mini|Luftbild des Rheinauhafens, Juli 2010 Der Rheinauhafen ist ein ehemaliger Güter-Hafen in der Kölner Altstadt-Süd, der heute als Wohn-, Büro-, Dienstleistungs- und Gewerbegebiet genutzt wird.

Die Frachtschifffahrt darf nach wie vor am Außenkai festmachen. Bis März 2027 sollen diese Liegestellen renoviert und mit Landstromanschluss versehen werden. Im Hafenbecken befindet sich eine Steganlage für die Freizeitschifffahrt.https://www.rheinauhafen-koeln.de/neuigkeiten/details/projektankuendigung-liegestelle-rheinauhafen-aussenseite

Lage und Bedeutung Über die Halbinsel „Werthchen“ verläuft die Straße Im Zollhafen, an der auch die Kranhäuser liegen. Ihre südliche Fortsetzung heißt Anna-Schneider-Steig, weiter südlich heißt die Straße schließlich Agrippinawerft. Parallel zur Halbinsel führt die Rheinuferstraße B 51 am linken Rheinufer entlang, die hier Am Leystapel/Holzmarkt/Bayenstraße/Agrippinaufer heißt. Die Severinsbrücke führt über die Halbinsel hinweg. Der heutige Rheinauhafen besitzt keine Hafenfunktion mehr, sondern ist ein Wohn- und Gewerbegebiet. Er umfasst eine Landfläche von 15,4 Hektar und eine Wasserfläche von 5,7 Hektar. Der vorhandene Gebäudebestand wird zu 51 Prozent durch Büros/Dienstleistungen, Wohnungen (31 Prozent) sowie Kunst und Kultur (18 Prozent) genutzt. Insgesamt entstanden hier 2200 Arbeitsplätze, rund 1500 Personen wohnen im insgesamt 235.000 m² umfassenden Areal.

Geschichte mini|„Werthchen“ in der Darstellung des Anton Woensam, 1531 mini|Kölner Stadtplan von 1752 – Das Werthchen auf Johann Valentin Reinhardts Stadtansicht von 1752 mini|Bayenturm und „Werthchen“, 1825 mini|Rheinauhafen um 1915 Mittelalter Bereits auf der ersten, großen Kölner Stadtansicht von 1531 des Anton Woensam lässt sich gut erkennen, dass sich der Hafen entlang der gesamten linken Rheinmauer der Stadt erstreckte und stark frequentiert wurde. Hafen- und Werftaktivitäten gab es demnach auch auf der Rheininsel „Werthchen“. Das Be- und Entladen erfolgte vermittels Kränen.Carl Dietmar: Das spätmittelalterliche Köln. 2. Aufl. 2004, S. 111. Die Liegeplätze der Oberländer-SchiffeOberländer: klinkergebaute Großschiffe mit verbreitertem Bug und hochgezogenem Heck lagen vor dem Kölner Rheinufer südlich des Salzgassen-Tores. Nördlich davon ankerten die etwas größeren, bauchigeren Niederländer,Niederländer: flachbodige klinkergebaute eckige Frachtschiffe; „Aak“ genannt, in Holland „Keulenaar“ die einer anderen Schiffsbautradition entstammten. Wenn man das Verhältnis zwischen Ober- und Niederländern betrachtet, so finden sich fast doppelt so viele Oberländer vor Köln als Niederländer, was mit der unterschiedlichen Größe und Tragfähigkeit korrespondiert.Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt. 1980, S. 25 ff. Ein Hafenmeister nahm die Aufsicht über die Ankerplätze, die Einziehung der Gebühren und die Instandhaltung der Hafenanlagen wahr. Auch in der Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator ist die Rheininsel Werthchen eingezeichnet und zeigt in der Höhe des Holzmarkts am Ufer liegende Schiffe. Auf der Insel selbst sind bei Mercator keinerlei Hafenaktivitäten zu erkennen. Das 720 Meter lange und bis zu 40 Meter breite Werthchen sollte jedoch in der Gründerzeit eine entscheidende Rolle beim Bau eines neuen Hafens spielen.

