mini|hochkant=1.2|Max Ernst (links) mit Bundeskanzler Willy Brandt in dessen Olympia-Quartier in Feldafing, 1972rahmenlos|Signatur von Max Ernst

Max Ernst (* 2. April 1891 in Brühl (Rheinland); † 1. April 1976 in Paris, Frankreich), eigentlich Maximilian Maria Ernst,Abbildung der Geburtsurkunde in: Werner Spies: Max Ernst. Leben und Werk. DuMont, Köln 2005, S. 35. war ein bedeutender Maler, Grafiker und Bildhauer deutscher Herkunft, dem 1948 die amerikanische und 1958 die französische Staatsbürgerschaft verliehen wurde.Max Ernst, rheinische-geschichte.lvr.de

Nach dem Militärdienst im Ersten Weltkrieg gründete er 1919 zusammen mit Johannes Baargeld und Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe. 1922 ließ er seine Familie zurück und zog nach Paris, wo er sich dem Kreis der Surrealisten um André Breton anschloss und zu einem der wichtigsten Mitglieder im künstlerischen Bereich der surrealistischen Bewegung wurde. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er ab 1939 mehrmals in Frankreich interniert, konnte zusammen mit der Kunstmäzenin Peggy Guggenheim, seiner späteren dritten Ehefrau, fliehen und wählte, wie viele andere europäische Künstler, 1941 als Exil die USA. 1953 kehrte er mit seiner vierten Ehefrau, der Malerin Dorothea Tanning, nach Frankreich zurück.

Mit seinen Gemälden, Collagen und Skulpturen schuf der Künstler rätselhafte Bildkombinationen, bizarre Wesen, die häufig Vögel darstellen, und phantastische Landschaften. Neben seinem künstlerischen Werk verfasste Max Ernst Gedichte und autobiografische sowie kunsttheoretische Schriften. Künstlerbücher nehmen einen breiten Raum in seinem Schaffen ein. Die Techniken Frottage, Grattage und Drip Painting, als Oszillation entwickelt, gehen auf ihn zurück. Angewendet durch Jackson Pollock wurde Drip Painting zu einem Bestandteil des amerikanischen abstrakten Expressionismus.

Leben Kindheit und Jugend mini|hochkant=0.6|Philipp Ernst: Max Ernst als Jesuskind, 1896 mini|Geburtshaus von Max Ernst in Brühl, Schloßstraße 21

Max Ernst wurde als drittes: Tourismus und Kultur/Max Ernst, abgerufen am 15. Dezember 2010. von insgesamt neun Kindern des Taubstummenlehrers und Laienmalers Philipp Ernst (1862–1942) und seiner Frau Luise, geb. Kopp (1865–1949) geboren. Ersten Kontakt mit Malerei bekam er durch seinen Vater. Dieser malte seinen fünf Jahre alten Sohn 1896 als Jesuskind.

Max Ernst veröffentlichte 1942 im amerikanischen Exil im Kunstmagazin View einen autobiografischen Text, in dem er seine magische Beziehung zu Vögeln beschreibt: seine Geburt aus einem Vogelei, das seine Mutter in ein Adlernest gelegt hatte,The 2nd of April (1891) at 9:45 a.m. Max Ernst had his first contact with the sensible world, when he came out of his egg which his mother had laid in an eagle’s nest and which the bird had brooded for seven years. und die Verbindung zwischen dem Tod seines Lieblingsvogels, des rosa Kakadus Hornebom, und der als gleichzeitig erlebten Geburt seiner jüngsten Schwester Apollonia (genannt Loni) im Jahr 1906. Max Ernsts Schilderung des Zusammentreffens beider Ereignisse ist fiktiv, der Kakadu lebte nach der Geburt der Schwester einige Zeit weiter. Max Ernst entwickelte, von diesen Vorstellungen geprägt,Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 9–16, 163. in seinem Werk als Alter Ego den „Vogelobren Hornebom“ und „Loplop“. Im Spätwerk taucht der Künstler als „Schnabelmax“ auf. Vogelähnliche Geschöpfe erscheinen in vielen seiner Bilder, besonders in der Werkreihe Loplop präsentiert aus den 1930er Jahren. mini|Max Ernst im Brühler Schlosspark, 1909 Nach dem Abitur in Brühl studierte er von 1910 bis 1914 an der Universität Bonn zunächst Altphilologie, Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte. Philosophen, die der Student Ernst schätzte, waren Novalis, Hegel und die „großen Kritiker des eindimensional gewordenen Denkens des 19. Jahrhunderts, Max Stirner und Friedrich Nietzsche“.Diether Rudloff: Unvollendete Schöpfung. Künstler im zwanzigsten Jahrhundert. Urachhaus, Stuttgart 1982, S. 107. Durch das Studium der Psychologie kam er mit den Schriften Sigmund Freuds in Berührung und beschäftigte sich mit der Kunst der Geisteskranken.

