Die Cottbuser Parkeisenbahn oder Parkeisenbahn Cottbus ist eine Schmalspurbahn in Cottbus. Sie wurde zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik als Pioniereisenbahn gegründet, weshalb auch heute noch zahlreiche Kinder und Jugendliche beim Betrieb der Eisenbahn eingesetzt werden. Die Parkeisenbahn liegt in den Cottbuser Stadtteilen Sandow, Branitzer Siedlung und Branitz. Sie ist in die Denkmalliste des Landes Brandenburg aufgenommen.

Allgemeines Der Bahnhof Stadion der Freundschaft liegt direkt neben dem Stadion der Freundschaft von Energie Cottbus sowie am Eliaspark und am Spreeauenpark. Am Bahnhof Zoo besteht Übergang in den Tierpark Cottbus sowie in den Spreeauenpark und den Branitzer Park. Am Bahnhof Park und Schloss Branitz besteht ebenfalls direkter Zugang zum Branitzer Park.

Die Parkeisenbahn Cottbus verkehrt in der Regel zwischen April und Oktober, in den Sommermonaten auch unterwöchig und in den brandenburgischen Sommerferien täglich. Dabei werden jährlich über 40.000 Fahrgäste befördert. Eigentümer ist die Stadt Cottbus, Betreiber ist die Cottbusverkehr GmbH. Der Betrieb wird durch hauptamtliche, nebenberufliche und ehrenamtliche (darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche) Mitarbeiter durchgeführt.

Am Bahnhof Sandower Dreieck besteht Übergang zum Regionalverkehr der Deutschen Bahn sowie der ODEG, sowie zur Straßenbahnlinie 2. Am Bahnhof Zoo besteht Übergang zur Buslinie 10.

Am 18. Juni 1991 gründete sich der Verein zur Förderung der Cottbuser Parkeisenbahn e. V., welcher zahlreiche Projekte der Parkeisenbahn unterstützt und organisiert. Ebenso verwaltet er das am Bahnhof Sandower Dreieck gelegene, ehemalige Gastlokal „Lokomotive“. Die Kinder und Jugendlichen sind allesamt Mitglieder im Verein, welcher Ausflüge, Arbeitseinsätze, Einsatz im Betriebsdienst und ein aktives Vereinsleben ermöglicht.

Geschichte mini|Historisches Foto: Bahnhofsgebäude der Pioniereisenbahn Cottbus, Bahnhof Friedenseiche mini|Bahnhof Zoo (2026)

Die Bahn wurde am 1. Juni 1954 als Pioniereisenbahn Cottbus eröffnet. Am Anfang betrug die Streckenlänge 1,1 km vom Bahnhof Freundschaft (jetzt Stadion der Freundschaft) zum Bahnhof Tierpark (jetzt Zoo). Vier Jahre später kam ein weiterer Kilometer Strecke zum Bahnhof Friedenseiche (jetzt Park & Schloss Branitz) hinzu. Der erste große Umbau erfolgte zum Start des Aufbaus der Bundesgartenschau (Buga) 1995. Es wurden neue Gleise, Brücken und der Bahn- und Betriebshof „Sandower Dreieck“ errichtet. Im Frühjahr 2011 wurden am Bahnhof Zoo mit einem Aufwand von 42.000 Euro die über 40 Jahre alten Gleisanlagen erneuert. Im Jahr 2015 wurden im Bahnhof Park und Schloss Branitz auf Gleis 3 neuartige Recycling-Kunststoffschwellen verbaut. Im Frühjahr 2020 wurde der Bahnhof Park- und Schloss Branitz nach einer aufwendigen Sanierung und Modernisierung wieder eröffnet. Im Jahr 2021 wurde das Gleisbett am Gleis 2 des Bahnhofs Zoo erneuert.