Gründerzeit Als Hafenanlagen dienten in der Gründerzeit zunächst die am Rhein gelegenen Uferschutzanlagen.Marko Gebert: Festung und Stadt Köln. 2013, S. 52 ff. (Online bei Google Books) Unter dem Eindruck des extremen Eishochwassers vom Februar 1784 forderten die Kölner Händler und Schiffer den Bau eines Hafens, in dem die Schiffe überwintern sollten. So wurde ab 1811 auf Betreiben Napoleons und der französischen Besatzer der Sicherheitshafen auf dem Gelände des heutigen Parks am Theodor-Heuss-Ring gebaut, der ab 1813 genutzt, aber erst 1840 fertig gestellt wurde. Seine Mündung auf Höhe der Bastei war nur 8 Meter breit. Der Hafen erwies sich für größere Schiffe als schwer anzusteuern und versandete schnell. Seine Kapazitäten reichten zudem von Beginn an nicht aus.Josef Dollhoff: Die Kölner Rheinschiffahrt. 1980, S. 49.

Eine starke Veränderung der Verkehrsabläufe auf dem Rhein ergab sich aus der Umstellung von der Treidel- auf die Dampfschifffahrt. Am 12. Juni 1816 gelangte das englische Dampfschiff „Defiance“ () von James Watt bis Köln.Wilhelm Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens. 1984, S. 425. (Online bei Google Books) Im Herbst 1817 befuhr James Watt mit der „Caledonia“ den Rhein und erreichte im Oktober 1817 von Rotterdam kommend Köln. Im Juli 1821 hatte das erste Dampfboot die Fahrt auf dem Rhein von Rotterdam bis Köln in knapp 6 Tagen zurückgelegt. Im Jahre 1813 zählte man 689, 1821 bereits 875 Schiffer; in dieser Zeit verdoppelte sich der Kölner Hafenumschlag von 3,2 auf 6,4 Millionen Zentner. Seit August 1825 gab es zwischen Köln und Rotterdam eine regelmäßige Schiffsverbindung auch für Passagiere. Am 11. Juni 1826 gründete das Bankhaus Sal. Oppenheim die „Preußisch-Rheinische Dampfschifffahrtsgesellschaft“, die im Mai 1827 mit zwei Dampfschiffen den Betrieb aufnahm. Diese wachsende Bedeutung von Köln als eine der größten Handelsstädte erforderte die Anlage eines neuen Kölner Hafens.

Das Werthchen an Rheinkilometer 687,5 spielte die zentrale Rolle bei der Planung des neuen Kölner Hafens. Die Kölner Handelskammer hatte 1847 darauf hingewiesen, dass die Stadt durch einen Rheinauhafen eine neue Werft erhalten werde. Stadtbaumeister Bernhard Wilhelm Harperath und Festungsingenieur Carl Schnitzler planten 1847 eine Verbindung des südlichen Teils der Rheininsel mit dem linken Rheinufer, um aus der Insel eine Halbinsel entstehen zu lassen. Die Bauarbeiten am Werthchen begannen noch 1847 und führten zur Schließung der südlichen Flusspassage. 1848 entwarf Johann Anton Wallé die Anlage eines Sicherheitshafens am Werthchen. Die Stadt wählte daraufhin das Gebiet rund um die Rheinauinsel „Werthchen“ als neues Hafenareal aus. Das hierdurch neu entstandene, nur von Norden her zu erreichende Hafenbecken wurde vollständig von Werftmauern eingefasst. Am 27. November 1852 erließ die Polizei eine „Verordnung über den Sicherheitshafen an der Rheinau“. Zwecks Überwachung der nördlichen Einfahrt wurde 1855 auf der Inselspitze der neugotische Malakoffturm fertiggestellt, der dem mittelalterlichen Bayenturm in seiner Gestaltung nachempfunden war.

mini|Rheinauhafen – Altes Hafenamt, März 2011

Bau des Rheinauhafens mini|Der Plan für den Hafen

Im Wettbewerbsentwurf von Josef Stübben und Karl Henrici war 1880 auch ein Vorschlag für den Bau des Rheinauhafens enthalten. Als 1881 Stübben zum Kölner Stadtbaumeister berufen wurde, konzentrierte er sich zunächst auf andere Bauprojekte. Die erst 1884 gegründete „Hafenreform-Commission“ wurde von Stübben geleitet und unterstützte die Pläne für den Hafenbau. Das von Stübben und Henrici geplante Südprojekt stieß bei der Eisenbahn zunächst auf Widerstand, doch nach langwierigen Verhandlungen stimmte sie dem Südprojekt zu.

