: Louis Jean Marie Daubenton – bis 1799. Géologie: Barthélemy Faujas de Saint-Fond – bis 1819. Iconographie naturelle: Gerard van Spaendonck – bis 1822.
Direktoren
Literatur Monique Ducreux (Hrsg.): La Grande Galérie de l’Evolution du Muséum National d’Histoire Naturelle. Muséum National d’Histoire Naturelle, Paris 1999, ISBN 2-85653-253-5. Gotthelf Fischer: Das Nationalmuseum der Naturgeschichte zu Paris, von seinem ersten Ursprunge bis zu seinem jetzigen Glanze. 2 Bände, Fridrich Esslinger, Frankfurt am Main 1802–1803 (Digitalisat). Yves Laissus: Le Muséum National d’Histoire Naturelle. Gallimard, Paris 1995, ISBN 2-07-053323-9.
Filme Von Ratten und See-Elefanten. Die Welt des Pariser Naturkundemuseums. (Alternativtitel: Dans les coulisses du Muséum.) Dokumentarfilm, Frankreich, 2014, 52:30 Min., Buch: Cécile Dumas, Vincent Gaullier, Regie: Stéphane Bégoin, Produktion: arte France, CNRS Images, Morgane Groupe, TV5 Monde, deutsche Erstsendung: 26. September 2014 bei arte, Inhaltsangabe von arte. Die Ordnung der Dinge – Das „Museum National d’Histoire Naturelle“ in Paris. Dokumentarfilm, Deutschland, 1996, 35 Min., Buch und Regie: Eva Maek-Gérard, Produktion: Hessischer Rundfunk, Filmdaten von HeBIS.
Weblinks
Offizielle Website (französisch) Virtual Gallery of Mineralogy (französisch und englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Grand établissement Histoire naturelle Kategorie:Hochschule in Paris Kategorie:Monument historique im 5. Arrondissement (Paris) Kategorie:Naturkundemuseum in Frankreich Histoire Naturelle Kategorie:Monument historique seit 1993 Kategorie:Bauwerk in Paris Kategorie:Monument historique (Bildungseinrichtung) Histoire Naturelle Kategorie:Museumsgründung 1793