Die Kroaten in Deutschland () sind mit 435.381 Personen (3,5 %) kroatischer Staatsangehörigkeit die siebtgrößte Ausländergruppe (Stand: 31. März 2022). Unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit können sich auch Personen kroatischer Abstammung als Kroaten in der Diaspora verstehen.
Geschichte Vor und während des Zweiten Weltkriegs Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte nur eine geringe Zahl von Kroaten in Deutschland. Es handelte sich überwiegend um Arbeiter im Bergbau und der Industrie. Während des Krieges wurden kroatischen Fremdarbeiter für den Bergbau angeworben. Ihre Zahl betrug im Jahr 1944 knapp 8.000 Personen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg (Politische Emigration) Zum Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Kroaten als politische Flüchtlinge aus dem nun kommunistischen Jugoslawien. Es handelte sich um gemäßigte und radikale Antikommunisten, darunter auch Personen die den kroatischen Faschismus unterstützt hatten. Zusammen mit den vor allem als Fremdarbeiter bereits Eingewanderten, gab es so etwa 10.000 in Deutschland lebende Kroaten. Die zumeist katholischen kroatischen Einwanderer und die deutschen Diözesen gründeten die ersten katholischen Gemeinden für Kroaten, die kroatischen Missionen.Winterhagen 2013, S. 81 (s. Literatur)
Zeit des Zweiten Jugoslawien (Arbeitsmigration) Die meisten Kroaten der ersten Generation kamen in den 1960er Jahren als jugoslawische Gastarbeiter nach Deutschland. Besonders viele kamen ab 1968, als das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Jugoslawien beschlossen wurde. Während des Kroatischen Frühlings, bei dem unter anderem auch gegen die Politik, welche die massive Abwanderung von Kroaten aus ihrer Heimat ins Ausland förderte, protestiert wurde, kamen auch zahlreiche vom jugoslawisch-kommunistischen Regime politisch verfolgte Exilkroaten nach Westdeutschland.
Die zweite Generation wurde in den 1970er Jahren in Deutschland geboren oder zog im Rahmen der Familienzusammenführung in späteren Jahren nach.
Jugoslawienkriege (Fluchtmigration) Etwa 15 % der Kroaten kamen zwischen 1991 und 1995 während des Kroatien- und des Bosnienkriegs nach Deutschland. Nach einer Studie von UNHCR und IOM aus dem Jahr 1996 lag der Anteil der kroatischen Flüchtlinge und Vertriebenen aus Bosnien und Herzegowina in Deutschland bei 14,84 % (etwa 52.000 Personen) von insgesamt etwa 350.000 (77,30 % Bosniaken)„Zur sozialen Struktur der bosnischen Kriegsflüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland“, . Ein Teil blieb auf Dauer, die meisten zogen jedoch wegen aufenthaltsrechtlicher Gründe wieder zurück nach Bosnien und Herzegowina oder in Drittstaaten. Allein im Zeitraum von 1996 bis 1999 zogen etwa 6000 Kroaten aus Bosnien und Herzegowina aus Deutschland in die USA und etwa 5600 nach Kanada und Australien.
Bevölkerungsbewegungen Strukturelle Angaben über Gastarbeiter in Westeuropa und den Anteil kroatischer und anderer Bevölkerungsgruppen des ehemaligen jugoslawischen Vielvölkerstaates während der letzten 35 Jahre.
