Die Heron (), in Abgrenzung zu den Weiterentwicklungen auch Heron 1, von den israelischen Luftstreitkräften Machatz-1 (hebräisch für Reiher) genannt, ist eine allwetterfähige, bewaffnungsfähige Aufklärungsdrohne der MALE-Klasse des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries (IAI). Neben den israelischen Luftstreitkräften setzen acht weitere Staaten das System ein, bis 2023 auch die Bundeswehr. Mit über 50.000 Flugstunden von 2010 bis Ende Mai 2019 war die Heron 1 die mit Abstand am meisten eingesetzte Drohne der Bundeswehr.
Technik Die Heron ist ein 8,5 m langer Schulterdecker mit Flügeln sehr hoher Streckung und ohne Pfeilung an der Flügelvorderkante. Die Spannweite beträgt 16,6 m. Diese Auslegung ermöglicht dank eines hohen Auftriebs und eines geringen induzierten Widerstands eine hohe Einsatzdauer und Flughöhe zu Lasten einer hohen Maximalgeschwindigkeit. Der Antrieb erfolgt durch einen 115 PS (86 kW) starken Vierzylinderbenzinmotor vom Typ Rotax 914 des Herstellers BRP-Powertrain. Dieser treibt einen zweiblättrigen Schubpropeller an. Damit können Geschwindigkeiten zwischen 60 und 115 kn (111 bis 213 km/h) geflogen werden. Die Dienstgipfelhöhe liegt bei rund 30.000 ft (9150 m). Das Seitenleitwerk ist doppelt ausgelegt. Beim Fahrwerk handelt es sich um ein einfach bereiftes Dreipunktfahrwerk. Das maximale Startgewicht beträgt 1150 kg. Die Einsatzdauer der Heron liegt standardmäßig bei 40 Stunden, wobei im Mai 1995 bei Testflügen sogar 52 Stunden erreicht werden konnten. Insgesamt entsprechen die Leistungsdaten der Heron in etwa jenen der US-amerikanischen RQ-1 Predator.
Betrieb mini|Bedienung über Bildschirm und Computer
Die Heron ist grundsätzlich fähig, vollautomatisch zu fliegen, wobei GPS zur Navigation benutzt wird und eine einprogrammierte Route abgeflogen wird. Starts und Landungen erfolgen ausschließlich vollautomatisch, während der in einer bis zu 400 km entfernten Bodenstation sitzende Luftfahrzeugführer (Air Vehicle Operator, AVO) lediglich eine Überwachungsfunktion innehat. Im Flug kann der AVO die Drohne über eine Tastatur – es gibt weder einen Steuerknüppel noch Sidesticks – steuern. Der AVO steuert dabei die Drohne nicht direkt, sondern über die Ausrichtung der Sensoren. Wohin sich die Drohne bewegen muss, um den geforderten Blickwinkel einzunehmen, errechnet die Elektronik des Systems daraufhin selbst. Übertragen werden die Steuerbefehle entweder über eine direkte Funkverbindung, wozu Sichtverbindung notwendig ist, oder aber über einen Satellitendatenlink. Letzteres ermöglicht auch den Einsatz über sehr große Entfernungen oder in hügeligem und gebirgigem Gelände, in dem eine Sichtverbindung nicht immer gewährleistet werden kann. Da die Heron auch im zivilen Luftraum eingesetzt wird, muss der AVO ständig in Verbindung mit der Luftsicherung stehen. Unterstützt wird der AVO durch den Nutzlastbediener (Payload Operator, PO), der die Sensorik steuert und einsetzt sowie in permanenter Verbindung mit den operativen Nutzern des gewonnenen Bildmaterials steht. Die Bodenstationen für AVO und PO werden nicht von IAI, sondern von Elbit Systems gefertigt.
Nutzlast mini|links|Ausbuchtung des SAR (gelb) und der elektro-optische Aufklärungspod unter dem Bug
Die Nutzlast kann je nach Nutzerstaat und Missionsprofil variieren, ist jedoch stark durch die Gewichtsbeschränkung von 250 kg begrenzt. Eine übliche Nutzlast, wie sie auch bei der Bundeswehr zum Einsatz kommt, umfasst die folgenden zwei Systeme: Einerseits ein Synthetic Aperture Radar in der Ausbuchtung unter dem Rumpf, der wetter- und tageszeitunabhängige Aufklärung von größeren Objekten wie beispielsweise Fahrzeugen ermöglicht. Andererseits die kreiselstabilisierte und schwenkbare Multi-Mission Optronic Stabilized Payload (MOSP). Diese umfasst zwei TV-Kameras, eine mit einer Festbrennweite von 500 mm und eine zweite mit zehnfachem optischen Zoom. Diese werden ergänzt durch einen Forward-Looking-Infrared-Sensor, der auch bei Nacht oder schlechtem Wetter optische Aufnahmen ermöglicht.
