Železná Ruda ([], Wortbedeutung des tschechischen Namens: Eisenerz; deutscher Name: Markt Eisenstein) ist eine Stadt im Plzeňský kraj in Tschechien. Sie liegt im Böhmerwald, nahe der Grenze zu Bayern und des deutschen Orts Bayerisch Eisenstein. Die Stadt befindet sich im Biosphärenreservat Šumava und ist eines der sportlichen und touristischen Zentren des Böhmerwaldes.

Geschichte Unter Přemysl Otakar II. entstand im 13. Jahrhundert ein Handelsweg, der von der Donau in Niederbayern aus über Regen, Zwiesel und Strážov (Drosau) nach Klatovy (Klattau) durch das Künische Gebirge führte. Nachdem vor allem am Špičák (Spitzberg) Vorkommen von Eisenerz entdeckt worden waren, entstand zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Tal des Großen Regen Železná Ruda als Ansiedlung von Bergleuten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren die Erzlagerstätten ausgebeutet, der Abbau von Eisenerz lohnte sich nicht mehr.

Der deutsche Name Markt Eisenstein entstammt einer Urkunde, in der das Marktrecht (deshalb Markt im Namen) verzeichnet war. Der zweite Namensbestandteil kommt von der Eisenhütte, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hier entstand. Im 17. Jahrhundert wurde die Eisenhütte in eine Glashütte umgewandelt.

Im Jahr 1624, nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, erlangte der Inhaber der Herrschaft Železná Ruda/Eisenstein, Wolf Heinrich von Notthafft, die Erlaubnis, Glas zu produzieren und zu exportieren. Eisenstein erhielt das Marktrecht. Im Laufe der Zeit entstanden bis ins 19. Jahrhundert hinein in Železná Ruda und Umgebung zahlreiche Glashütten.

Durch den Anschluss an die Bahnlinie 1877 nahm in Eisenstein als neue Erwerbsquelle der Tourismus seinen Aufschwung. So eröffneten oberhalb des Ortes am Špičák 1881 das Hotels Prokop, welches vorher als Arbeiterwohnheim für den darunter liegenden Tunnel gedient hatte. 1890 wurde unweit davon das Hotel Rixi eröffnet.Špičák, sumavanet.cz Dieses diente später als Erholungsheim für die tschech(-oslowak)ische Armee und wurde 2021 abgerissen.Slavný šumavský hotel Rixi šel k zemi, vojáci místo něj postaví nový Zdroj, idnes.cz

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam es vom 21. bis 23. Juli 1919 durch Teile der Tschechoslowakischen Legionen – von Železná Ruda ausgehend – zum ersten militärischen Aufstand der neugegründeten Tschechoslowakei.Železnorudská vzpoura 1919, sumavanet.cz

Aufgrund des Münchner Abkommens gehörte Markt Eisenstein von 1938 bis 1945 zum Landkreis Markt Eisenstein im Regierungsbezirk Niederbayern und Oberpfalz.

Bei der Volkszählung 1930 hatte die Gemeinde Markt Eisenstein 3365 Einwohner (davon 2986 Deutsche = 88 %).Statistický lexikon obcí v Republice československé. I. Země česká. Praha 1934 (S. 155) Digitalisat Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung von Markt Eisenstein vertrieben. Ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret Nr. 108 konfisziert und die katholische Kirche enteignet.Alfred Schickel: Die Vertreibung der Deutschen. Geschichte, Hintergründe, Bewertungen. 2., erweiterte Auflage. MUT, Asendorf 1987, ISBN 3-89182-014-3.

Im Jahre 1960 wurde Železná Ruda zur Stadt erhoben.Historický lexikon obcí České republiky 1869–2005 (Prag 2006), I. Teil, S. 44 Digitalisat

Železná Ruda lag von 1948 bis 1989 im militärischen Sperrgebiet der ČSSR zur Bundesrepublik Deutschland.

Dies nutzte die tschechische Staatssicherheit um im Juni 1964 die Operation Neptun am Černé jezero (Schwarzer See) durchzuführen. Hierbei wurde gefälschtes belastendes Material aus der Zeit des Nationalsozialismus versteckt und „entdeckt“, um unter anderem die Verjährungsdebatte in der Bundesrepublik zu beeinflussen und etwaige Schuldige und Agenten zu verunsichern.

