S-Klasse 60px|Royal Navy 30px|Marine nationale française (Französische Marine) 30px|Armada Portuguesa (Portugiesische Marine) 30px|חיל הים הישראלי (Israelische Marine) 30px|Koninklijke Marine (Königlich Niederländische Marine) 30px|Военно Морскоий Флот СССР (Sowjetische Seekriegsflotte) 300px|zentriert|HMS Saracen im Juli 1942 Allgemeine Daten Schiffstyp: U-Boot Marinen: Royal Navy Niederländische Marine (1) Sowjetische Marine (1) Israelische Marine (2) Portugiesische Marine (3) Marine Nationale (4)Bauwerften:Cammell Laird (Birkenhead) Chatham Dockyard (Chatham) Scotts SB & Eng. (Greenock) Vickers-Armstrongs (Barrow-in-Furness)Einheiten:62Technische Daten (Gruppe 3)Besatzung:48 MannVerdrängung:aufgetaucht: 814 – 872 tsDas uboat.net (Siehe: Weblinks) gibt für die Überwasserverdrängung der Seraph-Klasse 715 BRT an. Robert Hutchinson (Siehe: Literatur) gibt 865 ts an. Erminio Bagnasco (Siehe: Literatur) gibt 814 ts bis 872 ts an. getaucht: 990 tsDas uboat.net gibt für die Unterwasserverdrängung der Seraph-Klasse 990 BRT an. Hutchinson und Bagnasco geben 990 ts an.Länge:66,1 mBreite:7,2 mTiefgang:3,4 mAntrieb:Dieselmotoren: 1900 PS (1420 kW) Elektromotoren: 1300 PS (969 kW)Geschwindigkeit:aufgetaucht: 15 kn (28 km/h) getaucht: 10 kn (19 km/h)Fahrbereich:6000 NM (11112 km) bei 10 kn aufgetauchtTauchtiefe:110 mAlarmtauchzeit:25–30 SekundenBewaffnung(Gruppe 3)Artillerie:1 × 3″-L/50-(76-mm)-DeckgeschützFlugabwehr:1 × 20-mm-Flak 3 × .303″-(7,7-mm)-MGTorpedos:6 × 21″-(533-mm)-Rohre im Bug ein externes 21″-Rohr 13 Torpedos oder Seeminen
Die S-Klasse ist die meistgebaute britische U-Boot-Klasse und wurde hauptsächlich im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Die U-Boote wurden von der Royal Navy, aber auch von der niederländischen, sowjetischen, portugiesischen, französischen und israelischen Marine genutzt. Die letzten U-Boote der Klasse wurden erst in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre außer Dienst gestellt.
Baugeschichte Ende der 1920er-Jahre forderte die britische Marine einen Nachfolger der veralteten H-Klasse. Das geplante mittlere U-Boot war für Einsätze in begrenzten Gewässern wie der Nordsee und dem Mittelmeer gedacht und sollte die positiven Eigenschaften der H-Klasse, wie schnelle Alarmtauchzeit, hohe Manövrierbarkeit unter Wasser und leichte Handhabung beibehalten. Gefordert wurde aber eine höhere Überwassergeschwindigkeit, größere Fahrstrecke und stärkere Bewaffnung.
Der Entwurf der S-Klasse erfüllte die Bedingungen. 1929 wurde der Bauauftrag erteilt. Bis 1933 wurden vier Boote der ersten Baugruppe fertiggestellt. Danach folgten bis 1937 die acht etwas größeren Boote der zweiten Baugruppe.
Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die S-Klasse unter kriegswirtschaftlichen Bedingungen in Großserie gebaut. 1939 wurden fünf, 1940 dreizehn, 1941 fünfzehn, 1942 zwölf und 1943 neun weitere U-Boote der S-Klasse in Auftrag gegeben. Vier Aufträge wurden nach dem Kriegsende annulliert. Die im Krieg gebauten U-Boote waren leistungsfähiger und ihre Produktion war durch den Einsatz vorgefertigter Bauteile und modernerer Arbeitsmethoden effektiver. Die ersten Kriegsneubauten wurden im März 1942 in Dienst gestellt.Die Quellen uboat.net und Robert Hutchinson geben beim Datum der Indienststellung teilweise sehr unterschiedliche Daten an. Bagnasco gibt keine Datumsangaben für einzelne U-Boote an. Laut uboat.net wurde der erste Neubau P222 am 4. März 1942 in Dienst gestellt. Nach Hutchinson war der erste in Dienst gestellte Neubau die Safari am 15. Februar 1942. Der Text nimmt die Angaben aus dem uboat.net als Grundlage. Widersprüche werden über weitere Fußnoten erwähnt.
Zwischen 1939 und 1942 wurden vier Boote der aus der S-Klasse entwickelten Oruç-Reis-Klasse für die türkische Marine gebaut.