In ihrer über 50-jährigen Betriebszeit beförderte die Bahn mehr als fünf Millionen Fahrgäste. Betreiber der Parkeisenbahn Cottbus war bis Ende März 2011 die Congress, Messe und Touristik (CMT) Cottbus, seit dem 1. April 2011 die Cottbusverkehr GmbH.

Fahrzeuge Im Fuhrpark der Parkeisenbahn Cottbus befinden sich zwei Dampflokomotiven, vier Diesellokomotiven und ein Dieseltriebzug.

99 0001 (Brigadelok)

links|mini|Lok 99 0001 im Bahnhof Sandower Dreieck (2022) Im Ersten Weltkrieg wurden für die Heeresfeldbahnen mehr als 2500 vierachsige Brigadelokomotiven mit 600 mm Spurweite gebaut. Die Lok mit der Nr. 2257 wurde im Jahr 1918 durch die Linke-Hofmann-Werke (LHW) in Breslau unter der Fabriknummer 1739 hergestellt. Weil der Krieg bei Auslieferung der Lok bereits zu Ende war, kam sie in ein Demobilisierungslager, da das weitere Bestehen von Eisenbahntruppen durch den Versailler Vertrag untersagt war. Die dort gesammelten Lokomotiven wurden allesamt an Fabriken, in die Landwirtschaft oder an andere Eisenbahnverwaltungen verkauft.

Da die Listen der Demobilisierungslager durch die Alliierten beschlagnahmt wurden, ist der Verbleib ab 1918 unbekannt, ein Aufenthalt in Polen ist aber möglich. Nach einer Rückführung der Lok nach Ende des Zweiten Weltkrieges, fuhr sie kurzzeitig bei der Waldeisenbahn Muskau. Im Jahr 1946 war die Lok im Bestand des Braunkohlenwerkes „Frieden“ in Halbendorf bei Weißwasser verzeichnet.

Bereits Anfang des Jahres 1954 kam sie in das RAW Cottbus, in dem sie in freiwilligen Arbeitsstunden für ihren Einsatz bei der entstehenden Pioniereisenbahn vorbereitet wurde. Hier fuhr sie dann unter der fiktiven Betriebsnummer 99 0001 (angelehnt an das DR-Nummernschema), später als Lok 01.

Sie zog am 1. Juni 1954 den Eröffnungszug der Pioniereisenbahn und ist seither bei der Parkeisenbahn Cottbus im Einsatz. Die letzte Hauptuntersuchung (mit Einbau eines neuen Kessels) wurde im März 2016 abgeschlossen.

99 3301 „Graf Arnim“

mini|links|Lok 99 3301 im Betriebswerk (2017) mini|Lok 99 3301 in Bahnhof Park & Schloss Branitz (2022) Eine der beiden 1895 bei Krauss & Co. in München gebauten Dampflokomotiven, die Lok 04, war ehemals bei der Gräflich von Arnimschen Kleinbahn in Muskau als Graf Arnim im Einsatz. Hier sollte sie den Pferdebahnantrieb ablösen. Zur Reichweitenerhöhung erhielt sie in den 1920er-Jahren einen Tender mit Holzaufbau. Ab 1951 gehörte sie unter der Nummer 99 3301 zum Bestand der Deutschen Reichsbahn, war aber weiter rund um Bad Muskau im Einsatz. Nach der Stilllegung der Strecke zwischen Weißwasser Ost und Ruhlmühle gab es keine weitere Verwendung für 99 3301. 1969 gelangte die Lok zur Parkeisenbahn nach Cottbus. Nach einer Grundüberholung in Krauschwitz, stand sie seit 1970 im Einsatz bei der Pioniereisenbahn, wo sie seit 1973 die Nummer 04 trägt.

