220px|rechts Unicable ist ein Verfahren zur Verteilung von Satellitenfernsehsignalen in einer Sat-Anlage. Dabei können mehrere Receiver (aktuell mit EN 50607 maximal 32) an nur eine einzige Ableitung angeschlossen werden, was bei einer konventionellen Sat-ZF-Verteilung (Sternverteilung im Multischalter-Betrieb) nicht möglich ist. Die Antennendosen können beliebig aufgeteilt werden, in Reihe oder Parallel mit einem Verteiler. Wichtig ist, dass bei der Reihenschaltung sogenannte Durchgangsdosen genommen werden müssen. Damit eignet sich die Unicable-Technologie besonders für den Umstieg von Kabelfernsehen auf Satellitenempfang. Im Gegensatz zu gängigen Einkabelsystemen mit eingeschränkter Programmauswahl steht bei Unicable das volle Programmspektrum zur Verfügung (egal ob SD-, HDTV-, 3D- und/oder UHD-TV). Maximal zwei Satelliten können auf diese Art über Unicable eingespeist werden.
Unicable ist ein geschützter Markenname der FTA Communications SARL (deren Handelsmarken sind z. B. „Inverto“ und „Lemon“). Er wird im deutschen Sprachraum häufig gleichgesetzt mit dem europäischen Einkabelstandard (SCR) oder (CSS). Bei Unicable handelt es sich jedoch lediglich um eine zum Standard SCR/CSS CENELEC EN 50494 kompatible Implementierung des Markeninhabers. Der Nachfolgestandard der EN 50494, JESS (JULTEC's Enhanced Stacking Standard), den die Firma JULTEC im Jahr 2011 eingeführt und dann zum aktuellen Einkabelstandard EN 50607 (Europanorm seit 2014) gebracht hat, wird oft als Unicable 2 bezeichnet.
Funktion Es wird nicht das komplette Frequenzband übertragen, sondern jedem Receiver steht eine bestimmte Frequenz, das , abgekürzt UB, im Sat-Frequenzbereich (950–2400 MHz) zur Verfügung. Über spezielle DiSEqC-Signale teilt ein Receiver der Verteileinheit (LNB oder Multischalter) Ebene und Transponder des gewünschten Programmes mit. Der Transponder wird dann auf das UserBand des Receivers umgesetzt. Zum Ansteuern eines Unicable-LNBs sind spezielle DiSEqC-Schaltsignale nötig, weshalb nur DVB-S-Receiver, die diesen Standard unterstützen, in einem solchen System funktionieren. Die Grundlage für diese Technik ist eine im Jahre 2004 erlassene europäische Norm (EN 50494). Prinzipiell können also alle Receiver, die diese Norm erfüllen, in einem Unicable-System betrieben werden. Umgekehrt sind diese SCR-Receiver (Satellite channel router) bzw. CSS-Receiver (Channel Stacking System) an allen anderen Sat-Anlagen betreibbar.
Die SCR- bzw. CSS-Implementierungen verschiedener Hersteller können sich in der Anzahl und Verteilung der zugewiesenen Frequenzblöcke unterscheiden (genannt „Unicable-Frequenz“). Diese Frequenzblöcke müssen häufig bei der Installation des Receivers manuell eingestellt werden, sie können jedoch auch durch einen im Standard genannten Algorithmus automatisiert zugewiesen werden. Jede verfügbare Unicable-Frequenz darf nur einem Receiver zugeordnet werden, wodurch die Anzahl der verfügbaren Unicable-Frequenzen damit auch die Gesamtanzahl der zu installierenden Receiver angibt (Unicable-LNBs = max. vier Unicable-Frequenzen/Unicable-Multischalter = max. acht Unicable-Frequenzen). Ein Twin-Receiver muss als zwei Receiver gezählt werden, da er zwei Tuner/Empfangsteile integriert hat. Jedem Tuner/Empfangsteil des Receivers muss eine eigene Unicable-Frequenz zugeteilt werden, um eine getrennte und fehlerfreie Nutzung zu ermöglichen.
Zur Identifikation der Frequenzblöcke gibt es einen speziellen Anschaltbefehl, bei dem alle freien Frequenzblöcke mit einem Dauerton (Bake) angeschaltet werden. Hier muss der Tuner bzw. Receiver durch einen Blindscan die Baken erkennen. Da zur Kommunikation zwischen Receiver und Multischalter kein Rückkanal vorgesehen ist, müssen die Möglichkeiten des Multischalters explizit abgefragt werden. Der Multischalter „antwortet“ dann mittels der Bake in der Mitte des angeforderten Bandes (= ja, vorhanden, frei) bzw. um 20 MHz frequenzversetzt (= nein, nicht vorhanden, abgelehnt), was wiederum vom Receivertuner ausgewertet werden muss. So können der Reihe nach alle Parameter des Multischalters abgefragt werden.