Max Ernst besuchte oft das Museum in Köln und interessierte sich für die flämischen Meister Hieronymus Bosch und Pieter Bruegel sowie für die deutsche Romantik, besonders für Caspar David Friedrich. Aus dem Jahr 1909 sind zwei Landschaften erhalten, die seine Bewunderung für Vincent van Gogh zeigen. 1911 befreundete er sich mit August Macke und beschloss im folgenden Jahr, ermutigt durch die Anerkennung und Förderung durch Mackes Freundeskreis, als Autodidakt Maler zu werden.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 18–20.

Erste Erfolge als Künstler Seine erste Ausstellung hatte Max Ernst 1912 in der Galerie Feldmann in Köln. Auf der Internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler zu Cöln im selben Jahr sah er Werke bedeutender Künstler wie Paul Cézanne, Pablo Picasso, Henri Matisse und Edvard Munch.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 22.

1912/1913 schrieb Max Ernst Kunst- und Theaterkritiken für den Bonner Volksmund und beteiligte sich 1913 an der Ausstellung Rheinische Expressionisten in Bonn. Während einer Reise nach Paris im selben Jahr lernte er Guillaume Apollinaire und Robert Delaunay kennen sowie 1914 Hans Arp, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Ebenfalls 1913 war Max Ernst mit zwei Werken (Nr. 129: Sturm; Nr. 130: Promenade) am Ersten Deutschen Herbstsalon in der Berliner Galerie „Der Sturm“ von Herwarth Walden vertreten, in dessen Galerie im März 1916 eine zweite Ausstellung seiner Werke stattfand, 1917 folgte die ebenfalls von Walden organisierte Ausstellung in der Zürcher „Galerie Dada“.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 21–22, 30–31.

Einsatz im Ersten Weltkrieg mini|hochkant|Hanns Bolz: Louise Straus-Ernst, vor 1918

Von August 1914 bis November 1918 war Ernst im Ersten Weltkrieg in Frankreich und Polen im Einsatz. 1918 wurde er gegen seinen Willen zum Leutnant befördert. Am 7. Oktober 1918, kurz vor dem Ende des Kriegs, heiratete er in einer Kriegstrauung seine Studienfreundin, die promovierte Kunsthistorikerin Luise Straus, die Tochter des jüdischen Hutfabrikanten Jacob Straus, in Köln. Der gemeinsame Sohn Hans-Ulrich, der später unter dem Namen Jimmy Ernst in den USA als surrealistischer Maler bekannt wurde, kam 1920 zur Welt.Luise Straus, rheinische-geschichte.lvr.de, abgerufen am 10. Mai 2012. Die Rückkehr aus dem Krieg empfand er als Wiedergeburt:

Dada und Surrealismus in Köln und Paris Gründung der Kölner Dada-Gruppe mini|hochkant|Titelblatt von Der Ventilator, Köln 1919

Angeekelt von der „großen Schweinerei dieses blödsinnigen Krieges“,Ludger Derenthal: Dada, die Toten und die Überlebenden des Ersten Weltkriegs, zeitenblicke.de, abgerufen am 12. Juni 2012. gründete Max Ernst 1919 mit dem selbst erfundenen Beinamen „minimax dadamax“ gemeinsam mit Johannes Theodor Baargeld, dem „Zentrodada“, und Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe, an der seine Ehefrau Luise Straus-Ernst beteiligt war. Bereits im Februar und März des Jahres waren nach einer Doppelnummer fünf weitere Ausgaben der Wochenschrift Der Ventilator, herausgegeben von Baargeld unter Mitarbeit von Max Ernst, erschienen. Weitere Ausgaben wurden verboten.Jürgen Pech: , inbruehl.com, abgerufen am 26. Mai 2013.