Ab dem 1. Juli 1969 wurde der Straßengrenzübergang wieder eröffnet.Bayerisch-böhmische Grenzübergänge zur Zeit des Eisernen Vorhangs, Universität Passau, abgerufen am 5. August 2024 In dieser Zeit begann sich auch der Tourismus in der Region wieder zu beleben.Železná Ruda mikroregionsumava.cz Unter anderem auch durch den 1971 fertiggestellten Bau der Seilbahn auf den Pancíř. Dies war der erste Sessellift im Böhmerwald.Seilbahn Špičák - Pancíř, tschechische-gebirge.de

Durch die Samtene Revolution Ende 1989 und die Bildung des Nachfolgestaates kam es am 2. Juni 1991 zur visumfreien Grenzöffnung über den Bahnhof Bayerisch Eisenstein (Železná Ruda-Alžbětín) über Bayerisch Eisenstein nach Süddeutschland.

Am seit Jahrzehnten für Skisport genutzten Špičák, dem größten Gebiet hierfür im Böhmerwald wurde 2005 ein moderner Sessellift errichtet.ŠPIČÁK MOUNTAIN, 1202 m, sumavanet.czSkizentrum Železná Ruda - Špičák, tschechische-gebirge.de Kurz darauf entstand 2007 der erste Bikepark der tschechischen Republik.Bikepark Špičák, Trailforks.com Im Jahr 2027 wird der Ort die tschechische Winter-Kinder-und-Jugend-Olympiade austragen.Olympiáda dětí a mládeže 2027, https://www.olympijskytym.cz/, abgerufen am 9. Juni 2025 Hierzu sollen über 50 Mio. CZK (ca. 2 Mio. €)

Die Schule von Markt Eisenstein Die Volksschule Als im 18. Jh. die Schulreform Maria Theresias und Kaiser Josef II. in Kraft trat, besaß Markt Eisenstein bereits eine Pfarrschule. Im Jahre 1853 wurde ein eigenes Schulhaus eingeweiht. Im Jahre 1870 wurde im gesamten Gebiet der k.k. Monarchie ein neues Schulgesetz eingeführt, welches vor allem für die allgemeine Schulpflicht neue Regeln festsetzte. 1930 wurde die örtliche Schule zu einer vierklassige Knaben- und einer ebenfalls vierklassigen Mädchenschule erweitert, die nach einem Jahr um je eine Klasse aufgestockt wurden. Daneben bestand in Markt Eisenstein auch eine dreiklassige Bürgerschule.

Die Bürgerschule Am 26. Februar 1893 sprach die Bezirksbehörde in Klattau nach mehreren Eingaben, Bitten und Verhandlungen der Gemeinde die Genehmigung zur Errichtung einer Knabenbürgerschule in Eisenstein aus. Im Herbst 1896 wurde die erste Klasse der neuen Bürgerschule eröffnet. Der Schulbau lag an der Neuerner Straße.

Im Erdgeschoss lagen die Wohnung des Schuldieners, der Turnsaal mit dem Umkleideraum und ein Lehrmittelzimmer, in dem auch die Konferenzen abgehalten wurden. Im Dachgeschoss war Raum für weitere Lehrmittel vorhanden. Dem Direktor stand ein eigenes Zimmer zur Verfügung.

Nach dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich im Jahre 1938 trug die Lehranstalt den Namen „Gemischte dreiklassige Bürgerschule“. Die Schule führte damals zwei erste Klassen und zwei zweite Klassen, getrennt nach Knaben und Mädchen. Nur in der dritten Klasse wurden Knaben und Mädchen gemeinsam unterreichtet, weil die Schülerzahl für eine Teilung zu klein war. Wer die 4. Klasse besuchen wollte, musste sich nach der Stadt Neuern begeben. 1945 war wie in ganz Böhmen das Ende der Schulen von Markt Eisenstein Böhmen gekommen.Im Lande der künischen Freibauern – Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald, Grafenau 1979, überarbeitete Neuauflage II 2019, S. 159

Historischer Erzbergbau im Eisensteiner Hochtal Das sogenannte „Künische Gebirge“ zieht sich von der Cham-Further Senke über das Ossermassiv bis hinter den Falkenstein. Es ist aus relativ weichem Gestein, dem Glimmerschiefer, aufgebaut. An verschiedenen Stellen gibt es Eisenerzvorkommen. Den Beginn des Eisenerzabbaues im Eisensteiner Tal kennt man nicht. Sicher ist aber, dass es den Ort „Eisenstraß“ schon seit dem Jahr 1083 gibt, und es gab Eisenhämmer im Angeltal, das sich von dort Richtung Neuern zieht.

Um 1564 kam es zur Wiederaufnahme des öde liegenden Erzbergbaues durch den Betreiber Konrad Geißler aus Nürnberg, finanziert vom Passauer Melchior Fiedler. Es wurde Eisenerz gefördert und verhüttet; daraus wurden landwirtschaftliche Geräte sowie Kriegsgeräte hergestellt. Nach deren Tod verfiel der Abbau wieder.