Bauwerften Die U-Boote wurden auf vier verschiedenen Werften in England und Schottland gebaut. Zwei U-Boote des dritten Bauloses wurden bei Scott’s auf Kiel gelegt, aber bei Vickers fertiggestellt. Sie werden in der Tabelle Vickers zugerechnet: BauwerftGruppe 1Gruppe 2Gruppe 3Gruppe 4GesamtCammell Laird in Birkenhead 3 17 15 35Chatham Dockyard (Marinewerft Chatham) in Chatham 4 4 3 11Scott’s Shipbuilding & Engineering Co. in Greenock 1 8 2 11Vickers-Armstrongs in Barrow-in-Furness 5 5 4 8 33 17 62
Aktive Einheiten Zwischen 1933 und dem Kriegsende im September 1945 wurden 60 Einheiten in Dienst gestellt. Bis Dezember 1945 folgten zwei weitere Einheiten. Im Zweiten Weltkrieg gingen 18 U-Boote verloren. Zwei wurden irreparabel beschädigt (siehe Verluste im Zweiten Weltkrieg). Beim Kriegsbeginn 1939 waren zwölf U-Boote im aktiven Dienst der Royal Navy. Nach schweren Verlusten waren zu Beginn des Jahres 1942 nur noch vier S-Boote aktiv. Durch die Kriegsneubauten erholte sich der Bestand ab 1942 recht schnell:Die Übersicht stellt lediglich das Verhältnis zwischen Abgängen durch Unfall oder Feindeinwirkung und den Zugängen durch Neubauten dar. Werftaufenthalte zur Überholung oder Modernisierung werden nicht betrachtet. Demzufolge war die Anzahl der real einsatzfähigen U-Booten geringer. links|320px 1. Januar 1933: 1 1. Januar 1934: 4 1. Januar 1935: 6 1. Januar 1936: 8 1. Januar 1937: 10 1. Januar 1938: 11 1. Januar 1939: 12 1. Januar 1940: 12 1. Januar 1941: 5 1. Januar 1942: 4 1. Juni 1942: 7 1. Januar 1943: 16 1. Juni 1943: 19 1. Januar 1944: 29 1. Juni 1944: 32 1. Januar 1945: 38 1. Juni 1945: 40 1. Januar 1946: 42
Konstruktive Merkmale Die Boote wurden zwischen 1930 und 1945 in vier Baugruppen gebaut. Die Unterschiede zwischen der dritten und vierten Baugruppe waren gering (Artilleriebewaffnung und Tankgröße), so dass sie oft zu einer Gruppe zusammengefasst werden.
Die zwei Propeller der Satteltank-U-Boote wurden durch einen klassischen Hybridantrieb aus zwei Dieselmotoren für die Überwasserfahrt und zwei Elektromotoren für den Tauchbetrieb angetrieben. Während die Unterwasserantriebsleistung bei allen Baugruppen mit 1300 PS (970 kW) gleich blieb, wurde die Überwasserantriebsleistung und die resultierende Geschwindigkeit mit Einführung der dritten Baugruppe gesteigert. HMS Sunfish besaß als einzige Vorkriegseinheit den verstärkten Dieselantrieb. Die Brennstoffbunker wurden ebenfalls vergrößert, wodurch auch die Fahrstrecke enorm gesteigert werden konnte.
Da die Konstrukteure einen negativen Einfluss auf den Magnetkompass befürchteten, wurden der komplette Kommandoturm und die Periskope britischer U-Boote dieser Zeit aus Bronze gefertigt. Dadurch waren die Sehrohre drei bis fünf Meter kürzer als die stählernen Konstruktionen aller anderen Marinen dieser Zeit, die auf Kreiselkompasse vertrauten. Durch die geringere Periskoptiefe lagen die U-Boote beim Einsatz des Sehrohres höher als deutsche, japanische oder amerikanische Boote. Sie waren dadurch schwerer zu manövrieren und es bestand ein höheres Risiko, dass sie ungewollt die Wasseroberfläche durchbrachen. Des Weiteren ging die amagnetische Konstruktion auf Kosten der Tauchtiefe, denn das höhere Gewicht der Zentrale wurde durch einen leichteren Druckkörper ausgeglichen.Peter Padfield: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. S. 39, siehe Literatur
Die U-Boote waren anfangs für eine Tauchtiefe von 95 m konstruiert. Die Rümpfe der im Krieg gebauten U-Boote wurden komplett geschweißt und verstärkt. Die zugesicherte Tauchtiefe konnte auf 110 m gesteigert werden. HMS Stubborn erreichte im Februar 1944 nach einem deutschen Wasserbombenangriff eine Tiefe von 165 m und konnte wieder auftauchen. Bei einem Zerstörungstest wurde 1948 die unbemannte HMS Stoic in 183 m Tiefe zerdrückt. Zum Vergleich hatten die deutschen Typ-VII-C/41-Boote eine Prüfungstauchtiefe von 200 m und eine errechnete theoretische Maximaltauchtiefe von 300 m.
Alle S-Boote waren von Anfang an mit aktiven und passiven akustischen Aufklärungsmitteln wie beispielsweise dem ASDIC-Gerät ausgestattet. Ab 1941 wurden die ersten Radar-Geräte eingebaut.
