miniatur|hochkant|Sadegh Chalchali Sadegh Chalchali (; * 24. Juli oder 27. Juli 1926 in Givi, Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik, Sowjetunion; † 26. November 2003 in TeheranSadeq Khalkhali auf www.britannica.com, abgerufen am 9. Juli 2019.), auch Chalkali, Khalkali oder Khalkhali, war ein schiitischer Geistlicher und der bekannteste Richter der islamischen Republik Iran. V. S. Naipaul schrieb über die Arbeitsteilung an der Spitze der islamischen Republik Iran: „Chomeini empfing und predigte und segnete; Chalchali hängte.“V. S. Naipaul: Eine islamische Reise. Unter den Gläubigen. Übersetzt von Karin Graf. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1982, ISBN 3-462-01527-3, S. 61. Er gehörte der Volksgruppe der Aserbaidschaner an.
Anfänge Chalchali, am 24. Februar 1979 nach der Iranischen Revolution von Ruhollah Chomeini zum Obersten Richter der Revolutionsgerichte ernannt, trat mit Standgerichten für die rasche und erbarmungslose Umsetzung der islamischen Gesetze auf. Amir Abbas Hoveyda, der ehemalige iranische Ministerpräsident, war eines seiner prominentesten Opfer. Blutrichter Chalchali, stets mit Pistole auftretend, wurde am 25. Juni 1979 vom Revolutionsrat aufgrund zahlreicher Beschwerden über seinen rohen und sadistischen Stil, Urteile zu fällen, zeitweise abgelöst, von Chomeini danach jedoch zu den Aufständen nach Kurdistan und Kermanschah berufen.
Chalchali folgte den Ausführungen Chomeinis, der in seinen Schriften das islamische Rechtssystem mit den Worten pries: sowie
Chalchali war der islamische Richter, der Chomeinis Vollstrecker der Scharia werden sollte. Imam Chomeini, so Chalchali, hat mich persönlich beauftragt, alle Rechtsfragen der Revolution zu behandeln und zu entscheiden. Es gibt auch noch andere Revolutionsrichter, aber ich habe eine besondere Stellung, ich bin mit Spezialaufgaben betraut ... Ich habe mehr Fälle erledigt als alle anderen Richter zusammen. Zuständig bin ich für den ganzen Iran. Interview: Der Spiegel, Nr. 50/1979. Seite 142.
Medienauftritte Chalchali verurteilte öffentlichkeitswirksam Mohammad Reza Pahlavi in Abwesenheit zum Tode.Christopher de Kretser: Die Zeit, Nr. 36 vom 31. August 1979 Nach der gescheiterten Operation Eagle Claw, zur Befreiung der amerikanischen Geiseln, beschlagnahmte Chalchali die acht Leichen, um sie vor der amerikanischen Botschaft zur Schau zu stellen. Josef Joffe und Michael Naumann: Die Zeit, Nr. 19 vom 2. Mai 1980. Chalchali ließ die Grabstätte von Reza Schah Pahlavi im Mai 1979 sprengen und das Gelände mit Bulldozern einebnen. Chalchali hatte ebenfalls vor, Persepolis und die Grabstätte Abū l-Qāsem-e Ferdousī zu zerstören, wurde aber durch die Provinzregierungen davon abgehalten.
Zitate Chalchalis Chalchali verstand sich als gerechter Richter, der nur die islamischen Gesetze zur schnellen und korrekten Anwendung brachte:
Opfer Die Blutspur Chalchalis und seiner Schnellgerichte zog sich durch sämtliche aufständische Provinzen, in Teheran ließ er extra Galgen errichten. Er selber rühmte sich, mehr als 400 Menschen zum Tode verurteilt zu haben. Über die tatsächliche Zahl seiner Opfer wird gestritten, mehrere Hunderte bis Tausende, die unbestätigte Zahl von 8.000 wird öfter genannt, dürfte jedoch zu hoch gegriffen sein. Nach Greussing Kurt Greussing: Neue Politik, alter Despotismus. Perspektiven der islamischen Revolution im Iran. In: Religion und Politik im Iran. 1981 sind vom Februar 1979 bis zum Attentat auf die IRP-Zentrale am 28. Juni 1981 „mindestens 1.600 Menschen“ vom Regime hingerichtet worden.
Am 28. August 1979 wurden in der Provinz Kurdistan 109 Kurden von Chalchali zum Tode verurteilt; die Erschießung wurde sofort vollstreckt. Amir Taheri Amir Taheri: Chomeini und die islamische Revolution. Hoffmann und Campe. Hamburg 1985 berichtet von einer Verurteilung von 53 Verhafteten innerhalb einer 30-minütigen Verhandlung auf dem Flughafen von Sanandadsch zum Tode. Der Pulitzer-Preisträger Jahangir Razmi, der davon Aufnahmen machte, zählte jedoch 11 Gefangene, die erschossen wurden.
Ende Im Juni 1981 kam Chalchali in den Verdacht der Unterschlagung und wurde vom Posten des obersten Revolutionsrichters abgelöst. Danach gelang ihm noch die Wahl in das iranische Parlament. Später, nach dem Tode seines Mentors und Revolutionsführers Chomeini, wurde er auf den Posten eines Verkehrsrichters abgeschoben.
Literatur Christopher de Kretser: Die Zeit. Nr. 36 vom 31. August 1979. Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch. 5 Jahre Revolution. Libertäre Assoziation, Hamburg 1983, ISBN 3-922611-51-6. Kurt Greussing: Neue Politik, alter Despotismus. Perspektiven der islamischen Revolution im Iran. In: Kurt Greussing: Religion und Politik im Iran. Syndikat Autoren- und Verlags-Gesellschaft, Frankfurt am Main 1981, ISBN 3-8108-0175-5 (Mardom nameh – Jahrbuch zur Geschichte und Gesellschaft des Mittleren Orients). Josef Joffe, Michael Naumann: Die Zeit. Nr. 19 vom 2. Mai 1980. Amir Taheri: Chomeini und die islamische Revolution. Hoffmann und Campe, Hamburg 1985, ISBN 3-455-08237-8. Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer. Ein Porträt des Iran. Aus dem Englischen von Sigrid Langhaeuser, Verlag C. H. Beck, München 2006 (engl. Originalausgabe: London 2004), S. 49–51 und 101.
Weblinks Artikel im Telegraph (englisch) Artikel im Guardian (englisch) Aufnahmen von Jahangir Razmi (englisch)
Quellen
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