Am 5. November 1885 entschied sich der Rat der Stadt Köln zugunsten des „Beckens am Bayen“ und favorisierte das Rheinauhafenbecken als Standort für einen neuen, vergrößerten Hafen. Zwischen 1886 und 1891 wurde die Werftmauer am Leystapel und am Zollhafen – heute Teil der Frankenwerft – sowie am heutigen Konrad-Adenauer-Ufer bis zur Machabäerstraße erneuert, dann folgte 1892 bis 1898 der eigentliche Rheinauhafen. Am 3. Juli 1891 beschloss der Rat den Hafenbau auf der Basis des Gesamtplans von Stübben und bewilligte hierfür knapp 20 Millionen Mark.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln. Band 2, 1991, S. 163. Die Bauarbeiten an den „Neuen Hafen- und Werftanlagen zu Köln“ begannen im Frühjahr 1892 mit Erdarbeiten und führten zu einer Vergrößerung der Gesamtanlage auf 26.200 m² bei einer 16.300 m² Nutzfläche der Lagerhäuser; zudem erfolgte eine komplette Neuanlage und Vergrößerung des Hafenbeckens auf 5,7 Hektar bei gleichzeitiger Erweiterung und Neugestaltung des festen Uferbereichs („Bayenwerft“ und „Holzwerft“) vor der alten Stadtgrenze. Die Uferlinie wurde dabei durch Anschüttung teilweise deutlich in den Rhein hinein verschoben: am stärksten an der Agrippinawerft in einer Breite von 105 Metern, an der Oberländerwerft 40 bis 90 Meter, am Leystapel und Frankenwerft bis 9,5 Meter, am Konrad-Adenauer-Ufer zwischen 25 und 35 Meter. Die „Bayenwerft“ verläuft bis zur Mechtildisrampe, von da an heißt sie bis zur Hafenmündung „Holzwerft“. Die Zollhafenwerft eröffnete im April 1888, das von Georg Eberlein entworfene Hafenzollamt („Hauptdienstgebäude“ mit differenzierten Giebeln, Walm- und Haubendächern auf Treppentürmen und Erkern) im Mai 1898.

Die neue Halbinsel entstand durch Anschüttung nebst Uferbefestigung mit Werftmauern an der Strom- und Beckenseite. Dadurch ergab sich eine Verbreiterung dieser neuen Halbinsel von bisher 40 Metern in der Mitte auf jetzt 75 Meter auf der gesamten Länge.Köln und seine Bauten. Verband Deutscher Architekten, 1888, S. 358 ff. (Online bei Google Books) Insgesamt ist der Rheinauhafen 850 Meter lang, in der Mitte 60 Meter, an den Enden 30 Meter breit. Das Zollamt verlegte seinen Sitz vom Rheinufer auf die Halbinsel, wo auch das Hafenamt und drei große Lagerhäuser Platz fanden.Adolf Klein: Köln im 19. Jahrhundert: Von der Reichsstadt zur Großstadt. 1992, S. 293 f. Nach Eröffnung der Drehbrücke im Rheinauhafen am 5. August 1896 fand am 14. Mai 1898 die feierliche Einweihung des neuen Rheinauhafens im Beisein der preußischen Minister Johannes von Miquel, Karl von Thielen, Eberhard von der Recke von der Horst und Ludwig Brefeld statt. Der Rheinauhafen erhielt einen Gleisanschluss mit 18 km Gleisen und 96 Weichen und besaß die modernsten technischen Hafeneinrichtungen Deutschlands.Otto Schneider: Köln als Schifffahrtsort vom Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Jahre 1913. 1928, S. 113. Am Südende des Hafenbeckens entstand das von Adam Sesterhenn geplante und mit verzierter Backsteinfassade, markantem Uhrenturm und Eckturm versehene und im Mai 1898 eingeweihte städtische Hafenamt, es folgte das Krafthaus zum Betrieb der hydraulischen Anlagen und ein Lokschuppen – südlich davon der Hafenbahnhof. Im Jahre 1898 überschritt der Hafenverkehr den Hafenumsatz von einer Million Tonnen, bei Vollendung des Industriehafens im Jahre 1907 betrug er schon 1,036 Millionen Tonnen, 1913 bereits 1,41 Millionen Tonnen.

Die nunmehr befestigte Halbinsel gliederte sich in den 510 Meter langen Zollhafen, was sieben damaligen Schiffslängen entsprach, im Nordosten und in das restliche Gelände mit Lagerhallen und Schiffswerften für privatwirtschaftliche Unternehmen. Zum Zollhafen gehörten die Hochbauten des staatlichen „Hauptdienstgebäudes“ an der Nordspitze gegenüber dem Malakoffturm, ferner das so genannte „kleine Dienstgebäude“ sowie die Lagerhallen 1, 2 und 3 (später Hallen 10, 11 und 12).

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