mini|250px|Welche Figur der unteren Reihe setzt die obere Reihe sinnvoll fort? Ein typisches Beispiel eines Matrizentests, richtige Lösung: d
Ein Intelligenztest ist ein Instrument der psychologischen Diagnostik zur Messung der Intelligenz einer Person. Da Intelligenz unterschiedlich definiert wird, gibt es sehr verschiedenartige Intelligenztests. Dabei geht man davon aus, dass Leistungsunterschiede in Intelligenztests auch Unterschiede der kognitiven Leistungsfähigkeit im täglichen Leben abbilden. Psychologische Tests werden als Hilfsmittel zum Finden einer optimalen Entscheidung im Rahmen verschiedener diagnostischer Fragestellungen eingesetzt. Die Erfassung der Intelligenz kann zum Beispiel für die Vorhersage von Berufserfolg oder Berufseignung (Personalauswahl oder Berufsberatung) oder für Empfehlungen einer Schulausbildung oder einer Studienwahl hilfreich sein. Verschiedene klinische Fragestellungen (Vorliegen von Erkrankungen wie Demenz oder Intelligenzminderungen oder die Anwendung beruflicher Rehabilitationsmaßnahmen) können die Erfassung der Intelligenz notwendig machen.
Am bekanntesten ist das Ergebnis einiger dieser Tests, der Intelligenzquotient (IQ). Umgangssprachlich werden daher Intelligenztests auch IQ-Tests genannt. Wegen der Gefahr der Verabsolutierung des IQ als Etikett einer Person (wie Körpergröße oder Gewicht – also unabhängig von einer konkreten Fragestellung) verwendet man diese Größe in der Fachsprache nicht mehr und greift auch auf andere Normskalen zur Beschreibung von Intelligenz-Leistungen zurück.
Intelligenztests sind zum Teil umstritten. Dies liegt unter anderem an der Vielzahl von Faktoren (Umwelt, Erbgut), von denen die Intelligenz beeinflusst wird, einer möglichen Verknüpfung mit der EugenikEdwin Black: War against the weak. Eugenics and America's plan to create a master race. Basic Books, New York 2003. und Zweifeln an der Objektivität.Stephen Jay Gould: The Mismeasure of Man. Norton, New York 1996.
Der erste Intelligenztest wurde von dem Franzosen Alfred Binet entwickelt, um Schüler mit besonderem Förderbedarf zu identifizieren und zu verhindern, dass diese der normalen schulischen Umgebung verwiesen und stattdessen in separaten psychiatrischen Kliniken unterrichtet werden.
Allgemeines
Intelligenz als Messgegenstand dieser Tests ist ein nicht direkt messbares Konstrukt.David G. Myers: Psychology. Worth Publishers, 2008, S. 405–406. Anders als zum Beispiel bei der Körpergröße ist die Bestimmung der Intelligenz mittels Intelligenztests immer mit einem Messfehler behaftet.Begabte Kinder finden und fördern – Ein Ratgeber für Elternhaus und Schule. Informationsbroschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Oktober 2003, S. 36. Es existiert kein Intelligenztest, der alle Teilbereiche der Intelligenz umfasst. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung umfassen die verschiedenen Tests „je nach zugrunde liegender Theorie und je nach Aufgabenzusammenstellung, mehr oder weniger verschiedene Bereiche der Intelligenz. Bei manchen Tests ist das Abschneiden […] zum Beispiel eher vom Vorwissen abhängig, bei anderen ist dieses eher bildungsunabhängig. Manche Tests erfassen nur eine Teilfähigkeit der Intelligenz (z. B. das abstraktlogische Denken), andere erfassen eine Vielzahl verschiedener Fähigkeiten […]. Dennoch wird das Ergebnis bei fast allen Tests als Intelligenzquotient (IQ) ausgedrückt. Oberflächlich gesehen könnte man daher denken, es handele sich um dieselben erfassten Fähigkeiten. Doch Vorsicht: IQ ist nicht gleich IQ, und es gibt auch nicht den IQ-Test!“Begabte Kinder finden und fördern – Ein Ratgeber für Elternhaus und Schule. Informationsbroschüre des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Oktober 2003, S. 12–13.
Man kann das Intelligenzkonstrukt, auf dem klassische Intelligenztests beruhen, laut Jens Asendorpf folgendermaßen charakterisieren: „Intelligenz ist, was Intelligenztests messen, die so konstruiert wurden, dass sie das Bildungsniveau möglichst gut vorhersagen, oder kurz: Intelligenztests messen die Befähigung zu hoher Bildung.“Jens Asendorpf: Persönlichkeitspsychologie. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2009, S. 80–81.