Bei einer automatisierten Installation kann der Tuner u. a. also die Zuweisung eines Frequenzblockes erbitten, der Multischalter antwortet dann mit dem „ja-“ bzw. frequenzversetzten „nein“-Ton. Die Anfragen werden dann ggf. so lange modifiziert, bis alle gewünschten Einstellungen zwischen Receiver und Multischalter synchronisiert wurden. Problematisch ist dabei, dass andere sich in Betrieb befindende Empfangsgeräte während dieser Installation gestört werden.
Die Zuverlässigkeit der Tonbakenerkennung hängt von den im Empfangsgerät verwendeten Tuner/Demodulator-Bausteinen und von den Pegelverhältnissen (insbesondere Schräglage) am Anschlusspunkt ab. Aus diesem Grund fordert die EN 50494 explizit eine manuelle Eingabemöglichkeit von Userband-ID und Userband-Frequenz im Empfangsgerät.
Der Nachfolgestandard JESS (EN 50607) unterstützt im Gegensatz zur EN 50494 eine bi-direktionale DiSEqC-Kommunikation und ermöglicht dadurch die exakte Abfrage von verfügbaren, benutzten und geschützten Userbändern und deren Frequenzen. Die Installation eines Empfangsgeräts kann sich mit dieser Hilfestellung erheblich vereinfachen. Die Implementation der Bi-Direktionalität in JESS-Verteilkomponenten ist Pflicht, in Empfangsgeräten dagegen optional, um ein Upgrade bestehender Empfangsgeräte per Firmwareupdate möglich zu machen (jedes EN 50494-taugliche Empfangsgerät kann ohne Hardwareänderung per Firmwareupdate JESS-fähig gemacht werden).
Der Einkabelstandard EN 50494 ist eindeutig für Anwendungen innerhalb einer Wohneinheit vorgesehen („Single Dwelling Installations“). Es gibt mehrere Lösungsansätze, das System jedoch trotzdem in Mehrparteienhausverkabelungen einzusetzen. Ein Ansatz ist, jeder Wohnung eine eigene Ableitung zur Verfügung zu stellen. Ist das nicht möglich, gibt es eine Erweiterung in der EN 50494, wodurch einzelne Userbänder durch einen PIN-Code vor Fremdzugriff geschützt werden können. Der PIN-Code ist optional und wird nicht von jedem Receiver unterstützt. Wird dieser Schutz genutzt, sollten spezielle Antennensteckdosen verwendet werden, wie z. B. die „ESU33“ von Kathrein. Diese Dose überwacht die Höhe der Fernspeisespannung und startet nach einem Spannungssprung von 14 auf 18 V ein Zeitglied. Bleibt die Spannung für länger als 300 ms auf 18 V, trennt die Dose den Receiver gleichstrommäßig vom Verteilnetz. Diese 18 V (im normalen Empfangsbetrieb steht das für die horizontale Schaltspannung) wird für den Unicable-Schaltvorgang nur für diese kurze Zeit benötigt und würde bei längerem Anliegen die Anlage lahmlegen. Die Dosenfunktion ist für Kathrein patentmäßig geschützt. Ein anderer Ansatz zur Schutzfunktion ist eine Antennensteckdose, welche die Steuerbefehle (Höhe und Dauer der Fernspeisespannung, eventueller 22 kHz Dauerton sowie Inhalt der DiSEqC-Kommunikation) von den Receivern analysiert und nur die für die jeweilige Dose (= Wohnung) zulässigen Steuerbefehle passieren lässt (JULTEC JAP-Serie). Die Berechtigung, auf welche Userbänder von der jeweiligen Antennensteckdose aus zugegriffen werden darf, legt der Anlageninstallateur fest (mit einem Antennenmessgerät oder per Bediensoftware und USB-Dongle). Diese Dosenfunktion ist für JULTEC patentmäßig geschützt. Die Dosen unterstützen sowohl die EN 50494 als auch JESS (EN 50607) und stellen dem Empfangsgerät per JESS Informationen über die an der Dose erlaubten Userbänder zur Verfügung.