Der Tender erhielt in den 70er-Jahren einen Stahl- statt Holzaufbau, neue Sicherheitsventile und geringfügige Änderungen am Kesselaufbau, damit die Lokomotive niedrig genug war, um die alte Unterführung am Bahnhof „Freundschaft“ unterqueren zu können. Anschließend war die Lokomotive in dauerhaftem Einsatz, bis zu einem Kesselschaden im Jahr 1986. Im Zuge der Bundesgartenschau 1995 und den damit verbundenen finanziellen Unterstützungen und Veränderungen bei der Parkeisenbahn Cottbus, wurde auch Lok 04 in Benndorf wieder betriebstüchtig hergerichtet. So konnte sie ab 1995 wieder zum Einsatz kommen. Trotz umfangreicher Reparaturen im Winter 2008, war die Lok seit diesem Winter aufgrund gerissener Stehbolzen und Verschleiß am Fahrwerk nicht in Betrieb.

Wegen der immensen Kosten für eine Hauptuntersuchung (mind. 250.000 €) sammelte der Verein zur Förderung der Cottbuser Parkeisenbahn e. V. Spenden. Dabei wurden weit über 70.000 € für die Lok aufgebracht. Aus Mitteln des Bundeskanzleramts (Denkmalschutz-Sonderprogramm VII), des Landes Brandenburg sowie der Stadt Cottbus, konnten alle nötigen finanziellen Mittel zur Reaktivierung der Lok aufgebracht werden. Das Bundeskanzleramt bezeichnet das Fahrzeug dabei, den Förderrichtlinien entsprechend, als „national bedeutsames Kulturdenkmal“.

Am 23. April 2019 wurde die Lok zur Aufarbeitung in die 1. Koliner Lokomotivfabrik ins tschechische Žamberk gebracht.

Im Auslieferungszustand war sie grün lackiert, bis sie vermutlich in den 30er-Jahren eine schwarze Lackierung erhielt. Bei der Pioniereisenbahn Cottbus wechselte zu DDR-Zeiten das Farbkleid regelmäßig zwischen schwarz und grün. 1995 erhielt sie wieder eine grüne Lackierung mit dem Stadtwappen der Stadt Cottbus am Führerstand. Nach der letzten Aufarbeitung 2019 erscheint sie wieder im schwarzen Gewand.

Lok 199-2, Typ Henschel DG 20

196x196px|mini|links|Lok 199-2 im Betriebswerk (2017)

Sie ersetzte die ausgefallene Kö 0409 und wurde ebenfalls von der Waldeisenbahn Muskau übernommen. Sie gehört zur Typenreihe DG 20 und wurde 1934 von Henschel & Sohn unter der Fabriknummer D-1056 für die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn (M.P.S.B) gebaut, wo sie in einer Kiesgrube bei Friedland rangierte. 1949 gelangte die Lok als Kö 0403 in den Bestand der Deutschen Reichsbahn und wurde 1952 zur Waldeisenbahn Muskau umbeheimatet. Dort fuhr sie unter der Bezeichnung Kö 0403 bis zur Betriebseinstellung der Strecke zwischen Weißwasser Ost und Ruhlmühle. Im Jahr 1965 gelangte sie zur Parkeisenbahn Cottbus, obwohl sie zwischenzeitlich für eine geplante Kindereisenbahn in Dessau vorgesehen war, wo sie auch einen Aufenthalt im RAW absolvierte.

In Cottbus wurde ein neuer Zweizylindermotor mit einer Leistung von 40 PS eingebaut. Sie steht noch heute betriebsfähig zur Verfügung und wurde in Vorbereitung auf die Bundesgartenschau 1995 im AW Cottbus noch einmal generalüberholt. Es erfolgte eine Modernisierung des Führerhauses und der Elektrik. Außerdem wurde die Lok in rot/beige lackiert, wechselte aber 2002 zu blau/beige. Im Jahr 2004 erlitt sie einen schweren Achsschaden, der zügig behoben werden konnte.