Andere wesentliche Persönlichkeitsdimensionen, wie die emotionale Intelligenz, werden durch den Intelligenztest nicht erfasst.
Normskalen für die Intelligenzmessung
Intelligenztests werden mit entsprechend großen Gruppen von Versuchspersonen so entwickelt, dass dabei eine Normalverteilung entsteht. Nach Rosemann ist die Normalverteilung der Intelligenz ein idealtypisches Modell. Demnach gelten Tests, die eine andere Verteilung der Ergebnisse zeigen, als schlecht konstruiert.Herrman Rosemann: Intelligenztheorien. Rowohlt Verlag, 1979, S. 53/54.
Der Intelligenzquotient (IQ) bekommt den Mittelwert 100, wobei die Standardabweichung 15 beträgt:
(HAWIE und HAWIK Hamburg-Wechsler-Intelligenztest)
Eine andere gebräuchliche Größe sind die Standardwerte (SW), die manchmal mit dem IQ verwechselt werden. Hier ist der Mittelwert ebenfalls 100, die Standardabweichung aber 10.
(IST Intelligenz-Struktur-Test nach Rudolf Amthauer)
Beim Vergleich der Werte verschiedener Intelligenztests ist zu beachten, dass unterschiedliche Leistungsanforderungen (siehe Validität von Intelligenzmessungen) die Aussagefähigkeit der Tests ebenso bestimmen wie die Verwendung unterschiedlicher Normierungsstichproben (z. B. unterschiedliche Repräsentativität für die Gesamtbevölkerung), auf die sich der gemessene Wert für Intelligenz bezieht.
Arten von Intelligenztests
Intelligenztests sind jeweils auf eine Intelligenztheorie bezogen, die bei der Interpretation eines Ergebnisses beachtet werden muss. Entsprechend gibt es Tests zur Erfassung einer allgemeinen Intelligenz oder von Komponenten (Faktoren, Dimensionen) der Intelligenz.
Der Binet-Simon-Test
Alfred Binet und Théodore Simon entwickelten 1905 den ersten brauchbaren Intelligenztest, dessen Grundideen sich in allen modernen Tests wiederfinden. Der Binet-Simon-Test bestand aus einer Reihe von einzelnen, aber verschiedenartigen Aufgaben (Subtests). Die Aufgaben hatten einen ansteigenden Schwierigkeitsgrad, um möglichst trennscharf für die jeweilige Altersgruppe lösbar zu sein. Die Zahl der gelösten Aufgaben wurde zu einem Punktwert addiert. Die Aufgaben selbst stellen zum Teil einfache Fragen und Probleme des Alltags dar. Teils handelt es sich um logische oder mathematische Aufgaben (zum Beispiel das Ergänzen von Zahlenreihen). Bereits die ersten Tests umfassten auch das Messen der Gedächtnisspanne. Um den Test auszuführen, war es notwendig, die sprachlichen Anweisungen zu verstehen. Daraus ergibt sich die berechtigte methodische Kritik, dass Personen, die diese Anweisung nicht oder nur ungenügend verstehen, schon aus diesem Grund bei einem Intelligenztest schlechter abschneiden.
Allgemeine Intelligenz
Der Begriff Allgemeine Intelligenz bezieht sich auf das Generalfaktormodell von Charles Spearman. Dafür werden beispielsweise der Zahlen-Verbindungs-Test (ZVT) von Wolf D. Oswald und Erwin Roth oder die Matrizentests von John C. Raven verwendet.