Kompatibilität EN 50494 kompatible Endgeräte und LNB/Multischalter sollten problemlos miteinander kommunizieren können, sofern alle Einstellungen am Receiver wie die UB-Frequenzen oder LNB-Oszillatorfrequenz (Universal oder Wide Band) auch eingestellt werden können. Unicable kompatible Geräte sind mindestens für Unicable LNBs/Multischalter geeignet, d. h. vom Hersteller getestet. Die notwendigen UB-Frequenzen sind dann oft schon in der Receiversoftware hinterlegt, können aber mittlerweile schon bei fast allen Geräten manuell eingestellt werden (die EN 50494 fordert eine freie Eingabemöglichkeit). Unicable-LNBs mit Wide Band Oszillator (nur das „Kathrein UAS481“ mit 10.200 MHz) sind schon deutlich eingeschränkter, was Endgeräte angeht, da z. B. Sky-Receiver nur Universal-Oszillatorfrequenzen (9750 und 10.600 MHz) vorsehen. Die Hersteller/Anbieter von LNBs haben sich jedoch darauf verständigt, keine neuen „Breitband-Einkabel-LNBs“ mehr einzuführen, sondern eventuelle LNBs mit „Breitband-Hardware“ per Softwareanpassung mit einem Universal-LNB-Emulationsmodus auszustatten. (Das „Breitband-Einkabel-LNB“ ist nicht mit einem Universal-Breitband-LNB zu verwechseln!)
Empfangsgeräte (egal ob externe Receiver oder TVs mit integrierten DVB-S/S2-SAT-Empfangsteilen) haben nahezu alle eine Einkabelsteuerung zumindest nach dem alten Einkabelstandard nach EN 50494 implementiert, die Mehrzahl unterstützt bereits den Nachfolgestandard JESS (EN 50607). Einige Anbieter von Empfangsgeräten schränken unverständlicherweise die vorhandene Funktion teilweise je nach bei der Installation ausgewähltem Land ein.
Das unter Linux laufende Programm VDR („Video Disk Recorder“) ist sowohl mit EN 50494 („SCR/Unicable“),EN 50494 ("SCR/Unicable") in VDR: Changelog Version 1.7.22 als auch EN 50607 („SCR/JESS“)EN 50607 ("SCR/JESS") in VDR: Changelog Version 2.1.18 kompatibel. Auch sämtliche Satellitenreceiver mit dem Betriebssystem Enigma2 beherrschen mittlerweile den Unicablestandard nach EN 50494 und nach EN 50607.
Unicable in LNBs Bei dieser Lösung ist die Unicable-Funktionalität bereits im LNB untergebracht. Nach EN 50494-Protokoll genormte Unicable-LNB können maximal vier Receiver (Tuner) direkt über ein Kabel an das LNB angeschlossen werden. Es wird dann nur ein weiterer konventioneller Sat-Verteiler benötigt. Neuere nach EN 50494/EN 50607-Protokoll genormte Unicable II LNB können bis zu 32 Receiver (Tuner) direkt über ein Kabel versorgen. Werden noch mehr Anschlüsse benötigt, muss eine Lösung mit (kaskadierbaren) Unicable-Multischaltern gewählt werden.
Ein Unicable-LNB empfängt die Satellitensignale auf die gleiche Art wie ein herkömmliches LNB: Die vier verschiedenen Frequenzbänder, Vertikal/Low Band, Horizontal/Low Band, Vertikal/High Band und Horizontal/High Band werden jeweils rauscharm verstärkt und in das Sat-ZF-Band heruntergemischt. Sie treffen auf einen integrierten Multischalter, der für jeden Receiver die gewünschte Empfangsebene auswählt. Für jeden anschließbaren Receiver existiert nun ein sogenannter SCR-Baustein. Dieser mischt mit einem einstellbaren Frequenzgenerator (VCO) den vom jeweiligen Receiver ausgewählten Transponder auf dessen UserBand-Frequenz herunter. Anschließend wird das Signal gefiltert und mit entsprechender Verstärkung in das Koaxialkabel eingespeist. Der ganze Vorgang wird von einem zentralen Mikrocontroller gesteuert, der auch die DiSEqC-Befehle der Receiver decodiert.
Gängige Unicable-LNBs haben meist zwei oder sogar drei Ausgänge: Ein Unicable-Anschluss, an dem bis zu vier Unicable-taugliche Endgeräte angeschlossen werden können und ein bzw. zwei weitere sog. Legacy-Anschlüsse, an dem/denen zusätzlich jeweils ein konventioneller Nicht-Unicable-fähiger Receiver angeschlossen werden kann.
Obwohl die Industrie vereinbart hat, dass sich alle LNBs wie Universal-LNBs verhalten sollen, gibt es auch LNBs mit unüblichen Oszillatorfrequenzen, die besondere Receivereinstellungen erfordern (siehe Weblinks unten, dort wird die Einstellung eines Receivers für den „Unicable-Betrieb“ erklärt).
Unicable in Multischaltern mini|Beispiel einer Unicable-Installation mit EXR-Matrizen inklusive DVB-T- und UKW-Verteilung für elf Parteien mini|Unicable-Installation für 21 Wohneinheiten