Der Landkreis Hersfeld mit Kreissitz in Bad Hersfeld war ein Landkreis, der im Kurfürstentum Hessen, in Preußen und Hessen von 1821 bis 1972 mit einer Unterbrechung von 1848 bis 1850 bestand. Der größte Teil seines ehemaligen Gebiets gehört heute zum Landkreis Hersfeld-Rotenburg.

Geographie Der Landkreis grenzte Anfang 1972, im Nordosten beginnend im Uhrzeigersinn, an die Kreise Eisenach und Bad Salzungen in den Bezirken Erfurt und Suhl der DDR sowie an die hessischen Landkreise Hünfeld, Lauterbach, Ziegenhain, Fritzlar-Homberg und Rotenburg.

Geschichte Kurhessen Der Kreis Hersfeld wurde im Rahmen der kurhessischen Verwaltungsreform von 1821 nach preußischem Vorbild gebildet. Er wurde aus dem bisherigen Fürstentum Hersfeld gebildet und um die Ämter Friedewald und Landeck erweitert. Der Kreis gehörte zur kurhessischen Provinz Fulda. Organisatorisch war der Kreis eine reine Verwaltungsbehörde, bestehend aus dem vom Kurfürsten ernannten Kreisrat (ab 1934 Landrat) und wenigen Beamten.

Am 1. Januar 1837 wechselten die Gemeinden Meckbach und Mecklar aus dem Kreis Rotenburg in den Kreis Hersfeld.

1848 Im Rahmen der Märzrevolution wurde der Kreis aufgelöst und mit den Kreisen Rotenburg und Melsungen zu einem gemeinsamen Bezirk mit Bezirkshauptstadt Hersfeld zusammengefasst. Nach dem Ende der Revolution wurden aber bereits 1850 die vorherigen Kreise wieder eingerichtet.

Preußen Mit der Annexion durch Preußen 1866 wurde der Kreis zu einem preußischen Kreis. Während die bisherigen Landräte ihre Ämter behielten, wurde organisatorisch die preußische Kreisverfassung eingeführt. 1867 wurde eine „Kreisversammlung“ aus Städten, Landgemeinden und großen Grundbesitzern gebildet. Am 1. April 1881 wechselten die Gemeinden Oberstoppel und Unterstoppel sowie der Gutsbezirk Oberförsterei Burghaun aus dem Kreis Hersfeld in den Kreis Hünfeld. 1885 wurde die Kreisversammlung durch die „Kreisordnung für die altpreußischen Provinzen“ in Kreistag und Kreisausschuss umgewandelt.

Weimarer Republik Mit der Reichsverfassung von 1919 (Weimarer Verfassung) wurde die freie und gleiche Wahl der Kreistage eingeführt. Wahlsieger in den 1920er Jahren war immer die SPD, die bei allen Wahlen um die 50 % der Stimmen erhielt. Der Landrat wurde nicht vom Kreistag gewählt, sondern von der Staatsregierung ernannt. Da auch in Preußen eine sozialdemokratische Mehrheit bestand, standen aber die Landräte der SPD nahe.

Nationalsozialismus 1932 löste die NSDAP die SPD als stärkste Kraft im Kreistag ab und erzielte über 50 % der Stimmen. Der NSDAP-Kreisleiter Bienert wurde Landrat und stellte die Gleichschaltung der Kreisbehörden sicher.

Bundesrepublik Deutschland Vor den ersten Gemeindefusionen im Jahr 1962 umfasste der Landkreis Hersfeld 82 Gemeinden, von denen mit Bad Hersfeld eine das Stadtrecht besaß. Ab 1968 wurde der Landkreis Hersfeld mehrfach vergrößert: Am 1. September 1968 wurde die Gemeinde Glaam des Landkreises Hünfeld in die Gemeinde Ransbach eingegliedert. Am 1. Februar 1971 wurde die Gemeinde Mansbach des Landkreises Hünfeld mit der Gemeinde Ransbach zur neuen Gemeinde Hohenroda im Landkreis Hersfeld zusammengeschlossen. Am 31. Dezember 1971 wurden die Gemeinden Mühlbach, Raboldshausen, Saasen und Salzberg des Landkreises Fritzlar-Homberg mit den Gemeinden Aua, Gittersdorf und Untergeis zur neuen Gemeinde Neuenstein im Landkreis Hersfeld zusammengeschlossen.

Durch eine Reihe von weiteren Gemeindefusionen, bei denen auch die neuen Gemeinden Hauneck und Ludwigsau entstanden, verringerte sich die Zahl der Gemeinden des Landkreises bis Juli 1972 auf 35.

Im Rahmen der hessischen Kreisreform wurde der Landkreis Hersfeld am 1. August 1972 aufgelöst und vollständig in den neuen Landkreis Hersfeld-Rotenburg eingegliedert. Gleichzeitig mit der Auflösung des Landkreises fanden zum 1. August 1972 noch zahlreiche weitere Eingemeindungen statt. Aus dem Altkreis Hersfeld traten damit letztendlich mit Bad Hersfeld, Friedewald, Hauneck, Heringen (Werra), Hohenroda, Kirchheim, Ludwigsau, Neuenstein, Niederaula, Philippsthal (Werra) und Schenklengsfeld insgesamt elf Gemeinden in den neuen Landkreis Hersfeld-Rotenburg ein.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1871 33.084 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Hessen-Nassau und ihre Bevölkerung 1871 1890 31.300 1900 32.555 1910 37.287 1925 42.081 1939 48.504 1950 71.505 1960 70.700 1970 73.300 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972 1971 76.500 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973