Migration Quelle: Gesamtzahl der Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien in Westeuropa aus Kroatien aus Bosnien-Herzegowina in Deutschland Volkszählung 1971Quelle: Savezni zavod za statistiku, Beograd 790.500 Arbeiter 6,1 % der Bevölkerung bzw. 308.295 oder. 38,3 % insgesamt aus Jugoslawien (Bevölkerungsanteil 22,2 %) 4,8 % der Bevölkerung ? 1973Zensus von 1971 1.110.000 (860.000 Arbeiter + 250.000 Familienmitglieder) 295.000 Arbeiter bzw. 34,4 % + Familienmitglieder 141.000 Arbeiter + Familienmitglieder 55 % aller bzw. 605.000 (473.000 Arbeiter und 137 500 Familienmitglieder) Anfang 1981Angaben der Länder in denen ehemalige jugoslawische Bürger sich aufhielten 1.100.000 (700.000 + 400.000 Familienmitglieder) „mindestens etwa 1/3“, („Vjesnik“, 10. April 1982) ? ? Volkszählung 1981Quelle: Savezni zavod za statistiku, Sowie Angaben aus dem stat. bilten br. 1239, Beograd 815.000 (578.000 + 237.000 Familienmitglieder) 189.000 (135.000 + 54.000 Familienmitglieder), bzw. 23,19 % aller ? ? 1986„Der Fischer Weltalmanach“, 1989 ? ? ? 591.000 insgesamt aus Jugoslawien 1991„Der Fischer Weltalmanach“, 1994 ? ? ? 775.082 insgesamt aus Ex-Jugoslawien 1992wie zuvor ? ? ? 915.636 insgesamt aus Ex-Jugoslawien 2005wie zuvor ? 228.926 156.872 1.729.091 insgesamt aus Ex-Jugoslawien 2006wie zuvor ? 227.510 157.094 1.452.701 insgesamt aus Ex-Jugoslawien
Quelle: „Crkva i hrvatsko iseljeništvo“, Kršćanska sadašnjost, Zagreb, 1982 / „Vjesnik“, 14. Mai 2001.„Vjesnik“ 14. Mai 2001, Statistički ured, Wiesbaden, 2005.
Aktuelle Situation Anzahl Am 31. Dezember 2017 lebten in Deutschland 368.000 kroatische Staatsangehörige. Beim Zensus 2011 wurde die Zahl der Kroaten in Deutschland noch mit 330.730 beziffert. Beim Mikrozensus stieg diese Zahl von 324.000 (2011) auf 407.000 (2015), wobei zwischen Zensus und Mikrozensus Unterschiede in der Definition des Migrationshintergrundes bestehen. Der Kroatische Weltkongress in der Bundesrepublik Deutschland (KWKD) spricht von ca. 400.000 Kroatischstämmigen in Deutschland. Die vorherige konstante Abnahme der kroatischen Staatsbürger in der Bundesrepublik Deutschland erklärt sich zum einen durch die verstärkte Rückkehr nach Kroatien, zum anderen entscheiden sich viele, insbesondere junge und gut ausgebildete Menschen kroatischer Abstammung, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Mit dem Beitritt Kroatiens in die EU 2013 ist die Zahl der kroatischen Staatsbürger in Deutschland wieder angestiegen.
Ältere Angaben des statistischen Bundesamtes (kroatische Staatsangehörige): 2011: 220.199 2009: 221.222 2008: 223.056 2007: 225.309 2006: 227.510 2005: 228.926 2004: 229.172 2003: 236.570 2002: 230.987 2001: 223.819 1994: 176.251 1993: 153.146
Verteilung auf die Bundesländer Angaben des Statistischen Bundesamtes vom 31. Dezember 2014Seite 99
Anzahl der Kroaten in deutschen BundesländernNr. Bundesland Personen 1. Baden-Württemberg 82.092 2. Bayern 64.163 3. Berlin 9.692 4. Brandenburg 471 5. Bremen 1.167 6. Hamburg 5.668 7. Hessen 38.322 8. Mecklenburg-Vorpommern 260 9. Niedersachsen 11.405 10. Nordrhein-Westfalen 41.043 11. Rheinland-Pfalz 8.668 12. Saarland 1.005 13. Sachsen 614 14. Sachsen-Anhalt 435 15. Schleswig-Holstein 2.129 16. Thüringen 189
Verteilung auf die Städte Angaben für das Jahr 2005
Anzahl von Kroaten in Großstädten Stadt Personen München ⁴ 36.655 Stuttgart 29.600 Frankfurt am Main 16.075 Berlin 13.282 Nürnberg ⁶ 5.898Einwohner nach häufigsten Nationalitäten der Europäischen Union auf online-service2.nuernberg.de, vom Dezember 2022, abgerufen am 6. März 2023 Mannheim 5.458 Hamburg 4.585 Düsseldorf ¹ 3.550 Hannover ⁵ 3.405 Köln 2.854 Karlsruhe 2.423 Augsburg ³ 2.237 Offenbach am Main 1.999 Essen ² 1.944 Pforzheim ¹ 1.481 Wiesbaden 1.263 Wuppertal 1.183 Ulm 1.107 Freiburg ¹ 1.037 Darmstadt ¹ 751 Heidelberg 326
¹31. Dezember 2004, ²30. Juni 2006, ³31. Dezember 2007, ⁴31. Dezember 2017 ⁵31. Dezember 2018 ⁶31. Dezember 2022
Unter den Landkreisen und Kreisfreien Städten in der Bundesrepublik hatte beim Zensus 2011 Stuttgart den größten Anteil von Migranten aus Kroatien an der Bevölkerung, gefolgt von Pforzheim.Kartenseite: Kroaten in Deutschland - Landkreise Abgerufen am 31. März 2017
Aufenthaltsdauer Die Aufenthaltsdauer am 31. März 2018 ergibt sich aus dem Zeitraum zwischen dem Datum der ersten Einreise in Deutschland bis zur letzten Ausreise oder bis zum Stichtag mit Berücksichtigung von Unterbrechungen (Auslandsaufenthalte sind herausgerechnet).