Im Sommer 1919 fuhr Ernst zusammen mit Baargeld nach München und besuchte dort Paul Klee. In der Münchner Buch- und Kunsthandlung von Hans Goltz entdeckte er in der Zeitschrift Valori Plastici Werke von Giorgio de Chirico, die ihn so sehr beeindruckten, dass er die Grafik-Mappe Fiat modes – pereat ars mit den Mitteln einer finanziellen Unterstützung für arbeitslose Künstler in Heinrich Hoerles Schloemilch-Verlag herausbrachte. Ebenfalls 1919 wurde in Düsseldorf die Künstlervereinigung Das Junge Rheinland gegründet, zu deren Mitgliedern er zählte. Ihr Mittelpunkt war die Galerie von Johanna Ey, die das Werk von Ernst durch Ausstellungen unterstützte. Im November des Jahres fand eine Ausstellung der Dadaisten in den Räumen des Kölnischen Kunstvereins statt, die von der britischen Militärregierung, unter der das Rheinland nach dem Ersten Weltkrieg stand, geschlossen wurde.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 32–39, 163.Cologneweb, cologneweb.com, abgerufen am 27. April 2012.

mini|Freunde von Max Ernst vor der Ausstellung in der Pariser Galerie Au Sans Pareil, 1921. Auf der Leiter mit Fahrrad steht Philippe Soupault, kopfüber hängend Jacques Rigaut, rechts auf der Leiter André Breton. 1920 wurde die „Zentrale W/3“ gegründet, die „Weststupidien 3“ waren Arp, Baargeld und Ernst, die im Februar die Zeitschrift die schammade.(dilettanten erhebt euch!) veröffentlichten. Zu den französischen Mitarbeitern gehörten André Breton, Paul Éluard und Louis Aragon. Die zweite Kölner Dada-Ausstellung wurde im April 1920 unter dem Titel Dada-Vorfrühling im Brauhaus Winter gezeigt.Dada-Vorfühling, lib.uiowa.edu, abgerufen am 19. April 2012. Gemeinsam mit Hans Arp schuf er hierfür die Collages collectifs, scherzhaft Fatagaga (Fabrication de tableaux garantis gazometriques) genannt. Die Ausstellung erregte Unmut in der Öffentlichkeit, wurde zeitweise von der Polizei geschlossen und führte zum Bruch mit Ernsts Vater. Ab Ende Juni 1920 war der Künstler wie auch Baargeld mit Werken an der Ersten Internationalen Dada-Messe in Berlin vertreten. Ein Jahr später traf er sich während eines Urlaubs in Tarrenz, Tirol, unter anderem mit Tristan Tzara, Hans Arp, Sophie Taeuber und André Breton. Auf Einladung Bretons hatte er im Mai/Juni 1921 eine erste Ausstellung in der Pariser Galerie Au Sans Pareil, auf der er jedoch nicht anwesend war. Der Katalog verzeichnete unter anderem die Collage Der Hut macht den Mann. Im Herbst 1921 waren der Schriftsteller Paul Éluard und seine Frau Gala für eine Woche bei Max Ernst in Köln zu Gast. Éluard erwarb von ihm spontan die frühsurrealistischen Gemälde Celebes und Oedipus Rex.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 41–45, 160.

Umzug nach Paris mini|hochkant|Das Wohnhaus der Éluards in Eaubonne Im August 1922 zog der Künstler nach einem zweiten Aufenthalt in Tarrenz endgültig nach Paris und verließ seine Familie. Éluard hatte ihm seinen eigenen Pass geschickt, da Ernst kein Visum bekommen hatte,Uwe M. Schneede: Die Kunst des Surrealismus: Malerei, Skulptur, Dichtung, Fotografie, Film. S. 36. und Max Ernst wohnte beim Ehepaar Éluard. Fast zwei Jahre lang musste er Gelegenheitsarbeiten verrichten, da er von seiner Malerei nicht leben konnte. Sein Werk Das Rendezvous der Freunde aus dem Jahr 1922 wurde im folgenden Jahr im „Salon des Indépendants“ präsentiert. 1923 zog das Ehepaar Éluard in ein Haus in Eaubonne nahe Paris, wo Ernst einen Zyklus von 15 Bildern mit grotesken Fabelwesen und paradiesischen Gärten an die Türen malte. Sie wurden von den Nachbewohnern überklebt, 1969 wiederentdeckt, vom Künstler selbst restauriert und auf Leinwand übertragen. Darunter befand sich das Wandbild Beim ersten klaren Wort, das heute zur Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen gehört.Max Ernst, Ausstellung bei der Fondation Beyeler. Ernst hatte sich in Gala verliebt und Éluard, der die Liaison zunächst geduldet hatte, entfloh der ménage à trois 1924 nach Saigon. Gala und Max Ernst folgten ihm. Das Geld für die Reise stellte er durch Verkäufe seiner Pariser Bilder an Johanna Ey sicher. Während die Éluards nach Paris zurückkehrten, trat Ernst erst drei Monate später die Rückreise an.Lothar Fischer: Max Ernst. Rowohlt, Reinbek 1979, S. 58–63, 67, 160.Werner Spies: Max Ernst. Leben und Werk. DuMont, Köln 2005, S. 97. Gala heiratete später Salvador Dalí.

mini|links|hochkant=0.6|André Breton, 1924