Landräte Der Kreis Hersfeld hatte folgende Landräte: Karl Hartert (1821–1843) Georg Hermann Pfaff (1843–1845) Jakob Wilhelm A. von Specht (1845–1848) Georg von Roth (1848–1850) Franz Carl Müller (1850) Wilhelm Uloth (1851–1853) Florus Auffarth (1853–1876) Eduard von Broich (1877–1884) Werner von Schleinitz (1884–1905) Alexander von Grunelius (1906–1921) Ernst von Harnack (1921–1925) Erich Kirschbaum (1925–1929) Emil von Wedel (1929–1933) Richard Bienert (1933–1945) Wilhelm Gerhardt (1945) Martin Euler (1945–1946) Heinrich Sauerwein (1946–1948) Ernst Vollert (1948) Walter Braun (1948–1949) (1. Kreisdeputierter) Frank Hoernigk (1949–1955) Edwin Zerbe (1957–1970) Otto Ulrich Bährens (1970–1972)

Gemeinden Die folgende Tabelle enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Hersfeld während seines Bestehens angehörten sowie die Daten aller Eingemeindungen: GemeindeeingemeindetnachDatum derEingemeindungAnmerkung Allendorf Kirchheim 1. Februar 1971 Allmershausen Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Asbach Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Aua Neuenstein 31. Dezember 1971 Ausbach Hohenroda 1. Februar 1972 Bad Hersfeld Beiershausen Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Bengendorf Heringen (Werra) 31. Dezember 1971 Biedebach Ludwigsau 31. Dezember 1971 Dinkelrode Schenklengsfeld 31. Dezember 1971 Eitra Hauneck 1. August 1972 Friedewald Friedlos Ludwigsau 31. Dezember 1971 Frielingen Kirchheim 1. Februar 1971 Gersdorf Kirchheim 1. August 1972 Gershausen Kirchheim 1. Februar 1971 Gethsemane Philippsthal (Werra) 1. August 1972 Gittersdorf Neuenstein 31. Dezember 1971 Goßmannsrode Kirchheim 1. Februar 1971 Harnrode Philippsthal (Werra) 1. August 1972 Hattenbach Niederaula 31. Dezember 1971 Hauneck am 31. Dezember 1971 gegründet Heddersdorf Kirchheim 1. August 1972 Heenes Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Heimboldshausen Philippsthal (Werra) 1. August 1972 Herfa Heringen (Werra) 1. August 1972 Heringen (Werra) Hillartshausen Friedewald 31. Dezember 1971 Hilmes Schenklengsfeld 1. August 1972 Hilperhausen Kerspenhausen 1. Dezember 1970 Hohenroda am 1. Februar 1971 gegründet Holzheim Haunetal 1. August 1972 Kalkobes Bad Hersfeld 1. Juli 1918 Kathus Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Kemmerode Kirchheim 1. Februar 1971 Kerspenhausen Niederaula 1. August 1972 Kirchheim Kleba Niederaula 31. Dezember 1971 Kleinensee Heringen (Werra) 1. August 1972 Kohlhausen Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Konrode Schenklengsfeld 1. Februar 1971 Kruspis Haunetal 1. August 1972 Lampertsfeld Schenklengsfeld 1. April 1962 Landershausen Schenklengsfeld 31. Dezember 1971 Lautenhausen Friedewald 31. Dezember 1971 Leimbach Heringen (Werra) 31. Dezember 1971 Lengers Heringen (Werra) 31. Dezember 1970 Ludwigsau am 31. Dezember 1971 gegründet Malkomes Schenklengsfeld 31. Dezember 1971 Meckbach Ludwigsau 1. August 1972 Mecklar Ludwigsau 31. Dezember 1971 Mengshausen Niederaula 31. Dezember 1970 Motzfeld Friedewald 1. August 1972 Neuenstein am 31. Dezember 1971 gegründet Niederaula Niederjossa Niederaula 31. Dezember 1971 Obergeis Neuenstein 1. August 1972 Oberhaun Hauneck 31. Dezember 1971 Oberlengsfeld Schenklengsfeld 1. Februar 1971 Petersberg Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Philippsthal (Werra) Ransbach Hohenroda 1. Februar 1971 Reckerode Kirchheim 1. August 1972 Reilos Friedlos 1. April 1969 Reimboldshausen Kirchheim 1. Februar 1971 Rohrbach Ludwigsau 1. August 1972 Röhrigshof Philippsthal (Werra) 1. August 1972 Roßbach Kerspenhausen 1. März 1962 Rotensee Hauneck 31. Dezember 1971 Rotterterode Kirchheim 31. Dezember 1971 Schenklengsfeld Schenksolz Schenklengsfeld 31. Dezember 1971 Sieglos Hauneck 31. Dezember 1971 Solms Niederaula 31. Dezember 1971 Sorga Bad Hersfeld 31. Dezember 1971 Stärklos Haunetal 1. August 1972 Tann Ludwigsau 31. Dezember 1971 Untergeis Neuenstein 31. Dezember 1971 Unterhaun Hauneck 31. Dezember 1971 Unterneurode Philippsthal (Werra) 1. August 1972 Unterweisenborn Schenklengsfeld 1. Februar 1971 Wehrshausen Schenklengsfeld 1. Februar 1971 Widdershausen Heringen (Werra) 1. August 1972 Willingshain Kirchheim 1. August 1972 Wippershain Schenklengsfeld 1. August 1972 Wölfershausen Heringen (Werra) 15. September 1968 Wüstfeld Schenklengsfeld 1. August 1972

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen HEF zugewiesen. Es wird im Landkreis Hersfeld-Rotenburg durchgängig bis heute ausgegeben.

Siehe auch Kreisreformen in Deutschland bis 1949 (ohne Bayern und Preußen) Kreisreformen in Preußen

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Landkreise

Einzelnachweise

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