Das gesamte gewonnene Bildmaterial kann in Echtzeit sowohl über Richtfunk, wenn eine Sichtverbindung möglich ist, als auch über Satellit übertragen werden. Dies ermöglicht das direkte Bereitstellen des Bildmaterials je nach Bedarf an die Einsatzführung im lokalen Feldlager, an die Truppen im Einsatz und an das Oberkommando im Heimatstaat. Der Empfang durch die Truppen im Einsatz wird dabei durch laptop-ähnliche Geräte sichergestellt, während für die Bildauswerter in der Einsatzbasis oder im Heimatstaat umfangreiche Terminals zur Verfügung stehen. In Ergänzung zu Aufklärungsmissionen kann die Heron auch als Relaisstation für Bodentruppen fungieren, die nicht über Satellitenkommunikationsterminals verfügen.
Rüstungsexperten gehen davon aus, dass die Heron 1 von den israelischen Luftstreitkräften auch in einer bewaffneten Version eingesetzt wird.
Abhörsicherheit Laut den Dokumenten des Whistleblowers Edward Snowden sollen der britische Geheimdienst GCHQ und die amerikanische NSA Daten der Drohne mitgeschnitten und ausgewertet haben.
Weiterentwicklungen Heron TP
mini|IAI Heron TP auf der ILA 2018
Im Juni 2007 gelangten erste Videos einer weiterentwickelten Version mit dem Namen Heron TP an die Öffentlichkeit, die von den israelischen Streitkräften Eitan genannt wird. Diese von einem 895 kW (1200 PS) starken Turboprop-Triebwerk angetriebene Version, daher der Zusatz TP, ist mit 26 m Spannweite, 13 m Länge, 4650 kg Abflugmasse und 1000 kg Nutzlast deutlich größer als die Basisversion. Die maximale Einsatzdauer wird je nach Quelle mit 20 bis 36 Stunden angegeben. Der Erstflug soll am 15. Juli 2006 in Israel erfolgt sein. Am 21. Februar 2010 wurde der erste unbemannte Aufklärer von den Israelischen Luftstreitkräften in Dienst gestellt. Dort waren 2018 etwa 10 bis 15 Eitan im Einsatz.Armed Drones in the Middle East, abgerufen am 18. Dezember 2020.
Die Heron TP kann mit einem speziell zu diesem Zweck entwickelten Modell präzisionsgelenkter Luft-Boden-Raketen aus israelischer Produktion bewaffnet werden.
Super Heron Um den Forderungen der Marine nach längerer Flugdauer und höherer Reichweite Rechnung zu tragen, startete IAI die Entwicklung der vergrößerten Super Heron. Bei einer Masse von 1450 kg beträgt die Fluggeschwindigkeit 150 kts (278 km/h). Als Antrieb ist ein Dieselmotor des italienischen Herstellers Diesel Jet mit 200 PS vorgesehen.
Heron Mk.2 Die Heron Mk.2, bzw. Mk II, ist eine verbesserte und größere Version der Heron, die sich unter anderem durch einen weiteren und verstärkterem Rumpf auszeichnet.
Nutzer mini|Nutzerstaaten der IAI Heron
Aktuell
Die Aserbaidschanische Luftwaffe hat 5 Heron im Dienst seit Juni 2020."L'Aeronautica dell'Azerbaijan" - "Rivista italiana difesa" N. 6-06/2020 pp. 74–83
Die Brasilianische Luftstreitkräfte und Brasilianische Polizei setzt zwei Heron 1 zu ISR-Aufgaben insbesondere im Amazonasbecken und Verbrechensbekämpfung ein.Brazil to resume operations with Heron 1 UAVs First F-35B Fighter Jets Arrive in Japan, Janes, 15. Januar 2019
Die Frontex setzt mindestens eine Heron 1 ein.
Indien hat etwa 50 Heron beschafft. Diese werden vor allem für die Sicherung der Grenze mit Pakistan und die Überwachung der eigenen Küstenstreifen benutzt.