Die Hauptbewaffnung bestand aus sechs Torpedorohren von 21 inch (Zoll gleich 53,3 cm) Durchmesser im Bug, für die insgesamt zwölf Torpedos mitgeführt wurden. Alternativ war bei allen U-Booten auch der Einsatz von bis zu zwölf Seeminen möglich. Bei den U-Booten der dritten Gruppe wurde ein externes, auf See nicht nachladbares Rohr gleichen Kalibers im Heck montiert. Dadurch stieg die Anzahl der mitgeführten Torpedos auf 13 an. Einige Boote der zweiten Gruppe wurden mit dem zusätzlichen Torpedorohr nachgerüstet. Die Feuerleittechnik der Torpedowaffe war der Ausstattung deutscher und auch US-amerikanischer U-Boote weit unterlegen. Anfangs existierten nicht einmal Nachtzielgeräte. Dieser Nachteil wurde später durch den Einsatz von Radar teilweise ausgeglichen. Die Geräte zur Ermittlung der Feuerlösung waren verglichen mit den ausgefeilten deutschen Zielrechnern primitiv und unzuverlässig. Auch die Steuerung der Torpedos selber war schlechter als die der anderen Marinen. Deshalb mussten britische U-Boote häufig mit dem gesamten Rumpf zielen. Allerdings waren die britischen Aufschlagzünder und die Tiefensteuerung von Anfang an wesentlich zuverlässiger als die deutschen und US-amerikanischen Konstruktionen.
Die Artilleriebewaffnung bestand aus einem 3-Zoll-(76,2-mm)-L/50-Geschütz. Bei den U-Booten der zweiten Baugruppe wurde anfangs eine versenkbare Lafette für das Deckgeschütz genutzt. Diese Konstruktion wurde aber bald wieder entfernt und durch eine feste freistehende Lafette ersetzt. Bei den Einheiten der vierten Gruppe wurde ein 4-Zoll-(102-mm)-L/40-Geschütz in einer Brustwehr vor dem Turm montiert. Aus Gewichtsgründen wurde bei den meisten U-Booten des vierten Bauloses auf das externe Hecktorpedorohr verzichtet.
Als Luftabwehrbewaffnung dienten zwei bis drei 7,7-mm-Maschinengewehre, die vor dem Abtauchen demontiert wurden. Ab 1944 wurde auf einigen Einheiten zusätzlich eine 20-mm-Flugabwehrkanone von Oerlikon-Bührle nachgerüstet. Die Flak wurde auf einer Plattform ähnlich dem „Wintergarten“ der deutschen U-Boote hinter dem Turm montiert.
Die für den Kampf in Asien bestimmten Boote der vierten Baugruppe besaßen neben dem größeren Geschütz auch vergrößerte Treibölbunker und konnten bis zu 98 ts Dieselöl mitführen. Sie transportierten auch mehr Vorräte an Lebensmitteln und Süßwasser. Die räumlichen Verhältnisse auf diesen U-Booten waren derartig beengt, dass Munition sogar unter der Back in der Offiziersmesse gelagert wurde.
Technische Daten der Baugruppen im Vergleich 300px|mini|Deckgeschütz der Sunfish 1943 300px|mini|Swordfish 1939
Gruppe 1Gruppe 2Gruppe 3Gruppe 4Besatzung: 36 Mann 39 Mann 48 Mann ←Wasserverdrängung (über Wasser): 730 tsDas uboat.net gibt für die Überwasserverdrängung der Swordfish-Klasse 640 BRT an. Hutchinson gibt 730 ts an. Erminio Bagnasco gibt 737 ts an. 768 tsDas uboat.net gibt für die Überwasserverdrängung der Shark-Klasse 670 BRT an. Robert Hutchinson und Erminio Bagnasco geben 768 ts an. 865 ts ←Wasserverdrängung (getaucht): 927 tsDas uboat.net gibt für die Unterwasserverdrängung der Swordfish-Klasse 927 BRT an. Hutchinson und Bagnasco geben 927 ts an. 960 tsDas uboat.net gibt für die Unterwasserverdrängung der Shark-Klasse 960 BRT an. Hutchinson und Bagnasco geben 960 ts an. 990 ts ←Länge über alles: 61,70 m 63,58 m 66,08 m ←Breite (maximal): 7,28 m ← 7,19 m ←Tiefgang: 3,4 m ← ← ←Motorenleistung (aufgetaucht mit Dieselmotoren): 2 mal 775 PS ← 2 mal 950 PS ←Motorenleistung (getaucht mit Elektromotoren): 2 mal 650 PS ← ← ←Höchstgeschwindigkeit (über Wasser): 13,75 kn ← 15 kn ←Höchstgeschwindigkeit (unter Wasser): 10 kn ← ← ←Fahrbereich (über Wasser bei 10 kn): 3700 NM 3800 NM 6000 NM mehr als 6000 NMMaximale Tauchtiefe (Werksangabe): 95 m ← 110 m ←Deckgeschütz: 76 mm / L50 ← ← 102 mm / L40Torpedorohre: 6 ← 7 6
Einsatzgeschichte
1939 Zum Zeitpunkt des deutschen Überfalls auf Polen am 1. September 1939 verfügte die Royal Navy lediglich über 12 Einheiten der S-Klasse.