Im Winter 2008/2009 wurde der Motor einer gründlichen Überholung unterzogen. Im Winter 2021/2022 erhielt die Lok eine Hauptuntersuchung. Weiterhin kommt ein aufbereiteter Famulus-Motor zum Einsatz. Außerdem erhielt die Lok dabei die Farbe „Chromoxidgrün“, welche bereits bei der Deutschen Reichsbahn zum Einsatz kam. Ebenso erhielt die Lok das für Diesellokomotiven der Parkeisenbahn Cottbus typische „V“ an der Front.

Lok 199-3, Typ LKM Ns 2f

mini|links|Lok 199-3 im Bahnhof Sandower Dreieck (2014)

Die Lok vom Typ Ns2f wurde 1956 mit der Fabriknummer 248448 beim Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg (LKM) gebaut. Bereits 1957 wurde sie im RAW Dessau umgebaut.Lieferliste LKM Ns2, Ns2f, Ns2h, aufgerufen am 6. November 2022. Sie erhielt eine antriebslose Achse, die fest im Rahmen gelagert wurde (Achsfolge 1B). Dazu musste u. a. der Rahmen der dieselmechanischen Lokomotive verlängert werden.

Die Lok fuhr zuerst bei der Pioniereisenbahn Berlin als Nr. V 04 002 und gelangte 1972 zur Cottbuser Pioniereisenbahn.

In den 2010er-Jahren wurde ein Motor der Firma Deutz eingebaut, somit ist sie die einzige Diesellokomotive der Parkeisenbahn Cottbus, deren Motor über eine elektronische Einspritzpumpe verfügt. Mit 57 PS ist sie die stärkste Diesellokomotive der Parkeisenbahn Cottbus. Die Lokomotive wird durch ein mechanisches Getriebe über Kuppelstangen auf zwei Achsen angetrieben. Für die nötige Leistung stehen drei Gänge zur Verfügung. Die Lok hat aktuell eine Wurfhebelbremse. Die Druckluftbremsanlage wurde im Ausbesserungswerk Cottbus 1995 entfernt, da die Wagen der Parkeisenbahn keine Bremseinrichtung hatten. Bis 2019 war die Lok in rot-beige lackiert. Seit der Hauptuntersuchung im Winter 2019/2020 ist sie ausschließlich in rot lackiert, erhielt aber ebenso das für Diesellokomotiven der Parkeisenbahn Cottbus typische „V“ auf der Front.

Eine weitere baugleiche Lokomotive existiert heute nicht mehr, da ein baugleiches Exemplar, das sich in den 1980er-Jahren auf einem Berliner Spielplatz befand, vermutlich verschrottet wurde.

Lok 199-5, Typ LKM Ns 2f

Diese Feldbahndiesellok vom Typ Ns 2 f wurde 1955 bei LKM (Fabriknummer 248668) in Babelsberg gebaut. Mit der Betriebsnummer 4 war sie bis 1990 auf der fünf Kilometer langen Tonbahn zwischen dem Tontagebau bei Teicha und der Brennerei für hitzebeständige Spezialziegel in Rietschen im Einsatz. Der harte Betrieb in den Tongruben hatte sehr an der Substanz des Fahrzeuges gezehrt, dennoch erwarb die Waldeisenbahn Muskau (WEM) die kleine Lokomotive nach Schließung des Werkes.

Zur Bundesgartenschau 1995 wurde die dieselmechanische Lokomotive vom Förderverein der WEM in Weißwasser, als Zeichen der Verbundenheit beider Vereine, mustergültig wieder hergerichtet und steht seit diesem Zeitpunkt ununterbrochen in Cottbus im Einsatz und hat sich zu einem wichtigen Zugfahrzeug etabliert.

Diese Lokomotive verfügt über einen Außenrahmen und wird mittels Blindwelle und Kuppelstangen auf beide Achsen angetrieben. Für die maximale Geschwindigkeit von 20 km/h sorgen ein Motor eines Famulus-Traktors und ein Getriebe mit drei Gängen.