Der erste Betreiber der Heron waren die Israelischen Streitkräfte, welche im Jahr 2007 die ersten Heron – Machatz-1 genannt – offiziell in Dienst stellten. Wie viele Maschinen beschafft wurden, ist nicht offiziell bekannt, das Institute for National Security Studies der Universität Tel Aviv gibt den Bestand für 2010 jedoch mit acht Maschinen an.
Während der Operation Gegossenes Blei kamen Drohnen vom Typ Machatz-1 zum Einsatz. Diese wurden dabei zusammen mit den leistungsschwächeren Drohnen vom Typ Elbit Hermes 450, Kampfhubschraubern vom Typ AH-64 Apache und Kampfflugzeugen zum ersten Mal direkt dem Kommando der Brigade der Bodentruppen unterstellt. Dadurch sollte die Interaktion zwischen Luft- und Bodenstreitkräften verbessert werden, was wiederum den Truppen am Boden ein besseres Lagebild und bei Bedarf schnellere Luftschläge ermöglichen. In: aviationweek.com, (englisch)
Die Kanadischen Streitkräfte hatten ebenfalls drei geleaste Heron in Afghanistan im Einsatz, die inzwischen zurückgegeben wurden. Kanada beteiligte sich nur noch an der Ausbildung von afghanischen Sicherheitskräften.
Singapur betreibt eine Staffel Heron 1.
Im Jahr 2004 unterschrieb die Türkei einen Kaufvertrag über zehn Herons für 180 Millionen US-Dollar, wobei die Drohnen mit einem elektro-optischen Aufklärungspod vom türkischen Hersteller Aselsan ausgerüstet werden sollten. Die Lieferung sollte zwischen August und Oktober 2009 erfolgen, was IAI jedoch nicht gelang – nach eigenen Angaben aufgrund der Einrüstung des deutlich schwereren Aselsan-Pods. Bis zum vertraglich fixierten Termin im Oktober 2009 konnte IAI lediglich zwei Maschinen ausliefern, welche gemäß türkischen Angaben die Vertragsspezifikationen nicht erfüllten und zudem beide im Rahmen des Testprogramm abstürzten.Streit um Palästinenser-Politik: Türken rücken von Bündnispartner Israel ab. In: Spiegel Online. 18. Oktober 2009. Im August 2010 konnte IAI schließlich die letzten vier Maschinen an die türkischen Luftstreitkräfte ausliefern. In: Today's Zaman, 21. August 2010 (englisch).
Die Vereinigten Staaten setzten im Mai 2009 im Rahmen des Projektes Monitoreo zwei Heron von der Comalapa Air Base in El Salvador für Aufklärungsflüge zur Drogenbekämpfung ein.Heron sees frontline El Salvador anti-drugs fight. In: flightglobal.com, (englisch).
Im Dezember 2018 verkaufte IAI drei Drohnen vom Typ Heron 1 an Vietnam. Die Verkaufssumme beträgt 160 Millionen Dollar.
Ehemalig
Die Australian Defence Force betrieb zwei geleaste Heron bis Mitte 2017. Sie setzte sie zwischen Januar 2010 und November 2015 zur Unterstützung ihrer Afghanistan-Mission ein. Anschließend flogen sie noch anderthalb Jahre zu Schulungs- und Übungszwecken von Woomera aus.
mini|Durch die Bundeswehr geleaste Heron 1 Die Heron war Mitte 2009 neben dem US-amerikanischen RQ-1 Predator in der Auswahl zur beschleunigten Beschaffung einer Aufklärungsdrohne für die unmittelbaren Bedürfnisse der Bundeswehr für den Afghanistan-Einsatz. Die Bundeswehr entschied sich, drei Heron – die in der Luftwaffe die Bezeichnung Heron 1 erhielten – ab Anfang 2010 für 110 Millionen Euro für drei Jahre von einem Konsortium (bestehend aus Rheinmetall und IAI) zu leasen. Danach sollten alle drei Flugzeuge wieder an den Hersteller zurückgegeben werden.Warum „Heron 1“ doch gewann In: Handelsblatt. 21. Juni 2009, abgerufen am 29. August 2015. Der dreijährige Leasingvertrag wäre am 31. Oktober 2012 ausgelaufen, Panorama vom 31. Juli 2012. wurde aber immer wieder verlängert.Deutscher Bundestag: Schriftliche Fragen vom 8. April 2013. Bundestagsdrucksache 17/13046, S. 57 (PDF; 3,7 MB). Zuletzt wurde der Leasingvertrag der Heron 1 bis 2021 verlängert.T. Wiegold: DroneWatch: Leasingvertrag für Heron-Drohnen verlängert. In: augengeradeaus.net, 10. Januar 2014.