Später begann man noch einmal Eisenerz zu fördern. Man grub seitlich in den Berg hinein und baute „unter Tage“ ab. Ab 1827/1828 gab es drei Zechen, die Eisensteiner Zeche, die St. Antoni-Zeche und die Hafenbrädl-Zeche. Wieder kam der Bergbau zum Erliegen. Von 1911 bis 1934 wurde der Abbau erneut belebt. Unter dem Spitzberg gab es einen großen Förderschacht. Nach 1934 kam das endgültige Aus des Eisenbergbaus, und der Schacht wurde mit einem Betondeckel verschlossen.Zs. „Der Böhmerwald“, 77. Jg. August 2024

Das Glasmachergeschlecht der Hafenbrädl von Eisenstein Über die genaue Herkunft des Geschlechts der „Hafenbrädl“ herrscht Unklarheit. Neben der von dem bayerischen Kurfürsten Max Josef II. im Jahre 1764 geadelten Eisensteiner Linie, gab es eine Hurkenthaler und eine Seewieser Linie.

Das Geschlecht der Nothaft von Wernberg blieb bis 1757 im Eisensteiner Tal, dann verkauften sie ihre Güter an die böhmische Linie der Grafen von Klenau. Im Jahre 1771 konnte der Pilsner Bürger und Glashüttenmeister Johann Georg Hafenbrädl die einstige Hofmark käuflich erwerben. Für die Verdienste um die Glasmacherei, insbesondere aber um die Verfeinerung der Glaserzeugung und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Aufschwung, wurde er 1783 von Kaiser Josef II. in den Freiherrnstand erhoben.

Im Jahre 1886 übernahm sein Sohn Johann Nepomuk das väterliche Erbe in Eisenstein. Das Gut Deffernik wurde als Erbteil für seine Schwester Maria Elisabeth ausgeschieden. In den folgenden Jahren wurden in der Gegend noch weitere Glashütten erbaut: 1838 die Pampferhütte. Sie wurde für zehn Jahre an den Juden Mayer verpachtet, weshalb sie auch manchmal Judenhütte genannt wurde. 1841 wurde in Elisenthal eine Glasfabrik gebaut und für fünfzehn Jahre an Peter Ziegler verpachtet. 1845 wurde in Ferdinandsthal eine Hohlglasfabrik und Schleifwerke eingerichtet, nachdem die alte Tafelglasfabrik und die Spiegelbelege ihren Betrieb einstellen mussten, da sie veraltet waren.

Am 22. Juni 1852 kaufte seine Durchlaucht, Fürst Karl von Hohenzollern, das Gut Eisenstein von Franz Xaver Hafenbrädl, dessen Ehe kinderlos geblieben war.

Das Gut Deffernik/Debrník Die ledige Maria Elisabeth Hafenbrädl, die das Gut geerbt hatte, ließ sich hier ein Schloss im barocken Stil erbauen. Im Jahre 1826 erwarb Christoph Abele Gut und Glashütte zu Deffernik. Er besaß es nur wenige Jahre und verkaufte es 1844 an Frau Anne Letz, die mit einem gewissen Gerstner vermählt war. Diese verkaufte es an Peter Ziegler, der als Pächter der Glasfabrik zu Elisenthal zu Geld gekommen war. Unter ihm nahm die Hütte einen neuen Aufschwung. 1868 ging dieser Besitz an die Hohenzollern und war von da an wieder mit Eisenstein vereint.Im Land der künischen Freibauern. Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald, Grafenau 1979, S. 852ff.

Geografie In Železná Ruda entspringt der Große Regen (Řezná) und fließt von den Hängen des Pancíř durch die Stadt zur Grenze. Unweit der Stadt liegen die Seen Černé (Schwarzer See) und Čertovo jezero (Teufelssee). Hier erhebt sich auch der 1202 m hohe Gipfel des Špičák (Spitzberg), unter dem der Spitzbergtunnel, nach dem Březenský-Tunnel zweitlängster Eisenbahntunnel (1747 m) Tschechiens, hindurchführt. An den Hängen des Špičáks befindet sich ein Skigebiet. Sechs Kilometer nördlich der Stadt erhebt sich der Berg Pancíř (Panzer), auf dem sich eine Bergbaude mit Aussichtsturm befindet.

Ortsteile Alžbětín (Elisenthal), Debrník (Deffernik), Hojsova Stráž (Eisenstraß), Pancíř (Panzer), Špičák (Spitzberg) und Železná Ruda (Eisenstein)

Architektur mini|Pfarrkirche Mariä Hilf vom Stern mit Zwiebelkuppel und Zwiebelturm