Kristallisierte (kristalline) und fluide Intelligenz
Diese Gegenüberstellung geht auf den britisch-amerikanischen Psychologen R. B. Cattell zurück und bedeutet die Unterscheidung von Problemlösefähigkeit (Fähigkeit, Problemstellungen zu lösen und sich an neue Problemstellungen anzupassen) – als fluide Intelligenz und Wissen (die früher erworbenen Wissensbestände und Lernprozesse als bildungsabhängige Komponente) – als kristallisierte Intelligenz (Original: crystallized).David G. Myers: Psychologie. Springer, Heidelberg 2005. Weist eine Person unterschiedliche Ausprägungen in beiden Bereichen auf, können sowohl in der Klinischen Psychologie (z. B. Abbaudiagnostik) als auch in der Entwicklungspsychologie (z. B.: Liegt ein fähigkeitsentsprechender Bildungsstand vor?) wichtige Schlüsse gezogen werden. Diese Fähigkeiten werden insbesondere in den von Alan S. Kaufman entwickelten Tests gemessen. Es ermöglicht eine Differenzierung von den Fertigkeiten, erworbenes Wissen und die grundlegenden, fluiden Fähigkeiten in Problemlösungen einzusetzen. Der bekannte Test für Kinder von zweieinhalb bis zu zwölfeinhalb Jahren ist die Kaufman Assessment Battery for Children (K-ABC). Hier ist eine Unterscheidung zwischen fluider Intelligenz, kristallisierter Intelligenz und Fertigkeiten (wie Buchstabieren oder erworbenem Umweltwissen) möglich. Der K-ABC enthält eine Skala für nicht sprachgebundene Untertests, die einen Wert bieten, wenn sprachliche Fähigkeiten beeinträchtigt sind. Für Jugendliche und Erwachsene steht seit 1997 der Kaufman-Test zur Intelligenzmessung für Jugendliche und Erwachsene (K-TIM) zur Verfügung.
Ravens Progressive Matrizen
1938 entwickelte John C. Raven ein kulturunabhängiges, sprachfreies Verfahren, genannt Progressive Matrizen,J. C. Raven: Progressive Matrices. Lewis, London 1938. das Verzerrungen für Testpersonen aus fremden Kulturen ausschließen sollte. Jedoch hat sich diese Hoffnung auf völlig kulturunabhängige Tests nicht erfüllt, da die Kritiker von IQ-Tests gute Gründe dafür anführten, dass sich kulturell unterschiedliche Denkstile und kulturelle Erfahrungen nicht auf nur sprachliche Unterschiede reduzieren lassen. Es stellte sich heraus, dass ein Rest an „Kultur-Konfundierung“ auch bei weitgehend sprachfreien Tests erhalten bleibt.H.-M. Süß: Culture fair. In: K. D. Kubinger. R. S. Jäger (Hrsg.): Stichwörter der Psychologischen Diagnostik. Beltz, Weinheim 2003.
Verbale und praktische (Handlungs-)Intelligenz
Diese Unterteilung beruht auf dem Intelligenzkonzept von David Wechsler, der Intelligenz als „die zusammengesetzte oder globale Fähigkeit des Individuums (bezeichnet,) zielgerichtet zu handeln, rational zu denken und sich wirkungsvoll mit seiner Umwelt auseinanderzusetzen“.D. Wechsler: Die Messung der Intelligenz Erwachsener. Verlag Hans Huber, Bern 1956, S. 13. Die von Wechsler in der ursprünglichen Version vorgenommene Unterteilung der Intelligenz in Verbal- und Handlungsintelligenz ist dabei lediglich eine der vielen möglichen Gliederungen dieses komplexen Konstrukts. Sie hat keine theoretisch geleitete Grundlage, sondern ist vielmehr pragmatisch motiviert; alternative Konzeptionen sind mithin keineswegs ausgeschlossen.David Wechsler: WISC-IV – Manual 1. deutsche Bearbeitung von Franz und Ulrike Petermann. Pearson Assessment, Frankfurt am Main 2010.
Wechslers in den 1950er-Jahren entwickelte Testreihe prüft in elf Teiltests Allgemeinwissen, Wortschatz, rechnerisches Denken, audio-visuelle Aufnahmefähigkeit und Abstraktionsvermögen. Der vom Hamburger Psychologen Curt Bondy modifizierte Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE, früher HAWIE) ist heute ein gebräuchlicher Test für Probanden zwischen 16 und 74 Jahren. Analog dazu gibt es einen Test für Kinder zwischen 6 und 16 Jahren (WISC, früher HAWIK). Eine weitere Revision von 1983 wird durch ein angehängtes „-R“ gekennzeichnet. Der Kindertest liegt inzwischen in einer weiter überarbeiteten Version (WISC-IV, letzte Auflage 2010) vor. Die Wechsler Preschool and Primary Scale of Intelligence (WPPSI-III, letzte Auflage 2011), früher unter der Bezeichnung Hannover-Wechsler Intelligenztest für das Vorschulalter (HAWIVA) erhältlich, ermöglicht darüber hinaus die Testung von Kindern zwischen 3 Jahren und 7 Jahren, 2 Monaten.