Netto-Aufenthaltsdauer in Jahren unter 1 1 bis 4 4 bis 6 6 bis 8 8 bis 10 10 bis 20 20 bis 30 30 und mehr nicht berechenbar Gesamt Personen: 37.746 104.975 18.442 4.210 3.058 20.793 48.571 97.413 40.724 375.932 In %: 10,04 27,92 4,90 1,12 0,81 5,53 12,92 25,91 10,83 100
Bei den meisten Personen, die in den letzten Jahren nach Kroatien zurückkehren, handelt es sich um Menschen in der Altersrente, die in den 1960er und 1970er Jahren nach Deutschland gekommen sind.
Schüler Laut einer Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung über den Anteil an Ausländern in Schulen im Jahr 1994 gab es für kroatische Schüler bundesweit die folgende Verteilung: 46,5 % besuchten Grundschulen 53,3 % besuchten weiterführende Schulen
Auf die weiterführenden Schulen verteilen sich die kroatischen Schüler wie folgt:
42,2 % besuchten das Gymnasium 49,5 % besuchten die Realschule 8,3 % besuchten die Hauptschule
Religion mini|Fronleichnamsprozession der kroatischen katholischen Mission in Freiburg im Breisgau (2017). Im Jahr 2008 gab es 97 kroatische katholische Missionen, in denen 89 Priester, 5 Diakone, 61 Pastoralmitarbeiter/-innen und 32 Sekretärinnen tätig sind. Ihnen widmet sich die Kroatenseelsorge in Deutschland.
Persönlichkeiten kroatischer Abstammung in Deutschland (Auswahl)
Film und Fernsehen
Stipe Erceg, Schauspieler Werner Herzog, Regisseur Miroslav Nemec, Schauspieler Valentina Pahde, Schauspielerin Cheyenne Pahde, Schauspielerin
Musik
Vanessa Mai, Sängerin Sandra Nasić, Sängerin Jasmin Wagner, Sängerin
Sport
Fußball: Ivica Banović, Zlatko Čajkovski, Ivo Iličević, Ivan Klasnić, Niko Kovač, Robert Kovač, Marijo Marić, Zdenko Miletić, Marin Pongračić, Robert Prosinečki, Stiven Rivić, Borna Sosa, Josip Stanišić, Angelo Stiller, Filip Tapalović, Edin Terzić, Jeremy Toljan, Martina Tufeković, Boris Vukčević Handball: Velimir Kljaić, Blaženko Lacković, Zvonimir Serdarušić, Vlado Stenzel, Boxen: Nikki Adler, Stipe Drviš, Željko Mavrović Tischtennis: Dragutin Šurbek Tennis: Nikola Pilić
Journalismus Doris Akrap, Journalistin Jagoda Marinić, Kolumnistin
Politik
Josip Juratovic, Mitglied des deutschen Bundestages (SPD) Irene Mihalic, Mitglied des deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen)
Literatur
Siehe auch Deutsch-kroatische Beziehungen Kroatische Botschaft in Berlin Kroatischer Weltkongress in Deutschland
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kroatische Diaspora Kategorie:Immigration (Deutschland) Kategorie:Ethnische Minderheiten in Deutschland Kategorie:Deutsch-kroatische Beziehungen